Franz Anton Mesmer

Im späten 18. Jahrhundert gab es in Paris vor Ausbruch der Französischen Revolution eine Massenhysterie. Deren Auslöser war ein deutscher Arzt. Die Reichen und Schönen strömten in Scharen zu ihm, um sich „magnetisieren" zu lassen. Zu Hunderten saßen sie in seinen Behandlungszimmern in einem Stadtpalais. So berühmt wurde Franz Anton Mesmer mit seiner Methode, dass man sie später nach ihm benannte: „Mesmerisieren".

Sein Leben lang hat Franz Anton Mesmer nach etwas gesucht, das er nicht fand. Dafür fand er etwas anderes, ohne es gesucht haben – und erkannte es darum nicht. So nah schien es, so auf der Hand zu liegen, wie die Magnete, mit denen er zunächst Kranke behandelte.

Magnetismus

Magnetismus scheint eigentlich ganz einfach: Ein Magnet zieht etwa Eisenspäne oder -nägel an und überträgt ihnen seine Eigenschaften, so dass auch sie zu kleinen Magneten werden. Einfach zu erklären ist der Magnetismus jedoch auch heutzutage nicht – mit ihm beschäftigt sich die Quantenphysik.

Mesmers Streben ging dahin, alle diese magnetischen Phänomene naturwissenschaftlich zu erklären, er selbst sah sich als Wissenschaftler. Sicher lag es auch an der Zeit, in der er lebte. Im ausgehenden 18. Jahrhundert hatte man die Elektrizität entdeckt und die Schwerkraft; die Dampfmaschine hatte die Menschen in ihren Bann gezogen, es gab die ersten Automaten, wie den mechanischen Schreiber in Frankreich. Ganz Hartgesottene sahen die Welt und das Universum gewissermaßen als gigantische Maschine und Uhrwerk an, das, einst in Gang gesetzt, nun ablief. Konsequenterweise entstand daraus eine medizinische, allerdings umstrittene Sicht, in der der Mensch als Maschine gesehen wurde.

Auf der anderen Seite gab es das, was man als „Aberglauben" bezeichnete. Dazu gehörten, neben dem Glauben an Dämonen und böse Geister, auch Phänomene wie Heilen durch Handauflegen.

Mesmer selbst verfasste 1775 im Auftrag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ein Gutachten gegen einen katholischen Priester, der als Exorzist mit „geistlichen Operationen" unterwegs war und die Menschen verzückte. Ironischerweise tat der Priester ähnliches wie der Mediziner Mesmer. Das hielt Mesmer ihm auch zugute, wies aber nach, dass diese „Operationen" rationell begründbar durch ihn, Mesmer, reproduziert werden konnten. Somit war dem übernatürlich Scheinenden in den Anwendungen des Paters der Boden entzogen. Als Anerkennung für seine Verdienste wurde Franz Anton Mesmer in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin, in die er ebenfalls gerne aufgenommen worden wäre, reagierte dagegen abweisend.

Franz Anton Mesmer, Sohn eines Försters vom Bodensee, hatte da schon Karriere gemacht. Er hatte Theologie und Medizin studiert und schließlich als Mediziner mit einer Schrift über den „Einfluss der Planeten" promoviert. Kern seiner Doktorarbeit war die These, dass auf alle irdischen Organismen Einflüsse wirken, die von den Planeten des Sonnensystems ausgehen. Alles sei mit allem verbunden. Viel später wird Mesmer äußern, dass es „zwischen den Körpern gegenseitige Ergusse, aus- und eingehende Ströme einer feinen Flut, welche den Raum erfüllt" gebe. Das Universum sei die Gesamtheit aller Materie, die „in einem ununterbrochenen Zusammenhang sich befindet ..."

Der 41-jährige Arzt war im Wien 1775 kein Unbekannter. Vor den Toren Wiens lebte er mit seiner Frau, einer reichen Witwe, in einem stattlichen Palais, zu dem ein großer Garten gehörte. Als Gastgeber war Franz Anton Mesmer angesehen, zu seinen Freunden gehörten einige der berühmtesten Komponisten der damaligen Zeit: Christoph Willibald Gluck und Joseph Haydn, deren Werke auch im Hause Mesmer aufgeführt wurden. Die Familie Mozart ging bei den Mesmers ein und aus; die erste Oper des 12-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart hatte hier ihre Premiere.

