Ausflug auf den Kurama-Berg

Während einer Japanreise machte die britische Reiki-Meisterin Jacqui Gayle mit einer Gruppe einen Ausflug auf den Kurama-Berg, bei Kyoto – an den Ort, wo Mikao Usui, wie es heißt, eine erleuchtende Erfahrung gehabt hat, die für das Usui-System des Reiki entscheidend war.

Am Morgen verließen wir das Hotel, um den Berg Kurama zu erkunden. Wir kamen mit dem Mini-Bus an und wurden von unserem Führer empfangen, Herrn Kitano, einem Jikiden-Reiki-Praktizierenden. Wir versammelten uns am Fuß des Berges, und ich versuchte mir vorzustellen, was wirklich passiert war, damals, im März 1922, als Usui sich hierher zurückzog.

Herr Kitano hatte verschiedene Reiki-Methoden studiert, einschließlich des westlichen Reiki. Er teilte uns seine Gedanken dazu mit, und sein Wissenstand erstaunte mich. Ich war völlig überrascht von ihm. Er sprach über viele Dinge. Einige hatten mit Reiki zu tun, andere nicht. An diesem Punkt hatte ich eine eigene kleine Erleuchtung: ein tiefes Gefühl dafür, was Reiki wirklich für mich bedeutet. Ich fühlte mich stolz, es zu praktizieren und Lehrerin der heilenden Kunst namens „Reiki" zu sein, stolz darauf, den Spuren von Mikao Usui folgen zu dürfen.

Heiliger Ort

Der Kurama-Berg ist 584 Meter hoch. Er ist ein sehr heiliger Ort, um ihn spinnen sich eine Menge Geschichten und Legenden. Viele Menschen aus aller Welt machen eine Pilgerfahrt zum Berg Kurama, um ihrer Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Er ist einer der magischsten Orte der Welt. Wir sahen wundervolle, riesige Bäume und eine Anlage namens Osugi Gongen, die sich links neben dem Fußweg befindet. Auf diesem Gelände befindet sich ein kleiner Tempel und eine Gruppe von Bänken samt vielen Bäumen. Es wird gesagt, dass dies der Platz sei, an dem Usui für 21 Tage meditiert hat.

Einige der Bäume auf dem Kurama-Berg sind über tausend Jahre alt, und manche Äste dieser Bäume sind richtig zusammengewachsen, sich verdrehend und ineinander windend. Wir hielten immer wieder an, auf dem Weg, um zu beten. Es gibt viele Schreine, Quellen und Wasserfälle. Wir erhielten Zugang zu Tempelbereichen, die Touristen normalerweise nicht zu sehen bekommen, und ich bin Herrn Kitano wirklich dankbar für diese Gelegenheit. Er zeigte uns, wie wir unsere Finger zu halten haben, wenn wir chanten, und wie wir uns einen raschen Energieschub geben können. Chanting bringt uns in direkten Kontakt mit unserer spirituellen Energie. Seit Tausenden von Jahren nutzen Menschen Mantras, um den Geist zu erheben und Zustände spirituellen Bewusstseins zu erlangen.

Buddhismus und Shinto sind die beiden Hauptreligionen in Japan. Auf dem Kurama-Berg gibt es eine Kombination buddhistischer und shintoistischer Gebäude. Ein Tempel ist ein buddhistisches Gebäude, und ein Schrein ist shintoistisch. Die Shinto-Schreine befinden sich typischerweise im Freien, mit einem Torii nahe der Anlage. Ein Torii ist eine Sitzstange für Vögel. Was die Tempel betrifft, die man besuchen kann, so wird man dort gebeten, die Schuhe auszuziehen. Die Japaner nehmen diese Anweisung sehr ernst. Die Schuhe müssen draußen auf den Beton gestellt werden, vom Gebäude wegzeigend. Besucher werden gebeten, innerhalb der Tempel keine Fotos zu machen.

Auf dem Gipfel

Einige Stunden später erreichten wir endlich den Gipfel des Kurama-Berges. Wir setzten uns hin, aßen etwas und nutzten die Gelegenheit, Fotos voneinander und miteinander zu machen. Die Energie auf dem Kurama-Berg ist ziemlich hoch, und es kann passieren, dass man regelrecht „breit" davon wird, wenn man nicht aufpasst. Ich entfernte mich von der Gruppe, stand einfach da, in die Bäume blickend, spürte die Energie und dankte dem Universum, dass es mir erlaubte, solche Wunder zu erfahren. Ich merkte, ganz überrascht, wie Tränen an meinem Gesicht herunterliefen, Tränen der Freude. (...)

Schließlich gingen wir zurück, die steilen Stufen hinab, immer wieder die herrlichen Ausblicke genießend; und ehe wir uns versahen, waren wir zurück auf der Hauptstraße von Kibune, wo wir eine Pause machten, um eine kleine Erfrischung zu uns zu nehmen und die Läden zu besuchen. Wir hatten einen 30-minütigen Weg hinunter zum Bahnhof, wo wir uns von Herrn Kitano verabschiedeten und ihm dafür dankten, dass er unser Führer gewesen war.

