Neue Impulse für die Schulmedizin

Seit 2007 praktiziert Florian Felkel Reiki im interdisziplinär arbeitenden Team um Prof. Dr. med. Gerhard Schaller im BCI (Breast Care Institute) in München. Verona Gerasch besuchte das Institut, das ein ganzheitliches Therapie-Konzept zur ­Betreuung von an Brustkrebs erkrankten Frauen anbietet, und berichtet von der Arbeit des Teams vorort.

„Wir sind da“, meint Florian Felkel fröhlich, macht sich vom Autogurt los und weist beim Aussteigen auf den Eingang. Ein großes Gebäude, zweckmäßig und klassisch-grau. Ein Krankenhaus. Das Schild am Eingang verweist auf die gynäko-onkologische Praxis in den Räumen des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in München-Nymphenburg. Hier gibt es Praxisräume, in denen medizinische und nichtmedizinische Leistungen, vor allem für Frauen mit der Diagnose Brustkrebs, erbracht werden. Florian Felkel geht voran, um mir seinen Arbeitsplatz als Reiki-Praktizierender in einem interdisziplinären Team zu zeigen.

Entspannte Atmosphäre

Natürlich bin ich etwas unruhig auf dem Weg in das Münchner „Breast Care Institut“ (BCI) und gespannt auf das, was mich erwarten wird. Weiße Räume einer klassischen Arztpraxis, die „nebenher“ ein wenig „Alternatives“ anbietet? Skeptisch betrete ich das Haus, gehe die wenigen Schritte durch den nüchtern wirkenden Flur auf den Eingang zum BCI zu. Die Flügeltür öffnet sich - und ich finde mich in einer völlig unerwarteten Welt wieder: warme Farben und Bilder an den Wänden, Holzfußböden, Korbmöbel und ein flauschiger Wollteppich im Warteraum.

Schon seit 2007 arbeitet Florian Felkel hier und gibt erkrankten Frauen Reiki, um sie in ihrem Heilungsprozess zu unterstützen. „Als ich hier anfing, standen überall noch Umzugskartons“, erzählt er. In der Zeitschrift ­„Misericordia“ hatte er ein Interview mit Prof. Dr. Schaller gelesen, der seine Pläne für einen ganzheitlichen Ansatz bei der Behandlung von Brustkrebs und anderen Krebserkrankungen von Frauen vorstellte. „Und da ich ja ohnehin hier im Haus arbeite, habe ich mich an den Professor gewandt mit der Frage, ob Reiki in sein ganzheitliches Konzept hinein passt.“ Bereits wenige Tage später fand ein erstes Gespräch statt - und von da an gehörte Florian Felkel zum Team des Professors.

Florian Felkel ist Reiki-Praktizierender mit Meistergrad. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er verschiedene Berufspraktika, zuletzt auch am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, und ist nun dort als technischer Sterilisationsassistent angestellt. Nebenberuflich hat er Ausbildungen in Usui, Imara- und Medicine Buddha Reiki wahrgenommen. In den Räumlichkeiten des BCI fühlt sich der sonst eher zurückhaltend wirkende junge Mann ganz offensichtlich wohl und zu Hause. Lebhaft und freundlich werden wir empfangen von der Arzthelferin Nadine Römer. Sie ist der erste und zentrale Anlaufpunkt für die Patientinnen. „Der Professor ist gleich für Sie da“, erklärt sie mir, und Florian lädt mich ein, vorab schon einmal die Räumlichkeiten anzuschauen. Der erste Eindruck bestätigt sich: Eine durchdachte, an den Gegebenheiten des Gebäudes und den Bedürfnissen von Behandlern wie Patienten orientierte Raumkonzeption, wohltuend belebende Farben, anregende Wandgestaltungen und am Ende des langen Flures ein riesiger Gong. Konzipiert und eingerichtet von der Potsdamer Feng Shui-Beraterin Andrea Schmidt, wie mir Prof. Schaller später erklärt.

Florian Felkel (links auf dem Bild, mit Nadine Römer) arbeitet als Technischer Sterilisationsassistent im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München-Nymphenburg. Nebenberuflich machte er Ausbildungen in Usui-, Imara und Medicine Buddha Reiki. Seit Mai 2007 bietet er Reiki-Behandlungen im Breast Care Institut München an.

