Reiki als Gemeinschaftserlebnis

Von Oliver Klatt


Reiki in all seinen Facetten, Reiki in den unterschiedlichsten Ausprägungen, Reiki als Gemeinschaftserlebnis, als großes Energiebad – immer wieder ist es ein ganz besonderes Erlebnis, an dem alljährlich stattfindenden deutschsprachigen Reiki-Treffen in Gersfeld teilzunehmen.

Im November 1996 trafen sich ca. 150 Teilnehmer/ innen für ein Wochenende in der schönen, behaglichen Stadthalle in Gersfeld. Am Freitagabend ging es los mit der Eröffnungszeremonie: Gleich von Anfang an entstand eine persönliche Atmosphäre dadurch, dass jede/r Teilnehmer/in sich kurz mit Namen und Wohnort vorstellte. Eine im Anschluss daran von Fokke Brink geleitete Meditation führte mich, begleitet von sanften Gong-Klängen, tief in meine inneren Räume, weshalb es mir auch etwas schwerfiel, direkt danach in die heiteren und unbefangenen Lieder einzustimmen, die der holländische Reiki-Meister Rolf Holm zur Gitarre sang.

Dann war der Abend just beendet, und in mir blieb das Gefühl zurück, dass irgend etwas an diesem Abend gefehlt hatte, um daraus eine wirkliche Eröffnungszeremonie werden zu lassen. Am nächsten Morgen ging es dann weiter. Wieder saßen wir alle in einem großen Kreis zusammen, und Paul Mitchell, spiritueller Wegbegleiter von Phyllis Furumoto und Oberhaupt der Disziplin innerhalb des Usui-Systems der Reiki-Heilung, zeigte und die Ganzbehandlung einer anderen Person mit den Handpositionen , wie er sie von Hawayo Takata gelernt bekommen hatte. Mir gefiel vor allem die Einfachheit dieser Art, Reiki zu praktizieren, und ich beschloss, mir diese Handpositionen zu merken und in meine Anwendung von Reiki zu integrieren.

reiki-gemeinschaftserlebnis

In kleinen Gruppen Reiki geben

Danach forderte Paul uns dazu auf, kleine Gruppen zu bilden und uns gegenseitig Reiki zu geben, wozu er vorschlug, dass wir alle zusammen die Handpositonen anwenden sollten, die er uns gerade gezeigt hatte. In meiner Gruppe waren wir zu viert, und ich legte mich gleich als erster auf den Behandlungstisch und genoss die 20minütige Behandlung zu japanischer Musik. Es war ein einmaliges Erlebnis: die ganze Stadthalle voller Menschen, die Reiki gaben oder bekamen, allesamt vereint in dem stillen, einfachen Ritual des Reiki-Austausches.

Dann war es Zeit für das vegetarische Mittagessen, dass wir alle zusammen in den Rämen der Stadthalle einnahmen. Dabei traf ich eine alte Freundin wieder, und es ergab sich die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen, alte Muster aufzulösen und dadurch Platz für neue Entwicklungen zu schaffen.

Nach dem Mittagessen machte ich einen Spaziergang durch den schönen Park nahe der Stadthalle, der voller großer, alter Bäume ist. Es war vom Wetter her etwas trüb, ich wurde ein bisschen melancholisch, fand aber sogleich meine Freude wieder, indem ich diesen Zustand einfach annahm, und kurze Zeit später hatte sich dann alles auch schon wieder aufgelöst.

Am Nachmittag ging das Programm weiter mit einem persischen Tanz, den wir alle zusammen unter Anleitung tanzten und dazu sangen, was mir sehr gefallen hat. Obwohl ich zunächst etwas skeptisch gewesen war, empfand ich es schließlich doch als eine angenehme Bereicherung meines Erfahrungsschatzes, mitgetanzt und mitgesungen zu haben und dadurch einen Funken der persischen Kultur gefühlsmäßig erspürt und gewissermaßen am eigenen Körper erfahren zu haben.

Reiki – die Essenz unseres Lebens

Im Anschluss daran sprach Paul Mitchell schließlich zu dem Thema des diesjährigen Treffens: „Reiki – die Essenz unseres Lebens“. Es war eine sehr ergreifende, sehr berührende Ansprache, während der er uns von seinen Erfahrungen mit Reiki berichtete und in Worte fasste, was für ihn die Essenz von Reiki in seinem Leben ist, wobei er uns allen, wie mir schien, aus dem Herzen sprach. Von vielen wurde diese Ansprache als Höhepunkt des Treffens empfunden.

