Reiki für Busfahrer

Der Reiki-Magazin-Redakteurin Simone Bressau fiel ein höchst interessanter Flyer in die Hände. Auf dem war zu lesen, dass auf einem Busbetriebshof ganz offiziell Reiki im Rahmen der Gesundheitsvorsorge angeboten wird. Darüber wollte sie mehr erfahren, und so machte sie sich auf den Weg nach Glinde, zum Betriebshof der Busgesellschaft, und interviewte den fröhlichen Busfahrer und Reiki-Meister Hermann Nowottka vor Ort.



Reiki Magazin: Du bist eben von Deiner Schicht zum Busbetriebshof zurückgekommen. Was gefällt Dir an Deinem Beruf?

Herman Nowottka: Ich habe einen Traumjob. Ich fahre einen großen Mercedes und habe die Taschen voller Geld! (Herman lacht in seiner herzlichen Art.)

Spaß bei Seite, ich fahre gerne Bus, weil ich viel mit Leuten zusammenkomme. Leider sind jetzt die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Bushaltestellen und die Pausen verkürzt worden. Darum ist alles  viel stressiger geworden, und es bleibt weniger Zeit für die einzelnen Fahrgäste. Aber ich versuche trotzdem, Kontakt mit ihnen zu bekommen. Morgens begrüße ich die Fahrgäste mit einem fröhlichen „Guten Morgen“. So viel Zeit muss sein.

Einmal hatte ich über längere Zeit dieselbe Fahrstrecke, immer zur selben Zeit. Es kamen die selben Leute rein, saßen auf den selben Plätzen neben den selben Personen und haben nichts gesagt. Das hat mich gefuchst. Am fünften Tag sagte ich durch das Mikrofon: „Guten Morgen, hier ist der Busfahrer. Drehen sie sich doch mal zu ihrem Nachbarn um und begrüßen sie ihn.“ Da war was los im Bus, für Gesprächsstoff war gesorgt! Am nächsten Morgen war gleich eine andere Stimmung im Bus. Ich finde, wir sollten viel mehr aufeinander zugehen.

Früher bin ich auch Reisebus gefahren. Das machte auch Spaß, aber ich war dann tagelang unterwegs. Da blieb nicht mehr viel vom Privatleben übrig, zumal ich noch andere Aufgaben habe. Ich bin im Betriebsrat und gebe auch für Busfahrer Seminare, die von der Firma angeboten werden.

Reiki Magazin: Wie bist Du zu Reiki gekommen, und was hat sich für Dich seitdem verändert?

Herman Nowottka: Mir erzählte 1992 jemand von Reiki, und ich habe mir daraufhin eine Behandlung geben lassen. Das hat mir so wunderbar gefallen. Ich wusste, das ist genau das, was ich für mich gesucht hatte. Dann folgte schnell der 1. Grad, und es ging weiter, bis ich letztes Jahr meine Ausbildung zum Reiki-Meister abgeschlossen habe.


Ich habe nicht nur selbst gemerkt, wie stark ich mich mit Reiki verändert habe. Auch meinen KollegInnen ist es positiv aufgefallen. Früher war ich auch ein großer Rabauke. Wenn Fahrgäste anfingen, Ärger im Bus zu machen, habe ich zwei- bis dreimal gesagt, sie sollen es sein lassen. Wenn sich dann nichts änderte, kam nur noch Androhung von Prügel. Dann habe ich die Sache selbst in die Hand genommen. Ich habe sie aus dem Bus rausgesetzt, und zwar manchmal heftiger, als es nötig gewesen wäre.

Jetzt gehe ich mit solchen Situationen ganz anders um, mit Worten. Zum Beispiel: „Darüber kann man doch reden“ oder „Was für ein Problem gibt es denn?“. Manchmal bin ich auch ganz ruhig und sage nichts, wenn das mein Gefühl in der Situation ist.

Einige Kollegen haben Angst vor einer bestimmten Linie, bei der im Sommer öfter bis zu zwölf Rocker und drei Kisten Bier mitfahren. Wenn ich zu denen gesagt hätte: „Das Bier bleibt zu“, hätte es sofort Ärger gegeben. Ich habe sie einfach nett gefragt, ob das Bier noch ein wenig zubleiben könne, und ich würde sie genau dort rauslassen, wo sie hinwollten. Damit würden sie mir helfen und ich ihnen. Ich hatte die liebsten und nettesten Fahrgäste.

