Mitten im Energiefluss

Seit 30 Jahren ist Horst Günther als Reiki-Meister tätig, in Deutschland wie auch weltweit. Seine Bücher über Reiki haben viele inspiriert. Zusammen mit seiner Frau Edith – sie ist ebenfalls Reiki-Meisterin –, hat er im Laufe der Jahre viel bewegt in Sachen Reiki ... und hat dies auch weiterhin vor. Oliver Klatt traf ihn in Gersfeld und führte ein Interview mit ihm. 

 

Edith und Horst Günther
Edith und Horst Günther

 

Oliver: Du hast jahrzehntelange Erfahrung in der Anwendung und Lehre von Reiki. Vor 30 Jahren wurdest du als Reiki-Meister eingeweiht. Ich gratuliere zu deinem Jubiläum! Wie war es damals, in den Pionierjahren von Reiki in Deutschland?

Horst: Ich war zunächst im Management tätig gewesen, merkte dann aber, dass es noch mehr geben muss, als von morgens bis abends im Büro zu sitzen – und sich auch noch Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Das erste was ich damals kennenlernte, war das Rebirthing. Ich ließ mich darin ausbilden, über einen Zeitraum von drei Jahren. Dann las ich in einer Zeitung eine Annonce, in der Reiki angeboten wurde, von Brigitte Müller. Ich sagte zu meiner Frau: „Das ist genau das, was ich suche! Es hat mit Heilen zu tun, und mit einem selbst!“ Ich wollte damals neue Wege gehen und für mich etwas tun. So kam ich zu Reiki.

Selbsterfahrungsworkshop

Oliver: Du hast dann auch bald die Reiki-Meister-Ausbildung gemacht. Wie kam es dazu? Lag viel Zeit zwischen dem 1. Grad und dem Abschluss des Meistergrades?

Horst: Es lag damals generell nicht so viel Zeit zwischen den einzelnen Graden. Den 2. Grad machte ich drei Monate nach dem 1. Grad. Dann organisierten wir Reiki-Seminare für unsere Meisterin, Brigitte Müller. Das sprach sich herum bis nach Amerika. Recht bald wurde ich eingeladen zu einem Selbsterfahrungsworkshop, der in den USA stattfand, in Idaho, von Phyllis Lei Furumoto.

Damals war ich noch in Vollzeit berufstätig. Also nahm ich meinen ganzen Jahresurlaub, sammelte alles Ersparte zusammen und flog zu diesem Workshop – dorthin, wo ich noch nie gewesen war. Wir waren etwa zwölf Teilnehmer. Es war ziemlich harte Arbeit an uns selbst. Das ging von morgens um sieben bis spät nachts, mit allen Prozessen, die dazu gehörten und die Phyllis auch provozierte, um die Teilnehmer besser kennenzulernen. Wir machten auch Aikido-Übungen, mit Paul Mitchell, und wir haben viel in der Natur gearbeitet. Schließlich, ich glaube es war in der letzten Nacht, kurz bevor der Workshop zu Ende ging, eröffnete mir Phyllis, dass sie mich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang als Meister einweihen würde. Das war natürlich eine riesengroße Überraschung. Wobei ... was mich noch mehr überraschte, war: Phyllis konnte in dieser Nacht kaum schlafen. Ich dagegen konnte sehr gut schlafen (lacht) ... warum das so war, kann ich dir nicht sagen.

Dann war ich als Reiki-Meister eingeweiht. Ich blieb noch einige Zeit in den USA und habe viel über Reiki gelernt. Unter anderem habe ich eine Woche mit Susan und Paul Mitchell verbracht, und ich hatte auch noch eine intensive Zeit mit Phyllis. Anschließend wurde mir empfohlen, noch etwas in die Stille zu gehen. Das war eine gute Empfehlung. Ich flog nach Kalifornien, Encinitas, in den Ashram von Yogananda. Der Aufenthalt dort tat mir sehr gut. Ich konnte innerlich alles gut verarbeiten, in Stille. Dort wurde, außer eingangs und wenn man den Ashram wieder verließ, nicht gesprochen.

Oliver: Als du zurück in Deutschland warst, hast du da gleich begonnen, Reiki-Seminare zu geben?

Horst: Mit den Seminaren begann es sehr überraschend für mich. Ich war erst drei, vier Tage zurück in Deutschland, da kam ein Anruf von einer Frau, die zu mir sagte: „Ich habe gehört, du bist schon fertig in Reiki ausgebildet. Kannst du Seminare geben?“ Ich kannte die Frau von einem Seminar bei Tom Johanson, einem damals bekannten britischen Heiler – leider lebt er heute nicht mehr. Ich habe ihn sehr geschätzt. Diese Frau wusste von Edith, dass ich inzwischen Reiki-Meister war. Ich beantwortete ihre Frage mit Ja. Dann sagte sie: „Ich bin bereit, hier ein Seminar für dich zu organisieren.“ Und das war gar nicht weit weg von Frankfurt, es war in Rüsselsheim. Und so hat alles begonnen.