Heilsame Krise

Bekannt geworden als Arzt war Mesmer durch eine Patientin, die seit Jahren an schmerzhaften Symptomen litt, an starken Krämpfen im ganzen Körper. Damals war seit fast zwanzig Jahren die „Magnetkur" ebenso wie die therapeutische Anwendung von Elektrizität in Mode gekommen. So behandelte Mesmer seine Patientin mit Stahlmagneten. Sie war nicht die erste: Kurz vorher schon hatte Mesmer die Magenschmerzen eines Patienten durch Auflegen von Stahlmagneten behandeln können, die er beim Wiener Hofastronomen Maximilian Hell hatte herstellen lassen.

Von der Behandlung der „Jungfer Oesterlin" berichtet Mesmer selbst: „Als meine Patientin (...) einen neuen Anfall bekam, band ich ihr zwei gebogene Magnete an die Füße und hing ihr einen herzförmigen an die Brust. Plötzlich erhob sich ein heißer, zerreißender Schmerz von den Füßen an, strömte aufwärts (...) ein Brennen gleich einer glühenden Kohle ... Ich nötigte die Kranke, die Magnete zu behalten und legte noch mehrere an den unteren Teilen an. Sie bemerkte hierauf, dass der magnetische Strom die Schmerzen, welche in den oberen Teilen zugenommen hatten, mit Gewalt herab riss. Dieses Hin- und Herreißen dauerte die ganze Nacht und (...) brachte einen häufigen Schweiß hervor, auf welchen sich die Schmerzen (...) nach und nach verloren. Sie wurde auf alle Magnete unempfindlich und von diesem Anfall geheilt ..."

In dieser Beschreibung wird neben dem sogenannten „magnetischen Strom" noch ein wesentliches Element der Therapie dargestellt: die heilsame Krise. Berühmt geworden durch die Magnetkur, von der nicht nur er selbst schrieb, sondern auch die Presse, sollte Mesmer in den nächsten Jahren viel im süddeutschen Raum und in der Slowakei auf Reisen sein, um mit seiner Methode, zu der auch eine „Elektrisiermaschine" gehörte, etlichen Kranken zu helfen. Während seiner Reisen entwickelte und verfeinerte Franz Anton Mesmer seine Anwendungen der „Magnetkur". Es zeigte sich, dass er auch mit den Händen das bewirken konnte, was zuvor alleinige Sache der Magneten gewesen zu sein schien: so zeigte Mesmer einem Brustkranken „in einiger Entfernung mit dem Finger auf die Brust, der Kranke hat in kurzer Zeit nach einer starken Konvulsion in Gegenwart sehr vieler Menschen eine Menge Material ausgeworfen," berichtet ein Zeuge und fährt fort, dass Mesmer solche Wirkungen „auch mit seinem Zeigefinger durch eine zweieinhalb Fuß dicke Mauer erzielt" habe.

Allmählich erkannte der Mediziner Mesmer, dass er kaum noch Magnete brauchte, dass er nur mit seinen Händen, ja sogar mit Musik vergleichbare Wirkungen erzielen konnte. Mesmer spielte ein Instrument, das in jener Zeit populär war, die Glasharmonika. Sie bestand aus mehreren Glasschalen, die ineinander gesteckt sich auf einer Walze drehten und mit angefeuchteten Fingern gerieben wurden. Kein geringerer als Benjamin Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, hatte sie dahingehend entwickelt, dass sie als vollwertiges Instrument gespielt werden konnte. Selbst Mozart hatte Stücke für die Glasharmonika geschrieben. Obwohl die Glasharmonika seinerzeit recht verbreitet war, gab es in Wien nur ein einziges Instrument – und das gehörte Franz Anton Mesmer. Mit ihr konnte Mesmer, der sie virtuos zu spielen wusste, Einfluss nehmen auf die Behandlung, indem er gewissermaßen musiktherapeutisch die Wirkungen verstärkte.