Heiße Quellen

Die Bahn brachte uns zurück, zum Fuß des Berges Katano und zum wartenden Mini-Bus, der uns zu einem traditionellen japanischen Ryokan beförderte, das einem Gästehaus vergleichbar ist. Das Gästehaus namens Onsen (das bedeutet: heiße Quelle) hat ein Heilbad, mit einer natürlichen Thermalquelle. Es ist eine Unterkunft im ursprünglichen japanischen Stil. Der ganze Platz war für eine Nacht für unsere Gruppe gebucht worden. Es heißt, die beste Zeit es zu besuchen sei im Frühling, wenn das Wetter am schönsten ist. Bei unserer Ankunft erhielt jeder von uns einen Yukata (Morgenrock), um ihn innerhalb und außerhalb des Ryokan zu tragen. Die Männer der Gruppe teilten sich einen großen Raum, und die Frauen teilten sich vier kleinere Räume. Die Fußböden in den Schlafzimmern waren bedeckt mit Tatami (japanischen Fußbodenmatten). Weder Schuhe noch Slipper waren erlaubt auf den Tatami. Es gab zunächst keine Betten in den Zimmern, aber während wir Abendbrot aßen, brachten die Zimmermädchen Futon-Matten und dicke, gefütterte Bettdecken auf die Zimmer. Diese wurden dort auf dem Fußboden ausgebreitet, damit wir darauf schlafen konnten. Was für ein Erlebnis! Es gibt keine Zentralheizung, allerdings werden in den Wintermonaten tragbare Heizgeräte angeboten.

Unverzüglich zogen wir unsere Yukatas an und begaben uns direkt zum Onsen, das eine wahre Wonne ist. Badebekleidung ist nicht erlaubt, nur komplettes Nackt-sein. Die Männer waren auf der einen Seite, die Frauen auf der anderen, und wir konnten einander nicht sehen. Es war ganz wunderbar, nach diesem Tag auf dem Kurama-Berg ein Bad in einer heißen Quelle nehmen zu können. Schließlich hatten wir alle eine wohlverdiente Nachtruhe – obwohl ich nicht sicher bin, ob wir alle das bekamen, was ich einen guten Schlaf nennen würde, denn wir unterhielten uns noch stundenlang miteinander.

Kaiserliche Villa

Am nächsten Morgen brachte uns ein Taxi zur Kaiserlichen Villa Katsura. Diese ist ein wahrer Kulturschatz auf der westlichen Seite Kyotos. Unser Besuch dort war ein spezielles Bonbon, arrangiert von einer sehr freundlichen japanischen Dame, die für die japanische Fremdenverkehrszentrale arbeitet und zu der wir einen guten Kontakt hatten. Frau Fukuhisa hatte uns Tickets geschickt, die es uns erlaubten, diesen prachtvollen Ort zu besuchen. Zu der Villa gehören 17 Morgen Land, die wundervoll gärtnerisch gestaltet sind, mit einem See in der Mitte und einer verschlungenen Küstenlinie. Es ist nahezu unmöglich, die natürliche Schönheit dieser Landschaft nicht zu verehren – eine weitere Sehenswürdigkeit, die man nicht verpassen sollte, wenn man Kyoto besucht.

Nachdem wir zum Lunch nach Kyoto zurückgekehrt waren, verließ ich die Gruppe und ging alleine zum Hotel. Ich entschied mich, getrennt von der Gruppe weiter zu gehen – und spazierte hinunter zum Jodo Shinshu Hongwanji, oft auch Nishi Hongwanji genannt: zu dem Muttertempel und Hauptquartier für mehr als 12 Millionen Shin-Buddhisten.*Ihm angeschlossen sind mehr als zehntausend Tempel und Kirchen in Japan und der ganzen Welt. Ich zog meine Schuhe aus und ging hinein. Es wurde gechantet. Also setzte ich mich hin, die Hände aneinandergelegt, und chantete mit – bis ich etwas später ins Meditieren überging. Ich blieb eine gute Stunde, dann betete ich und ging wieder.

Große Hilfsbereitschaft

Draußen sah ich einen Bücherladen, direkt neben dem Eingang. Ich ging hinein und streifte durch den Laden. Schließlich fand ich zwei CDs, die ich kaufen wollte, aber ich benötigte etwas Hilfe, und der Verkäufer sprach kein Englisch. Ich erinnerte mich, dass einer der Tempelwächter, die ich außerhalb des Ladens getroffen hatte, etwas Englisch sprach, also ging ich zu ihm und fragte ihn, ob er dem Verkäufer erklären könne, dass ich diese CDs kaufen wolle, mir aber nicht sicher sei, ob sie in Großbritannien funktionieren würden. Der Wachmann war ebenfalls unsicher, also benutzte er das Telefon des Ladens, um einen Freund anzurufen, der Englisch sprach, so dass dieser als Dolmetscher für uns fungieren konnte. Das Telefon ging hin und her, und ich stellte fest, dass eine der CDs Chanting-Lieder enthielt, und die andere Blasmusik. Ich war ziemlich erstaunt über die Umstände, die der Wachmann auf sich genommen hatte, um mir zu helfen – und ich dankte ihm vielmals für seine Hilfe, was er verstand.

Ich kehrte zu meinem Hotel zurück und fühlte mich wunderbar. Später am Abend trafen wir uns alle zu einem Empfang für unsere letzte Nacht zusammen als Gruppe.

 

Auszug aus: „Inspired by Reiki Energy", Jacqui Gayle – mit freundlicher Genehmigung der Autorin. / Übersetzung ins Deutsche: Franziska Rudnick

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Jacqui Gayle, Reiki-Lehrerin, Personal Life Coach, Autorin. Jacqui wurde in London geboren und wuchs während der 1960er Jahre dort auf. Ihre Eltern stammen beide aus Jamaica.Sie ist Mutter von vier Kindern.Jacqui hat mehr als 16 Jahre Erfahrung mit Reiki. Sie lebt in Studham, in der Provinz Bedfordshire, in England.

Kontakt:

www.time2heal.co.uk

www.jacquigayle.com

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Copyright Fotos: Tempeldach und rote Ballustrade: rudiuk - Fotolia.com / Treppe: kazukazu - Fotolia.com / Brunnen: J. Kindler

 

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