Reiki im Gemeindesaal

Dieses erste Seminar fand in dem Gemeindesaal einer katholischen Kirche statt, einer Institution, die sich bis heute schwer tut, Reiki anzuerkennen. Und wann immer ich mit dieser Institution später in Berührung kam, habe ich sehr gute und positive Gespräche führen können, ich war selbst davon überrascht. Später habe ich immer mal wieder Anfragen von dieser Institution bekommen, und es ergaben sich gute Kontakte.

Oliver: Du hast damals auch viel Zeit mit Brigitte Müller verbracht, die dich in den ersten und zweiten Grad eingeweiht hatte. Zusammen habt ihr ein Buch geschrieben, „Reiki – Heile dich selbst“, eines der ersten beiden Reiki-Bücher in deutscher Sprache. Brigitte ist im letzten Jahr verstorben. Wie empfandest du die Zeit mit ihr?

Horst: Wir haben jahrelang sehr gut zusammengearbeitet. Wir haben auch gemeinsam Reiki-Seminare gegeben und einen Reiki-Rundbrief kreiert, den wir viele Jahre zusammen und später dann jeder in seinem Kreis verschickt haben. Brigitte orientierte sich irgendwann mehr in Richtung Schweiz und zog von Frankfurt weg. Von da an hatten wir nur noch sporadisch Kontakt. Wir haben sie auch einmal in der Schweiz besucht.

Oliver: Was hast du an ihr geschätzt?

Horst: Sie war in Sachen Reiki das Vorbild überhaupt. Über viele Jahre hat sie Reiki hier in Deutschland bekannt gemacht. Dafür können die nachfolgenden Reiki-Generationen dankbar sein. Brigitte hat immer hervorgehoben, wie wichtig auch der Glaube ist und dass man mit Reiki nicht nur eine Technik lehrt. Sie war in Kriya Yoga eingeweiht, war also stark damit verbunden, und sie hat das alles auch so gelebt. Sie hat sich stets viel Mühe gegeben, hat allen ihren Schülern nach bestem Wissen und Gewissen die Lehre, so wie sie sie von Phyllis Furumoto erhalten hatte, weitergegeben.

Reiki-Meister-Paar

Oliver: Deine Frau, Edith Günther, ist ebenfalls Reiki-Meisterin. Wie ist das für euch als Reiki-Meister-Paar? Gebt ihr Seminare zusammen?

Horst: Ich habe bei uns den Vorreiter gemacht. Meist ist es ja umgekehrt, da die Frauen oft viel neugieriger sind als wir Männer. Und Phyllis hatte damals zu mir in den USA gesagt: „Endlich mal ein Mann!“ Weil sie davor fast nur Frauen eingeweiht hatte.

Edith ist zwei Jahre nach mir als Meisterin eingeweiht worden, und zwar hier in Deutschland. Damals hatte Phyllis viele Workshops bei uns gegeben, zur Selbsterfahrung. Nach einem dieser Workshops sagte sie zu Edith, dass sie bereit wäre, auch sie als Meisterin einzuweihen. Edith war damals gerade in der Heilpraktikerausbildung. Sie hatte sich ganz auf diese Ausbildung konzentriert und erstmal nicht den Draht dazu und den Mut zu sagen ,Jetzt will ich auch noch Reiki-Meisterin werden‘. Dann gab Phyllis ihr den Schubs dazu. Und so kam es, dass sie sich ebenfalls als Meisterin einweihen ließ.

Oliver: Gebt ihr eure Reiki-Seminare gemeinsam? Damals? Heute auch noch? Und wie macht ihr das bei den Einweihungen? Gebt ihr die auch gemeinsam?

Horst: Das kann ich alles mit Ja beantworten. Am Anfang unserer Tätigkeit als Reiki-Meister waren wir viel gemeinsam im Ausland unterwegs, in Moskau, in Italien, Südafrika, Venezuela und Kanada – und sehr viel auch in der Türkei. In den letzten vier Jahren bin ich nun vermehrt alleine auf Reisen. Edith konzentriert sich mehr auf die Seminare in Friedrichsdorf. Dort geben wir unsere Seminare auch heute noch gemeinsam.

Jetzt, im etwas höheren Alter, ist es auch für mich nicht mehr so einfach, die Widrigkeiten des heutigen Reisens zu ertragen. Früher war das viel angenehmer und einfacher. Heute ist das Reisen keine Freude mehr, wenn man viel reist. Wenn ich zurückdenke an die vielen Flugreisen, die ich nach Österreich unternommen habe, da bin ich noch in einem kleinen Flieger mitgenommen worden, da saß der Pilot vorne und hielt das Steuerrad in seinen Händen, mit seinen Handschuhen ...

Oliver: Ja, die Zeiten haben sich unglaublich geändert ...

Horst: Und schnell ...

Olvier: Ja ... Wie ist das eigentlich: Praktizierst du auch Meditation?

Horst: Spontan, ja! Ich habe keinen geregelten Rhythmus dafür ... und verbinde das häufig mit Fernreiki.

Oliver: Wie genau?

Horst: In der Weise, dass ich erst meditiere und dann Fernreiki schicke. Aber ich mache das nicht regelmäßig. Wenn, dann kommt es spontan vor. Wie kürzlich, nach dem Erdbeben in Nepal. Da habe ich mich auch mal nachts hingesetzt und meditiert.

