Synchronizitäten

Reiki-Reflexion - von Oliver Klatt


Es ist eiskaltes, sonnenklares Winterwetter. Eine Schicht Schnee liegt über allem, da draußen. Und: Wenn dieses Heft erscheint, wird der Schnee wohl längst gewichen sein, den frühlingshaften Temperaturen, dem neuerlichen Aufbrechen der Natur, dem Knospen und erstem Blühen.

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Synchronizität

Ich habe einen neuen Friseur. Als ich gestern zum dritten Mal dort war, entdeckte ich direkt vor dem Nebenhaus eine große Aufstelltafel: „Reiki – Behandlungen und Kurse“. Die war die ersten zwei Male noch nicht da gewesen. Eine Reiki-Meisterin, gerade neu eingezogen (wie auf ihrer Website steht), macht auf ihr Angebot aufmerksam. Interessant. Eine Synchronizität. Nur, was bedeutet die jetzt? Bedeutet sie überhaupt irgendetwas?

Deutungsmöglichkeiten (wie viele sie im spirituellen Zusammenhang gerne vornehmen): a) die ichbezogene Variante: nachdem ich einige Male bei diesem Friseur war, dort auch über Reiki gesprochen habe, hat sich an diesem Ort ein energetischer Raum kreiert, der bis ins Nebenhaus hinüberreicht und der den Boden mit bereitet hat für die neue Reiki-Praxis nebenan; b) die (vermeintlich) demutsvolle Variante: meine Entscheidung, zu diesem Friseur zu gehen, war von oben gelenkt und ist Teil eines größeren, auf Reiki bezogenen Zusammenhangs, in dem ich der Reiki-Meisterin nebenan durch meine zeitweilige Präsenz an diesem Ort energetisch mithelfen durfte, Reiki an einer weiteren Stelle in unserer Stadt zu positionieren; c) die synergetische Variante: meine Entscheidung, diesen Frisur auszuwählen, und die Entscheidung der Reiki-Meisterin, nebenan eine Praxis zu eröffnen, ist Ausdruck unserer beider freier Willen, und wir haben dabei unbewusst energetisch zusammengewirkt, möglicherweise gemeinsam mit weiteren (Reiki-)Personen, von denen wir gar nichts wissen; d) es ist purer Zufall (diese Deutung ist in spirituellen Kreisen nicht sehr populär, und, ganz ehrlich gesagt, sie stimmt für mich auch nicht, da ich sagen kann, dass ich mit zunehmender Reiki-Praxis zunehmend Synchronizitäten wie diese erlebe, in einer Vielzahl, dass es, verglichen mit der Zeit „vor Reiki“, eindeutig kein „purer Zufall“ ist).      

Was bedeutet das jetzt alles? Muss ich mich für eine der genannten Deutungsmöglichkeiten entscheiden? Stimmen alle ein bisschen? Sollte ich besser gar nicht darüber nachdenken? Und, je nachdem wie ich mich entscheide: Hat das überhaupt  irgendeine Auswirkung auf meine Spiritualität?

Spirituelle Entwicklung

Reiki unterstützt das Auftreten von Synchronizitäten – so viel kann man sagen, und ich denke, dass mir die meisten Reiki-Praktizierenden da zustimmen werden. Was genau sind Synchronizitäten eigentlich? „Zeitnah aufeinander folgende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind, jedoch durch konkreten Informationsbezug als miteinander verbunden, aufeinander bezogen erkennbar sind“, so hat es der berühmte Psychologe C.G. Jung auf den Punkt gebracht. Ist das Gewahr-werden der Teilnahme an einer Synchronizität nun in irgendeiner Weise relevant für die spirituelle Entwicklung?

In Reiki-Kreisen wird der Teilnahme an einer – meist positiv gedeuteten – Synchronizität häufig die Bedeutung von „spirituell richtig sein“ oder „in rechter Weise am Guten mitwirken“ zugeschrieben. Nach dem Motto: Wenn es eine Synchronizität ist, dann muss es „vom Universum gewollt sein“. Die Situation wird als „von oben geführt“ betrachtet und manchmal, je nach Ausprägung des Egos, auch mehr oder weniger auf die eigene Person bezogen.

Ich kann für mich sagen: Heute, nach vielen Jahren regelmäßiger Reiki-Praxis, ist das zunehmende Auftreten von Synchronizitäten ein fester Bestandteil meines Lebens geworden – und auch wenn ich immer wieder gerne darüber staune und mir damit auf verblüffende Weise klar wird, wie alles Leben, das irgendwie aufeinander bezogen ist, tatsächlich miteinander verwoben ist, über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg, so messe ich doch allein meiner Teilnahme an einer Synchronizität mittlerweile keine besondere Bedeutung mehr zu. Soll heißen: Allein das Auftreten von Synchronizitäten in meinem Leben hat für mich keine zielführende Bedeutung, bezogen auf das Ziel spiritueller Entwicklung.

Initiative ergreifen

Auch wenn es hilfreich für die spirituelle Entwicklung ist, zu erkennen, in welchem Ausmaß die Dinge, Situationen und Menschen, die miteinander zu tun haben, in oft verborgener Weise aufeinander bezogen sind, so bedarf es doch, gerade für die fortgeschrittene spirituelle Entwicklung nicht allein eines passiven Erlebens dieser Zusammenhänge, sondern zunehmend auch eines initiativen, konkreten Tuns im richtigen Moment, am richtigen Ort, mit der richtigen Haltung. Dieses kann mit oder ohne Kenntnis der Zusammenhänge geschehen, und so gesehen ist das Wissen um bestehende Zusammenhänge wie auch der Versuch einer Deutung bezüglich der Rolle der eigenen Person darin eher zweitrangig – entscheidend ist vor allem das richtige Tun, aus der Einsicht heraus, dass wir dabei lediglich Ausführende eines, je nach Anschauung, universellen oder göttlichen Willens sind.

Draußen ist immer noch eiskaltes, sonnenklares Winterwetter. Es ist wohl irgendwie die Natur dieses Wetters, recht konstant zu sein. Bis irgendwann – wenn der Lauf der Jahreszeiten unaufhaltsam weiter voranschreitet.



Oliver Klatt, Reiki-Meister/-Lehrer, Hrsg. Reiki Magazin, Buchautor

Website: www.einfach-nur-reiki.de




 

 

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