Reiki in Großbritannien

In England gibt es den ältesten Reiki-Berufsverband weltweit; dieser wurde bereits vor 15 Jahren gegründet. Franziska Rudnick berichtet über das Wirken dieses engagierten Verbandes – und über die Geschäftsführerin Doreen Sawyer, die im Rahmen ihrer Arbeit für den Verband einmal sogar mit Prince Charles zusammentraf.

Die UK Reiki Federation ist einer der größten und ältesten Reiki-Verbände Großbritanniens. Sie ist gemeinnützig ausgerichtet und wird von Mitgliedern für Mitglieder organisiert. Zur Förderung qualitativ hochwertiger Reiki-Angebote hat der Verband eine Reihe von Standards ausgearbeitet, die diese Qualität sichern helfen sollen.

Die Anfänge der UK Reiki Federation liegen in den 1990er Jahren. Was sich zunächst in engagierten Gesprächen zwischen Reiki-Praktizierenden und -Lehrern abzeichnete, wurde zu einer größeren Studie darüber, ob ein allgemeines Interesse an einem solchen Verband besteht. Das Interesse war da – und 1999 wurde die UK Reiki Federation gegründet. Ihr ursprüngliches Anliegen war es, Reiki in Krankenhäuser, Arztpraxen und Gefängnisse zu bringen bzw. es dort bekannt zu machen. Mittlerweile geht es dem Verband auch darum, professionelle Reiki-Praktizierende in einem größeren Rahmen zusammenzubringen.

Darüber hinaus möchte die UKRF eine Ausgangsbasis für die bestmögliche Praxis von Reiki in Großbritannien bieten, sowohl für Reiki-Praktizierende als auch für deren Klienten. Dazu stellt der Verband seinen Mitgliedern wie auch der Öffentlichkeit reichlich Informationen zur Verfügung. So wird u.a. darüber informiert, was Reiki ist, wo die Ursprünge der Reiki-Methode liegen, welche Anwendungsbereiche es gibt und was die Merkmale von qualifiziert durchgeführten Reiki-Behandlungen bzw. von qualifizierten Reiki-Praktizierenden sein können. Zudem informiert der Verband über wissenschaftliche Studien, die sich mit Reiki beschäftigen.

Treffen mit Prince Charles

Geschäftsführerin und Sekretärin der UK Reiki Federation ist Doreen Sawyer. Sie hatte 1999, im Gründungsjahr der UKRF, zu Reiki gefunden – in einer Zeit, in der sie hinsichtlich ihrer Gesundheit einiges durchmachte. Einige Jahre zuvor war bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert worden, wodurch sie begonnen hatte, sich mit komplementären Heilmethoden zu befassen. Dabei hatte sie auch Reiki kennengelernt, was ihr am meisten zu helfen schien. Schließlich entschied sie sich für die Ausbildung in Reiki, die sie 2002 abschloss. Seitdem ist sie Reiki-Lehrerin – und, in ihrer Funktion für die UK Reiki Federation, auch als „Gutachterin für Reiki" tätig. Das heißt, dass sie bzw. der Verband manchmal bei schwierigen Fragen rund um Reiki, die sich in Gerichtsprozessen oder in anderen rechtlichen Zusammenhängen ergeben können, als Gutachter hinzugezogen werden.

Heute ist Reiki bereits teilweise in das britische Gesundheitswesen integriert. In vielen Kliniken bieten überwiegend ehrenamtlich tätige Reiki-Praktizierende Reiki an, viele davon sind Mitglied der UKRF. In einem Londoner Universitäts-Krankenhaus gibt es einen festangestellten Reiki-Therapeuten, ein weiterer dortiger Therapeut hat Reiki mit im Angebot, und es werden Mitarbeiter in Reiki ausgebildet.

Einer der Höhepunkte der Arbeit Doreen Sawyers für die UK Reiki Federation war ein Treffen mit Prinz Charles. Dieser war seinerzeit Präsident der von ihm gegründeten The Princes' Foundation for Integrated Health (FIH). Diese Stiftung hatte es sich zur Aufgabe gemacht, komplementärmedizinische und alternative Therapieverfahren zu fördern und ins britische Gesundheitssystem zu integrieren. Leider wurde sie 2010 geschlossen, doch Prinz Charles war und ist davon überzeugt, dass ein Zusammenwirkungen unterschiedlicher medizinischer Therapien für Patienten besonders hilfreich ist: „In meinen Augen wäre ein ganzheitlicher Ansatz, der das Beste aus modernen und traditionellen Behandlungsmethoden vereint, angesichts der heutigen Gesundheitsprobleme durchaus angebracht." Denn, so führt er aus: „Oft ist es besser ‚systemische' Veränderungen im Umgang mit dauerhaften Störungen vorzunehmen. Genau das tun manche der sogenannten Alternativmethoden ..." Sein Fazit: „Durch die Kombination von altem Wissen und heutigem Erkenntnisstand könnte erheblich mehr erreicht werden als mit jeder Methode für sich allein." * Ein solcher integrativer, ganzheitlich orientierter Ansatz scheint Tradition im britischen Königshaus, denn seinerzeit wurde etwa der Geistheiler Harry Edwards manches Mal zu Mitgliedern des Königshauses gerufen.

