Ein Reiki-Treffen in Breitenbush

Jürgen Kindler berichtet vom berühmtesten Reiki-Treffen in den USA

 

Haben Sie ihren Urlaub schon geplant? Wie wäre es mit einer Reise in Sachen Reiki nach Amerika zu dem seit zwölf Jahren stattfindenden Reiki-Treffen? Jürgen Kindler war 1996 schon einmal da und hat einen Reisebericht verfaßt.



Seit Jahren höre ich Freunde über "Breitenbush" reden. Bereits nachdem ich das erste Mal vom dortigen Reiki-Treffen gehört hatte, bekam Breitenbush für mich einen Nimbus des Verklärten, sozusagen: "Breitenbush, die Wiege aller Reiki-Treffen" - und das auch noch im "gelobten Land" Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem Reiki den Westen kennengelernt hat. In mir kam ein Gefühl von "alten Zeiten" auf, als ob ich mit den Anfängen von Reiki in Kontakt kommen würde, wenn jemand das Reiki-Treffen in den "Breitenbush Hot Springs" besuchte.
Breitenbush - das ist ein Örtchen buchstäblich in den Wäldern südlich von Portland, Oregon, im Nordwesten der USA. Dort hat vor zwölf Jahren das erste Reiki-Schüler-Treffen stattgefunden. Damals gab es erst wenige Reiki-Meister in den USA, und es war praktisch Barbara West alleine, die das Treffen für ihre Schüler organisierte. Mittlerweile hat sich Barbara West aus der Organisation zurückgezogen und diesen Job einer Art Vorstand überlassen.
1996 ergab sich für mich die Gelegenheit, das Treffen zu besuchen. Kurz vor der Ankunft in Portland schaute ich aus dem Fenster, und es begrüßte mich - auf gleicher Höhe, aber zum Glück zehn Kilometer entfernt - der Mount Hood (über 3000 Meter), angeleuchtet im milden Abendlicht. Ein Vorgeschmack sozusagen auf die Naturschauspiele, die mich noch erwarten sollten.
Schon auf der Fahrt vom Flughafen nach Breitenbush zeigte sich Oregon von seiner besten Seite: Viel Sonne und viel Tannenwald machten mich beinahe glauben, ich sei im Schwarzwald gelandet. Nur die amerikanischen Autokennzeichen und meine amerikanisch sprechenden Beifahrer paßten nicht ins Bild.

Eine für die Indianer heilige Stätte

Auf der Fahrt erfuhr ich die ersten Details darüber, was Breitenbush eigentlich ist. Die Gemeinschaft "Breitenbush Hot Springs" hat vor Jahren einen Wald mit natürlichen heißen Quellen gekauft und es sich zur Aufgabe gemacht, die für die Indianer heilige Stätte interessierten Menschen bei sanfter Nutzung zugänglich zu machen. Heute leben ca. 50 Leute ständig in einem eigenen Bereich auf dem Gelände und versorgen bis zu 160 Gäste mit vegetarischer Kost. Die Gäste schlafen im Wald in einfachen Hütten, die meisten davon ohne eigenes WC. Geduscht wird in separaten Badehäuschen. Der Strom wird durch den durch das Gelände führenden Fluß erzeugt, Autos sind nicht zugelassen. Die gesamte Ausstattung ist eher spartanisch, so gibt es nicht einmal ein richtiges Telefon, nur Funkkontakt mit der Außenwelt, aber das ist gleichzeitig der Reiz für die häufig gestreßten Gäste.
Dafür kann Breitenbush aber eine ganz besondere Attraktion aufbieten: heiße Quellen! Zu genießen sind sie in einer Art Sitzbadewanne oder in "Natur pur", in einfachen Becken am Rande einer heiligen Wiese, mit malerischem Blick in das Tal (tagsüber) oder direktem Anblick der Sterne (nachts). Und nebenbei sorgen sie noch für die Heizung.
Für mich war die Mineralsauna mein Lieblingsplatz. Kochendheißes Wasser fällt unter der Sauna auf Steine. Das so verdampfende Wasser zieht durch einen Lattenrost nach oben. Es war teilweise so heiß, daß jede Bewegung den Eindruck erweckte, die Haut würde verbrennen. Das Wasser enthält viel Lithium, das auch bei Depressionen für Erleichterung sorgt. Ich war jedenfalls nach meinem morgendlichen Pool- und Saunagang froher Dinge!

Ein vorzüglicher Ort für eine Reinigung

Allein durch die heißen Quellen eignet sich Breitenbush vorzüglich zur inneren und äußeren Reinigung. Und in Verbindung mit einem Reiki-Treffen ist dies der richtige Ort, um die eigene Erfahrung mit dem Usui System der Reiki-Heilung zu vertiefen.
Das Thema des Reiki-Treffens war "Offen für das Heilige". Bereits ab Freitag nachmittag kamen die insgesamt 129 TeilnehmerInnen an. Da es leicht ist, sich in einer so großen Anzahl von Leuten zu verlieren und sich einsam zu fühlen, haben die Veranstalter eine besondere Art des Zusammenkommens gewählt: Nach dem Abendessen versammelten wir uns in sogenannten "homegroups" (Heimgruppen) und gaben uns gegenseitig Reiki.
Nach ein paar gesungenen Liedern waren wir alle müde - aber ein paar gingen doch noch in die "meadow pools", die heißen Quellen in den Wiesen. Was für ein Erlebnis: tiefe Nacht, ein klarer Sternenhimmel und mit Reiki-Freunden im heißen Wasser sitzen - dort, wo schon die Indianer Heilung und Inspiration erfahren haben.

