Reiki und Druidentum

Konzepte und Erfahrungen mit universeller Lebensenergie gibt es in allen spirituellen Traditionen und Kulturen der Welt. Rolf Blum, Reiki-Lehrer und Mitglied in einem Druiden-Orden, hat die keltische Tradition erforscht – und dabei „Awen" und „Nwyfre" entdeckt: zwei Formen von Lebensenergie, bei denen er Zusammenhänge mit Reiki erkennt.

Für mich ist Reiki die alles umgebende Urkraft, Harmonisierung des Körpers und der Seele. Die innere Energie wird durch Reiki gestärkt, die Selbstheilungskräfte angeregt. Reiki beschleunigt Heilungsprozesse nach Verletzungen und hilft bei der Heilung von Krankheiten auf allen Ebenen. Meine Intention bei der Anwendung und Lehre des Reiki-Systems ist die Unterstützung im ganzheitlichen Gesundungsprozess.

Mein Weg mit Reiki

Im Jahr 2000 erhielt ich, damals ein „rational denkender, gestresster Büromensch", meine erste Reiki-Behandlung – zunächst einmal nichts spürend. Heute weiß ich: Reiki wirkt! Damals noch gar nicht so richtig wissend warum, erlernte ich 2001 den 1. Reiki-Grad. In der Folge beschäftigte ich mich zunehmend mit den grundlegenden Fragen des Lebens; lernte im Kloster meditieren, suchte nach Erklärungen für das Entstehen und Eskalieren von (eigenen) Problemen und von gesundheitlichenStörungen. Ich las spirituelle Bücher, besuchte verschiedene Seminare zu den Themen Reiki, Schamanismus, Familienaufstellung, keltische Heilweisen. Schließlich wurde ich 2009 Reiki-Meister/Lehrer. Mittlerweile habe ich meine spirituelle Heimat im Reiki und den Reiki-Lebensregeln sowie in der druidisch-keltischen Philosophie (Religion) gefunden.

Mein Weg mit dem Druidentum

Aufgrund der offensichtlichen „Verwandtschaft" von Awen und Reiki, auf die ich gleich zu sprechen komme, beschäftige ich mich seit geraumer Zeit immer stärker mit dem Weltbild der keltischen Druiden. Gerade weil ich Reiki so sehr liebe, suchte ich einen spirituellen Kontext, mit dem ich mich identifizieren kann.So entdeckte ich das Druidentum, erkannte, dass es auch in dieser Weltanschauung so etwas wie eine „universelle Lebensenergie" gibt.

Rei und Ki sind die beiden „Quellen" des Reiki – so wird daraus „universelle Lebensenergie". Auch in der keltischen Tradition speist sich die „universelle Lebensenergie" aus zwei „Quellen", nämlich aus „Nwyfre" und „Awen". Das beständig gleichmäßig fließende Nwyfre entspricht, so könnte man sagen, dabei dem Ki. Nwyfre ist ein altes walisisches Wort. In der keltischen Überlieferung steht dieser Begriff für die Lebenskraft – für das, was uns Leben gebracht hat, für die Seele. Das Awen steht für die göttliche Inspiration, für die Kraft, welche uns nach vorn bringt, die Begeisterung in uns weckt.

Das Nwyfre

In der keltischen Sichtweise existiert alles auf der Welt durch das geordnete Nwyfre. Es ist wie eine Matrix, wie ein Lebensplan. Ist das Nwyfre nicht mehr vorhanden, zerfällt die Materie in ihre Elemente, der Mensch/das Wesen stirbt. Das Nwyfre kann gesteuert werden, es ist insoweit gestaltbar – und mittels geistiger Heilung auch übertragbar. Da es, so wie Reiki, existiert, können wir es auch wahrnehmen, sehen, fühlen oder spüren. Wir können damit im Geiste durch den Körper wandern, wir können es bewegen, weiterreichen, wir können es beispielsweise als Kribbeln spüren. Wir nehmen es auf durch die Haut, durch die Atmung, durch unsere Energiezentren, durch die Chakren – und leiten es in jede Zelle hinein. Wenn diese Energieversorgung gestört wird, dann tritt eine Blockade auf – oder eine Krankheit manifestiert sich. Nwyfre ist die spürbare, vitalisierende Energie des Lebens.

Ich arbeite in der Heilarbeit mit der Lebensenergie nach dem Prinzip: „Die Energie folgt unserer bewussten Fokussierung." So gesehen können wir mit unserem Bewusstsein, mit unserer Aufmerksamkeit, das Nwyfre steuern und leiten, sodass es dorthin kommt, wo wir es gerade in diesem Moment besonders brauchen. Die Übertragung erfolgt durch Aufmerksamkeit und durch Handauflegen, durch Berührung.

