Reiki mit Häftlingen

Die irische Reiki-Lehrerin Caitriona Doyle war überrascht, als sie in ein Gefängnis eingeladen wurde, um dort Reiki zu geben. Sie nahm an – nicht ohne anfängliches Zögern.

 

Ich wurde in ein örtliches Gefängnis eingeladen, um einigen Insassen dort Reiki zu geben. Es handelte sich um Schwerverbrecher: Vergewaltigung, Körperverletzung, Mord. Ich sagte zu, denn ich war interessiert – gleichwohl war ich auch etwas ängstlich.

Spürbarer Respekt

Es waren über 20 Häftlinge, und unser Treffen fand in einem kleinen Raum statt. Ich plauderte etwas mit den Jungs, über die Anwendung von Reiki. Dann ging ich von Stuhl zu Stuhl, um jedem Häftling rd. zehn Minuten Reiki zu geben. Als ich damit begann, war ich nervös. Doch während ich von Mann zu Mann ging, fühlte ich mich zunehmend ruhiger, fester und sicherer in meiner Umgebung. Und ich spürte noch etwas anderes, in der Atmosphäre des Raums ... hatte aber erstmal keine Zeit, mich damit zu befassen, während ich weier von Mann zu Mann ging. Als ich den letzten Häftling erreicht hatte, schaute ich mich im Raum um und realisierte, was ich spürte: Es war ihr Respekt. Respekt für das, was während dieser Zeit im Raum geschah.

Die Männer saßen schweigend während dieser fast zwei Stunden, in denen ich von einem zum anderen ging, um Reiki zu geben. Was mich ebenfalls erstaunte, waren die Ruhe und der Frieden, den Reiki in den Raum brachte. Und was mich noch mehr überraschte, während ich jedem Mann Reiki gab, in der Zeit, die ich mit ihnen verbrachte, war, dass alles, was ich fühlte, ihre Güte war. Ohne ihre Verbrechen zu verurteilen, ja selbst ohne zu wissen, was jeder einzelne für ein Verbrechen begangen hatte, ließ Reiki mich ihr Herz spüren, den unsichtbaren Teil in ihnen, der sich wie Güte anfühlte. Ich war nicht darauf vorbereitet, und es war wunderbar.

Frieden im Raum

Ich dankte ihnen für ihren Respekt und teilte mit ihnen, was ich mit ihnen erlebt hatte. Sie standen auf und applaudierten, und einige stellten sich in einer Reihe auf, um mit mir zu reden. Einer der Männer erzählte mir, dass er den ersten Reiki-Grad hat und versprach mir, dass er von diesem Abend wieder mit der Selbstbehandlung beginnen werde. Ein anderer Häftling hatte viel über die Anwendung von Reiki gelesen und liebte alles, was mit Engeln zu tun hatte. Jeder einzelne hatte eine Geschichte. Aber diesen Männern Reiki zu geben, ließ mich sehen, dass die böse Person, die sie der Welt zeigten, nicht alles ist, was sie sind. Um ehrlich zu sein, verwirrte mich diese Einsicht sogar, denn es ist durchaus eine menschliche Reaktion, jemanden hart zu verurteilen, der einen anderen verletzt oder getötet hat – und ich hatte zuvor auch so gedacht. Aber ich kann nicht verleugnen, was ich an diesem Tag erlebt habe.

Als ich hinterher mit den Justizvollzugsbeamten sprach, sagten sie, sie seien zunächst bestürzt und dann auch etwas amüsiert gewesen, als sie durch das kleine Glasfenster der schwer verriegelten Tür auf die Häftlinge geschaut und gesehen hatten, wie solche Schwerverbrecher schweigend und in Ruhe dagesessen hatten. Sie sagten auch, dass sie den Frieden im Raum hatten spüren können.

Reiki auf „Platz eins"

Ich besuchte das Gefängnis als Teil der „Holistic Week", in der Häftlinge dazu eingeladen waren, täglich verschiedene Therapien zu erleben. Die Behandlungsform, die von den Jungs in dieser Woche am meisten genossen wurde, war Reiki. Sie sagten später, sie hätten sich noch Tage danach beruhigt und voller Frieden gefühlt.

 

Caitriona Doyle, Reiki-Meisterin aus Irland. Reiki-Praktizierende seit 2001, Reiki-Lehrerin seit 2005.

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Übersetzung ins Deutsche: Franziska Rudnick

 

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