Gedanken zu den Lebensregeln - Teil 2


"Gerade heute, sorge dich nicht."

Von Harald Wörl


Wer hat sie nicht, die „lieben“ Sorgen? Doch Sorgen müssen nicht nur Sorgen machen, sondern können auch als Hilfen und Herausforderungen angesehen werden. Harald Wörl beschreibt in seinem zweiten Beitrag zu den Lebensregeln, wie man mit seinen Sorgen umgehen kann, um daraus zu lernen und zu einem „sorgenfreien“ Leben kommen kann.


Lass uns mit einem tiefen Seufzer b e g i n n e n: Sich gerade heute nicht zu sorgen, wie soll das denn gehen? Ist dies vielleicht wieder eine weitere hinterlistige An-Forderung, mit der wir uns insgeheim nur fertig machen? Oder ist es ein zwar gut gemeinter, schulterklopfender Ratschlag, letztlich aber nur oberflächlich und banal, der uns nicht zu beruhigen vermag? Denn das Komische ist, dass wir alle uns Sorgen machen, wir alle kennen dieses Phänomen nur zu gut aus eigener Erfahrung. Wie kommt es dann, dass es dennoch so schwer fällt, dies zu lassen? Könnte es sein, dass in dieser Lebensregel eine tiefe Weisheit steckt, deren Sinn und Bedeutung wir immer wieder vergessen? (Wenn sie uns je einmal klar geworden sein sollte.) Denn wer so eine Regel aufstellt, die scheinbar Übermenschliches von uns fordert, ist entweder verrückt oder weise.

Vielleicht ist es hilfreich, sich näher damit zu beschäftigen, was Sorgen denn eigentlich sind. Vielleicht kann ich mich dann leichter entscheiden, ob ich sie mir weiter machen will oder sie sein lasse. Ich möchte dich deshalb dazu einladen, einen Blick auf einen größeren Zeitraum  deiner Vergangenheit zu werfen, sagen wir so ca. die letzten fünf bis zehn Jahre: An wieviele deiner kleinen und großen Sorgen erinnerst du dich? Unter „Sorgen“ meine ich dabei das, was du darunter verstehst. Wir alle haben eine Definition davon, was für uns eine Sorge ist. Unser Verständnis, unser gedankliches Konzept, was eine Sorge für uns ist, muss uns nicht bewusst sein.

Sind Sorgen nötig?

Wenn du also deine Vergangenheit betrachtest, vermute ich, dass du viele deiner vergangenen Sorgen vergessen hast. Selbst wenn du dir Mühe geben würdest, könntest du nur einen Bruchteil davon wieder erinnern. Von den Sorgen, an die du dich erinnern kannst, wieviele waren es wert, sie dir gemacht zu haben? Meine Beobachtung ist, dass die meisten Sorgen, die wir Menschen uns machen, schlichtweg unnötig sind. Das meiste, was wir als Sorgen bezeichnen, bezieht sich auf mögliche Abläufe in der Zukunft. Dies ist ein wichtiger Punkt, der gar nicht genug hervorgehoben werden kann: Sorgen beziehen sich auf die Zukunft, und die Zukunft ist schließlich etwas, was noch nicht eingetreten ist. Dies vergessen wir alle in entsprechenden Situationen nur allzu leicht. Genauso leicht übersehen wir, dass unsere Sorgen nur eine Zukunftsprojektion sind, das heißt: eine möglicherweise eintretende Vorstellung darüber, wie es in der Zukunft ablaufen könnte. Dass das phantasierte Ergebnis einer Sorge für uns kein erfreuliches ist, braucht nicht extra hervorgehoben werden, denn das macht gerade die Sorge aus.

