Gedanken zu den ersten beiden Lebensregeln

Von Sabine Witt


Die Lebensregeln des Usui-Systems des Reiki, die Dr. Usui vor langer Zeit aufgestellt hat, haben in unserer gegenwärtigen Gesellschaft nichts von ihrem Stellenwert verloren. Ganz im Gegenteil: Unser „modernes“ hektisches Leben, in dem immer mehr Werte verloren gehen und Menschlichkeit bedauerlicher Weise in vielen Bereichen auf der Strecke bleibt, verlangt nach innerer Besinnung. Dass auch diese Regeln im Rahmen der Reiki-Seminare gelehrt werden, halte ich daher für sehr wichtig. Sind die drei letzten Lebensregeln seit langem selbstverständlich für mich, bin ich immer noch darum bemüht, auch die beiden ersten in mein tägliches Leben zu integrieren.

„Gerade heute ärgere dich nicht.“

Das klingt so leicht, ist bei näherer Betrachtung aber doch nicht so einfach in die Tat umzusetzen. Ärger ist ein wichtiges Gefühl und sollte nicht unterdrückt werden. Die Kunst liegt aber darin, einerseits zwischen berechtigtem und sinnlosem Ärger zu unterscheiden, andererseits diese Empfindung rechtzeitig zu erkennen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Habe ich den Ärger als sinnlos erkannt, ist es relativ einfach: Einmal gewahr geworden, wie banal und unnötig er ist und wieviel an wichtiger Lebenszeit er verschlingt, die konstruktiver genutzt werden könnte, ist er schnell beseitigt und wandelt sich in Heiterkeit um. Ärger als tiefes, berechtigtes Gefühl hingegen verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit, und mit dieser Hinwendung ist das meiste schon geschafft: Das Bewusstmachen und Akzeptieren weicht den Ärger auf und führt zu Lösungen.

Positiv formuliert heißt „Gerade heute ärgere dich nicht“ ja „Gerade heute freue dich“. Und diese sollte das Gefühl sein, das jeden unserer Tage bewusst begleitet. Manchmal wache ich morgens auf und denke mir – bisweilen bei einer Reiki-Selbstbehandlung – ganz überzeugt: Es geht mir gut – ich bin glücklich.“ Und das äußere ich auch meinem Lebenspartner, meinen Eltern und meinen Freunden gegenüber. Dieses explizite Aussprechen ist mir sehr wichtig, bildet es doch die Grundlage zur Fähigkeit, sich nicht zu ärgern bzw. gut mit Ärger umzugehen.

Die erste Lebensregel hat mir viel gegeben und meine Einstellung zu so manchen Dingen verändert. War ich schon vor meiner Zeit mit Reiki darum bemüht, alltäglichen, sinnlosen Ärger nicht mehr aufkommen zu lassen, ist mir nun das Wissen um diese Regel des Dr. Usui zu einer wichtigen Hilfe geworden.

„Gerade heute sorge dich nicht.“

Ein nicht einfacher Vorsatz! Denn ich mache mir stets viele Sorgen. Wie schaffe ich es in diesem Monat wieder, meine Miete zu bezahlen? Wie geht es mit meiner Arbeit, Karriere und Beziehung weiter? Werden meine Freunde auch ja nicht krank, wenn sie sich auf exotische Reisen begeben? Wie sieht die Zukunft unserer Welt aus? Und so weiter ... Die Möglichkeiten, sich stets aufs Neue Sorgen zu machen, sei es über die eigene Person, über andere oder den Zustand der Welt an sich, sind schier unendlich. Doch was erreichen wir damit? Anstatt unsere Gegenwart zu genießen, verschwenden wir viel Energie an zukünftige, rein hypothetische Ereignisse, die so wie wir sie uns ausmalen, wahrscheinlich nie eintreffen werden. Oft habe ich erlebt, dass sich meine Probleme immer dann in Luft auflösten, wenn ich meine Sorgen erkannt, sie angenommen und losgelassen habe. Plötzlich ergaben sich wie von selbst Lösungen, mit denen ich zuvor, aus meiner pessimistischen Sicht heraus, überhaupt nicht zu rechnen wagte.

Ebenso wie der Ärger nicht unterdrückt, sondern als solcher erkannt werden soll, ist es auch mit den Sorgen. Sicherlich ist es nicht richtig, sie ganz einfach zu verdrängen, was ja zu einer gewissen Gleichgültigkeit führen würde. Nein, auch hier ist es wichtig, sie anzunehmen, als Gefühl zu akzeptieren und dadurch zu relativieren. Einmal losgelassen können sorgenvolle Gedanken zu einer Lösung der Probleme führen. Vergessen wir im übrigen nicht ganz einfach, dass wir Teil des Universums sind, in dem für uns gesorgt ist?

 

Sabine Witt, geboren im März 1960, von Beruf Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin und Dolmetscherin, Einweihung in den I. Reiki-Grad im Oktober 1995



 

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