Innere Zufriedenheit

Prof. Dr. Gerhard Schaller, Frauenarzt und Gynäko-Onkologe, ist der Leiter des Breast Care Instituts im Krankenhaus. Ausgebildet als klassischer Schulmediziner durchlief er eine typische Universitätskarriere bis hin zum eigenen Lehrstuhl mit Labor. „Ich war immer sehr naturwissenschaftlich interessiert“, erläutert er seinen Weg „und doch geschieht auch vieles, was man nicht rein naturwissenschaftlich-medizinisch erklären kann“. Aus seinem Interesse und seiner Aufgeschlossenheit gegenüber verschiedensten, auch „alternativen“ Heil- und Behandlungsmethoden heraus, entstand sein ganzheitlicher Ansatz, um Patientinnen nachhaltig zu helfen. „Auf der einen Seite steht die naturwissenschaftliche, medizinische Untersuchung der Patientinnen“, erklärt er. Nach eingehender und differenzierter Analyse zellulärer Untersuchungen könne man heute verschiedene Krebserkrankungen sehr zielgerichtet und wirkungsvoll behandeln. Dies schließe - je nach individueller Situa­tion der Erkrankten - die medikamentöse Behandlung als Option ebenso ein wie Operation oder Chemotherapie. Er vertrete jedoch neben der Anerkennung der Möglichkeiten der wissenschaftlichen Medizin voller Überzeugung die Grundphilosophie: „Gesund wird man durch ausgewogene Ernährung, durch Bewegung und innere Zufriedenheit“.

„Eine Krebserkrankung ist wie eine Pflanze, die ihre Samen verstreut, aber nur auf bestimmten Böden gedeiht“, zitiert Professor Schaller einen Wissenschaftler-Kollegen. „Es geht also darum, den ‚Boden‘ so zu gestalten bzw. umzugestalten, dass für Krebs eben kein Nährboden (mehr) vorhanden ist.“ Dieses „Umgestalten des Bodens“ sei ein oft langsamer und behutsamer Umstimmungsprozess, erklärt der Mediziner. Die meisten Frauen müssten erst einmal „in Bewegung kommen“, müssten neu lernen, sich selbst „er-leben“ zu können. „Im Lebensalltag mit den Anforderungen durch Beruf, Karriere, Partnerschaft und Familie ist vielen Patientinnen der lebendige und bewusste Bezug zur eigenen Persönlichkeit, zum eigenen Körper, zu individuellen Wünschen und Bedürfnissen regelrecht abhanden gekommen“, berichtet Prof. Schaller über seine Erfahrungen mit an Krebs erkrankten Frauen. Die meisten hätten für die Umwelt „normal funktioniert“ - und dann die schockierende Diagnose Krebs erhalten.

Tiefer innerer Prozess

„Viele, die hierher kommen, haben sich selbst regelrecht verloren“, bestätigt Florian Felkel aus eigener Wahrnehmung und Erfahrung. „Für fast alle ist es ein enormer Prozess, die hier angebotenen Therapien und Methoden erst einmal aushalten zu können.“ So berichtete ihm eine Patientin: „Am Anfang fiel es mir sehr schwer, unter den Therapie-, Behandlungs- und Beratungsangeboten überhaupt auszuwählen. Mit vielen Dingen konnte ich zunächst gar nichts anfangen. Von Reiki hatte ich zwar schon mal gehört, aber was da geschieht und wie man sich fühlt, konnte ich mir nicht vorstellen. Und eigentlich fühlte ich ja in mir nichts mehr, ich fühlte mich eher leer, wie abgestorben ... ich wollte auch gar nichts mehr fühlen. Schließlich empfand ich meinen Körper nach der OP als verstümmelt und unvollständig. Dann die Angst vor der Chemo. Auf Berührung konnte ich mich zuerst gar nicht einlassen, da hatte ich regelrechte Panik.“

Prof. Dr. Gerhard Schaller ist Frauenarzt und Gynäko-Onkologe. Seine medizinische Ausbildung erhielt er am Klinikum Westend der Freien Universität in Berlin und in der I. Frauenklinik der Ludwig-Maximilians Universität in München. Danach wurde er als Abteilungsleiter an das Klinikum Benjamin Franklin in Berlin berufen. Nach einem Au - fenthalt an der Harvard Medical School besetzte er zuletzt den Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 11. Mai 2007 leitet er eine gynäko-onkologische Praxis in den Räumen des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in München.

Eine andere Frau, die nach Brustkrebs u. a. Reiki-Sitzungen in Anspruch nahm, erzählt: „Ich dachte: Bei Reiki kann mir nichts passieren - besser als Psychotherapie, wo jemand in deinen Gefühlen und in deinem Leben rumstochert. Aber auch nachdem ich mich innerlich überwunden und mir fest vorgenommen hatte, mich zu entspannen, brauchte ich zwei, drei Reiki-Behandlungen, bevor ich mich tatsächlich darauf einlassen konnte. Als ich zum ersten Mal die tiefe Entspannung spürte und merkte, dass da etwas in mir ‚arbeitete‘, dass Bilder vor meinen Augen auftauchten, Erinnerungen an die Oberfläche kamen, da begannen mir die Tränen zu laufen - und ich weinte zum ersten Mal seit langer Zeit. Ich weinte so richtig tief aus meinem Innersten heraus und konnte zum ersten Mal seit vielen Jahren etwas von dem Schmerz, den Ängsten, der Verzweiflung, den weggedrückten Wünschen, der Wut, der Trauer ... ein klein wenig von all den angestauten Emotionen loslassen. Für mich war diese Reiki-Sitzung ein erster Schritt, um mich auch anderen Therapieangeboten zu öffnen. Und mir wurde bewusst, wie lange ich mich eigentlich gar nicht mehr gefühlt, sondern nur noch funktioniert hatte.“

