“Reiki wirkt!” - Mediziner behandelt Patienten mit Reiki

Ein Artikel von May Winter

Eine an der Universitätsklinik Köln gegründete Initiative für krebskranke Patienten trägt als Verein das psychoonkologische Zentrum Haus LebensWert, das organisatorisch in die Klinik I für Innere Medizin der Universität Köln eingebunden ist. Hier behandelt der Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie und Reiki-Meister Beda Kim Patienten mit Reiki.


Die Angebote im Haus LebensWert stehen allen Krebspatienten des Kölner Universitätsklinikums und der niedergelassenen Praxen der Kölner Region zur Verfügung. Ziel des 1998 gegründeten Vereins ist eine umfassende psychoonkologische Betreuung* an Krebs erkrankter Menschen. Reiki gehört hier zum festen stationären Angebot, so Geschäftsführer Uwe Schwarzkamp, es werde “intensiv genutzt” und ergänze die gesprächstherapeutischen Angebote sowie die Kunst-, Musik- und Sporttherapien im Haus LebensWert, welche übrigens in dieser Kombination in Deutschland und Europa einmalig sei. In diesem Zusammenhang wird Reiki von einem Schulmediziner angeboten, dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Beda Kim. Dieser behandelt regelmäßig an Krebs erkrankte Patienten, auf einer Station im Haus LebensWert, und dies mindestens einmal wöchentlich; alle zwei Wochen wird ein zusätzlicher Termin angeboten.

Beda Kim, in Deutschland aufgewachsener, gebürtiger Koreaner, lernte Reiki über einen Umweg kennen. Während einer Lebenskrise Mitte der 1990er Jahre, in der ihm das Wissen, das er aus seinem Medizinstudium bezog, nicht weiter half, reiste er nach Indien und lernte Meditation in den Headquarters von Brahma Kumaris. Dort kam ihm der Gedanke, ob es wohl möglich sei, den in der Meditation auftretenden Zustand, die Wahrnehmung von Schwingung und Entspannung, auch zu erfahren und weiterzugeben, ohne dass dazu eine bestimmte Form der Meditation mühsam gelernt und angewendet werden müsse. Dabei kam ihm die Idee, die Hände als Medium des Weitergebens zu verwenden. Eine Lehrerin in Indien warnte ihn jedoch davor, denn, so diese Lehrerin, “Behandlungen mit den Händen könnten zu interpersonellen Verstrickungen führen”.

Ausnahmesituation

So ließ Beda Kim seine Überlegungen zunächst ruhen. Zurück in Deutschland dachte er nicht weiter daran, bis er dann Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal von Reiki hörte. “Hey!” dachte er, “das ist ja genau das, was ich gesucht habe!” Doch erst gegen Ende seines Medizinstudiums, im Jahr 2001, ließ Beda Kim sich in den ersten Reiki-Grad einweihen. Während einer darauf folgenden Zeit in der Kardiologie des Uniklinikums Köln, noch als Student, machte Beda Kim einige “interessante Erfahrungen” mit Reiki. Eine an Diabetes mellitus leidende Frau kam mit Herzbeschwerden in die Notaufnahme. Die diagnostischen Befunde zeigten keinerlei Auffälligkeiten. Dennoch riet der leitende Arzt der Frau, noch eine Weile in der Notaufnahme zu bleiben und nicht gleich wieder zu gehen. Und tatsächlich: Einige Stunden später bekam die Frau einen Herzinfarkt mit lebensgefährlichem Herzrasen. Beda Kim: “Während alle sich um die Dame kümmerten, blickte sie mich an und sagte: ‚Mir ist so übel, Herr Kim, ist das normal?’ Erst wusste ich nicht, was ich sagen sollte, jedoch kam mir Reiki in den Sinn, und ich fragte sie, was sie gesagt habe, um etwas Zeit zu gewinnen. Nachdem sie dieselbe Frage nochmals gestellt hatte, kam meine Antwort ganz automatisch aus meinem Mund, ohne dass ich sie vorformuliert hätte, und ich hörte mich sagen: ‚Das geht gleich vorbei!’ Mit dem Gedanken an Reiki legte ich meine linke Hand auf ihre Schulter.” Kurz darauf war die Gefahr des Herzstillstandes gebannt, und nach einer Woche konnte die Patientin aus dem Krankenhaus entlassen werden. Zuvor kam sie noch zu Beda Kim und sagte ihm, dass sie deutlich gespürt habe, als er ihr die Hand auf die Schulter gelegt habe, wie eine Kraft zu ihr geflossen sei und wie sie dadurch ruhiger geworden sei. Weitere ähnliche Erlebnisse inspirierten den Schulmediziner, Reiki “systematisch und professionell” Patienten anbieten zu wollen.