Ja, ich höre deinen Einwand, dass es aber doch auch berechtigte Sorgen gibt. Ich gehe gleich darauf ein, möchte aber für einen Moment noch bei den bereits vergangenen Sorgen bleiben. Denn selbst wenn wir uns an bereits vergangene große Sorgen und Nöte erinnern können, fühlen sich diese heute anders an, als wie damals, wo wir noch in der Situation steckten. Dies gilt immer, aber nur dann, wenn diese Sorgen auch innerlich wirklich Vergangenheit sind! Denn wenn für uns etwas Vergangenheit ist, wissen und fühlen wir, dass es vorüber ist, dass wir es überstanden haben. Dies heißt nicht, dass es automatisch dadurch zu einer angenehmen Erfahrung werden muss. Aber eine gerade überstandene Sorge, gerade wenn sie groß war, fühlt sich anders an, als eine große Sorge, die noch besteht. Auch hier bauchen wir nicht zu wissen, wie wir es anstellen, dass unsere Gefühle sich verändern. Tatsache ist aber, dass sich unsere sorgenvollen Gefühle dann verändern, wenn wir realisieren, dass eine Sorge vorbei ist.

Die „berechtigten“ Sorgen

Mit dem bisher Geschriebenen will ich deutlich machen, dass „sich Sorgen machen“ oft damit gleichzusetzen ist, dass wir uns viele, viele Gedanken und Vorstellungen über die Zukunft machen, unter denen wir jetzt schon leiden. Denn obwohl die befürchteten Vorstellungen noch nicht eingetreten sind, leiden wir schon jetzt, wenn unsere Vorstellungen realistisch genug sind. An was leiden wir dann eigentlich? An den Folgen einer noch nicht eingetretenen Phantasie, die sich auf die Zukunft bezieht und die für uns bereits innerlich Realität geworden ist? Meine Beobachtung ist, dass die meisten sorgenvollen Vorstellungen, die wir uns in Bezug auf die Zukunft machen, meistens gar nicht eintreffen, oder zumindest nicht so. Und wenn es wahr ist, dass sich die meisten Sorgen und Befürchtungen gar nicht realisieren, könnten wir doch die Zeit, Kraft und Energie, die wir dafür aufbringen, für etwas ?esseres nutzen, oder? Wie wäre es z. B. damit, sich Reiki zu geben, statt sich unnötigerweise Sorgen zu machen?

Betrachten wir vergangene Sorgen, die wir auch im Nachhinein als „berechtigt“ einstufen würden, stellt sich die Frage, ob wir durch unser Sorgen machen den Ausgang eines befürchteten Geschehens zum Positiven ändern konnten. Wohl kaum. Mit Sorgen machen meine ich hier den oft damit verbundenen Ablauf, dass wir mit sorgenvoller Miene dasitzen, wir gedanklich in quälenden, negativen, sich ständig im Kreis drehenden Gedanken gefangen sind und dem entsprechende Gefühle haben. Provozierend gefragt: Was nützte es uns, dass wir uns Sorgen machen, wenn wir den Ausgang eines wie auch immer befürchteten Geschehens nicht beeinflussen konnten? Ich will hier auch gleich klarstellen, dass es nicht leicht sein muss, sich keine Sorgen zu machen. Aber wenn ich es für unmöglich halte, wird es wahrscheinlich nicht leichter.

Herausforderungen

Für viele von uns würde eine lebensbedrohliche Erkrankung eines uns nahestehenden Menschen oder Katastrophen, die wahrscheinlich eintreten, ein berechtigter Anlass sein, sich Sorgen zu machen. Was soll ich dann machen, wie mit diesen Situationen umgehen? Ich selbst misstraue „Kochrezepten“ für derartige extreme Situationen, da wir hier in unserem gesamten Menschsein erschüttert und herausgefordert werden, und „kluge Sprüche“ hier nicht helfen. Hier eher hilfreich empfinde ich etwa die den Anonymen Alkoholikern zugeschriebene Äußerung:

„Gott gebe mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen die ich nicht ändern kann,
den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann und
die Weisheit das Eine von dem Anderen zu unterscheiden.“

