Neue Informationen über Takatas Lehre

Frau Takata, über die Reiki in den 1940er Jahren in den Westen gelangte, hat in den rd. 40 Jahren ihres Wirkens mit Reiki – nach allem was wir heute darüber wissen –, wohl oft sehr individuell unterrichtet; wie auch Mikao Usui, von dem wir dasselbe mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wissen. Der US-amerikanische Reiki-Meister Robert Fueston hat Neues über das Vorgehen Frau Takatas beim Lehren von Reiki herausgefunden.

 
Mein Mitarbeiter und ich warteten ungeduldig darauf, dass die Türen zum Archiv sich öffnen würden, als es einen Feuer-Alarm gab und alle eiligst die Bibliothek verließen. Es war der 17. April 2014, ich war in der David M. Rubenstein Bibliothek für seltene Bücher & Manuskripte an der Duke Universität(1), um Hawayo Takatas Beziehung zu der Erbin Doris Duke zu erforschen. Ich hatte über Justin Stein davon erfahren, einem Doktoranden der Universität Toronto, der seine Dissertation über die Geschichte der Reiki-Praxis schreibt. Als ich daraufhin die Online-Beschreibung der Inhalte des Archivs der David M. Rubenstein Bibliothek las, fasste ich sofort ins Auge, den langen Weg zur Duke Universität zu fahren, mit der Hoffnung, bislang „unbekannte Schätze“ über Takata bergen zu können und neue Informationen in das Buch mit aufnehmen zu können, an dem ich gerade schrieb.


Es dauerte fast eine Stunde, ehe die Ansage kam, dass es sich um einen falschen Feuer-Alarm handelte – und der Weg in die Archive frei wurde. Als Bibliothekswissenschaftler bin ich mit der Prozedur in Universitätsarchiven vertraut. Als erstes mussten wir uns ausweisen, mittels unseres Führerscheins. Dann packten wir unsere Taschen, Stifte und persönlichen Sachen in ein Schließfach. In Archiven sind Kugel- und Filz-Schreiber verboten, weil man damit versehentlich einen Fleck auf wichtige Unterlagen machen könnte. Deshalb werden einem Bleistifte gestellt. Taschen sind verboten, um zu verhindern, dass etwas herausgeschmuggelt werden kann.


Der Bereich, in dem man in einem Archiv Studien betreiben kann, ist in der Regel ein großer, offener Raum mit vielen flachen Tischen, sodass das Personal jede Person sowie die Archivmaterialien, mit denen sie arbeitet, jederzeit sehen kann. Anders als in einer öffentlichen Bibliothek, in der man frei herumschlendern und die Bücher und Unterlagen selbst aus den Regalen nehmen kann, sind Archive ein „geschlossenes System“. Das bedeutet, dass man sich im voraus als Forscher anmelden muss und dabei genau jene Kiste bestellt, die die Akten und Unterlagen enthält, die man sich anschauen möchte. Der jeweils diensthabende Archivar überlässt dann jedem Forscher bloß eine Kiste zur Zeit.

Verblüffende Entdeckung

Es ist allgemein bekannt, dass Hawayo Takata Doris Duke gekannt hat, und die Archive an der Duke-Universität enthalten eine Fülle an Informationen über ihre Beziehung zueinander.(2) Ich wusste, dass Frau Duke Reiki-Behandlungen von Frau Takata erhalten hatte. Ich war mir aber nicht sicher, ob sie jemals an einem Reiki-Kurs teilgenommen hatte. Frau Takatas Briefe an Doris Duke zeigten nun, dass sie Schülerin des ersten und zweiten Grades von Frau Takata gewesen war.

Was mich wirklich verblüffte war meine Entdeckung, dass Doris Duke den zweiten Grad am Telefon erhalten hatte. Aufgeregt und innerlich aufgewühlt, las ich die Dokumente immer und immer wieder, um sicherzugehen, dass ich es wirklich korrekt verstanden hatte: Frau Takata hat tatsächlich gelegentlich Reiki-Schüler aus der Ferne eingeweiht. Zuvor hatte ich angenommen, dass Reiki-Fernunterricht erst nach Frau Takatas Tod begonnen habe.

In einem Brief an Doris Duke erläutert Frau Takata, dass sie manchmal per Telefon unterrichte und Einweihungen aus der Ferne gebe bzw. wie Takata in ihrem Brief schrieb: „über Kurzwelle“ oder „per Fernsteuerung“.(3)

In einem Brief, abgestempelt am 19. Dezember 1978, wiederholt Frau Takata, dass sie Doris Duke in einem früheren Telefonat erklärt habe, wie eines der Symbole des zweiten Grades zu zeichnen sei. Frau Takata schreibt, dass das Symbol ohne die Einweihung nicht wirken würden, die sie aus der Ferne geben könne. Später, in einem weiteren Brief, schickte Takata auf dem Postweg eine Kopie aller drei Symbole an Doris Duke, detailliert die Strichfolge für jedes Symbol angebend.