Alles passt!

Just im Jahr 2001 hatte der Verein LebensWert ein eigenes Haus beziehen können, auf dem Gelände der Universitätsklinik Köln. Kollegen Beda Kims hörten davon und schlugen ihm vor, wenn er Reiki anbieten wolle, es dort zu versuchen. So meldete sich Beda Kim im Haus LebensWert und traf, zur rechten Zeit am richtigen Ort, den richtigen Menschen, der sein Anliegen verstand und unterstützte: eine Feldenkrais-Therapeutin, die Verständnis für energetische Phänomene und deren Wirkungen auf den Menschen mitbrachte. Seit sieben Jahren nun gehört Beda Kim mit seinem Reiki-Angebot zur festen psychoonkologischen Betreuung der Krebspatienten. Inzwischen wechselte er an das psychiatrische Evangelische Krankenhaus Gelsenkirchen. Der Krankenhaus-Direktor las in Beda Kims Bewerbung von dessen Reiki-Angebot im Haus LebensWert und stellte ihn ein, unter der Bedingung, dass er weiterhin dort Reiki anböte und gebe.

Auch für Uwe Schwarzkamp ist das Reiki-Angebot im Haus LebensWert unverzichtbar, denn: “Angst und Anspannung kann man mit Reiki brechen”, die Patienten entspannen, wobei die Schwerpunkte der Entspannung nicht nur auf der körperlichen Ebene liegen, sondern bis auf die spirituelle Ebene reichen können. Für Uwe Schwarzkamp ist klar: “Reiki hat auch eine spirituelle Ebene.” Die in der Klinik arbeitenden katholischen und evangelischen Seelsorger sähen Reiki “weniger als Konkurrenz, denn als Hilfe für die Patienten”, zumal es die Menschen für die spirituelle Dimension öffnen könne.

Reiki kommt an bei den Patienten; die Rückmeldungen beschreiben es als “wohltuend” und “entspannend”, auch haben Patienten “visuelle oder körperliche Erlebnisse”, weiß Beda Kim aus Gesprächen, die sich zuweilen nach den Behandlungen ergeben haben. Jemand habe Bilder gesehen, die ihm guttaten, wie in einer Diashow seien die vor seinem inneren Auge aufgetaucht. “Eine Patientin hielt sich an der Liege fest, weil sie das Gefühl hatte, zu schweben! Und eine andere ging ohne Kommentar, kam aber nach einem halben Jahr während eines weiteren Aufenthaltes zu mir und sagte, sie habe seit dieser einzigen Reiki-Behandlung keine Schlaftabletten mehr gebraucht!” Chemotherapien, für die Erkrankten sehr belastend, würden besser toleriert, weiß Beda Kim, und insgesamt könnten die mit Reiki begleiteten Patienten souveräner mit der “Situation” umgehen oder “besser durch sie hindurchgehen.” “Situation” sagt er, nicht: “Krankheit” - denn es sei eine Situation, in der sich die Menschen befänden.

Dissertation zu Reiki

Mittlerweile hat Beda Kim seine Facharztprüfung für Psychiatrie und Psychotherapie bestanden; für seine Dissertation (“Reiki und Angsterkrankungen”) hat er eine “aufwändige Studie” entwickelt, um die Wirkung von Reiki wissenschaftlich belegen zu können und bereits 30 Patienten in Gelsenkirchen befragen können, nach je insgesamt acht Reiki-Behandlungen, die über vier Wochen verteilt waren. Doch Beda Kim braucht noch die Ergebnisse von 30 weiteren Patienten, damit die Studie komplett ist.

Mit seinen Reiki-Behandlungen befindet Beda Kim sich auf der Linie des Hauses LebensWert. Das Ziel aller dortigen therapeutischen Arbeit ist, Krebspatienten sowohl seelisch als auch mental derart zu stärken, dass sie sich ihrer Krankheit stellen und lernen können, sie zu bewältigen.





Zur Autorin: May Winter praktiziert Reiki seit 1996; sie ist Diplom-Theologin und Journalistin. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


* Der Begriff Onkologie bezeichnet alle wissenschaftlichen Fachrichtungen, die sich mit Krebs befassen. Der Begriff Psychoonkologie bezieht sich daher auf das Themengebiet der seelischen Faktoren, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können und ihrer Folgen.
Vgl.: www.krebsinformationsdienst.de


Weitere Infos zum Haus LebensWert:
www.vereinlebenswert.de