Das Awen

Der Begriff des „Awen" stammt aus dem Gälischen und steht für die göttliche Inspiration. Somit auch für die Eingebungen, Bilder und Hinweise, die wir manchmal, zum Beispiel in einer Reiki-Behandlung, erhalten können. Das Awen steht für Wissen, Güte und Weisheit. Es wird auch als „Geschenk der Göttin" übersetzt. Es entspricht aus meiner Sicht dem Rei.

Das Awen ist spiritueller Natur. Es kann, anders als das Nwyfre, nicht bewusst gesteuert werden. Es kommt unverhofft, wenn wir uns beispielsweise in einer Meditation versenken, an nichts denken. Dann kommt der Moment der Inspiration zu uns. Allerdings, wenn diese Idee uns erst einmal erreicht hat, führt dies oft zu einer erhöhten Nwyfre-Aufnahme. Be-geist-erung erfüllt uns. Wir sind plötzlich voller Tatendrang, genau diese Idee umzusetzen.

Philosophie des Druidentums

Während des ProReiki-Jahreskongresses 2014 und auch auf der Reiki Convention 2014 konnte ich mit Mark Hosak zu diesem Thema mehrere intensive Gespräche führen. Diese führten uns zurück zu den schamanischen (shintoistischen) Wurzeln des Reiki, zu den magischen Siddham-Zeichen, dem Sanskrit, den Mutter-Göttinnen. In diesem Feld des Wissens forschte auch Usui – und brachte schließlich das wunderbare Geschenk des Reiki in die Welt, welches wir im wahrsten Sinne des Wortes „in den Händen" halten.

Ein solches Wissen gelangte aber bereits in frühen Zeiten von Indien aus auch zu uns nach Europa, einige Wissenschaftler vermuten mehr als 2.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die Heilkundigen unsere Ahnen waren schamanische Heiler, ihr „Berufsstand" war der des Druiden. Vielleicht wird jetzt so mancher etwas schmunzeln und an Miraculix (aus den Asterix-Comics) denken ... Jedoch: das Druidentum ist ein lebendiges System, es gehört zu den naturbasierten Pfaden. Zwar wurde es lange Jahre als „heidnischer Glaube" unterdrückt und geriet fast in Vergessenheit, doch erfreut es sich heute wieder wachsender Beliebtheit.

Allein im OBOD, dem „Order of Bards, Ovates and Druids", sind weltweit mehr als 10.000 Menschen vereint, darunter auch Christen, Buddhisten, Hindus und Angehörige anderer Religionen.Was sie eint, ist die Philosophie des Druidentums. Diese Philosophie basiert auf „Sieben Gaben". Ich möchte hier versuchen, die Grundsätze des Druidentums, diese „Sieben Gaben", in Beziehung zu setzen zu den Reiki-Lebensregeln und weiteren Zusammenhängen, die über das Leben und Wirken Usuis überliefert worden sind.

Die „Sieben Gaben"

Die erste Gabe ist eine Philosophie, eine Weltsicht, die die Heiligkeit allen Lebens betont und uns als Teil der Schöpfung sieht, nicht als Herrscher. („Gerade heute, sei freundlich zu anderen.")

Die zweite Gabe stellt die Verbindung zur Natur wieder her: Sie hilft uns dabei, uns mit der Natur, unseren Vorfahren, unserem eigenen Körper und unserem Empfinden des Geistes
wieder eins zu fühlen. („Gerade heute, sei dankbar für alles Lebendige.")

Die dritte Gabe bringt Heilung: Sie hilft bei der Heilung, durch spirituelle und physische Methoden, im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes. (Selbstanwendung von Reiki, Gebet, und Meditation sowie achtsamer Umgang mit sich selbst, nach Usui.*)

Die vierte Gabe bestätigt unser Leben als Reise: Übergangsriten für Zeiten der Initiation.
Wobei es hilfreich sein kann, rituell und symbolisch Kontakt mit den Ahnen aufzunehmen. („Gerade heute, ehre die Älteren, die Ahnen und Lehrer.")

Die fünfte Gabe öffnet uns für andere Realitäten: Sie besteht aus Techniken, um andere Bewusstseinszustände, die Anderswelt zu erforschen. (Kontemplation, Meditation, Gebet nach Usui.**)

Die sechste Gabe entwickelt unser Potential: Sie ist ein Weg der Selbstentwicklung. („Gerade heute, sorge dich nicht. Sei glücklich.")

