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Pro und Kontra zum "Reiki-Meister-Begriff"

Während einige, die Reiki-Seminare geben, sich »Reiki-Lehrer« nennen, bezeichnen andere sich als »Reiki-Meister«. Weit verbreitet ist auch der Begriff »Reiki-Meister/-Lehrer«, der beide Begriffe in einem zusammenfasst. Das Durcheinander der Begriffe hat Methode: Während in der Tradition nach Hawayo Takata ein »Reiki-Meister« zugleich auch »Reiki-Lehrer« ist (und dies insofern nicht weiter betont werden muss), gibt es andere Richtungen, in denen der 3. Grad in den »Meistergrad« und den »Lehrergrad« unterteilt ist. Dabei heißt »Meister« in der Regel, dass der Betreffende die Meistereinweihung erhalten hat, während »Lehrer« meint, dass die Person Reiki auch lehrt. Einige verzichten auch darauf, sich »Reiki-Meister« zu nennen, und verwenden aus freier Entscheidung lieber den Begriff »Reiki-Lehrer«, wie z. B. Barbara Simonsohn. Für andere wiederum steht die Verwendung des Begriffes »Reiki-Meister« außer Frage, wie z. B. für Fokke Brink. Im Folgenden nun zwei Texte dieser beiden Persönlichkeiten der Reiki-Szene, die die Thematik von unterschiedlichen Seiten her beleuchten.

 

Warum ich mich »Reiki-Lehrerin« nenne, und nicht »Reiki-Meisterin«


Von Barbara Simonsohn

Neulich kam eine Frau zu meinem Reiki-Gruppenbehandlungstreffen. Da ich sie nicht kannte, bot ich ihr eine Kurzeinstimmung an. Entrüstet wies sie mein Anliegen von sich: »Ich bin doch Reiki-Meisterin.« Beim Händeschütteln waren ihre Hände feucht vor Aufregung, sie konnte keinen Blickkontakt halten und hatte ein nervöses Zucken um die Mundwinkeln. Meisterin? Wovon? Ich denke, wir können froh sein, »Meister(in)« unseres eigenen Lebens zu sein! Einen »meisterlichen« Eindruck machte diese Frau nicht auf mich, was immer das sei.

Von Anfang an hieß es in der deutschsprachigen Reiki-Szene, so meine Erinnerung, dass wir den Meisterbegriff nur im Zusammenhang mit Reiki verwenden, weil das in Japan so Tradition sei. Und schließlich handele es sich um ein traditionelles Energiesystem, an dem wir nicht einfach etwas ändern könnten. Ich schluckte diese »Kröte«, obwohl mir nicht wohl dabei war. Bis Arjava Petter dann die Wahrheit ans Licht brachte: In Japan, von woher Frau Takata das Wissen in den Westen brachte, gibt es den Begriff »Meister« gar nicht im Zusammenhang mit Reiki, geschweige denn den Begriff »Großmeister«.

Ich versuche, in meinen Reiki-Kursen auch »nüchterne« Menschen anzusprechen, wie Manager oder Ingenieure, die nicht sowieso schon bewusst auf dem spirituellen Weg sind. So habe ich schon mehrere Manager-Reiki-Kurse gegeben. Wenn ich mich den Firmen gegenüber als »Reiki-Meisterin« vorgestellt hätte, wären diese Seminare mit Sicherheit gar nicht zustande gekommen. In Wirtschaftskreisen geht es nämlich ziemlich nüchtern zu, und wenn man die Sprache von Managern nicht spricht - ich habe Volkswirtschaft studiert -, hat man dort schlechte Karten. Mein Ziel als Reiki-Lehrerin ist es, möglichst viele Menschen anzusprechen, und nicht nur diejenigen, die schon mit allen möglichen spirituellen Wassern gewaschen sind. Ob die dann noch eine weitere Technik wie Reiki lernen oder nicht, macht keinen großen Unterschied. Ich möchte auch Menschen für Reiki begeistern, die von Spiritualität gar keine Ahnung haben.

Auch meinen Seminarteilnehmern sage ich: »Wer einen Meistertitel möchte, ist in meinen Seminaren fehl am Platze. Ich finde, jeder kann froh sein, Meister seines eigenen Lebens zu werden.« Der »Meisterbegriff« lädt gerade dazu ein, sein Ego aufzublähen. Es gibt Reiki-»Schüler«, die ihren »Meister« devot verehren und anbeten. Das finde ich voll »am Thema vorbei«. Durch Reiki kommen wir immer mehr in Kontakt mit dem eigenen inneren Meister, unserem höheren Selbst, oder unserer göttlichen Natur. Und zwar jeder, schon vom 1. Grad an. Durch Reiki werden wir gerade unabhängig von äußeren Autoritäten, von Gurus und Meistern, weil wir erkennen, wer wir wirklich sind: Kinder Gottes, und dank Reiki leben wir unsere Göttlichkeit immer mehr. Um es mit Neale Donald Walsch zu sagen: »Erinnere dich, jeden Augenblick, an die großartigste Version der größten Vision, die du jemals von dir hattest.«1

Ich kenne viele Menschen, die gar keinen Reiki-Grad haben oder »nur« den ersten, und die mehr bedingungslose Liebe und Licht ausstrahlen als so mancher »Reiki-Meister«. Alle Erleuchteten sagen uns, dass die schwierigste und letzte Lektion auf unserem spirituellen Weg die Demut ist. Der »Meister«-Titel stellt eine starke Versuchung dar, sein Ego aufzublähen und sich als etwas Besonderes zu fühlen. Das finde ich fatal.