Oliver: Und behandelst du dich selbst regelmäßig mit Reiki?

Horst: Ja, das tue ich. Mehrmals in der Woche, aber nicht täglich. Außer auf Reisen, da behandle ich mich täglich. Um die ganzen Umstände zu harmonisieren. Mir ist es schon oft passiert, wenn ich im Flugzeug saß und die anderen Passagiere aufgeregt waren, dass ich mir einfach Reiki gab und darüber eingeschlafen bin. Dabei habe ich sogar schon einmal den Start verschlafen, weil ich mit Reiki so sehr in die Entspannung komme. Was mir auch zwei Mal passiert ist, auf Flügen in die Türkei, war, dass ich jemanden an Bord mit Reiki behandelt habe, weil kein Arzt an Bord war.

Reiki an Bord

Oliver: Und waren das erfolgreiche Behandlungen? Ging es den Passagieren danach besser?

Horst: Ja, definitiv. Auf drei Flügen gab es so einen Vorfall, und ich habe jeweils Reiki angeboten. Einmal habe ich eine Ablehnung erhalten, da durfte ich nicht behandeln, das habe ich dann hingenommen. Man muss sich vorstellen, wenn da eine türkische Frau sitzt,  weitgehend verschleiert, ihr Mann daneben, und ich als fremder Man sage, ich könne vielleicht helfen, ob ich die Hände auflegen dürfe ... das wurde dann eben einmal abgelehnt, von dieser Frau.

Aber bei zwei anderen Malen konnte ich helfen. Einmal machte eine Frau große Schwierigkeiten, sie hatte Anfälle und Wutausbrüche, so dass die Crew bereits per Telefon in Istanbul bescheid gegeben hatte, dass das Türkische Rote Kreuz (Türkischer Halbmond, Anm. d. Red.) sie direkt nach der Ankunft in Empfang nehmen solle. Das war dann aber gar nicht mehr nötig. Nach der Landung hat sie das Flugzeug in aller Ruhe alleine verlassen können. Das war schon eine Erleichterung für alle Passagiere und die Crew.

Oliver: Horst, du gibst ja verschiedene Arten von Seminaren und vermittelst unterschiedliche Methoden ... aber, würdest du sagen: Reiki ist die Hauptsache für dich?

Horst: Absolut, ja.

„Und es war Harmonie ...“

Oliver: Was magst du an Reiki? Was ist so einzigartig daran?

Horst: Das kann ich dir sehr genau sagen: Ich brauche mir Reiki nicht vorzustellen, sondern kann sofort damit beginnen. Sobald ich mich darauf einstelle, habe ich die Möglichkeit, eine Verbindung zu haben. Frag mich nicht, wie das funktioniert ... es kann durch die Einweihung sein, es kann durch die jahrelange Praxis sein, dass ich relativ schnell, wenn ich es für mich selbst und andere benötige, im Energiefluss bin und den auch spüren darf.

Dabei ist das nicht immer selbstverständlich. Es gibt auch Umstände, die insgesamt so schwierig sind, dass es etwas länger dauert, bis ich in den Energiefluss komme. Ich möchte ein Beispiel dafür geben. Wir haben in Moskau viele Seminare gegeben. Dort kann es von den Begleitumständen her schon mal etwas schwieriger sein, das ist meine Erfahrung. Einmal gaben wir ein sehr großes Seminar dort, und die Energien rundherum waren besonders schwierig. Die Teilnehmer, das konnte ich spüren, benötigten ganz viel Energie. Ich war mit mehreren Reiki-Meistern dort, die wir ausgebildet hatten, denn sie wollten die Erfahrung machen, mit einer solchen Gruppe zu arbeiten.

Irgendwann während des Seminars spürte ich also, dass die Leute ganz viel Energie benötigten. Die Dolmetscherin hatte nicht alles richtig übersetzt, es gab ein wenig Unruhe, eine Spannung kam auf, und ich unterbrach kurz und sagte innerlich: ,Lieber Gott, wenn ich hier lehren darf und soll, dann schick mir bitte jetzt ganz viel Energie!‘ Und dann kam ein Strom rüber, und ich habe sofort die Hände rausgestellt, auf die ganze Gruppe, es war eine sehr große Gruppe. Es hat keine fünf Minuten gedauert, dann war Ruhe, dann war Harmonie.

Das Entscheidende dabei war für mich: Ich habe diese Hilfe erhalten, das kam nicht von  mir selbst. Und das ist der Kern dessen, wonach du gefragt hast. Wenn man das empfangen darf und auch noch spüren darf ... nicht nur, dass es die anderen spüren, sondern auch man selbst: Jetzt kommt das! Und jetzt ist es da! Und wenn ihr noch mehr braucht, dann nehmt euch, ich bin ja nur Kanal! Und es geht durch mich hindurch, wie ein rauschender Bach ... und das ist der Kern des Ganzen!

Oliver: Ich danke dir, Horst.

Horst: So erlebe ich Reiki!

 

 

Copyright Foto: Patrick Lankau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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