„Reiki life“ in Gersfeld

Vijan Grashoff saß in seinem Hotelzimmer und ließ das Gersfelder Reiki-Schüler-Treffen 1996 nachwirken. Da kam ihm die Idee, etwas über das Treffen zu schreiben. Was lag näher, als das gleich zu tun, da die Eindrücke noch so frisch waren.


Das diesjährige Treffen war durch seine familiäre Stimmung geprägt. Wir waren nur 130 Reiki-Freunde. Schon zu Beginn konnte ich diese Energie spüren. Es fühlte sich so ruhig und gelassen an. Keine Hektik und Unruhe. Schon nach kurzer Zeit konnte ich allerdings meine Grenzen wahrnehmen. Da waren so viele Menschen, die ich kannte. Sie alle gebührend zu begrüßen, zu umarmen und Hallo zu sagen war mir zu viel. Sofort fing der Konflikt in mir an, und ich fühlte mich unfähig und zu.

Nun, das ist mir nicht völlig fremd, und ich erlaubte mir, so zu sein, wie ich war. Wer mir in die Arme fiel, wurde begrüßt, und wer nicht, musste halt ohne auskommen. Das Komische an der Geschichte war, dass all die, von denen ich dachte, Mensch, die musst du doch begrüßen, mir im Laufe des Tages automatisch in die Arme liefen und die Begrüßung plötzlich so einfach und herzlich war.

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Natürlich habe ich nicht nur meine persönlichen Sachen, die ich für die Tage hier zu brauchen glaubte, mitgebracht. Nein, natürlich auch meine Überzeugung und mein vergleichendes, erwartendes und kämpferisches Sein, welches mein Alltagsleben bestimmt. Mit dieser Energie fing ich sogleich an, die Geschehnisse hier sogleich zu betrachten. Ich fragte mich: „Was hat der hier zu sagen? Was macht denn der hier? Was wird mir hier wohl geboten?“ „Sollte ich mir einen bestimmten Platz sichern?“ Und vieles mehr. Irgendwie – ich weiß nicht, ob es die Ruhe und Harmonie waren, die hier herrschten, oder die gemeinsame Energie, die unserer Brücke zueinander ist – diese Gedanken fielen von mir ab, und ich fing an, zu relaxen und die Dinge entstehen zu lassen.

Die Begrüßung durch die Organisatoren und die erste gemeinsame Zeit in der Halle waren schnell vorbei, und es blieb genug Zeit, anzukommen und die ersten Eindrücke sacken zu lassen.

Der zweite Tag war durch Paul geprägt

Der zweite Tag war geprägt durch Paul Mitchells Sein mit uns. Wir lernten die Grundpositonen kennen, wie er sie von Mrs. Takata gelernt hat, und behandelten uns dann gegenseitig mit diesen Handpositionen. Ich hatte die Gelegenheit, die Person zu sein, an der Paul diese Positionen demonstrierte. Es war beeindruckend zu spüren, wie er die Hände auflegte. Ich spürte die Klarheit, Souveränität und Wärme. Ich spürte, dass er schon viele Behandlungen gegeben hat.

Am Nachmittag erzählte uns Paul seine Sicht zum Thema des Treffens: Reiki – die Essenz des Lebens. Die Art, wie er sich uns offenbarte, war einfach schön. Er erzählte uns Geschichten und Begebenheiten aus seinem Leben auf eine so lebendige und humorvolle Art, dass es Spaß machte, ihm zuzuhören. Ich möchte gar nicht den Versuch machen wiederzugeben, was Paul uns erklärte, denn ich würde doch nur mein Verständnis mit hineinbringen. Ich fühlte, dass meine Wahrheit und Erfahrung mit Reiki dieselben sind, so wie ich ihn verstand. Auch wenn mein Weg mir anders zu sein schien, so war das Resultat das gleiche.