Bin ich nicht gerade akut in einer emotional sehr sorgenvollen Situation, werde ich erkennen oder zugeben müssen, dass diese Aussage einen tiefen Wahrheitsgehalt hat, auch wenn es mir nicht passt. Und ich muss weder in einer extremen Lebenssituation sein, noch ein Alkoholiker sein oder werden, um davon profitieren zu können. Unter dem Gesichtspunkt der obigen Aussage ist sich Sorgen machen ein Ausdrucks eines Mangels, den wir alle in allen dort beschriebenen Bereichen haben. Anders formuliert ist es auch ein Hinweis darauf, diese Eigenschaften weiter zu entwickeln. Unsere Gelassenheit, unser Mut, unsere Weisheit, unser Unterscheidungsvermögen und unsrere Beziehung zu dem, was dort „Gott“ genannt wird, sind bei jedem von uns entwicklungsfähig.

Hilfsmittel

Es sei an dieser Stelle der schon längst überfällige Hinweis erlaubt, dass wir, in dem wir uns selbst Reiki geben oder es empfangen, ein ausgezeichnetes Hilfmittel oder Werkzeug dafür haben, diese Eigenschaften weiter zu entwickeln und zu entfalten. Da es sich bei all den beschriebenen Bereichen um grundsätzliche menschliche Entwicklungen handelt, dürfte es sich bei all diesen Enwicklungsbemühungen, wie auch beim Wachsen eines Baumes, wohl um Langzeitprojekte handeln. Sollte dies die Grundlage der Empfehlung dafür sein, sich täglich Reiki zu geben? Mir fällt dazu auch eine kürzlich gemachte Bemerkung einer Teilnehmerin beim Reiki-Treff ein, die eher eine rationale und atheistische Einstellung haben dürfte. Sie meinte schmunzelnd, dass man durch das häufige Anwenden von Reiki fast gläubig werden könnte.

Also, alle Atheisten, Nicht-, Un-Gläubige, Zweifelnde und Humorlose aufgepasst: der häufige Gebrauch und die langfristige Einnahme von Reiki birgt die Gefahr in sich, sich mehr eingebettet in einen größeren Zusammenhang zu fühlen, das Leben mit seinen kleinen und großen Tragiken auch in übergreifenden Perspektiven betrachten zu können und die damit verbundenen Sinnzusammenhänge und Bedeutungen vermehrt intuitiv zu erfassen. Als Nebenwirkung müsste dabei in Kauf genommen werden, dass die Anzahl der Situationen, in denen wir uns Sorgen machen könnten, leider abnehmen würde. (Nebenbei bemerkt ist Humor eine weitere Einstellung, die sich lohnt zur Reduzierung der Sorgen zu entwickeln, da in einer humorvollen Betrachtung einer Situation immer auch Zuversicht, Vertrauen und Optimismus über den guten Ausgang einer Situation mitschwingt.)

Schwierigkeiten der Veränderung

Bevor ich zu einer weiteren Skizzierung von Lösungsansätzen für den Umgang mit Sorgen komme, möchte ich das Verständnis für weitere wesentliche Aspekte vertiefen. Es dürfte dir vielleicht inzwischen die Ahnung gekommen sein, dass es sich lohnen könnte, seine Sorgen, die eigene Betrachtungsweise auf zukünftiges Geschehen hin, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Grund dafür, dass die Veränderung unserer Perspektive, unseres sorgenvollen Denkens, trotzdem schwierig sein kann, liegt zum einen darin, dass unsere gedanklichen Abläufe schnell und oft außerhalb unseres momentanen Bewusstsein ablaufen. Damit scheinen sie außerhalb unserer Kontrolle zu liegen. Denn was wir nicht bewusst „als Problem“ wahrnehmen, ist schwierig zu ändern. Wie sollen wir Einfluss auf einen inneren Ablauf nehmen, wenn uns dieser nicht bekannt ist?

