Reiki in der Schweiz

Im Juni 2016 fand in der Schweiz, in Zürich, eine Reiki-Konferenz zum Thema Eidgenössische Anerkennung der Reiki-Methode statt. Monika Villa war dabei und berichtet für das Reiki Magazin:

Die Veranstaltung wurde professionell organisiert von ibH – in besten Händen und SwissReiki. Mehr als 50 interessierte Teilnehmer füllten den Saal im Hotel Glockenhof in Zürich, darunter Reiki-Lehrer, Praktizierende mit eigener Praxis sowie „private“ Reiki-Anwender. So war auch die Motivation für die Teilnahme verschieden. Mir ging es in erster Linie darum, mich als Reiki-Lehrerin auf den neuesten Stand der Entwicklung zu bringen und zu sehen, was es eventuell für Konsequenzen für mein Unterrichten haben könnte. Und natürlich freute ich mich auch, bekannte Gesichter zu sehen.

Humorvoller Einstieg

Markus Auf der Maur von ibH leitete durch die verschiedenen Programmpunkte. Einführend erklärte er, wie es zu der Veranstaltung gekommen war und nahm sich gleich selber auf die Schippe wegen seines Gipsbeins und der kurzen Hosen, die er deshalb trug.

Swiss Reiki, ein noch junger Verein mit dem Ziel der Anerkennung der Reiki-Methode als eigenständige Komplementärmethode auf eidgenössischer Ebene, agierte bis heute vor allem in der französisch sprechenden Westschweiz. Um Reiki-Praktizierende aus der ganzen Schweiz in das Projekt einzubeziehen, unterstützte ibH, welches sich als Kompetenzzentrum vor allem für die berufliche Ausübung von Reiki-Tätigkeiten sieht, den Brückenschlag in die deutschsprachige Schweiz als Mitorganisator.

Reiki in die erste Reihe!

Als passender Einstieg wurde ein Video-Interview mit Phyllis Furomoto gezeigt. Für sein gegenwärtiges Filmprojekt („Weg zur Versöhnung“) hatte René Vögtli von ibH mit Reiki-Praktizierenden auf der ganzen Welt gesprochen. Francis Vendrell, Präsident von SwissReiki, war interessiert an Phyllis Furumotos Meinung zur Anpassung der Unterrichtsform der Reiki-Methode an nationale Anforderungen.

Gespannt verfolgten wir ihre Aussagen zu diesem Thema, in der sie verschiedene Perspektiven tiefgründig und ausführlich beleuchtete. Phyllis hat die Erfahrung gemacht, und ich gebe das hier in meinen Worten wieder, dass Globalisierung von Praktiken oder Methoden oft die Essenz der Methode verdünnt. Sie äußerte, dass das Fundament und die Prinzipien eines Seminars sich ändern, wenn Reiki eine anerkannte Therapieform wird. Dies könne sie nicht unterstützen. Gleichzeitig anerkenne ihr „größeres Ich“, dass es verschiedene Optionen gebe, um zu Reiki zu kommen. Sie betonte aber, dass sie nicht möchte, dass der akademische Weg die einzige Art sei, wie Menschen zu Reiki finden. Sie wünscht sich, dass Reiki eine echte Option für Menschen mit jeglichem Leiden ist und die Schulmedizin dabei nicht zwingend in der ersten Reihe sitzt. Deshalb findet sie die Bezeichnung „komplementär“ nicht ganz passend, was ich in diesem Kontext sehr gut nachvollziehen kann.

Diplom für Reiki-Therapeuten?

Seit 2015 ist in der Schweiz der Beruf Komplementär­therapeut eidgenössisch anerkannt. Monica Delastre, Präsidentin vom Berufsverband APTN – Association des Praticiens Thérapies Naturelles, informierte darüber, wie es dazu kam und welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um diesen Titel zu tragen. Bei ihren Ausführungen war gut spürbar, dass sie wesentlich mitbeteiligt war an dieser für Ihr Empfinden überaus fortschrittlichen und wegweisenden Entwicklung, auch wenn sie sich bewusst ist, dass die Anpassung an Sys­teme auch Nachteile mit sich bringt. Monica Delastre legte uns aber sehr ans Herz, sich dieser Entwicklung nicht in den Weg zu stellen, da sie davon ausgeht, dass in 20 Jahren niemand in der Schweiz mehr öffentlich, das heißt gegen Entgelt, praktizieren dürfe ohne dieses Diplom. Vorteile dieses Diploms seien ein geschützter Titel, hochqualifizierte Therapeuten, Schutz der Patienten sowie mehr Wertschätzung und Glaubwürdigkeit.

Als erstes müsse dazu Reiki von der OdA KT – Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie als Methode anerkannt werden. Dabei sei die Einreichung einer Methodenidentifikation (METID) durch einen Trägerverband ein wichtiger Bestandteil. Um schließlich das Diplom zu erhalten, müsse erst das Branchenzertifikat erlangt werden; dies entweder durch eine von der OdA KT akkreditierte Ausbildung oder für langjährig Praktizierende durch das sogenannte Gleichwertigkeitsverfahren, um dann zur höheren Fachprüfung zugelassen zu werden. Das Diplom wiederum sei keine Garantie, dass sich die Krankenversicherungen an den Kosten einer Behandlung beteiligen. Dies war natürlich eine ernüchternde Aussage, hatten sich doch einige Zuhörer dies erhofft.

