Hysterie – oder innere Ruhe?

Kolumne Janina Köck

Derzeit ist das Thema Flüchtlinge in aller Munde. Ein Thema, das sehr polarisiert. Bei manchem mag dies zu einer stark ausgeprägten Dualität im Denken führen. In vielen spirituellen Disziplinen wird geübt bzw. angestrebt, Dualität zu überwinden. Das bedeutet u.a., nicht (mehr) in den Extremen zu leben, die uns immer wieder von der einen zur anderen Seite hin- und herwirbeln lassen wie ein Pendel. Dabei können die Gefühle schon mal Achterbahn fahren.

Berichterstattung in den Medien

Ganz ähnlich empfinde ich es bei der Berichterstattung zum Thema Flüchtlinge. Da gibt es zum einen extrem positive Berichte, die zeigen, wie Flüchtlingen geholfen wird, teils sehr rührende Geschichten – und gleich daneben die andere Seite: Berichte mit einer stark negativen Tendenz, die zeigen, was einzelne Flüchtlinge Unschönes getan haben oder auch getan haben sollen.

Häufig bemerke ich, wie sich Menschen, auch in meinem Umfeld, von der Angst, die auf diese Weise in manchen Medien verbreitet wird, anstecken lassen. Es ist sicherlich gut, diese Gefühle, wenn sie hochkommen, in sich zu registrieren und sie zu spüren. Wichtig ist allerdings auch, was man dann damit macht ... Lässt man sich von der Hysterie anstecken – oder bleibt man bei sich selbst? Angst ist ein Gefühl, das eine Funktion hat, das aber nicht unsere Handlungen und unsere Sicht auf die Welt vernebeln bzw. prägen sollte.

Auch an mir merke ich, dass dies nicht immer leicht ist. In Köln, der Stadt am Rhein, in der ich lebe und die für Lebensfreude, das rheinische Gemüt und Sprüche wie „Jeder Jeck is anders“ und „Et hätt noch immer jot jejange“ bekannt ist, hat sich seit Silvester einiges verändert. Schon in der Weihnachtszeit war bemerkbar gewesen, dass es Ressentiments gab. Sollte man sich wirklich in eine Menschenmasse hinein begeben, auf den Weihnachtsmarkt? Ist das nicht gefährlich, und ist diese Situation nicht geradezu prädestiniert für einen Anschlag? Manche Standbesitzer bemerkten einen Rückgang der Besucherzahlen. Von einem leeren Markt oder Märkten war man aber weit entfernt.

Dann kam die Silvesternacht. Noch immer sind die Übergriffe von mehreren Männern auf Frauen Thema in den Medien. Es ist schlimm, was da passiert ist. Ich kann auch nicht verstehen, was der Grund oder der „Sinn“ dahinter sein soll, und fühle mit den betroffenen Frauen mit. Seitdem sind die kritischen Blicke in den Bahnen und auf der Straße noch viel stärker geworden. Jeder zieht sich weiter in sich zurück und möchte am liebsten unsichtbar sein. Der Hauptbahnhof ist jetzt in den Köpfen mancher Menschen auch mit Ängsten belastet. Eine Reiki-Schülerin, die aus der Umgebung dieses Wochenende nach Köln anreist, lässt sich abends lieber von ihrem Mann mit dem Auto abholen, als im Dunkeln am Bahnhof ohne Begleitung zu sein. Manche entscheiden sich jetzt vielleicht sogar bewusst dagegen, überhaupt nach Köln zu kommen.

Eine solche Situation schränkt die eigene Lebensqualität ja schon sehr ein. Etwas, das man normalerweise einfach so tun würde, also hier: mit der Bahn nach Köln hin- und zurück zu reisen, ist nun mit Sorgen verbunden, eventuell auch mit Vermeidungsverhalten und möglichen Vermeidungsstrategien.

Wie kann man nun damit umgehen? Ich denke, man sollte sich seine Ängste anschauen und zunächst erst einmal würdigen bzw. zulassen. Und dann schauen, um welche konkreten Ängste es sich eigentlich handelt. Hab’ ich Sorge um mein Leben? Dass mein Leben finanziell beeinflusst wird? Dass mein Arbeitsplatz gefährdet ist? Oder die Sorge, ohnmächtig, ausgeliefert zu sein?

Dabei können wir natürlich gut mit Reiki an unseren Sorgen und Ängsten arbeiten – und uns auch die Lebensregel „Gerade heute, sorge dich nicht!“ ins Bewusstsein rufen. Da Sorgen und Ängste oft auch Wut mit sich bringen, ist überdies die erste Lebensregel „Gerade heute, ärgere dich nicht!“ zu berücksichtigen. Und: „Sei freundlich zu allem, was lebt!“ Also zu dir selbst und auch zu den Menschen, die dir begegnen!

Wie ist die Situation wirklich?

Mir hilft es, mir immer wieder bewusst zu machen, dass solche Übergriffe und Geschehen letztlich immer die Handlungen von relativ wenigen Personen sind. Der Großteil der Menschen, die in unserem Land leben oder erst kürzlich hinzugekommen sind, sind nicht verantwortlich für das, was da passiert ist. Und: Es mag eine Herausforderung sein, nicht gleich generell hinter jedem Gesicht einen Schurken zu vermuten, sondern allen Menschen weiterhin mit Freundlichkeit und Wohlwollen zu begegnen.

Gerade habe ich den Fernseher angeschaltet und sehe die Kölner Kultband „Brings“, die in diesem Moment singt: „Wir sind alle nur Menschen, und in jedem steckt ein kölsche Jeck.“ Was für eine schöne Synchronizität zu dem, was ich gerade schreibe und fühle – und was das kölsche Lebensgefühl letztlich ausmacht.

 

 

 

 

Janina Köck, klassische Homöopathin, körperorientierter Coach, Reiki-Lehrerin. Praxis Leben im Einklang in Köln. Referentin Reiki Convention, Gründungsmitglied ProReiki.

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