Reiki und Schulmedizin - ein integrativer Ansatz

Reiki-Meister und -Lehrer Norbert Lindner berichtet in einem Interview über die Integration von Reiki und die starke Nachfrage nach den natürlichen Heilmethoden.


In vielen europäischen Ländern nimmt die Zusammenarbeit der Energie-Medizin mit der Schulmedizin zu. In den USA gibt es bereits mehr als 100 Krankenhäuser, in denen Reiki angeboten wird. Nun nimmt die Zusammenarbeit zwischen Reiki und der Schulmedizin auch in Deutschland erste Formen an. Oliver Klatt interviewte den Reiki-Meister und -Lehrer Norbert Lindner, der an der St. Hedwig-Klinik in Berlin mit Reiki arbeitet.


Nobert Lindner

Reiki Magazin: Norbert, du gibst Reiki-Sitzungen und Reiki-Seminare in der Abteilung für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin an der St. Hedwig-Klinik in Berlin-Mitte, einem Lehrkrankenhaus der Charité. Kannst du etwas zu der Klinik sagen? Wie sieht deine Arbeit dort aus?


Norbert Lindner: Das St. Hedwig-Krankenhaus wurde 1846 gegründet und steht in der katholischen Trägerschaft der Alexianer-Brüder. Es verfügt über alle gängigen Abteilungen wie Innere Medizin, Chirurgie, Urologie, Psychiatrie, Anästhesie und Intensivmedizin. Gleichzeitig hat man sich dort zur Aufgabe gemacht, auch die natürlichen Heilmethoden in das Angebot mit aufzunehmen. So wurde im September 2001 die Klinik für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin ins Leben gerufen, mit dem Zentrum für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin als ambulantem Bereich. Dort kooperiert man direkt mit dem »Institute of Acupuncture and Moxibustion« in Peking. Die Traditionelle Chinesische Medizin umfasst Akupunktur, Qi Gong, Kräuterheilkunde, chinesische Diätetik und die Tuina-Massage. Alle Behandlungsformen zielen darauf ab, die Ausgeglichenheit des Qi im Körper wiederherzustellen. In der Abteilung findet vor allem die Akupunktur ihre Anwendung. Die therapierten Erkrankungen reichen von Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden über Ohrgeräusche, Augenerkrankungen und MS bis hin zu Asthma, Allergien und Hauterkrankungen. Je nach Dauer und Schwere des Krankheitsbildes werden unterschiedlich lange Behandlungsserien angewendet, u. a. mit Methoden der Akupunktur, unterstützt von Reiki.
Ich selbst arbeite seit November 2001 mit den beiden Chefärzten der Abteilung zusammen. Reiki wurde in das Behandlungskonzept mit aufgenommen, um den hier betreuten Menschen die Möglichkeit zu geben, eine Entspannungsmethode zu erlernen, die einfach und leicht verständlich ist. Dabei ist unsere Zusammenarbeit nicht nur für die Patienten interessant, sondern ebenso für das gesamte Team. Da ich direkt in die Abteilung eingebunden bin, können mich die fünf im Institut arbeitenden Ärzte bei Bedarf dem Patienten vorstellen. Dann bringe ich in einem persönlichen, ungefähr halbstündigen Gespräch dem Patienten das Reiki näher. Um jedem Patienten die Gelegenheit zu geben, Reiki einmal zu spüren, halte ich in einer kurzen Demonstration meine Hände über sein Gesicht. Die Faszination des Einzelnen ist immer deutlich zu sehen. Viele verspüren ein leichtes Strömen durch den Körper und fühlen sich angenehm berührt. Oftmals greifen die Menschen nach meinen Händen und wundern sich dann, warum diese nicht so heiß sind, wie sie es auf ihrem Gesicht empfinden.
Uns geht es in der Klinik vor allem darum, den Menschen zu zeigen, dass sie diese Heilmethode selbst erlernen können. Dazu biete ich jede zweite Woche Reiki-Seminare in der TCM-Abteilung an. Da die St.Hedwig-Klinik ein Lehrkrankenhaus der Charité ist, besteht auch die Möglichkeit, Medizinstudenten und Ärzte in Vorlesungen mit den natürlichen Heilungsmethoden vertraut zu machen. Zudem halten die Chefärzte auch Vorlesungen an der Charité.

Reiki Magazin: Wie vielen Leuten bringst du täglich Reiki näher? Ist die Nachfrage nach deinen Reiki-Seminaren groß?