Und schließlich lehrt uns die siebte Gabe des Druidentums die Kunst, Ideen in die Tat umzusetzen. Sie zeigt uns, wie das Awen in der täglichen Arbeit genutzt werden kann. („Gerade heute, arbeite eifrig.")

Awen Reiki

Inspiriert durch das Awen und Nwyfre, in Verbindung mit den „Sieben Gaben", habe ich schließlich das Awen Reiki entwickelt. Basierend auf Usuis Lehren werden im Awen Reiki, ebenfalls durch Einweihungen und Rituale, die Kraftzentren geöffnet, die Aura wird gestärkt, man verbindet sich mit der universellen Energie. Dies geht natürlich nicht bloß durch Handauflegen oder eine Einweihung, man muss schon selbst an sich arbeiten: Eigenverantwortung ist gefragt.

Anstelle des Sonnen-Buddhas oder der Göttin Amaterasu (wie in der buddhistischen bzw. shintoistischen Sicht des Reiki) sind die Kraftsymbole und spirituellen Begleiter hier „vor Ort" bei den Praktizierenden. Im Awen-Reiki werden sie als Energiewesen oder auch als Geist benannt (im Kanji für Reiki ist ebenfalls der Begriff „Geist" enthalten): Geist des Ortes, der Reise, der Zeit, der Ahnen und des Stammes.

Der Geist des Ortes ist zuständig für unser Heim, für unseren Arbeitsplatz, damit wir uns dort willkommen und wohlfühlen. Der Geist der Reise stellt uns den Schatz des Wissens aus unseren vielen Leben zur Verfügung, kann uns unsere schlummernden Talente aufzeigen. Der Geist der Zeit kann uns unseren Platz oder unsere Gabe zeigen, womit wir die Welt bereichern können. Der Geist der Ahnen kann uns das Wissen unserer Vorfahren schenken; wenn wir wissen, von wem wir abstammen, kann es uns leichter fallen, Gewohnheiten und Muster zu erkennen und zu akzeptieren oder abzulösen. Der Geist des Stammes schließlich kann uns das Wissen unserer Kultur zur Verfügung stellen. So beschenkt, können wir uns ganzheitlich behandeln, unsere eigene Identität finden und die Lebensaufgaben gestärkt und voller Inspiration angehen.

„Mögest du Frieden finden ..."

Schließen möchte ich diesen Artikel mit dem druidischen Friedenswunsch:

Tief, im Innersten Deines Wesens, mögest Du Frieden finden.
Sanft, im Kreis Deiner Liebsten, mögest Du den Frieden teilen.
Schweigend, im großen Kreis der Menschheit, mögest Du Frieden ausstrahlen.

Awen.

 

Anmerkungen/Quellen:

* Usui und Frau Takata hinterließen uns dazu wichtige Hinweise, z. B. in „The Blue Book", S. 8, S.12, S. 16, Hrsg.: The Reiki Alliance, © Paul David Mitchell, Jan. 1985, in der Übersetzung von 1989 / siehe dazu auch: „Das Reiki-Kompendium", S. 13, S. 91ff, Lübeck/Petter/Rand, Windpferd Verlag, 2. Aufl. 2002.

** Peter Mascher wies in einem Vortrag auf der Reiki Convention 2014 darauf hin, dass Usui wohl in seiner Zeit als Mönch verschiedene Meditationsformen erlernte, um tiefere Einsichten zu erhalten; Usui erweiterte dieses Wissen durch Studien der Medizin, Psychologie, Religion und spiritueller Entwicklung / siehe dazu auch das Kapitel „Reiki in der östlichen Welt" in: „Das Reiki-Kompendium", Lübeck/Petter/Rand, Windpferd Verlag, 2. Aufl. 2002, S. 13ff sowie „Das Reiki-Feuer", Frank A. Petter, Windpferd Verlag, 3. Aufl., S. 32).

 

 

 

Rolf Blum, Reiki-Lehrer, Systemischer Coach. Seit 1987 selbständiger Unternehmer, berät bei Existenzgründungen, Businessplänen und Buchhaltung; außerdem Dozent in Volkshochschulen und Bildungsträgern der Erwachsenenbildung. Seit 2001 Reiki, Weiterbildung in Meditation, schamanischer Heilarbeit, systemischer Aufstellungsarbeit. Auf Basis seiner Erfahrungen entwickelte er das AWEN-Reiki-System. Mitglied im Reiki-Verband-Deutschland e.V. und ProReiki – der Berufsverband e.V.

Kontakt:
Rolf Blum
Landgestütstr. 5, 29221 Celle
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.treffpunkt-meditation.de

 

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