„Was Heilung bedeutet ..."

Ein Interview mit Paul Mitchell – von Oliver Klatt


Paul Mitchell ist einer der 22 Reiki-Meister, die von Hawayo Takata zwischen 1975 und 1980 eingeweiht wurden. In diesem Interview spricht er über wesentliche Punkte zu den Themen Krankheit und Heilung – und über seine Erfahrungen mit Hawayo Takata und seiner Verbindung zu Mikao Usui.

 

Oliver: Reiki ist eine Heilmethode, und du praktizierst Reiki jetzt seit mehr als 35 Jahren. Kannst du einige deiner Einsichten mit uns teilen, was Heilung ist und worum es beim Heilungsprozess letztlich geht?

Was ist Heilung?

Paul: Das ist eine große Frage ... Als ich Reiki erlernte, von Hawayo Takata, im 1. Grad-Seminar, lag ihr Fokus in besonderem Maße auf körperlicher Heilung. Also war es bei mir genau so: Ich war auch vor allem auf körperliche Heilung ausgerichtet. Manchmal geschah dann körperliche Heilung sehr offensichtlich, und manchmal war sie nicht so offensichtlich. Und, natürlich ... jeder, der Reiki praktiziert und es bei Unfällen und in ähnlichen Situationen anwendet, die man ganz direkt behandelt, hat schon einmal kleine Wunder und Heilung erlebt. Und ... in anderen Situationen mag das vielleicht nicht so gewesen sein. Oder vielleicht: scheinbar nicht. Ich erinnere mich an eine Frau, die zu mir kam, sie hatte 20 Jahre lang Migräne gehabt, und: zwei oder drei Behandlungen, und die Migräne war weg. Und ich erinnere mich an eine andere Person, die auch Migräne hatte, die sich selbst mehr als 20 Jahre lang mit Reiki behandelte, und im Laufe dieser Zeit wurde es jedes Jahr etwas besser, Schritt für Schritt. Für mich fühlt es sich so an, als wenn Reiki uns dazu einlädt, zu entdecken – oder: zu erforschen –, was Heilung bedeutet, als Teil der Erfahrung, Mensch zu sein.

Oliver: Und für dich persönlich: Was ist deine wichtigste Einsicht dazu?

Paul: Meine Erfahrung ist, dass Reiki immer Heilung ist. Und: Diese mag sich körperlich manifestieren oder auch nicht. Aber: Etwas ändert sich in einem Menschen, der es sich erlaubt, in vollkommenerer, integrierterer Weise in Beziehung zu seinem Leben zu stehen. Vor einigen Jahren entdeckte ich ein Buch von Ram Dass, einem berühmten US-amerikanischen spirituellen Lehrer. Irgendwann hatte er begonnen, ein Buch über das Altern zu schreiben. Aber er konnte es nicht beenden. Er hatte einen Schlaganfall und war sehr geschwächt dadurch. Nachdem er durch diese Erfahrung hindurch gegangen war, beendete er das Buch. In der Einleitung zu diesem Buch sagt er: „Heilung ist letztlich nicht dasselbe wie Gesundung. Heilung bedeutet nicht, zu der Art und Weise zurückzukehren, wie die Dinge vorher waren, sondern vielmehr sich zu erlauben, das zu tun, was einen jetzt näher zu Gott bringt." Das ist eine sehr interessante Definition.

Oliver: Ja, das sehe ich auch so. Und – was ist deine Sichtweise von Krankheit?

Was ist Krankheit?

Paul: Krankheit ist, ich würde sagen, ähnlich komplex. Einerseits können wir häufig Zusammenhänge erkennen zwischen einer Krankheit und der Art, wie wir leben. Sind unsere Entscheidungen tatsächlich unterstützend für unsere Gesundheit? Was wir essen, wie wir für uns sorgen, unsere Geisteshaltung ... Oft können wir da einen direkten Zusammenhang erkennen: Man tut dies, und es hat eine negative Wirkung. Man tut es oft, also manifestiert sich irgendeine Art von Krankheit. Ich denke, das ist eine der Wahrheiten über Krankheit und die Erfahrung des Mensch-seins. Und ... ich denke auch, dass Krankheit der Weg eines Menschen zu tieferer Heilung sein kann. Dazu bedarf es für mich einer weiter in die Zukunft gerichteten Perspektive. Eine Art, in der ich das zum Ausdruck bringe, ist, indem ich sage: Ich weiß nicht, wie der Weg eines Menschen verlaufen muss, damit er sich entwickelt. Und ich sehe, dass manchmal tragische Ereignisse, ernste Krankheiten und Verletzungen einen Raum öffnen für eine geradezu wundersame Entwicklung der Seele – was für mich dann auch Heilung ist.