Norbert Lindner: Es besteht ein sehr großes Interesse und eine starke Nachfrage nach den alternativen und natürlichen Heilungsmethoden und speziell nach Reiki. In die Klinik kommen viele Menschen, die schulmedizinisch austherapiert sind oder deren Krankheit eine psychosomatische Ursache hat. Viele Menschen leben heute noch mit der Einstellung: »Habe ich keine Schmerzen, bin ich gesund. Habe ich Schmerzen, nehme ich ein paar Tabletten, und alles ist wieder in Ordnung«. Wenn aber jemand körperliche Schmerzen hat, dann ist ja bereits über einen längeren Zeitraum hinweg eine energetische Unausgewogenheit vorhanden. Deshalb kann es nur von Vorteil sein, möglichst früh damit zu beginnen, etwas für sich zu tun. Wir müssen ja nur einmal in unseren Alltag schauen: Der energetische Anspruch, also der Stress und der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft, wird immer größer. Es wird aber nicht gelehrt, wie wir im Inneren diese verbrauchte Energie wieder auftanken können. An diesem Punkt können wir wunderbar mit Reiki ansetzen.

In der Ruhe liegt die Kraft


In dem Reiki-Seminar wird der energetische Fluss aktiviert. Der Reiki-Eingeweihte lernt, durch das Auflegen der Hände seinen eigenen »Akku« aufzuladen, sich mit Reiki auszugleichen und zur Ruhe zu kommen. Und in der Ruhe liegt die Kraft. Deshalb lege ich in meinen Seminaren den Schwerpunkt auf die Eigenbehandlung. So können sich die Seminarteilnehmer zunächst auf sich selbst konzentrieren und eigene Erfahrungen im Umgang mit der Energie gewinnen.
Das Feedback auf die Reiki-Seminare ist durchweg positiv: Viele Menschen berichten, dass sie sich ruhiger und ausgeglichener fühlen, trotz gleichbleibender Belastung im Alltag. Ein entscheidender Punkt für ihren Entschluss, ein Seminar zu besuchen, sei, dass es offiziell in einer Klinik angeboten wird. Somit erreiche ich mit Reiki viele Menschen, die sonst nicht damit in Kontakt kommen würden.

Reiki Magazin: Dann ist es also deine Motivation, anderen zu zeigen, wie sie sich selbst helfen können?


Norbert Lindner: Ja! Es ist heute wichtiger denn je, täglich sein energetisches Niveau zu stärken. Und es ist ja auch so einfach. Reiki kann jeder schnell erlernen. Dazu müssen wir nicht jahrelang trainieren oder die Schulbank drücken. In dem Seminar lernen die Teilnehmer, mit dieser Kraft umzugehen. Danach haben sie einen spürbaren energetischen Strom in ihren Händen, den sie auf ihren Körper übertragen können: dorthin, wo ein Defizit herrscht. Jede Person hat dann, ganz wörtlich, die Möglichkeit »in ihren eigenen Händen.« Es heißt doch auch so schön: »Wenn du dir helfen willst, dann hilf dir selbst.« Das bedeutet nicht, dass wir nie mehr zu einem Arzt gehen oder kein Medikament mehr nehmen sollen. Wir brauchen die Schulmedizin genauso wie vorher. Aber ein gemeinsamer, ganzheitlicher Ansatz ist gefragt. Wir helfen dem Menschen, wenn er körperliche Schwierigkeiten hat, und geben ihm darüber hinaus das Handwerkszeug mit, das er braucht, um seine Gesundheit zu erhalten. Und Gesundheit, das bedeutet mehr als nur die körperliche Ebene. Wir bestehen immerhin aus Körper, Geist und Seele.

Reiki Magazin: Norbert, wie bist du zu Reiki gekommen?


Norbert Lindner: Ich habe über eine ernsthafte Krankheit zu Reiki gefunden. Mit achtzehn Jahren bekam ich einen Tumor und dazu eine schwere Darmerkrankung. Nach zwölf Operationen wurde mir gesagt, meine Erkrankung sei psychosomatisch und man könne mir nicht mehr helfen. Ich bekam einen Schwerbehindertenausweis und sollte die Rente einreichen. Aber mit 22 Jahren in Rente gehen, das wollte ich nicht. Also machte ich mich auf die Suche nach der Ursache meiner Erkrankung und nach Lösungsansätzen, die andere Kulturen mir boten. Der Hauptansatzpunkt meiner Suche war dabei das Wort »psychosomatisch«; laut Duden eine Störung der Wechselbeziehung zwischen Körper und Seele. Da im rein körperlichen Bereich keine Hilfe mehr zu erwarten war, machte ich meine ersten Erfahrungen im seelischen Bereich mit Yoga und Tai Chi.