Erfolge in Wien

Franz Anton Mesmers Magnetkuren in seiner Wiener Klinik schlugen an. Sie sprachen sich herum, und man legte Hoffnungen in sie. So sehr, dass eine in früher Kindheit erblindete, international bekannte Pianistin und Komponistin aus Ratlosigkeit der behandelnden Ärzte seine Patientin wurde. Längst war Mesmer da in eine fachliche Auseinandersetzung um seine Magnetkur verwickelt. Der Hofastronom Hell beanspruchte die Lorbeeren für sich, da er die Magnete weiterentwickelt hatte, wogegen Mesmer darauf hinwies, dass er längst nicht mehr allein mit Magneten arbeitete. Eine akademische Diskussion entstand, in deren Verlauf die durch Mesmers Kur erzielten Wirkungen als Einbildungen abgetan, die durch Magnete bewirkten hingegen anerkannt wurden.

Die als Wunderkind berühmte Pianistin Maria Theresia Paradis begab sich im Januar 1777 in die Behandlung bei Franz Anton Mesmer. Damals war sie etwa 18 Jahre alt und hatte schon eine zehnjährige Behandlung durch den Leibarzt der Kaiserin und Präsidenten der Wiener Medizinischen Fakultät hinter sich. Dessen konventionell ausgerichtete Therapie jedoch versagte.

Somit vermutete man, die Blindheit sei nicht durch eine Lähmung der Sehnerven, sondern nervlich bedingt – und reichte die junge Frau an Mesmer weiter. Er nahm sie bei sich auf, da er ihre Fortschritte so am ehesten beobachten könnte, und behandelte sie kostenlos. Ihr Vater berichtet darüber in einem Brief:

„Nach kurzer, kräftiger magnetischer Behandlung Herrn Doktor Mesmers fing sie an, die Konturen der ihr vorgestellten Körper (...) zu unterscheiden. Der neue Sinn aber war so empfindlich, dass sie diese Dinge nur in einem sehr dunkeln, mit Fensterläden und Vorhängen wohlverwahrten Zimmer erkennen konnte. Wenn man bei ihren, schon mit einer fünffachen (...) Binde verhüllten Augen mit einem (...) Licht nur flüchtig vorüberfuhr, so fiel sie, wie vom Blitz gerührt, schnell zu Boden." Die Heilung der Blinden gestaltet sich dramatisch: „Des folgenden Tages musste man (...) sie bei Tageslicht in den Garten bringen ... Sie nannte den vorbeifließenden Donaustrom einen langen und breiten weißen Streifen ... Die in einer Entfernung von etwa tausend Schritten jenseits des Flusses stehenden Bäume (...) glaubt sie, mit ausgestreckten Händen berühren zu können. Da es ein heller Tag war, konnte sie das freie Sehen im Garten nicht lange aushalten. Sie selbst verlangte, ihre Augen wieder zu verbinden."

Betrugsvorwürfe

Es kamen zahlreiche Besucher, die sich vergewissern wollten, dass die vormals Blinde tatsächlich sehend geworden war. Die vielen Menschen irritierten und verängstigten sie. Mehr noch: Das Klavierspielen wurde ihr fremd, weil der zusätzliche Sinn sie störte. Zudem konnte das medizinische Kollegium in Wien keine Verbesserung der Sehkraft feststellen. Einzelne Kollegen Mesmers lehnten es sogar ab, die Patientin zu begutachten. Der führende Augenarzt Wiens hatte ein positives Gutachten erstellt. Dieses wurde jedoch zurückgezogen. Der kaiserliche Arzt, der die Blinde jahrelang ergebnislos behandelt hatte, verwandte seinen Einfluss, um zu verhindern, dass Mesmer die Geheilte der Kaiserin vorstellte und mühte sich, seinem Kollegen Mesmer die Patientin wieder zu entziehen.

Man scheute vor keinem Mittel zurück, sogar Betrugsvorwürfe wurden laut. Hinzu kam, dass eine sehende Pianistin nichts Besonderes mehr war. Als blindes Wunderkind erhielt Maria Theresia Paradis vom Kaiserlichen Hof eine regelmäßige Pension, die ihr und ihren Eltern ein Auskommen ermöglichte. Dieses Argument schlug ein. Die Eltern, die Mesmer bis dahin ergeben waren, forderten mit Gewalt ihre Tochter zurück. Mesmer verhindert dies, und einen Monat später entlässt er seine Patientin am 8. Juni 1777 als geheilt nach Hause. Am nächsten Tag verkünden die Eltern, dass ihre Tochter keineswegs geheilt sei.

Mesmer war damit in Wien erledigt. Aus dem angesehenen Gastgeber und Arzt war eine persona non grata geworden. Die Affäre Paradis stürzt ihn in eine tiefe Krise. Sein Bemühen, die Magnetkur wissenschaftlich anerkannt zu finden, war gescheitert.