Oliver: Wenn wir Reiki anwenden, nutzen wir die universelle Lebensenergie. Was ist diese Energie für dich?

Paul: Voriges Jahr bemerkte ich, dass ich neben dem Begriff „Universelle Lebensenergie" begann, einen weiteren Ausdruck zu verwenden: „die Energie des Lebens". Das fühlt sich für mich wie ein sehr freundlicher Begriff an: „die Energie des Lebens".

Oliver: Was kannst du also sagen, über „die Energie des Lebens"?

Paul: Nun, was kann man schon sagen, über „die Energie des Lebens" ... ? (lacht)

Oliver: (lacht) Nun, du könntest erzählen, wie du den Fluss dieser Energie durch dich hindurch erlebst ... oder ob du im Laufe der Jahre zu Einsichten darüber gelangt bist, ob es zum Beispiel Regeln gibt, nach denen diese Energie zu funktionieren scheint ...

Lebensenergie kanalisieren

Paul: Als ich den Ersten Grad erlernte, nannte Hawayo Takata Reiki „Universelle Lebensenergie" oder „Gotteskraft". Aufgrund meines katholischen, christlichen Hintergrunds war „Gotteskraft" der Ausdruck, mit dem ich mich verbinden konnte. Und dann lernte ich, den Ausdruck „Universelle Lebensenergie" zu verwenden – und entwickelte auch dazu eine Beziehung. Ich erinnere mich daran, wie in den ersten Monaten, in denen ich Reiki-Behandlungen gab, eines Abends, in einem Reiki-Kreis, als wir Reiki-Behandlungen miteinander austauschten, in einem bestimmten Moment der Fluss der Energie durch mich so klar war, dass der folgende Gedanke in mir aufstieg: ,Oh, das ist göttliche Energie! So fühlt sich Gottes Energie an.' Das war ein sehr bewegender Moment für mich – in dem ich von Konzepten, Ideen, Glaube zu Erfahrung überging.

Aus meinen Jahren der Praxis heraus, der Verkörperung der Lehren von Hawayo Takata, ihres absoluten Vertrauens in Reiki und meiner eigenen Erfahrung, dieses Vertrauen zu vertiefen und zu vertiefen und zu vertiefen, ist mein Gefühl: Wir tragen da ein unglaubliches Geschenk in uns ... in der Lage zu sein, in Kontakt mit der Energie des Lebens zu gehen, in der wir leben, ja regelrecht schwimmen, und von der unsere Körper vollkommen abhängig sind ... und alles, was um uns herum ist, ist davon abhängig, es ist der Urgrund unseres Daseins. Mit Reiki sind wir in der Lage, das alles in einer irgendwie bewussteren oder intimeren Art zu berühren. Und das Ergebnis davon ist, dass wir dazu gebracht werden, dem Leben mehr und mehr zu vertrauen. Wir sind in bewusstem Kontakt damit, „die Energie des Lebens zu kanalisieren" – und das Leben weiß jederzeit, was zu tun ist. Wenn wir in der Lage sind, das für wahr zu nehmen, wenn das die Erfahrung ist oder das Bewusstsein, zu dem wir gelangen, dann breitet sich dieses größere Vertrauen in das Leben immer weiter aus, in alle Aspekte unserer Erfahrung unseres Lebens hinein.

Oliver: Paul, du hast den Ersten und Zweiten Grad bei Hawayo Takata erlernt, 1979, 1980, und du hast die Meistereinweihung von ihr erhalten ... Was kannst du über sie sagen, darüber, wie sie Reiki verkörperte, wie es war, mit ihr zusammen zu sein?

