Reiki als begleitende Therapie im "Qualifizierten Drogenentzug"

Reiki an der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Warstein


Der Name Warstein hat einen guten Klang. Das liegt nicht allein an der abwechslungsreichen und grünen Landschaft dieser Stadt in Nordrhein-Westfalen mit fast 30.000 Einwohnern - auch das weltbekannte Warsteiner Bier sorgt dafür. Und es gibt noch etwas in Warstein, das einen besonders guten Klang in »Reiki-Ohren« haben dürfte: Reiki als begleitende Therapie des »Qualifizierten Drogenentzugs« der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (WKPP) Warstein.



Warstein
Foto: Archiv Margret Brosius

Vision und Umsetzung

Am Anfang stand die Vision von Margret Brosius, die hauptberuflich als Suchtfachpflegekraft im Qualifizierten Drogenentzug in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Warstein (WKPP) tätig ist.
Im Rahmen der zweieinhalbjährigen Weiterbildung »Zusatzqualifikation Sucht« hat sie eine Projektarbeit über Reiki geschrieben und diese dann engagiert Zug um Zug in die Praxis umgesetzt. Ihr Ziel: Reiki als einen festen Bestandteil in der »Qualifizierten stationären Akutbehandlung Drogenabhängiger« in den Wochenplan zu integrieren und damit Reiki aus dem Verborgenen und Geheimen zu einer Selbstverständlichkeit zu führen, die jedem Interessierten in der Klinik zur Verfügung steht.

Auf der einen Seite steht eine einzelne Frau mit Reiki, auf der anderen Seite ein gewaltiger Klinik-Komplex mit einem entsprechenden Verwaltungsapparat und Dienstweg. Margret Brosius gelang es, eine Brücke zu schlagen - mit Entschlossenheit, Mut, Engagement und vor allem Geduld und Ausdauer. Der »Brückenbau« dauerte rd. 18 Monate. Die einzelnen Schritte sahen wie folgt aus:

Zunächst führte Margret Vorgespräche mit der Betriebsleitung, der Pflegedienstleitung und dem Mitarbeiterteam. Dabei stieß sie anfangs auf die üblichen Widerstände wie Unwissenheit, Fehlinformationen und Vorurteile. Dazu Margret Brosius: »Das Team, in dem ich arbeite, ist sehr offen und neugierig. Massive Abwehr gab es nicht. Jedoch wurde ich zu Anfang etwas belächelt. Man fragte sich: "Was macht die denn da?" oder: "Hände-Auflegen, das soll was bewirken?" Dann kamen Sprüche wie: "Das hilft doch nur, weil die Patienten damit eine Extra-Portion Zuwendung bekommen." Für die meisten war aber ziemlich schnell klar, dass Reiki tatsächlich etwas bewirkt. Und schließlich erlebten die ursprünglich skeptischen Teammitglieder an ihren eigenen kleinen Wehwehchen, bei denen ich ihnen mit Reiki helfen konnte, wie Reiki wirkt.«

Der Startschuss

Neben den vielen Gesprächen über Reiki war es auch notwendig, schriftliche Kurzinformationen für das Mitarbeiterteam zu erstellen. Außerdem bot Margret Reiki-Behandlungen zum Kennen lernen an. Das war aber noch lange nicht alles, was sie an Vorarbeit zu leisten hatte.

Die folgende Phase umfasste wieder zahlreiche Gespräche mit der Betriebs- und Pflegedienstleitung hinsichtlich des konkreten Behandlungsablaufs, geeigneter Räumlichkeiten und darüber, in welcher Form Reiki angeboten werden solle, wie beispielsweise ärztliche Anordnung, Therapieplan, Dokumentation und Verlaufsberichte. Außerdem gab es Gespräche über die Gestaltung und das Anbieten von Reiki-Informationsgruppen als festen Bestandteil des Therapieplanes wie auch über die Ausarbeitung eines verständlichen Reiki-Informationsblattes für die Patienten.