Neuanfang in Paris

Im Januar 1778 reist Mesmer nach Paris. Dort wird er zunächst bleiben. In Paris erlebt er seine größten Erfolge. Die Menschen strömen zu ihm. Der Andrang ist so groß, dass Gardisten angeheuert werden müssen, um diesen zu regulieren. Es wird berichtet, dass sich nie weniger als 200 Menschen gleichzeitig in den Räumen des Pariser Palais' aufhielten, das Mesmer gemietet hatte. Mittellose Patienten können im Garten sitzen, und Stricke, die von einem magnetisierten Baum herabbaumelten, an die schmerzenden Stellen des Körpers halten.

Der „Magnetismus" verbreitete sich rasch in Frankreich: wer Geld hatte, konnte bei Mesmer lernen. Institute entstanden im ganzen Land, an denen Magnetismus ausgeübt wurde. Eine Ausbildungsgesellschaft wurde gegründet, die Société de l'Harmonie. Sie hatte eine Zweigstelle sogar in Haiti.

Es schien offensichtlich, dass Mesmer seine Magnetkur erfolgreich ausübte. Erfolgreich, was den Andrang und die Reaktionen der Patienten betraf. Nicht jedoch hinsichtlich wissenschaftlicher Anerkennung. Auf ersteres gab Mesmer nichts, nach dem zweiten verlangte ihn. Der französische König gibt ein Gutachten in Auftrag. Einer der Gutachter war Benjamin Franklin, der sich zu jener Zeit als Diplomat in Frankreich aufhielt. Das Komitee begibt sich zu Mesmer, in sein Palais. Erstaunliches sehen sie da: einen Raum, in dem ein Bassin steht, das sogenannte „Baquet", aus dem gebogene Eisenstäbe ragen, die von den am Baquet Sitzenden an ihre schmerzenden Körperstellen gehalten werden. Aus einem Nebenzimmer erklingt Musik: entweder spielt ein kleines Orchester oder Mesmer selbst spielt seine Glasharfe. Meist aber geht Mesmer umher, blickt den Kranken in die Augen, hält sie bei den Händen und legt ihnen die Hände auf. Manchmal streicht er um den Körper herum, von oben nach unten. Viele der Behandelten verfallen in Zuckungen, schreien, winden sich, lachen. Sie werden in ein eigenes Zimmer gebracht, das sogenannte „Krisenzimmer". Dort soll die heilsame Krise verebben.

„Allflut", die verbindende Substanz

Das vom König geforderte Gutachten kommt 1784 zum Ergebnis, dass es keinen Hinweis auf eine physikalische Kraft gebe und führt die Wirkungen des Magnetisierens auf Einbildung zurück. Ein schwerer Schlag für den Mediziner Mesmer, der nichts mehr wünschte, als seine Idee von der „Allflut" und deren Wirkungen, die alle Krankheiten heilen könnten, wissenschaftlich bestätigt zu sehen. Nichts war schlimmer für ihn, als mit jenen verglichen zu werden, die durch die Lande zogen und auch durch Handauflegen wirkten. Oder mit seinen Schülern, die seine Methode verfremdeten, die Kranke gar in Hypnose versetzten, so dass sie noch absurder wirkte als das, was er tat.

So einleuchtend schien, was er herausgefunden hatte, dass es unverständlich war, warum niemand etwas davon hielt. Originell waren Mesmers Gedanken nicht: Schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten hatte es Lehren gegeben, denen zufolge alles im Universum aufs engste miteinander verbunden sei, denn alles entstamme einer Quelle, ihr entströmend, immer dichter werdend, letztlich Materie bildend. Mesmer ging ebenfalls davon aus, dass eine Substanz alles miteinander verband, in ihr alles „eingetaucht" war – er nannte sie „Allflut". In diese „eingetaucht (...), hängt der Mensch unmittelbar mit der physischen Ordnung und der Kette der Natur zusammen."