Ein wesentliches Geschenk seiner Worte an uns ist für mich die Erinnerung, Reiki täglich zu praktizieren. Ich lege mir die Hände täglich auf, doch selten als eine Selbstbehandlung. Meistens tue ich das abends vorm Schlafengehen gerade dort, wo es sich gut anfühlt. Darüber schlafe ich dann meistens ein. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Reiki mich sehr stark verändert hat. Ich bin viel ruhiger, ausgeglichener, ja oft sogar meditativer geworden. Ich spüre eine Qualität in meinem Leben, eine Qualität in meinem Handeln und Fühlen, die ich auch in Reiki spüre. Ich bin gespannt, was mir regelmäßigere Selbstbehandlung gibt, wenn ich es denn schaffe, sie zu machen. Wie dem auch sei, ich weiß zumindest, dass es eine Möglichkeit gibt, mit Reiki tiefer zu gehen, wenn ich das möchte.

Der Erfahrungsaustausch in Kleingruppen, der sich dann anschloss, war getragen von Pauls Art. Die anderen waren ehrlich und offen. Auch wenn ich feststellen konnte, dass alle an verschiedenen Punkten standen, so sah ich auch, dass alle sich durch Reiki positiv verändert fühlten. Ich erkannte in den Berichten der anderen Teilnehmer, dass man Reiki aus verschiedenen Motiven begegnen kann. Ich habe Reiki immer als eine bewusstseinserweiternde Kraft gesehen, und das war auch das, was mich an Reiki interessierte. Meine Erlebnisse mit Reiki waren keine Erlebnisse der Heilung im klassischen Sinn, sie machten mich weicher, oder sie schenkten mir Momente meditativen Seins. Das waren auch die Erlebnisse, denen ich Beachtung schenkte, wenn ich die Auswirkung von Reiki bei mir beobachtete.

Doch nun sah ich, dass einige durch den Heilungsaspekt zu Reiki gekommen waren, sie waren körperlich krank gewesen und hatten Heilung gesucht. Natürlich richtete sich ihre Aufmerksamkeit bei der Beobachtung der Auswirkungen von Reiki darauf. Ich habe das immer bewertet und gedacht, dass sie einfach diese andere Qualität von Reiki noch nicht gesehen haben. Nun weiß ich, dass das Quatsch ist. So wie sie sich natürlich und automatisch auf diese Heilungserfahrungen konzentriert haben, habe ich mich automatisch auf die der Bewusstseins- und Wahrnehmungsebene konzentriert. Wenn ich an Reiki denke, denke ich deswegen auch selten an die Heilungskraft. Ich konnte also sehen, dass die Art, wie ich Reiki und seine Auswirkungen auf mich wahrnehme, von dem Blickwinkel abhängt, aus dem ich zu Reiki gefunden habe. Ich möchte mich dem Aspekt von Heilung im klassischen Sinn in Verbindung mit Reiki mehr öffnen.

Am Abend wurde getrommelt

Der Abend begann eher ruhig und fand für mich den krönenden Abschluss in einer Trommelsession, die von Ikechukwu angeleitet wurde. Einige Trommeln standen schon den ganzen Tag im Raum herum und hatten mich immer wieder in ihren Bann gezogen. Mehrmals hatte ich eine genommen und getrommelt. Es hat mich begeistert, wie leicht es mir viel, mich treiben zu lassen, es fließen zu lassen. Irgendwie hatte mich das Hiersein em Fließenlassen näher gebracht. Es war auf einmal so einfach. Wo es mir doch zu Hause so schwer fällt. Ich spielte so lange, bis mir die Finger schmerzten und mich zwangen aufzuhören.

Das gemeinsame Singen und Tanzen, das gemeinsame „Ah“-Singen, das gemeinsame Essen, welches vorzüglich war, so vieles bot sich uns dar. Was ich hier mit euch teile, hat mich am meisten bewegt. Ein anderer würde dies ganz anders sehen. So betrachtet die Zeilen als das, was sie sind, ein Ausschnitt aus dem, was das Reiki-Schüler-Treffen uns bot.

Der Sonntag verflog wie im Nu, und schon machten sich alle wieder auf den Weg dorthin, wo sie hergekommen waren. Vielen fiel es schwer zu gehen, doch es gab keinen Ausweg. Jetzt, da ich hier so sitze, kommen auch die Gedanken an Morgen wieder, an mein tägliches Leben. Mir wird jetzt erst klar, wie schön die Tage hier waren. Wie schön es war, das Fließenlassen zu spüren. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass ich hier sein konnte.