Nehmen wir etwas nicht bewusst wahr, kann hierfür eine gezielte Bewusstseinserweiterung sinnvoll sein. Ich meine hier eine ganz praktische, alltägliche Aufmerksamkeit und Achtamkeit, nichts Großartiges. Wenn wir uns Sorgen machen, sind wir meist von dem Problem einer Situation hypnotisiert wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir kommen dann gar nicht auf die Idee, dass unsere Sorgen nur eine Variante eines zukünftigen Geschehens sind. Wir kommen nicht auf die Idee, Alternativen zu erwägen, sie uns vorzustellen. Wir fahren uns in einem Zustand fest, wo wir keine Lösungen finden, weil unsere Aufmerksamkeit derart von den Problemen in Anspruch genommen wird. Wir denken nicht, dass etwas sich so entwickeln könnte oder auch nicht, wir sind überzeugt, dass das Befürchtete genau so eingetreten wird.

Was ist dein Wecker?

Das Hauptproblem mit Sorgen ist vielleicht, dass wir in den Phasen, wo wir sie uns machen, nicht realisieren, dass diese nur Betrachtungsweisen sind, Gedanken, die uns Gefühle machen, nicht die Realität selbst. Wir vergessen dies, verlieren uns in unseren inneren „Realitäten“, halten diese für wahr und leiden darunter. Was könnte dein Wecker sein, der dich wieder an eine objektivere Realität erinnert, wo du andere Sichtweisen und Fähigkeiten zur Verfügung hast, die sonst nicht vorhanden scheinen? Wie kannst du dich im Alltag wieder daran erinnern, in der Realität der Gegenwart zu bleiben?

Es lohnt sich, dir die Zeit zu nehmen, etwas zu finden oder zu entwickeln, was genau dafür bei dir wirklich funktioniert. Nur als Anregung möchte ich hier zwei Sätze anführen, deren Bedeutung einen Teil meiner Lebensphilosophie ausmacht, die mich dann oft an Alternativen zum Sorgen erinnert. Der eine ist ein Satz meines Vaters, „mir über ungelegte Eier nicht den Kopf zu zerbrechen“. Zum anderen gefällt mir auch der Ausspruch, von dem ich überzeugt bin: „Die Lösung lauert überall“. Alles, was dir nur etwas Distanz zu einer sorgenvollen Situation und vor allem zu deiner eigenen sorgenvollen inneren Realität bringt, ist hilfreich. Schaffst du wie auch immer nur etwas Distanz zu deiner sorgenvollen Betrachtungsweise, löst sich der Würgegriff der Sorgen, und es werden Lösungen denkbar, die auch umgesetzt werden können.

Die Vergangenheit prägt die Zukunft

Neben der Schnelle und der Unbewusstheit unserer inneren Abläufe ist es auch deshalb nicht einfach, unsere Sorgen zu verändern, da diese sich zwar auf die Zukunft beziehen, wir aber gleichzeitig durch die Erfahrungen unserer Vergangenheit geprägt sind. Erinnert uns eine gegenwärtige Situation an ähnliche Ereignisse der Vergangenheit, wo wir schon drei(ßig) Mal auf die Nase gefallen sind, ist es schwer, sich jetzt vorzustellen, dass es diesmal anders sein wird. Bei nüchterner Betrachtung bleibt jedoch der objektive Tatbestand gleich, dass wir nie wirklich wissen können, wie die Zukunft sein wird. Unsere Zukunftsentwürfe sind deshalb auch ein Abbild unserer in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen, was uns häufig, wieder einmal, nicht bewusst sein muss.

So gibt es die weit verbreitete Einstellung, dass es gut ist, „sich Sorgen zu machen“, „lieber mit dem Schlimmsten zu rechnen“ oder „sich nicht zu früh zu freuen“, was uns vor Enttäuschungen bewahren soll. Ich beobachte hier, dass wir genau damit frühere Enttäuschungen immer wieder aufs Neue bestätigt bekommen, wir eher chronisch in Sorgen und Enttäuschungen verfangen bleiben. Obwohl Sorgen zu machen vor Enttäuschungen bewahren soll, verringert sich statt dessen unsere Lebensqualität. Es ist meiner Meinung nach nicht notwendig, zur Lösung von Sorgen in die Vergangenheit zu gehen. Wenn die Vergangenheit wirklich Vergangenheit ist, beeinflusst sie mich nicht mehr. Tut sie es noch, ist sie noch immer mehr oder weniger sorgenvoll gegenwärtig und beeinflusst genau so meine vorgestellte Zukunft. Praktisch bedeutet dies, dass wenn ich eine größere Bewusstheit über meine inneren Abläufe bekommen möchte, ich dies gut über eine liebevolle Beobachtung meiner jeweiligen Reaktionen im Alltag erreichen kann. Begreife ich meine gegenwärtigen Reaktionen nicht, kann ich meine früheren Erfahrungen zum Verstehen von mir selbst zur Hilfe nehmen.