In der Präsenz einer Meisterin

Paul: Das erste Mal traf ich sie in einem Kurs an der Universität, den ich belegt hatte, zum Thema „Ganzheitliche Gesundheit und Selbstregulierung". In diesem Kurs gab es viele Gast-ReferentInnen, und sie war eine davon. Sie war nicht sehr groß, sie war eine schlanke Frau, eine „kleine Person" – aber ihre Energie war nicht klein. Sie füllte den ganzen Raum aus und strahlte beständig diese Energie aus. Rückblickend kann ich sagen, dass dies meine erste Erfahrung davon war, in der Präsenz eines Meisters, einer Meisterin zu sein. Ich meine: Davor hatte ich keine Idee davon gehabt, was Meisterschaft bedeutet. Ich wurde auf mehr Ebenen berührt, als mir bewusst war. Sie teilte nur ein paar einfache Geschichten aus ihrem Leben mit uns, sprach über Reiki in sehr einfacher und direkter Weise – und dann, am Ende der Stunde, sagte sie: Wenn jemand daran interessiert ist, komme ich zurück und lehre es! Da ging meine Hand hoch – ich nahm meine Hand nicht hoch, sondern sie ging hoch ... –, und als ich nach Hause fuhr, stieg dieses Bewusstsein in mir auf: Das ist es, wonach ich gesucht habe! Und auf dieses Bewusstsein, das so stark war, folgte sofort Verwirrung. Weil ich gar nicht wusste, dass ich nach etwas gesucht hatte.

Takata hatte diese, ich würde sagen: Kapazität, eine Frage zu beantworten, bevor man überhaupt wusste, dass man sie hatte. Ich fuhr nach Hause und erzählte meiner Frau von dem Kurs, und sie war sofort interessiert, ich war absolut überrascht. Und dann, als wir zum Erste-Grad-Kurs fuhren, sagte ich im Geiste zu mir selbst: ,Ich bin sicher, dass jeder andere das kann, aber ich nicht. Ich bin sicher, wenn es da irgendeine spezielle Art von Erfahrung gibt, dass jeder andere sie haben wird, aber ich nicht.' Das war meine Geisteshaltung. Und: Während des Kurses spürte ich überhaupt nichts. Und irgendwie kommunizierte sie ein solches Wissen und eine solche Überzeugung und ein solches Vertrauen, in dem, was sie tat, wie auch in dem, was sie an mich weitergab, dass sie mich dadurch getragen hat. Das ist meine Erfahrung!

Dann praktizierte ich jeden Tag. Ich behandelte mich selbst jeden Tag, ohne Ausnahme, ein Jahr lang. Ich hatte zuvor andere Praktiken ausgeübt, manchmal eine Woche lang oder zwei, manchmal zwei Monate oder drei ... aber bei dieser Praxis blieb ich, mit einem enorm starken Gefühl, „nicht gut genug zu sein", mit dem Gedanken in meinem Kopf: ,Ich bin nicht wie meine Meisterin, wie kann ich da anderen Leuten Behandlungen anbieten?' – und dennoch tat ich genau das: anderen Leuten Behandlungen anzubieten! Es war, als würde ich durch meinen Widerstand hindurch getragen, weil ich fühlte, dass „ich" möglicherweise nicht „gut genug" war, um andere zu behandeln. Und für mich war das Teil ihrer Verkörperung von Reiki. Manchmal sagte sie Dinge, die sehr paradox waren, und ich akzeptierte das einfach, ohne dass Gedanken wie ,Macht das Sinn?' übermächtig wurden ... ich akzeptierte es einfach. Ich hatte noch nicht die Erfahrung, aber ich hatte diesen offenen Raum in mir, der es mir erlaubte, in der Lage zu sein, die Wahrheit dessen zu sehen, was sie sagte.

Oliver: Takata starb im Alter von fast 80 Jahren, im Jahr 1980 ... und ein neues Kapitel für Reiki in der Welt begann. Dann, über die Jahre, wurden Forschungen angestellt, was die Ursprünge von Reiki anging, der Gedenkstein für Mikao Usui wurde entdeckt, neue Informationen kamen auf ... Kannst du etwas dazu sagen, wie dieser Prozess für dich war – und dazu, wie du deine persönliche Beziehung zu Mikao Usui, dem Begründer des Usui-Systems des Reiki, erlebst?

Der Gedenksteintext

Paul: Um ehrlich zu sein, was meinen Prozess damit angeht ... die ersten „neuen Informationen", die aufkamen, in den ersten Jahren, waren für mich so sehr mit Interpretationen derer beladen, die davon berichteten, dass ich ihnen nicht zu trauen vermochte. Das war der Anfang. Und dann, an einem gewissen Punkt, ermutigte Fokke Brink Phyllis Furumoto dazu, nach Japan zu reisen, und von ihrer ersten Reise dorthin brachte sie den japanischen Text des Gedenksteins mit, der dann professionell übersetzt wurde, in Seattle. Als ich den Text das erste Mal las, war das wunderbar für mich. In den meisten Punkten bestätigte der Text das, was ich zuvor gehört hatte, diese kleinen Dinge wie Usuis Wissen von der Bibel, seine Reisen ... Und noch etwas anderes war ein wahrer Segen für mich: dass das, was in dem Text über die Lebensregeln gesagt wurde, mir einen größeren Zusammenhang gab für mein eigenes Verständnis von ihnen.