Dann kam der Startschuss! Am 14. Mai 2001 war es endlich soweit. Seit diesem Tag wird Reiki auf der Station der Abteilung Suchtmedizin an fünf Wochentagen, eine Stunde täglich angeboten. Die Reikibehandlungen werden vom Arzt als Entspannungsmaßnahme angeordnet und sind somit für die Patienten, die auf dieser Station im Durchschnitt circa drei bis vier Wochen zur Entzugsbehandlung bleiben, ein Glied in derBehandlungskette.
Margret Brosius: »Wer glaubt, eine Stunde täglich sei nicht viel, täuscht sich. Unsere Patienten kommen mit einer Behandlungsdauer von 20 bis 30 Minuten aus, um eine deutliche Besserung oder auch gar keine Beschwerden mehr zu haben. Was gerade bei unseren Patienten positiv auffällt ist, dass sie die Reikibehandlungen eigen motiviert einfordern, obwohl sie sonst eher antriebsschwach sind.

"Die »richtige Station"

Neben den regelmäßigen Reikibehandlungen sind die Reiki-Informations-Gruppen ein fester Bestandteil des Reiki-Angebotes auf dieser Station. Seit Januar 2002 bietet Margret Brosius zudem in den Kliniken Warstein und Lippstadt auch Reiki-Seminare als Mitarbeiterfortbildung an. Die Kosten dafür werden von der Klinik getragen. Die Kurse können während der Dienstzeit stattfinden. So ist inzwischen die Zahl der Mitarbeiter, die regelmäßig Reikianwendungen geben, von anfänglich sechs auf nunmehr über zwanzig Personen gestiegen. Zum Glück, denn Reiki kommt bei den Patienten sehr gut an. Und die bekanntlich beste Werbung, die »Mundpropaganda«, sorgt weiterhin für regen Zulauf. Bemerkenswert ist, dass viele neue Patienten inzwischen bei der Aufnahme anfragen, ob sie auch auf der »richtigen Station« sind - dort wo Reiki angeboten wird.

Nach mehr als 20 Monaten Reikiarbeit auf der Station »Qualifizierte stationäre Akutbehandlung Drogenabhängiger« hat sich das Reikiangebot inzwischen auf weitere Stationen, nämlich »Behandlung von Patienten mit der Doppeldiagnose Sucht und Psychose« und »Qualifizierte Entzugsbehandlung drogenabhängiger Migranten« (= Einwanderer), ausweiten lassen. Die Patienten erhalten dort Reiki nach Bedarf verordnet. Es sind künftig auch hier weitere Maßnahmen geplant, Reiki als festen Bestandteil in das Therapieangebot zu integrieren.

Margret Brosius ist eine aktive Persönlichkeit, die sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruht. Neben ihrer Arbeit in der Klinik als Suchtfachpflegekraft sowie ihren Seminaren als Reiki-Meister/-Lehrerin lässt sie sich seit Oktober 2001 in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) ausbilden.
Im September 2001 wurde unter ihrer Mithilfe der gemeinnützige Verein »WOGE » gegründet, der sich für »Gesundheit und Wohlbefinden« einsetzt. In dem Verein, getragen von der WKPP, wird Hilfe zur Gesundheitsvorsorge durch fachlich kompetente individuelle Kurse angeboten. U. a. gibt es Seminare zu den folgenden Themen: Bewegungstraining, Entspannungsverfahren, Stressbewältigung, Naturheilverfahren, Ernährungslehre, Kommunikationstraining, Konfliktbewältigung und natürlich Reiki. Die Seminare sind für alle Interessierten offen, egal ob gesunde Menschen oder Patienten, die sich noch in ambulanter, teilstationärer oder in stationärer Behandlung befinden.

Übrigens: Die Station »Qualifizierter Drogenentzug«, auf der Margret Brosius arbeitet, trägt den Namen »Sprungbrett«. Wäre es nicht schön, wenn sie damit gleichsam ein Sprungbrett für zahlreiche weitere Initiativen im Bereich Reiki und Schulmedizin sein kann? Und hoffentlich auch ein Sprungbrett für eine immer breiter werdende Akzeptanz von Reiki in Kliniken und anderen schulmedizinischen Einrichtungen.

Text: Sylvia-Manuela Regler