Interdisziplinäres Team

Gerade weil es so wichtig ist, auf dem Weg der Genesung und Heilung die verschiedenen Ebenen des menschlichen Lebens anzusprechen, kommen im Münch­ner BCI zur klassischen Schulmedizin weitreichende andere Angebote für die Patientinnen hinzu: ­Eine Ernährungsberaterin informiert und trainiert bis hin zur praktischen Umsetzung in der Alltagsküche ganz speziell auf Basis der 5-Elemente-Lehre. Ergänzt wird dieser Ansatz durch einen erfahrenen und kompetenten Arzt, der Traditionelle Chinesische Medizin praktiziert. Dem Thema Bewegung wird vor allem durch das Angebot von Tanztherapie Rechnung getragen. Diese verbindet wichtige Grundelemente von Tanz, Gymnas­tik, Yoga, Tai Chi und Meditation und dient dem Training von Muskulatur und Gelenken ebenso wie dem Vermitteln von positivem Körperbewusstsein. Auch klassische Physiotherapie wird angeboten. Dem Erlangen der „inneren Zufriedenheit“, der dritten Säule des ganzheit­lichen Konzepts, dienen das psycho-onkologische Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen - und Reiki. „Erst alle Aspekte zusammen ergeben Ganzheitlichkeit“, macht Professor Schaller deutlich. Und so findet sich Florian Felkel als Reiki-Praktizierender gleichberechtigt in einem interdisziplinären Team, welches ganzheitlich für Patientinnen tätig wird.

Fest angestellt übrigens sind lediglich die Arzthelferinnen - alle anderen sind selbstständig tätig und halten, regelmäßig oder je nach Bedarf, ihre „Sprechstunden“ in der Praxis. „TCM beispielsweise ist eine so genannte IGel-Leistung* und wird wöchentlich an einem Tag angeboten. Für Tanztherapie, Ernährungsberatung und Reiki gelten feste Honorarsätze. Die Einnahmen werden nach einem bestimmten Schlüssel zwischen den Praktizierenden und der Praxis geteilt“, erklärt Prof. Schaller.

Hohe Akzeptanz

Die Akzeptanz der Praxis und der vielseitigen Angebote sei vor allem bei den Patienten selbst schnell gewachsen, berichtet er froh. „Ich habe den Eindruck, dass unser vielseitiges Team mit medizinischen, alternativtherapeutischen und beratenden Angeboten oft besser angenommen wird, als dies bei reinen Ärzte-Teams der Fall ist.“ Die meisten Patientinnen kämen auf Empfehlung. Doch auch Zuweisungen, beispielsweise durch anthroposophische Ärzte oder aufgrund des umfangreichen Zusatzprogramms gebe es zunehmend. „Sicherlich ist ein weiterer Grund für den wachsenden Erfolg unserer Praxis die beinahe familiäre Atmosphäre. Hier stehen an vorderster Stelle unserer Aktivitäten die individuellen Bedürfnisse, die konkreten Situationen unserer Patientinnen - eine Massenabfertigung gibt es bei uns nicht.“
Einen zweiten Standort hat das BCI übrigens in Friedberg, bei Augsburg.

 

*  IGel-Leistung = Individuelle Gesundheitsleistungen - darunter versteht man Leistungen der Vorsorge- und Service-Medizin, die von der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlt werden, da sie nicht zu deren Leistungskatalog gehören.


Zur Autorin: Verona Gerasch, Studium Journalismus an der Universität Leipzig. Praktiziert neben Journalismus und PR-Beratung geistiges Heilen, Lebensberatung und Business-Coaching. Autorin des Buches „Selbstständig im alternativen Gesundheits- und Beraterberuf. Berufung, Spiritualität & Business - Ein Leitfaden“ (Schirner Verlag)
Kontakt: www.verona-gerasch.de


Prof. Dr. Gerhard Schaller - Kontakt:
BCI - Breast Care Institute
D-80639 München, Romanstr. 93
Tel.: (089) 1787670-0
www.bci-online.de

Florian Felkel - Kontakt:
Florian G. Felkel
D-85354 Freising, Angerstr. 14
Tel.: (08161) 861314  od. 0177-7842046
www.darels-reiki.de