Ein Vortrag von Phyllis und Paul

Am nächsten Morgen stand ein Vortrag mit Phyllis und Paul auf dem Programm. Vorher machten wir noch eine kleine Meditation zu einer Lebensregel, wie auch am Anfang jeder anderen Sitzung. Gemäß dem Thema des Treffens sprachen Phyllis und Paul zur Heiligkeit* in Reiki. Es fällt mir schwer, darüber zu schreiben, was die beiden so gesagt haben, denn wie so oft berührten die Worte mehr als nur die Oberfläche. Der Vortrag dauerte anderthalb Stunden, und alle saßen gebannt und hörten zu.
Ein Gedanke, der mir persönlich haftengeblieben ist: Paul hat den Begriff "Heiligkeit" bis zur Sanftheit ausgedehnt. Auf das Usui System bezogen meinte er, daß er nie auf die Idee gekommen sei, das System, das er von Takata gelernt hat, zu ändern. Vielmehr hält er es in einer Art Andacht und tiefem Zuhören. So verändert er nicht einfach Elemente des Systems (z. B. die Symbole oder die Einweihungsrituale), wenn er etwas nicht versteht. Vielmehr geht er davon aus, daß er noch nicht tief genug eingetaucht ist, um alles verstehen zu können. Also praktiziert er weiter und hofft auf eine tiefere Einsicht.
Ich finde diese Einstellung angenehm: Ich sehe oft in Reiki-Meister-Kreisen, daß Reiki mit allem Möglichen kombiniert wird, ohne daß Reiki wirklich eine Chance gegeben wurde, sich zu entfalten. In meiner Erfahrung ist Reiki eine sehr "ruhige" Angelegenheit. Zeit haben und warten können sind wichtige Faktoren, um Reiki kennenzulernen.
Das liegt ja auch ganz nahe: Immerhin dauert eine ganz normale Reiki-Behandlung eine Stunde, und das ist in der heutigen, für viele Menschen hektischen Zeit, eine ganze Menge.
Am Nachmittag hatten wir frei, um in den angrenzenden Urwäldern zu wandern, uns einander Reiki zu geben oder einfach in die Sauna zu gehen, auf dem Reiki-Marktplatz ein bißchen einzukaufen oder - wieder einmal - in den heißen Quellen zu baden.
Am Abend trafen wir uns, um die Premiere von Phyllis und Pauls neuem Video zu erleben. Danach gab es Reiki-Austausch in unseren Heimgruppen. Und dann ... entweder ab ins Bett oder eben die Nachtsitzung in den heißen Quellen, diesmal mit einer Unmenge an Sternschnuppen!
Am Sonntag morgen feierten wir noch ein bißchen - ein richtiges Programm gab es eigentlich nicht. Die Organisatoren wurden gelobt, es wurde gesungen, und alle erzählten, wie gut es ihnen gefallen hatte. Eine tolle Stimmung bereitete auf die Rückfahrt nach dem Mittagessen vor.
Breitenbush - das Treffen liegt nun hinter mir. Es hat mir sehr gut gefallen. Was war denn nun das Besondere daran? War es das Schlafen im Wald? Die Mineralsauna? Die Reiki-Behandlungen? Der Vortrag von Phyllis und Paul? Das Zusammenkommen mit Reiki-Freunden? Die gute Luft? Ich weiß es nicht so genau. Aber es gibt einen Zauber von Breitenbush, der mich schon daran denken läßt, 1997 wieder eine USA-Reise zu machen ...


Anmerkungen:
*Heiligkeit: Die direkte Übersetzung des Wortes "sacredness" enthält im Deutschen eigentlich zu viel Pathos. Im Amerikanischen bedeutet es auch, daß man etwas für wichtig hält und "für sich" behält, der Sache mit Respekt und evtl. Ehrfurcht begegnet.

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Infos zum Northwest Reiki Gathering

Termin: 8. bis 10. August 1997 in Breitenbush Hot Springs, Oregon
Nächster Flughafen: Portland oder Eugene, ab dort Anreise mit dem (Miet-)Auto
Kosten: ca. $ 200,- inklusive Unterkunft und Verpflegung
Anmeldung: Es steht noch keine Anmeldeadresse fest, aber in der Zwischenzeit kann man sich in eine Liste eintragen lassen, um die Anmeldeunterlagen zugeschickt zu bekommen. Eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen, 1996 war das Treffen ab Mai ausgebucht.
David Pex, 2178 Scholfield Rd., USA-Reedsport OR 97467, Fax: 001-541-271-4412

 

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