Das Fische-Zeitalter war das Zeitalter des Glaubens, das Zeitalter der Meister und Gurus, von Jesus über Maharishi Mahesh Yogi bis Bhagwan bzw. Osho. Dieses Zeitalter ist vorbei. Das Wassermann-Zeitalter ist das Zeitalter des »Wissens« und der »Weisheit«. Der Wasserträger schüttet ein Füllhorn mit Wasser - als Symbol von Weisheit - über die ganze Welt aus. Das heißt: Jeder wird im Wassermannzeitalter teilhaben an der Weisheit und die Antwort auf jede Frage, die ihn bewegt, in sich finden. Hierfür ist Reiki für mich ein hervorragender Weg, weil diese Technik so einfach und so wirksam ist.

Das Neue Zeitalter wird ein Zeitalter des kosmischen oder Einheitsbewusstseins sein. Nur mit diesem Bewusstsein - dass wir in unserer Essenz alle eins sind - werden wir uns als Brüder und Schwestern verhalten, keine Kriege mehr führen und die Umwelt nicht mehr vergiften. Der Begriff »Reiki-Meister« schafft, so denke ich, stattdessen Distanz und Abgrenzung, Komplexe und Überheblichkeit. Mein Ehrgeiz ist es, eine sehr gute Reiki-Lehrerin zu sein. Wenn ich wirkliche Meisterschaft im Sinne von Erleuchtung erlangt habe, sind mir ohnehin Titel herzlich egal. Und weil ich das weiß, kann ich ja auch jetzt schon anfangen, mit Verzicht auf diesen Titel Demut zu üben.

Walter Russel, der wahrscheinlich nie mit Reiki in Berührung gekommen ist, schreibt zum Thema Meisterschaft: »Meisterschaft ist, das Leben als meisterhafter Deuter des Lichtes zu leben. Wenn ich Meister sein will, ist meine Lebensphilosophie: `Ich erblicke in allen Dingen Schönheit und Güte.'«2 In diesem Sinne wünsche ich der Welt viele »Meister«, ob mit oder ohne Reiki-Grad.


1 aus: Neale Donald Walsch, »Gespräche mit Gott Band I«, Goldmann-Taschenbuch
2 aus: Glenn Clark, »Walter Russel - Vielfalt im Einklang«, Genius-Verlag



Barbara Simonsohn hat ein Universitätsdiplom in Sozialwissenschaften und lebt mit ihren beiden Kindern - Freya, 9 und Michael, 15 -, ihren beiden Katzen und mit großem Bio-Garten in Hamburg. Sie besitzt alle sieben Grade des »authentischen Reiki« und bildet in allen diesen Graden aus. Sie ist engagiert in verschiedenen sozialen Projekten sowie als Buchautorin bekannt. Zu ihren erfolgreichsten Büchern gehören »Die Fünf 'Tibeter' mit Kindern« sowie »Das authentische Reiki« (Goldmann-TB).

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Meister im Usui-System oder Lehrer im Usui-System?


Von Fokke Brink


Ich komme aus der Linie des Usui-Systems, wo es den 1. Grad, den 2. Grad und den Meister-Grad gibt.
Was bedeutet das Wort Meister eigentlich? Wer ist Meister oder kann sich Meister nennen, oder wird Meister genannt? In den alten Traditionen des Ostens wurden Menschen Meister oder Mystiker, wenn sie erleuchtet wurden. Der Unterschied zwischen Mystiker und Meister war, dass der Mystiker die Süße der Blüte kannte, aber dies für sich behalten hat, während der Meister die Süße der Blüte durch die edle Kunst der Worte zum Ausdruck bringen konnte.
Viele Suchende fanden den Meister und folgten ihm als seine Schüler, denn er hatte die Aufgabe, durch Worte seine innere Weisheit weiterzugeben, das, was wir als »unterrichten« bezeichnen.

Ein Meister musste erst selbst die Blume geworden sein, bevor er sie weitertragen konnte. Er musste das Erlernte gelebt und es zur Reife gebracht haben. Sobald er die Blume geworden war, konnte er nicht mehr schweigen und musste darüber reden, im Gegensatz zu dem Mystiker, der nicht das Bedürfnis hatte, sich zu äußern oder zu unterrichten. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen beiden.
Ein Meister ist nicht jemand, der auf dem Weg ist, um etwas zu meistern, er hat etwas gemeistert. Ein Meister hat das Erlernte geprüft, gelebt und mit seinem ganzen Sein vereinigt. Darum ist er imstande, das, was er ist, weiterzugeben.