Die Arbeit der Foundation for Integrated Health (FIH) hatte 2008 zur Gründung des Complementary and Natural Healthcare Council (CNHC) geführt, der eine Rolle bei der qualitativen Beurteilung auch von Reiki-Angeboten in Großbritannien spielt. Der CNHC verfügt über eine umfangreiche Liste von geprüften Anbietern komplementärmedizinischer Therapien. Darüber hinaus hält er Informationen für Ärzte und andere Anbieter im Gesundheitswesen bereit, die ergänzend komplementäre Therapien hinzuziehen möchten und dazu qualifizierte Therapeuten suchen. Damit vermittelt der CNHC mit staatlicher Unterstützung neben anderen Therapeuten entsprechend registrierte Reiki-Behandler an Klienten in ganz Großbritannien. Die Überprüfung und Weiterbildung jener, die in diesem Sinne qualifiziert Reiki anbieten möchten, wurde seitens des CNHC der UK Reiki Federation übertragen.

Integration ins Gesundheitssystem

Die UK Reiki Federation hatte bereits 2001 begonnen, mit der FIH zusammenzuarbeiten. Damals hatte die UKRF bereits rd. 750 Mitglieder, inzwischen sind es rd. 1400. Doreen Sawyer war persönlich eingeladen, als Prinz Charles im Londoner St. James's Palace im Mai 2003 eine Besprechung abhielt. Mit dabei waren auch führende Mitglieder anderer Organisationen, die ebenfalls interessiert waren an einer Zusammenarbeit von Schulmedizin und alternativen Verfahren. Doreen Sawyer erinnert sich an dieses Treffen: „Ich war tief beeindruckt von der Hingabe, die Prinz Charles zeigt, wenn es um die Integration komplementärer Therapiemethoden ins Gesundheitssystem geht."

Zu der Zeit hatte die UK Reiki Federation bereits mit anderen britischen Reiki-Organisationen Kontakt aufgenommen, um das gemeinsame Wirken für Reiki voranzubringen. Daraus entstand schließlich die Reiki Regulatory Working Group (RRWG), ein regelmäßiges Treffen und Zusammenwirken mehrerer britischer Reiki-Verbände, das später in den Reiki Council überging. Damit war ein Gremium entstanden, das ethische Richtlinien für professionelle Reiki-Praktizierende und -Lehrer erstellte, sowie Merkmale benannte, die qualifizierte Reiki-Behandler ausmachen. In diesem Zusammenhang bietet die UK Reiki Federation auch Trainings an und gestaltet Richtlinien für die fortwährende professionelle Weiterbildung ihrer Mitglieder. Diese sind in unterschiedlichen Bereichen tätig: Sie arbeiten in Kliniken, allgemeinärztlichen Praxen, Gefängnissen, Selbsthilfegruppen für krebskranke Menschen, Versorgungszentren für an AIDS Erkrankte, Hospizen u.a. Auch einen gemeinsamen Fernreiki-Kreis gibt es.

Das Büro der UK Reiki Federation wird weiterhin von Doreen Sawyer geleitet, die mit ihrem großen Einsatz für die Integration von Reiki in das britische Gesundheitswesen auch ihrer Erkrankung an Multiple Sklerose trotzt. Und dabei hilft ihr auch Reiki. Und die Lebensregeln nach Mikao Usui. Denn sie weiß: „Wenn wir die Lehren Mikao Usuis ehren und den Reiki-Lebensregeln folgen, kann Reiki nur ein Fortschritt sein, in einer positiven und liebevollen Weise."

 

 

* Alle drei Zitate aus: „Harmonie: Eine neue Sicht unserer Welt", The Prince of Wales, mit Tony Juniper & Ian Skelly, München 2010



Copyright Porträt Doreen Sawyer: Doreen Sawyer
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