Eher die Ausnahme als die Regel

Ich war zunächst in einem Konflikt, ob ich diese Informationen veröffentlichen sollte, zumal sie als Rechtfertigung für Fernunterricht oder gar Online-Kurse genommen werden könnten. Es ist wichtig, den Zusammenhang zu bedenken, in dem Frau Takatas Fernunterricht stattfand. Frau Takata erläutert, dass sie nur dann Ferneinweihungen vornahm, wenn es ihr absolut notwendig erschien. In einem Brief an Doris Duke präzisiert Frau Takata, dass sie Ferneinweihungen gegeben hat, wenn deren Empfänger im Krankenhaus lagen oder sehr weit entfernt von ihr waren und sie dringend benötigten. So gesehen war diese Art des Unterrichts ganz offensichtlich eher die Ausnahme als die Regel.(4)

Zu Frau Takatas Zeit gab es nicht in jeder Ecke der Welt einen Reiki-Praktizierenden, so wie es heute der Fall ist; Ferneinweihungen schienen in manchen Umständen damit wohl der beste oder gar einzige Weg zu sein, um nachhaltig zu helfen.

Bedauerlicherweise fand ich in den Doris-Duke-Archiven keinerlei Informationen über den Ursprung der Ferneinweihungen. Ist dies etwas, das Frau Takata von ihrem Lehrer gelernt hatte? Das ist einer der Punkte der Reiki-Geschichte, über die wir vielleicht niemals mehr erfahren werden. Was wir aber wissen, ist, dass Frau Takata gelegentlich Ferneinweihungen gab, im Zusammenhang mit Reiki-Unterricht, den sie einem Schüler per Telefon gab.

 

 

 


Robert Fueston ist Reiki-Meister und Mitglied der internationalen Reiki-Meister-Vereinigung „The Reiki Alliance". Er begann 1996, Reiki zu praktizieren, und entwickelte bald ein starkes Interesse daran, mehr darüber herauszufinden, wie Hawayo Takata Reiki lehrte. Die Ergebnisse seiner Recherchen und Forschungen werden in einem Buch veröffentlicht, das voraussichtlich Ende 2015 in englischer Sprache erscheint. Robert Fueston ist Gründer von „The Reiki Preservation Society", einer Gesellschaft die zum Ziel hat, Hawayo Takatas Lehren für zukünftige Generationen zu bewahren.
Info:
www.thereikipreservationsociety.org

 

 

Doris Duke, * 22.11.1912, † 28.10.1993, war eine US-amerikanische Unternehmerin, Kunstsammlerin, Tierschützerin und Mäzenin. Die Medien betitelten sie als „Million-Dollar-Baby“ und später als „die reichste Frau in der Welt“. Ihr extravagantes Leben diente zwei Hollywoodproduktionen sowie zahlreichen Büchern als Vorlage. Heute steht ihr umfangreiches Vermögen überwiegend wohltätigen Institutionen zur Verfügung.

(Quelle: Wikipedia, Sept. 2015)

 


Anmerkungen

(1) David M. Rubenstein Rare Book & Manuscript Library, Duke University, Durham, North Carolina, USA
(2) Ich bin mittels eines unterschriebenen Vertrags mit den Doris Duke Charitable Foundation Archives im Besitz einer offiziellen Erlaubnis, diese Dokumente in meinem Buch zu veröffentlichen, das demnächst erscheint.
(3) Im englischen Text werden hier die beiden folgenden Begriffe verwendet: 1. Kurzwelle: Im englischen Originaltext steht hier „Short Wave“. Dies ist wohl ein Vergleich mit dem Radio hören per Kurzwellenempfänger (Takata verglich auch sonst gerne mal zur Veranschaulichung Reiki mit der Energieform einer Radiowelle: „REIKI ist wie eine Radiowelle. Man kann sie überall da einsetzen, wo man sich gerade befindet, wie über Kurzwellen weiterleiten oder auch erfolgreich eine Fernbehandlung geben.“ Aus: The Blue Book, deutsche Version, Januar 1985, P.D. Mitchell/The Reiki Alliance, S. 7f) / 2. Fernsteuerung: Im englischen Originaltext steht hier „Remote Control“; was auch als Fernbedienung bzw. Fernlenkung übersetzt werden kann.
(4) Die von Frau Takata eingeweihte Reiki-Meisterin Barbara Weber hat ihre eigenen Meisterschüler 1983 und möglicherweise schon vorher in Ferneinweihungsmethoden unterrichtet. Ich habe keinerlei Hinweise dazu gefunden, ob Barbara Weber dies von Frau Takata gelernt hat.

 

 

 

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