Sorglos werden?

Bedeutet dies alles, dass wir sorglos werden sollen? Nein. Ich glaube, wir alle kennen Menschen, bei denen es gut wäre, wenn die sich manchmal „etwas mehr Sorgen machen würden“. Wie schon bei den Gedanken über den Ärger aufgeführt, ist es auch bei den Sorgen nicht sinnvoll, diese zu verdrängen oder so zu tun als ob es sie nicht gäbe, um sie im Hinterkopf weiter ihr Unheil treiben zu lassen. Anders gesagt geht es weder darum, schwarz zu sehen noch eine rosarote Brille aufzusetzen. Eigentlich geht es immer darum, eine Situation möglichst objektiv und realistisch zu betrachten und dann dementsprechend zu handeln.

Nehmen wir das Beispiel eines Notarztes bei einem Rettungseinsatz: Würde dieser aufgrund von Ängsten und Sorgen etwas falsch zu machen, in eine lähmende Haltung und in grüblerische Sorgen verfallen, wäre dies nicht angebracht. Würde er andererseits vielleicht aus Panik in blinden Aktionismus verfallen, wäre dies ebenfalls verkehrt. Glücklicherweise haben wir oft im Vergleich dazu mehr Zeit, um unsere Reaktionsweisen zu überlegen. Unglücklicherweise benutzen wir diese Zeit oft dazu, uns unnötige oder unproduktive Gedanken, sorgenvolle Gedanken mit den entsprechenden Gefühlen zu machen.

Sorgen als Signal

Was also tun, wenn du bemerkst, dass du dir Sorgen machst? Als erstes könntest du dich beglückwünschen für deine Wahrnehmungsfähigkeit deiner Gefühle, deiner inneren Abläufe. Denn wenn du deine Sorgen nicht wahrnehmen würdest, kannst du mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht angemessen handeln. Du würdest entweder negative Befürchtungen hegen, die unüberprüft dein Leben bestimmen würden, oder du würdest vielleicht wichtige Dinge übersehen, die aber unbedingt zu beachten wären. Das heißt, nimm wahr, werde dir bewusst, wenn du dir Sorgen machst. Verurteile dich nicht dafür. 

Als nächstes könntest du deine Sorgen als ein Signal verstehen, als eine Botschaft. Es ist in jedem Falle die Botschaft, dass du noch etwas brauchst, was du derzeit nicht zur Verfügung hast. Auch wenn du noch nicht weißt, was es genau ist, kannst und solltest du dich lieber auf die Suche danach begeben, statt dir „Sorgen zu machen“. Was dir fehlt, könnte man zum Beispiel „Informationen“ im weitesten Sinne nennen. So lange du für Situationen statt Lösungen sorgenvolle Gefühle hast, fehlen dir mit Sicherheit Informationen. Andere Bezeichnungen für Informationen könnten auch Ideen, Anregungen, andere Gefühle, andere Sichtweisen oder Sachwissen etc. sein.

