„Mensch wundere dich!" Reiki und die Heilkraft der Märchen

Was sind Märchen? Woher beziehen sie ihre Wirkung? Maria-Kathleen Zorn und Carsten Kiehne schreiben über die innere Kraft der Märchen – und die Verbindungen zu Reiki.

Es war einmal ... so beginnen die Märchen oft ... da saß ein Mann namens Mikao Usui 21 Tage fastend unter einem Baum, auf einem Berg, und empfing eine uralte Weisheit, die wir nach ihm „Reiki" nennen. Die Geschichte ist wie ein klassisches Märchen aufgebaut. Sie begegnet jedem Reiki-Schüler und hilft ihm dabei, etwas Unfassbares zu begreifen: das Wunder der Einweihung, das Geheimnis der Erleuchtung.

Selbstheilungskräfte

Usui Sensei ist auf den Berg Kurama gegangen, um entweder die endgültige Wahrheit zu finden oder dort oben sein Leben zu geben. Solch' Mut und Entschlossenheit sind oftmals nötig, um über die Schwelle des (inneren) Todes zu gelangen und wirklich loszulassen. Ihm ist es gelungen – und dafür wurde er gesegnet.(1)

Märchen zeigen diese herausfordernden Prozesse ebenso auf, die wir durchleben, um zu reifen, um zu unserer inneren Meisterschaft zu finden. Sowohl Usui Senseis Geschichte als auch die Märchen beinhalten eine vollständige Anleitung zum Reifen. Es sind Wege der Kommunikation mit unserem Höheren Selbst und damit zur Wieder-Erinnerung an unsere Ganzheit.

Diese Ganzheit ist im Märchen symbolisiert in der Feier der HochZeit. Die männlichen und weiblichen Anteile erkennen sich, schwingen in Harmonie und arbeiten gleichberechtigt zusammen, wie Yin & Yang. Dabei weist jedes Volksmärchen sieben Stufen zur Ganzheit auf.(2) Die im folgenden genannten sieben Stufen des Märchenaufbaus bilden die Themen, die es zu entwickeln gilt, die anfänglich oft im Mangel liegen. Auch Usuis Geschichte weist diese Stufen auf. Sie sind 1. Urvertrauen (die Ausgangssituation: Usui als Suchender), 2. Bewegung (was uns fehlt, bringt uns in Bewegung: Usui sehnt sich nach Heilung), 3. Wille & Macht, der Helfer (Usui folgt dem Rat eines Alten und geht auf den Berg), 4. die Ausrichtung des Willens auf die bedingungslose Liebe (Usui heilt seine Wunde, die Zahnschmerzen einer Frau und den Alten), 5. die eigene Wahrheit verkünden, sich mit seinem Willen für das Leben einzusetzen (Usui lehrt Reiki und heilt etliche Kranke), 6. Einsicht (einige Kranke kommen wieder, also müssen Körper, Geist und Seele heilen), und 7. Einheit, die HochZeit (Usui unterrichtet seine vollständige Lehre, und Reiki geht um die Welt).

Selbstheilungskräfte

Reiki aktiviert die Selbstheilungskräfte. Märchen wirken in dieselbe Richtung. Beide erinnern die Zellen und die Seele an das Bild von Ganzheit und vollkommener Gesundheit. Die Märchen wirken, indem sie innere Bilder erzeugen, die unsere Gefühle anregen. Szenen und Figuren im Märchen sind aneinandergereihte symbolisierte Gefühls-und Bewusstseinszustände. Indem wir uns von der Erzählung berühren lassen, bekommen wir Zugang zum Märchenbild, zum eigenen Gefühl. Wir folgen der Erzählung, knüpfen an persönliche Erlebnisse an und erfahren einen Heilungsprozess. Anschließend können wir in Meditation, die auch ein Teil der Märchentherapie ist, unsere eigenen Geschichten heilen und zu einem guten Ende träumen, denn wir haben jetzt einen Lösungsweg im Erzählen miterlebt, der unsere Sicht auf Zusammenhänge richtet und oft auch Humor schenkt. Wenn wir Reiki praktizieren, erkennen wir unsere Gefühle klarer, erfahren schneller welches Bedürfnis gerade gesehen werden will und nach Heilung ruft.

Märchen sind gelöste Herausforderungen auf dem Lebensweg der Menschheit. Sie sind in Form der Träume verfasst. In ihnen steht klar geschrieben, wie wir aus dem Mangel („Der arme Holzsammler"), der tiefen, nie enden wollenden Traurigkeit („Die Prinzessin, die vom Unglück verfolgt wurde") wieder herauskommen ans Licht der Welt. Märchen und Reiki schöpfen dabei aus derselben Quelle. Denn letztlich dreht es sich in (fast) allen Märchen um die Erweckung der Liebe – und was ist Reiki anderes als bedingungslose Liebe? Sie haben beide dasselbe Ziel: Uns auf den Weg zur Quelle der Liebe zurückzuführen und uns wieder mit ihr zu verbinden.

Erwachen

Es gibt ein schönes Sprichwort: „Kindern erzählt man Märchen, damit sie einschlafen – Erwachsenen erzählt man sie aber, damit sie erwachen!" Hier treffen sich Reiki und Märchen. Reiki ist nicht einfach nur eine Technik, die uns helfen soll, körperliche Gesundheit zu erreichen. Reiki hilft uns dabei zu erwachen, achtsam den begrenzten und oft trennenden Pfad unseres Egos zu verlassen und unser eigentliches Potential zu erkennen. Märchen sind dabei, wie Reiki, ein befreiendes Instrument!

Als Sprachrohr der Seele beschreiben die Märchen alte Heilungs- und Wandlungsrituale, die unser Herz öffnen, ohne dass sich unser Ego daran stört. Ungern angeschaute „Schattenseiten" können durch die Märchen viel besser zu Tage treten und mit Reiki dann liebevoll gewürdigt und integriert werden. So erleichtert die Verbindung beider Wege den Heilungsprozess beträchtlich.

 

 

Anmerkungen:

(1) Für Märchenkenner: Die Erleuchtung ist z.B. in den letzten Szenen von „Sterntaler" oder „Die goldenen Fäden der Schicksalsfrau" treffend dargestellt und nachfühlbar symbolisiert.
(2) Nach der MärchenChakraTherapie nach Gudrun Böteführ.

 

 

Die Autoren:
Maria-Kathleen Zorn, Märchentherapeutin, geprüfte Märchenerzählerin, Reiki-Meisterin, Sozialpädagogin B.A., wirkend im Haus Morgenstern in Krefeld. Kontakt: www.goldmaria.de

Carsten Kiehne, Reiki-Lehrer, Meditationslehrer & Dipl.Sozialpädagoge. Autor des Buches „Mythen, Sagen und Märchen um und über Thale". Kontakt: www.reiki-im-harz.de




Copyright Foto „Es war einmal ...": Reimer - Pixelvario - Fotolia.com
Copyright Foto „Sterntaler":Sergey Nivens - Fotolia.com

 

 

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