»Reiki hat mich geheilt!«


Ich war aber körperlich so geschwächt, dass ich die Übungen nicht wirklich ausführen konnte. Schließlich wurde mir ein Reiki-Lehrer empfohlen. Ich konnte anfangs nicht glauben, dass ich mit einem einzigen Seminar die Möglichkeit bekommen sollte, mir selbst zu helfen. Ich wurde aber eines besseren belehrt. Ich empfing den 1. Reiki-Grad und behandelte mich von da an regelmäßig. Es folgte der 2. Grad, um mit der Energie noch intensiver zu arbeiten. Heute bin ich von meiner damaligen Erkrankung völlig geheilt. Weil ich es am eigenen Leibe verspürt habe, kann ich wirklich sagen: »Reiki hat mir geholfen und mich geheilt!«
Ich begann dann, Freunden darüber zu berichten und fand in dem Lehren dieser Heilmethode einen großen Sinn in meinem Leben. Ich durfte zum Reiki-Lehrer ausbildet werden, und vor fünf Jahren ging ich dann mit meiner Familie nach Spanien. Dort baute ich ein Schulungs- und Behandlungszentrum für Reiki auf. Ich gab in Seminaren meine Erfahrungen weiter und hielt Informationsabende zu Reiki ab. Durch den Tourismus hatte ich Teilnehmer aus dem gesamten europäischen Raum. Es war interessant zu sehen, dass, egal welcher Nationalität die Menschen angehörten, Reiki immer auf die gleiche Weise wirkte. Für jeden seiner Persönlichkeit gemäß.

Reiki Magazin: Und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der St. Hedwig-Klinik?


Norbert Lindner: Durch eine Teilnehmerin in einem meiner Seminare lernte ich einen Arzt kennen, der jetzt einer der beiden Chefärzte dort ist. Nachdem er Reiki selbst erfahren hatte, fand er, dass es eine wertvolle Ergänzung für den Bereich der Integrativen Medizin sei. Nach einem Erfahrungsaustausch und mehreren Treffen wurde mir dann angeboten, in der St. Hedwig-Klinik in Berlin mitzuarbeiten.

Reiki Magazin: Norbert, hast du eine Vision für die Zukunft, was die Arbeit mit Reiki in Verbindung mit der Schulmedizin, mit Krankenhäusern und Kliniken in ganz Deutschland angeht?


Norbert Lindner: Ich würde mich freuen, wenn das integrative Modell, wie es in den St. Hedwig-Kliniken praktiziert wird, auch Nachahmer in anderen Institutionen des deutschen Gesundheitswesens finden würde. Die Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin und den schulmedizinischen Chefärzten der Klinik, z. B. der Urologie, der Inneren Medizin, der Chirurgie und der Anästhesie könnte nicht besser sein. Die Krankenhausleitung unterstützt diese konstruktive Form der Zusammenarbeit mit aller Kraft. Bessere Voraussetzungen um gesund zu werden als in den St. Hedwig-Kliniken gibt es meiner Meinung nach in ganz Berlin nicht, weil hier höchste Kompetenz auf schulmedizinischem Bereich mit einer deutschlandweit einmaligen Einrichtung auf dem Gebiet der Chinesischen und Integrativen Medizin zusammenarbeitet. Übrigens haben wir hier am Standort die größte und ältesteste Urologische Klink der Stadt und eine der wenigen kompletten Inneren Kliniken in Deutschland, mit Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie und Onkologie unter einem Chefarzt.

Neues Modell der Zusammenarbeit


Wäre es nicht schön, wenn immer mehr Krankenhäuser hier wie auch im Ausland dieses Modell der Zusammenarbeit aufgreifen würden? Schon jetzt hospitieren bei uns Kollegen aus ganz Europa. Dann könnten sich schon bald immer mehr Menschen mit der Reiki-Energie selber helfen.

Reiki Magazin: Eine schöne Vision. Und wer weiß: Vielleicht wird sie schneller als erwartet Realität. Norbert, dir noch ganz viel Erfolg bei deiner Arbeit mit Reiki und vielen Dank für das Interview.