Der Begriff Lehrer kommt aus einer ganz anderen Welt als aus der Spirituellen.
Er kommt aus dem Bereich der Wissensvermittlung und der Pädagogik und nicht aus einer spirituellen Disziplin. Spirituelle »Lehrer« sind Meister und Meister sind Lehrer. Es wäre gut denkbar, dass ein Lehrer »Wissen« weitergibt, ohne Meister zu sein, jedoch ist es unmöglich, Meister ohne gleichzeitig Lehrer zu sein, auch dann nicht, wenn man nicht unterrichtet. Der eigentliche Unterricht ist nicht der Schwerpunkt in der Meisterschaft, Meister und Lehrer sind untrennbar.

In den alten Traditionen unterstützten die erfahreneren Schüler den Meister in dessen Unterricht, wenn dieser zu viele Schüler zu betreuen hatte. Erst wenn der alte Meister gestorben war, wurden diese Schüler »Meister« genannt.

In Reiki haben wir zunächst den 1. Grad. Dieser ist zu vergleichen mit dem Säen einer Pflanze, für die man sorgen muss, damit sie wachsen kann und aus dem Samen eine Pflanze wird. Der 2. Grad ist das Entfalten der Blume. Die Meisterschaft ist dann, den Samen weiterzutragen, damit es anderen ermöglicht wird, den gleichen Weg zu gehen und zur Entfaltung zu kommen.

Der 1. Grad heißt daher auch Sho-Den, der primäre Unterricht (Primary Teaching). Der 2. Grad heißt Oku-Den, der tiefste oder letzte Unterricht (Profound or Final Teaching). Der Meistergrad heißt Shin-Pe-Den, der Unterricht des Mysteriums (Mystery Teaching).

Es gibt in Reiki keinen Unterricht, der auf Wissen oder Lernen begründet ist, so wie wir es im Westen kennen. Reiki ist eine spirituelle Disziplin, worin das »es sein« und das »es leben« wichtig sind. Nicht das »es wissen« oder »es lernen«. Alles was in Reiki mit »Lehren« zu tun hat, kann in ein oder zwei Tagen gelernt werden, darum geht es nicht! Es geht darum, unser Leben zu meistern durch den Weg, den Mikao Usui Sensei uns zeigte. Mit dem 2. Reiki-Grad können wir unser persönliches Leben total meistern. Wenn wir dann weiter gehen wollen und es austragen möchten zu anderen Schülern, dann können wir den nächsten Schritt tun und den Meistertitel annehmen. Dieser beinhaltet dann auch das Unterrichten. Ohne Unterricht brauchen wir keinen Meistertitel.

Es gibt nichts, das uns für unser persönliches Leben mehr bietet, als der vertiefende Schritt des 2. Grades.
Alles was wir im Meisterteil lernen, wird ausschließlich für die Einweihungen gebraucht. Nichts davon ist bestimmt für »weiteres persönliches Wachstum«.
Das weitere Wachsen geschieht durch die direkte Konfrontation mit den Schülern, die von uns begleitet werden. Das ist der tiefere Weg des Meisters in seinem Leben.

Die Trennung des Meistergrades in »A« und »B« (also in Meistergrad und Lehrergrad) begann mit Barbara Ray, nach dem Tode von Hawayo Takata. Hiermit unterschied sie sich von den anderen Meistern, die von Takata eingeweiht worden waren. Durch die Änderung des Namens ihrer Disziplin in »Radiance Technik« machte Barbara Ray deutlich, dass ihr System vom dem Usui-System der Natürlichen Heilung abwich. Auch in Japan war es üblich, bei vorgenommenen Änderungen, aus Respekt gegenüber dem Lehrer, den Namen des Systems zu ändern.

In unserer Zeit wird oft diese Trennung zwischen »A« und »B« gemacht. So machen viele den »Meistergrad A«, nicht um wirklicher Meister zu werden, sondern um als Schüler tiefer mit Reiki zu gehen. Da es keinen offiziellen Schritt nach dem 2. Grad gibt, wünschen sich viele, den Meisterweg zu gehen um weiterzulernen. Wenn aber das tiefere Wissen des 2. Grades wirklich verstanden wird, ist ein weiterer »Grad« in Reiki nicht notwendig. Darum beinhaltet für mich der Meistertitel nur den »unterrichtenden« Meister.



Fokke Brink, 58 Jahre alt, geboren in Holland, begegnete dort 1984 Reiki. Im Jahr 1987 wurde er von Phyllis Lei Furumoto als Meister in die Usui Disziplin eingeweiht. Seither unterrichtet er weltweit, gibt weiterbildende und vertiefende Workshops, besondere Symbole-Workshops für Meister und Schüler aller Richtungen. Aus dem tiefen Schatz seiner Erfahrungen, verbunden mit seiner künstlerischen Ader, entwirft und gestaltet er japanische Stempel und gibt Kalligraphie-Unterricht. Er lebt in Griechenland und empfängt dort in Niki Tianika Menschen für spezielle Retreats.

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