Mir rauchte der Kopf nach diesen detaillierten Ausführungen, und so war ich dankbar für eine Pause, in der ich mich fragte: Was für ein komplexes Verfahren kommt da auf uns zu?  Brauchen wir wirklich ein Diplom?

Umstrukturierung der Ausbildung

Francis Vendrell, Präsident von SwissReiki, Verein für das Therapeutische Praktizieren von Reiki, präsentierte den Stand der Methodenidentifikation (METID), die eine Arbeitsgruppe von mehr als 20 Personen innerhalb von Swiss Reiki während mehr als drei Jahren erarbeitet hat. Dies war im März 2016 bereits in Lausanne vorgestellt und die Kommentare zur Verbesserung miteinbezogen worden. Francis freute sich, dass er diese Möglichkeit nun auch, dank seiner Verbindung zu René Vögtli, uns Deutschsprechenden bieten könne.

Er betonte, dass eine vereinte und aktive Reiki-Gemeinschaft die unabdingbare Basis für das Entwickeln und Bekanntmachen der Methode sei und SwissReiki zwar Träger des Projekts sei, aber ohne die Unterstützung der Gemeinschaft es als schwierig erachte, dieses Ziel zu erreichen. Während seiner Präsentation war spürbar, mit wieviel Herzblut er für diese Vision einsteht.

METID ist ein umfangreiches Dokument von über 50 Seiten, dessen Struktur und Inhalt von der OdA KT vorgegeben ist. Im Falle des Erfolgs würde die Reiki-­Methode anerkannt und SwissReiki wäre der verantwortliche Verband für die Reiki-Methode. SwissReiki verspricht sich durch die Anerkennung neben anderem auch ein besseres Image von Reiki und eine größere Glaubwürdigkeit in der breiten Öffentlichkeit. Francis ist sich im Klaren, dass sich daraus aber auch einige Herausforderungen ergeben, wie zum Beispiel viel anspruchsvollere Ausbildungskriterien für Praktizierende als bisher. Auch sieht er einen Bruch mit dem bisherigen „traditionellen System“, sobald sich die nationale Reglementierung durchsetze, dies jedoch sieht er auch als Chance zur Vertiefung der Praktik. Die Ausbildungsdauer betrage in der Summe letztlich mehr als 900 Stunden.

Bei dieser Zahl war schon eine Spannung im Saal spürbar. 900 Stunden Ausbildung, um eine bezahlte therapeutische Reiki-Behandlung anbieten zu dürfen? Und ich fragte mich nach der Vorstellung des Ausbildungsplans unter anderem: Kann ich dann nur noch Seminare für Menschen anbieten, die Reiki lediglich privat anwenden? Und wozu braucht es den 3. Grad, um Reiki zu praktizieren?

Ausdruck der Gefühle

Da sich nach der Präsentation gerade eine kritische Stimme meldete, leitete Markus Auf der Maur über zum Runden Tisch, an dem sich Monica Delastre und Francis Vendrell für Fragen zur Verfügung stellten. Die Moderation übernahm René Vögtli von ibH. René erfragte erst das Stimmungsbarometer, welches ergab, dass sich für ein Drittel der Anwesenden die Erwartungen mehr als erfüllt hatten, ein Drittel war enttäuscht, der Rest blieb neutral. Um die Essenz von Reiki wieder zu spüren, forderte René uns auf, ins Herz und eine Minute in die Stille zu gehen.

Danach wurde der Raum geöffnet für Fragen. Es stellte sich dann aber heraus, dass die Teilnehmer vielmehr das Bedürfnis hatten, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Es wurde viel Dankbarkeit ausgedrückt gegenüber der immens geleisteten Arbeit, um Reiki ins ­System zu integrieren, aber auch Ängste und Befürchtungen, nicht mehr praktizieren zu dürfen, gegenüber einer Monopolstellung von SwissReiki oder sich zu verleugnen, wenn wir das System unterstützen.

Monica Delastre und Francis Vendrell vertraten beide die Meinung, dass es möglich sei, sich an das System anzulehnen ohne sich zu verleugnen und dass wir stolz darauf sein können, dass die Schweiz hier eine führende Rolle in Europa übernehmen könne, worauf René dem entgegen hielt, dass die Bemühungen des Berufsverbandes ProReiki in Deutschland auf Basis eines Bundesverfassungsgerichtsentscheids ebenfalls seit vielen Jahren betrieben werden, dabei die Einfachheit von Reiki jedoch viel mehr belassen werde.

Reiki in seiner Einfachheit

Auch ich vertrete die Meinung, dass Reiki mehr Anerkennung in der Gesellschaft und im Gesundheitswesen verdient, doch für mich fühlt sich der in der Schweiz eingeschlagene Weg nicht stimmig an. Es widerspricht meinem Verständnis von Reiki, es einem solch komplexen System anzupassen. Das Schöne an Reiki ist seine Einfachheit, die Essenz sind die Einweihungen und mir scheint, genau dies geht verloren mit dieser Entwicklung. Doch unabhängig von meiner Meinung möchte ich SwissReiki und der APTN meinen höchsten Respekt aussprechen für die immense Arbeit, die sie geleistet haben.                                                                   

 

Zur Autorin:

Monika Villa-Studer, Reiki Lehrerin, Seelenzentrierter Coach, Pflegefachfrau.

Persönliche Website: www.reiki-villa.ch

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Fotos: Claudia Möri, Reikimeisterin

Weitere Infos:

Einsicht in METID: www.swissreiki.org

Infos über ibH: www.in-besten-Haenden.ch

Infos zum Diplom-Komplementärtherapeut: www.oda-kt.ch

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