Reiki Magazin: Wendest du Reiki auf Deinem Arbeitsplatz für Dich persönlich an?

Herman Nowottka: Für mich selbst lege ich die Hände besonders gerne in der Pause auf, wenn ich einen Durchhänger habe. Das gibt mir wieder Kraft und erfrischt mich. Wenn ich merke, die Stimmung im Bus wird aggressiv, wende ich Techniken des 2. Grades an. Dann wird es gleich wieder ruhig.

Wenn ich ein Seminar leite und sehe, dass Leute dabei sind, die gerne motzen, dann schicke ich schon vorher eine Fernbehandlung in den Raum. Die anderen Seminarleiter wundern sich immer, dass es bei mir so gut läuft. Nun bekomme ich die schwierigsten Personen in meine Gruppe gepackt, aber das ist o.k., denn ich habe mit ihnen keine Probleme.

Reiki Magazin: Du gibst auch Deinen KollegInnen Reiki. Was sagst Du zu ihnen und wie praktizierst Du es?

Herman Nowottka: Ich gehe ganz natürlich damit um. Ich habe auch nie Berührungsängste gehabt, Reiki zu geben und andere danach zu fragen. Am Anfang sind einige skeptisch. Auch wenn sie von anderen KollegInnen schon gehört haben, dass es gut tut und schön ist. Ich finde es immer interessant, wenn sie sich dann öffnen.

Reiki Magazin: Wodurch ist das Gesundheitsprogramm in Deiner Firma entstanden?

Herman Nowottka: Wir hatten eine Unternehmensberatung aus Wien hier, die nachgeforscht hat, in welchen Bereichen es überall hapert und warum die KollegInnen so unzufrieden auf ihrer Arbeitsstelle sind. Es wurde eine große Liste erstellt, und am Ende der Auswertung kam heraus, was alles schief lief.

Das wurde dann auf der Betriebsversammlung vorgetragen. Das Resultat war für die Firma sehr hart zu hören. Als erstes gab es Veränderungen in der Führungsebene. Dadurch hat sich schon viel Positives getan. Dann schauten sie sich jeden einzelnen Bereich genau an. Der Bereich Gesundheit kam dann auch zur Sprache, man sollte dort etwas anbieten. Dann sagten sie, es gäbe doch im Hause jemanden, der Reiki praktiziere. Es wäre doch eine feine Sache, das anzubieten. Ich war erst ein wenig überrascht, weil ich damit gar nicht gerechnet hatte. Ja, und daraus wurde dann der offizielle Reiki-Tag. Ein Reporter von der „Glinder Zeitung“ kam im Mai 1997, um darüber zu berichten.

Reiki Magazin: Wie sieht denn ein offizeller Reiki-Tag in Deiner Firma aus? Und wer trägt die Kosten dafür?

Herman Nowottka: Ich habe am Schwarzen Brett eine Liste aushängen, wo sich jede/r mit gewünschter Uhrzeit selbst eintragen kann. Der Tag geht von 8 bis 16 Uhr und findet einmal im Monat statt. Ich habe einen eigenen Raum dafür gestellt bekommen. Meistens behandle ich eine Person ca. 45 Minuten und mache 15 Minuten Pause, bis der nächste kommt. Wenn aber noch jemand gerne eine Behandlung zusätzlich haben möchte, dann schiebe ich ihn noch mit in meine Pause rein.

Die Liste ist immer sehr schnell voll, und es ist viel mehr Bedarf von KollegInnen da, als ich an Zeit habe. Vielleicht wird es auch noch einen zweiten Tag auf diesem Betriebshof geben, denn einige KollegInnen haben sich schon beschwert, dass sie nicht drankommen. Nun beknien sie den Chef, damit es mehr Tage geben soll. Für mich selbst wird dieser Tag ganz normal als Arbeitstag abgerechnet. Meine KollegInnen müssen nichts für die Behandlung bezahlen. Aber sie bekommen Reiki in ihrer Freizeit, vor oder nach der Schicht.



