Editorial 2/03

Dr. Usui als »Stiftergestalt«


Liebe Leserinnen, liebe Leser,


»80 Jahre Reiki«, ein Jubiläum, das wir im letzten Jahr hätten feiern können - wenn bloß irgendjemand daran gedacht hätte... Mittlerweile ist es nun schon 81 Jahre her, dass Dr. Usui auf dem Kurama-Berg bei Kyoto, im April 1922, Reiki empfing. Mein Vorschlag: Feiern wir doch dieses Jahr einfach die 81 Jahre, die es das Usui-System schon auf Erden gibt - Gründe dafür gibt es ja genug!

Eine Frage beschäftigt derzeit immer mehr Reiki-Praktizierende: Wer war Dr. Usui? Nachdem die so genannten »Tagebücher Dr. Usuis« hierauf keine Antwort geben können (siehe S. 43), bleibt uns als eine der wenigen verlässlichen Quellen die Inschrift auf dem Gedenkstein für Dr. Usui, den seine Schüler, ein Jahr nach seinem Tod, am Seihoji-Tempel in Tokyo errichteten .

Dr. Usui gilt als der Begründer des Reiki. Angesichts der immensen Vielfalt in der weltweiten Reiki-Szene und der verschiedenen Traditionen stellt sich jedoch die Frage, ob die Bezeichnung »Begründer« tatsächlich im Kern auf Dr. Usui zutrifft. Ich möchte einen Vergleich ziehen: In der Religionswissenschaft hat sich mittlerweile der Begriff »Religionsstifter« gegenüber dem früher ebenfalls gebräuchlichen des »Religionsgründers« durchgesetzt - dies, da man zur Auffassung gelangt ist, dass die Lehre und das Wirken der Stiftergestalt nicht unbedingt identisch ist mit der sich auf ihn berufenden Religion.

Wenn ich mir die aktuelle Situation in Sachen Reiki anschaue, dann stelle ich fest, dass dieser Gedankengang auch für die »Reiki-Welt« zutrifft. Kaum eine der heute von Millionen Menschen weltweit praktizierten Formen des Reiki ist noch identisch mit dem, was Dr. Usui zu seiner Zeit gelehrt hat. Ist es dann nicht vielleicht besser, Dr. Usui vielmehr als »Stiftergestalt« denn als Begründer des Reiki zu sehen? Wer etwas stiftet, der schenkt, reicht weiter und löst sich zugleich auch ein Stück weit davon. Anders als das Wirken eines Gründers ist das eines Stifters weniger spezifisch, eher so, als bringe er etwas in Gang, als bereite er den Boden dafür, dass etwas sich entfalten kann.

Wie das Leben selbst, befindet sich auch Reiki permanent in Entwicklung. Dabei stehen Traditionen neben neuen Impulsen, und oft genug verschmilzt beides zu einer Einheit. Auch in diesem Heft gibt es, neben der Beschäftigung mit den Wurzeln des Reiki, wieder zahlreiche neue Impulse, so z. B. die sehr lesenswerten Artikel »Der zweite Grad« von Doris Kirch und »Rei-Ki-Balancing« von Gerda Edith Drescher . Und natürlich regen auch Jürgen Kindler und ich immer wieder gerne zum Nachdenken an, nicht nur mit dem Reiki Magazin, sondern auch bei unseren »Reiki Talks«, am 13. April in Hamburg und am 17. Mai in München.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen der 25. Ausgabe des Reiki Magazins!



Oliver Klatt


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