Mir wurde also klar, dass das, was ich von Hawayo Takata erhalten hatte, für mich eine Geschichte war ... in einer Praxis einer mündlichen Überlieferung. Und diese fiel für mich mehr in die Kategorie der Schöpfungsgeschichten, die es überall auf der Welt gibt. Einige Details waren anders, aber was in dieser Geschichte kommuniziert wird, ist ein Ort, sich selbst in der Welt zu halten, der einem eine Basis für das Sein gibt und der Lektionen und Ausrichtungen für das Leben beinhaltet – und für die Praxis von Reiki. Als Kinder des Informationszeitalters ist es eine Herausforderung für uns – weil Information Macht bedeutet –, diese andere Form des Lehrens zu verstehen, die auch eine sehr große Macht besitzt!

Oliver: Ich sehe das auch so. Ich liebe es, diese Geschichte im 1. Grad-Seminar zu erzählen, und die Leute lieben sie auch. Man kann so viel damit übermitteln ...

Paul: Und, was ich finde, ist, dass die Geschichte Energie übermittelt, die den Schüler zu Anfang seiner Praxis absolut hält und unterstützt.

Oliver: Ja, das sehe ich auch so. Paul, ich möchte gerne zurückkommen zum zweiten Teil meiner letzten Frage, deine persönliche Beziehung zu Usui betreffend. Wenn du das Foto von Usui anschaust, das wir alle kennen, was fühlst du dabei? Hast du dieses Foto von Takata erhalten? Wo kommt es her?

Paul: Das Foto kam von Phyllis.

Oliver: Weißt du, woher sie es hat?

Das Foto von Usui

Paul: Ja, es befand sich in den Unterlagen ihrer Großmutter. Da waren diese Fotos, auch von Dr. Hayashi, zusammen mit den Negativen. Sie machte die Fotos dann verfügbar, zunächst für die Meister, die ihre Großmutter eingeweiht hatte, um diese zu ehren. Dann für die Meister, die Phyllis einweihte. Und dann für die größere Gemeinschaft der Meister.

Oliver: Wie großartig, dass diese wunderbare und inspirierende Foto von Usui so seinen Weg gefunden hat zu den vielen Millionen Reiki-Praktizierenden. Ich meine, die meisten Reiki-Praktizierenden weltweit kennen heute dieses Foto und fühlen sich inspiriert davon ...

Paul: Ja. Und, natürlich, wenn es da eine Person gibt, die so wichtig in meinem Leben ist und ich von ihr ein Foto besitze, dann ist das wunderbar: das Foto des Begründers, des Anfangs des Geschenks von Reiki zu sehen. Ich fühle mich gesegnet, es erhalten zu haben. Und seine Güte, seine Freundlichkeit, die Qualität seiner Präsenz zu sehen, ein großer Mann! Von Anfang an hatte ich eine Beziehung zu Usui, was ein Gefühl für seine Präsenz angeht, seine Unterstützung, in meiner Praxis von Reiki ... wenn ich Reiki lehre, stehe ich nicht alleine da! Es ist, als wenn ich mich auf jene hinter mir verlassen kann. Und der erste in dieser Linie ist er. Ich fühle seinen Großmut, und ich liebe seine Unterstützung. Und ich war immer in der Lage, wenn ich das Bedürfnis dazu verspürte, mich mit ihm zu verbinden und ihm zuzuhören. Es fühlt sich für mich so an, dass er zugänglich für mich ist. Und das fühlt sich sehr persönlich an. Was von ihm zu mir kommt, ist für keinen anderen bestimmt, es ist für mich. Ich habe immer diese Zugänglichkeit gespürt, das ist meine Erfahrung.

Oliver: Für mich ist es manchmal schwierig, mich mit einer Person zu verbinden, die bereits gestorben ist und die ich nie persönlich kennengelernt habe. Es ist einfacher für mich, mich mit jemandem zu verbinden, der lebt.