Einige verzichten für eine Reiki Behandlung auch auf ihre Pause. Ausgenommen sind die Mitarbeiter in der Werkstatt, da sie fast die gleiche Arbeitszeit haben wie die Reiki-Zeiten. Sie können bei Interesse auch während der Dienstzeit kommen, weil es sonst keine Gelegenheit gibt, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen.

Reiki Magazin: Wieviele Beschäftigte betrifft das Gesundheitsvorsorgeprogramm? Umfasst es auch andere Angebote?

Herman Nowottka: Es gibt in unserem Betrieb ca. 1000 Mitarbeiter, davon sind hier auf dem Betriebshof in Glinde ca. 240 Busfahrer und ca. 10 Busfahrerinnen. Es gibt noch Betriebshöfe in Quickborn und in Bergedorf sowie eine Tochterfirma in Ahrensburg. Einige Fahrer von uns sind in Neumünster bei einer anderen Firma.

Das Angebot des Reiki-Tages hat in Glinde im Mai 1997 begonnen, und seit Februar dieses Jahres gebe ich auch einen Tag im Monat Reiki in Bergedorf. Wenn die anderen Betriebshöfe auch daran Interesse haben, müssen sie das von sich aus äußern. Ich habe jetzt schon grünes Licht von meinen Chefs bekommen, dass ich es dort anbieten kann.

Reiki-Magazin: Hängt es auch mit Deiner Person zusammen, dass Deine KollegInnen Vertrauen zu Reiki gefunden haben?

Herman Nowottka: Es mag sein, dass das mit eine Rolle spielt. Als Kollege, Betriebsratsmitglied und Seminarleiter habe ich von vornherein eine gute Basis. Das gibt natürlich eine andere Qualität, als wenn jemand Fremdes von außen zu uns kommen würde.

Busfahrer zeigen öfters ihre rauhe Schale. Sie müssen zupacken können und klipp und klar sagen, wer der Herr im Hause, im Bus ist. Sonst ist man verloren, z.B. wenn eine Schulklasse reinkommt und Krach macht. Das ist für mich in Ordnung. Aber wenn sie anfangen rumzuturnen, dann geht das nicht mehr, und ich muss was sagen!

Durch die Reiki-Behandlungen tauen einige Kollegen richtig auf, und der weiche Kern kommt zum Vorschein.

Reiki Magazin: Hast du auch deinen Chefs die Hände aufgelegt?

Herman Nowottka: Ja natürlich, so haben sie davon gleich praktisch erfahren. Einmal habe ich auf einer Betriebsversammlung eine Kurzbehandlung mit einem Vorstandsmitglied gemacht. Er hatte Rückenschmerzen, und ich habe ihn gefragt, ob ich ihm die Hände auflegen dürfte. Er hat mich erst angeguckt und dann gesagt: „Warum eigentlich nicht?“ So wurde Reiki sehr schnell bekannt.

Mich hat auch schon der Chef zu sich gebeten, um Reiki bei einem Kollegen, der einen Unfall hatte und im Schock-Zustand war, zu geben. Als dann der Vorschlag gemacht wurde, es öffentlich anzubieten, war es nichts Unbekanntes mehr, sondern hatte schon seine Anhänger gefunden.

Reiki Magazin: Haben auch KollegInnen inzwischen Reiki gelernt?

Herman Nowottka: Einige haben danach gefragt, ob sie Reiki bei mir privat lernen können, und haben es dann auch getan. Die meisten praktizieren es für sich selbst und gehen damit nicht in die Öffentlichkeit. Reiki findet für jeden, der interessiert ist, seine Möglichkeit, in Kontakt zu kommen. Es ist einfach immer wieder eine schöne Sache!

Reiki Magazin: Ich danke Dir, Hermann, für das offene und erfrischende Gespräch. Es hat mir viele Impulse mitgegeben, und Deinen Geschichten aus dem täglichen Leben eines Busfahrers mit den warmen Reiki-Händen könnte ich stundenlang weiter lauschen.



Anmerkung: Ich hatte noch das große Glück, nach den Gespräch in einem großen Bus auf dem Fahrerstuhl Platz zu nehmen. Natürlich bin ich nicht gefahren, aber ich kann mir jetzt vorstellen, wieviel Spaß es machen muss.

 

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