Am Magneten meinte er, das Wirken der Allflut erkannt zu haben, der Magnet war für ihn ein Sinnbild für den Zusammenhang der Welt und die wechselseitige Einwirkungen von allem. In einem magnetischen Körper befinde sich „ein unsichtbares Feuer." Dieses sei nicht vergleichbar mit allen bekannten Kräften, sondern „von einer Ordnung, welche alle an Feinheit und Beweglichkeit übertrifft, wahrscheinlich ist es eine und dieselbe mit derjenigen, welche die Nervensubstanz durchdringt und (...) sie mit der gesammten Natur in Wechselverhältniß bringen kann." Weil diese Flut so fein und unvergleichbar ist, kann man sie „mit den gewöhnlichen Sinnen nicht fühlen." Der Magnetiseur aber kann, wenn im Körper „Stockungen" vorliegen, die den Strom dieser Allflut durch die Nerven verhindern, durch seine Einwirkung dafür sorgen, dass die Natur „die Hindernisse, welche die Zirkulation hemmten, durchbrechend, wirkt ..." Dieses Durchbrechen ist das, was Mesmer „Krise" nannte und worin er das eigentlich heilsam Wirkende sah.

Der menschliche Körper ist nach Mesmer selbst ein Magnet, er hat Pole, nämlich die rechte und die linke Körperseite. Durch den Körper verläuft eine unsichtbare, senkrechte Trennlinie. Die Hände des Therapeuten sind daher ebenfalls Pole und Leiter. Werden sie aufgelegt, so regen sie im Leib des Kranken den feinen Fluss wieder an. Alles, was existiert, könne durch Übertragen von Energie magnetisiert werden und so die magnetische Kraft anderen mitteilen. Diese magnetische Kraft ist das, was er „animalischen Magnetismus" nennt.

Flucht aus Frankreich

Mesmer flieht aus Frankreich; die Französische Revolution bringt ihn um sein Vermögen. Am Bodensee, der Region, in der er geboren wurde, lässt er sich nieder und behandelt dort, unbekannt, die einfachen Menschen. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte, während derer die Armeen Napoleons durch Europa marschieren und Krieg bringen, wird er vergessen. Bis man sich seiner erinnert: auch in der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Ein Komitee wird 1812 gegründet und losgeschickt, sich mit Mesmer zu befassen. Mit dabei war der Arzt Karl Christian Wolfart. Ihm vertraute Mesmer gewissermaßen sein wissenschaftliches Testament an. Wolfart wurde so der Herausgeber von Mesmers Schriften, die noch kurz vor dessen Tod im Jahre 1814 erschienen. Mesmer selbst starb 81-jährig im Frühjahr 1815.

Wolfart verfasste noch seine „Erläuterungen zum Mesmerismus". In ihnen stellt er klar, dass der von Mesmer postulierte „Magnetismus das Grundgesetz" sei, das alle verschiedenen medizinischen Theorien miteinander verbinde. Niemals aber sei der Magnetismus gleichzusetzen mit dem sogenannten „Somnambulismus", dem Irrweg, den Schüler Mesmers beschritten hatten, als sie durch das Nachahmen des Meisters ihre Patienten in Trance versetzten.

Heilendes Feld

Franz Anton Mesmers Entdeckung war, so könnte man schließen, die Beeinflussung des Menschen durch etwas, das man heute „heilendes Feld" nennen würde. Seine Tragik war, dass er dies nicht mit den wissenschaftlichen Mitteln seiner Zeit erklären konnte. Und dass er weit davon entfernt war, zugeben zu können, dass seine Entdeckung eher in den Bereich dessen gehörte, was er selbst „Aberglauben" genannt hätte, wie bei dem Jesuitenpater, gegen den er ein Gutachten verfasst hatte.

 

 

Franziska Rudnick ist Redakteurin des Reiki Magazins und Autorin des Buchs „Heilende Begegnung". Als Heilpraktikerin wendet sie in ihrer Praxis Klassische Homöopathie, Reiki und andere energiemedizinische Methoden an. www.akatombo.de

 

Buchquellen:

- Bowker, John (Hrsg.), Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen, Düsseldorf, 1999

- Gruber, Jutta, Angst und Faszination. Eine Neubewertung des Animalischen Magnetismus Franz Anton Mesmers, Berlin, 2011

- Wolfart, Karl Christian (Hrsg.), Mesmerismus . Oder, System Der Wechselwirkungen, Theorie Und Anwendung Des Thierischen Magnetismus Als Die Allgemeine Heilkunde Zur Erhaltung Des Menschen, New York, 2011 (Reprint der Erstausgabe von 1814)

- Zweig, Stefan, Heilung durch den Geist, Leipzig, 1966

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