Paul: Das ist für mich auch so. Meistens in meinem Leben verbinde ich mich mit Menschen, die am leben sind. Und ... was ich erfahre, ist eine Zugänglichkeit ... ich würde sagen, das Tor dazu – ich meine: sich mit bedeutenden Wesen zu verbinden, die tot sind – kam vor vielen Jahren zu mir. Ich war damals auf einer Art Suche und wurde zu einer Frau geführt, die mich einen Prozess lehrte, mich mit jenen zu verbinden, die auf einer anderen Ebene sind. Ich praktizierte das für einige Jahre, täglich, es war hilfreich für mich – und dann hörte ich mit dieser Praxis auf. Aber was ich daraus gelernt hatte, war, dass ich es auch auf eigene Weise tun konnte. Das geschah besonders zu Anfang: in Zeiten, in denen ich entweder etwas Persönliches mit Reiki anvisierte oder etwas, das mit der Reiki-Gemeinschaft zu tun hatte oder mit etwas, bezüglich dessen ich mich verloren oder verwirrt fühlte, stellte ich dann diese Verbindung zu Usui her. Es brachte mich stets an einen Ort der Ruhe, größerer Klarheit hinsichtlich der Vision, Zentriertheit ...

Oliver: Danke, dass du das mit uns teilst ...

Paul: Es ist nicht etwas, das ich oft tue. Vielleicht fünf Mal, während der letzten 35 Jahre ... aber deshalb ist dieses klarere Gefühl von Verbundenheit in mir. Und: Das ist vollkommen ausreichend, und es war großartig für mich!

Oliver: Als letzter Punkt, Paul, kannst du ein paar Ratschläge geben, für Reiki-Praktizierende von heute, ein paar essenzielle Worte, von denen du meinst, dass es hilfreich für uns sein könnte, wenn wir sie in Betracht ziehen, auf Basis deiner 35-jährigen, fortwährenden Praxis von Reiki?

„Gib acht!"

Paul: Nun, da werde ich einfach meine Lehrerin zitieren ... (lacht): Reiki ist zuallererst für dich selbst! Und dann für deine Familie und Freunde ... und wer-auch-immer zu dir kommt! Und dieses „Zuallererst-für-dich-selbst" wird verkörpert durch tägliche Selbstbehandlung. Dies ist der erste Ratschlag, den ich jedem Praktizierenden geben würde: Behandle dich jeden Tag! Und: Mach' so viel Reiki wie möglich! Und: Halte dich nicht zurück, so dass das Auflegen deiner Reiki-Hände ganz spontan aus dir heraus kommt! So wirst du eine Sensitivität entwickeln und unterscheiden können zwischen ,Oh, ich fühle mich geneigt dazu, Reiki anzubieten' und ,Oh, ich fühle mich nicht geneigt dazu, in dieser Situation Reiki anzubieten'. Das kommt dann von einem Sinn für Verbundenheit mit Reiki, nicht von einer Vorstellung oder aus deinem Kopf.

Und eine weitere Lehre von Hawayo Takata war: Reiki wird dich lehren! Und: Lass Reiki dich lehren! Also, was mich angeht, was ich gelernt habe, ist: Praktiziere – gib acht! Gib acht ... weil, meine Erfahrung ist: Reiki öffnet und erweitert beständig eine Fähigkeit zu „sehen". Wenn wir acht geben, kooperieren wir mehr mit dem, was Reiki versucht uns zu geben. Eine der MeisterInnen, die von Takata eingeweiht wurden, Bethel Phaigh, sagte gerne: Verwirrung ist ein sehr hoher Bewusstseinszustand. Und jeder war schockiert, wenn sie das sagte. Und dann sagte sie: Wenn man verwirrt ist, dann ist da Raum, um etwas Neues zu sehen. Wenn man immer sicher ist, ist da kein Raum für irgendetwas Neues. Und ich verbinde ihre Aussage mit diesem Konzept des Wirklich-acht-gebens auf das, was Reiki in uns erweckt. Wir hören nie auf zu lernen. Leben breitet sich immer weiter aus, will immer wachsen, will sich immer verbinden. Und wir können das begrenzen. Wir sind frei. Wir können immer nein sagen oder unbewusst sein. Wir können immer einen Rückzieher machen. Wir können immer in unserer Komfortzone bleiben. Aber wenn wir praktizieren und acht geben, werden wir in der Lage sein, bewusst mit dem zu kooperieren, was die Energie des Lebens uns anbietet.

Oliver: Paul, danke für das Interview!

 

 

Das Interview fand als Gespräch in persönlicher Begegnung statt, in Berlin, im Oktober 2013.

Übersetzung aus dem Amerikanischen ins Deutsche: Oliver Klatt

 

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