Ziemlich aufgewühlt ging es dann in eine kurze Pause, nach der wir mehrere Kleingruppen bildeten, in denen es genügend Raum gab für Gespräche über das, was Paul in seiner Ansprache gesagt hatte, und auch über Reiki ganz allgemein. Außerdem konnten schriftlich Fragen an Paul formuliert werden, die er dann am nächsten Tag beantworten würde.
Die Gruppe, in die ich geriet, war sehr ernst, alle schienen irgendwie sehr betroffen zu sein, was meiner eigenen Stimmung, die zu diesem Zeitpunkt sehr enthusiastisch und innerlich gelöst war, gänzlich entgegenstand. Nichtsdestotrotz – oder vielleicht auch gerade deswegen – machte ich dabei wieder einige wichtige Erfahrungen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen und einer etwas längeren Pause begann dann das Abendprogramm mit einem weiteren Tanz, den wir wieder alle zusammen in großer Runde tanzten und dazu sangen, einem indischen Tanz. Die Energie, die nun durch den Kreis floss, war eine völlig andere als die vom Nachmittag bei dem persischen Tanz, viel einfacher und offener, aber auch direkter und unmittelbarer. Schließlich wurden noch einige Reiki-Lieder von Rolf Holm zusammen gesungen, von denen mir eines ganz besonders gefiel, weil es so schön einfach und treffend war: „Wir sagen Reiki, Reiki …, wir sagen Reiki, Reiki …, es ist einfach, einfach, einfach Lebensenergie …“ – eine eingängige Melodie, die frank und frei daherkommt, und ein Text, der mehr enthält, als er im ersten Moment vielleicht vermuten lässt. Prädikat: unvergesslich.

Für den weiteren Verlauf des Abends gab es dann verschiedene Möglichkeiten: Trommeln in großer Runde mit dem nigerianischen Reiki-Meister Ikechukwu Simeon Omenka oder schöne Dinge kaufen an den kurzerhand aufgebauten Ständen, wo es interessante, größtenteils auf Reiki bezogene Sachen gab – von Reiki-Aufklebern und Reiki-Meditationskissen über Reiki-Bücher und Reiki-Videocassetten bis hin zum Reiki-Emblem - oder etwas trinken an der Bar.
Ich kaufte mir ein paar Sachen an den Ständen, schaute ein bisschen beim Trommeln zu und trank schließlich noch eine Cola an der Bar, wobei sich die Gelegenheit ergab, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Da ich den Tag jedoch insgesamt als ziemlich lang und ereignisreich empfunden hatte, ging ich schon relativ früh auf mein Hotelzimmer, um ein wenig zur Ruhe zu kommen und mir noch Reiki zu geben.

Trotz wenig Schlaf wieder fit

Dennoch schlief ich in der Nacht nicht sehr viel, es sirrte und schwirrte in meinem Kopf; aber trotz wenig Schlaf war ich am nächsten Morgen fit und bereit für den letzten Tag des Treffens. Wieder kamen wir zunächst im großen Kreis zusammen, um uns aufeinander einzustimmen. Dann machten wir alle zusammen – jede/r für sich – eine 20minütige Selbstbehandlung, die ganz ohne Musik stattfand, was ich auch mal ganz schön fand, einfach Reiki pur, ohne viel Drumherum, Hände auflegen und es fließt.

Danach beantwortete Paul Mitchell einige Fragen, die in den Kleingruppen aufgekommen waren, wobei er insbesondere den Prozess schilderte, durch den es zur Bildung des Großmeisterbüros des Usui-Systems der Reiki-Heilung durch ihn und Phyllis Furumoto gekommen war. Dadurch wurde deutlich, dass dies das Ergebnis einer langen und stetigen Entwicklung gewesen war, die sich in ständiger Beziehung zu der Reiki-Gemeinschaft vollzogen hatte. Von dieser waren die ausschlaggebenden Impulse gekommen, die, in Verbindung mit der Selbsterkenntnis von Paul Mitchell und Phyllis Furumoto, dann dazu führten, dass das Großmeisterbüro in der Form, wie es heute bekannt ist, entstanden ist.

Im Anschluss daran fand die Abschlusszeremonie des Treffens statt, bei der noch einmal allen Helfern gedankt wurde und auch den Organisatoren des Treffens, Eva E. Busch, Elfie Schlumberger, Lore Massar und Jürgen Kindler sowie Paul Mitchell, denen allen großer Applaus zuteil wurde. Zum Schluss tanzten wir noch einmal alle zusammen mit Gesang, dieses Mal einen Segnungstanz, bei dem es Gelegenheit gab, sich mit jeweils wechselnden Partnern gegenseitg zu segnen, was ich als sehr schön empfand als Abschluss des Treffens.

Viele Gesichter, die mir zum Teil durch das Treffen nun schon richtig vertraut geworden waren, zogen noch einmal an mir vorbei, die meisten waren sehr gerührt und den Tränen nahe. So auch ich, denn es ist immer ein bisschen traurig, sich nach so tiefen Erlebnissen, wie sie auf diesem Treffen stattfinden, nach diesem Erlebnis totaler Einheit, dem Zusammensein in Harmonie und Liebe, so abrupt wieder zu trennen.

Aber es ist natürlich auch nicht zu ändern, und so ging ich dann nach einer Reihe von innigen Umarmungen und Verbschiedungen auch sogleich mit meiner Tasche Richtung Bahnhof, um diesen ganzen Abschied nicht noch unnötig hinauszuzögern. Ich setzte mich in den Zug nach Fulda, wo ich umstieg in den ICE nach Berlin, und abends fand ich mich dann in meiner Wohnung wieder, immer noch ein bisschen aufgewühlt, aber auch erschöpft und ziemlich müde und um einige Erfahrungen reicher.



 

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