Fragen auf dem Weg zur Lösung

Wenn du dir statt Sorgen zu machen z. B. die Frage stellen würdest: „Was fehlt mir jetzt?“, ändert das die gesamte Situation. Gib dich dabei nicht mit Antworten wie „eine Lösung finden“ zufrieden. Du könntest dann z. B. weiter fragen: „Was genau brauche ich jetzt oder würde mir nützen, um eine Lösung zu finden?“ In einem sorgenvollen Zustand bist du festgefahren. Du brauchst dann entweder neue Impulse aus deinem Inneren oder von außen. Wenn ich tatsächlich an einer Situation nichts ändern kann, fehlt mir vielleicht die oben erwähnte Gelassenheit. Bist du in einem sorgenvollen Zustand, findest du keine Lösungen. Es ist, als ob du in ein dunkles Loch gefallen bist, wo du kein Licht mehr siehst. Erst wenn du wieder herausgekrabbelt bist, ändert sich deine Wahrnehmung. Es hat keinen Sinn, durch Brüten eine Veränderung erreichen zu wollen. Es ist dann so, als ob du über die Dunkelheit klagen würdest, statt ein Licht anzuzünden. Hast du nicht das Licht in deinen Händen?

Wenn du alleine aus einem Loch nicht herauskommst, strecken sich dir manchmal die Hände von Freunden von oben aus entgegen. Diese musst du aber dann auch ergreifen, wenn sie dir heraushelfen sollen. Konkret heißt das, dass wenn ich z. B. mit meinen Sorgen feststecke, es sinnvoll sein kann, mit anderen Menschen zu sprechen, um von außen neue Sichtweisen zu bekommen. Auch wenn ich selbst Psychotherapeut bin, meine ich damit nicht, dass jeder nun professionelle Unterstützung braucht. Nur wenn ich manchmal die Klage höre, dass sich trotz Reiki gebens schwere Problematiken nicht verändert haben, denke ich schon, dass wir Menschen uns helfen lassen dürfen und sollen. Die Hilfe kann genau so gut von Freunden kommen – Hauptsache, ich sorge dafür, dass sie kommt.

Weiter könntest du dir in einem sorgenvollen Zustand die Frage stellen: „Sind meine Sichtweisen wirklich realistisch und allumfassend?“ Dies sind sie mit Sicherheit nicht. Kannst du nicht mit Gelassenheit eine Situation annehmen, brauchst du entweder Informationen darüber, wie du dies tun kannst. Oder du benötigst Informationen, wie du die Situation äußerlich verändern kannst. Oder du benötigst Informationen, wie du deine innere Einstellung verändern kannst, um dann effektiv und angemessen handeln zu können. Gerade bei „berechtigten“ Sorgen neigen wir dazu, eher in eine lähmende Sorge zu verfallen, als uns über die trotzdem vorhandenen Möglichkeiten klar zu werden und angemessen zu handeln. 

Falls du dich unsicher dabei fühlen solltest, klar unterscheiden zu können, was du an einer Situation annehmen und was du verändern solltest, befindest du dich in guter Gesellschaft. Unser aller Unterscheidungsvermögen ist bislang eher lausig ausgebildet. Eine Situation, die uns Sorgen macht, objektiv zu überprüfen, fällt uns allen oft schwer. Wir verfangen uns in sorgenvollen Gefühlen und hören auf, klar und konstruktiv zu denken. Und zu guter Letzt vergessen wir, dass sich die ganze Tragödie nur in unserem Kopf und unseren Gefühlen abspielt und halten das ganze für „realistisch“ ...

Sorgen können auch Botschafter sein, die dir signalisieren können, dich auf die Suche nach dem zu begeben, was dir scheinbar fehlt. Was ist dein Wecker, der dich daran erinnert?




Harald Wörl, geb. 1957, Klinischer Psychotherapeut BDP und Supervisor BDP, Psychologiestudium in Hamburg und Berlin, Aus- und Weiterbildungen in zahlreichen Therapien, Reiki-Meister seit 1992, Leiter des „Instituts für Psychotherapie, Kinesiologie und Reiki“ in Berlin, arbeitet mit Kindern, Erwachsenen und Familien in eigener Praxis und gibt Seminare, interessiert sich dafür, wie der Mensch „funktioniert“ und sich entwickeln kann, arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an dem unmöglichen Versuch , Beiträge zu Reiki zu liefern, die seriös, tiefgründig und gleichzeitig einfach zu verstehen sind.