Kein Reiki auf Lizenz

möchte Phyllis Lei Furumoto

 

Im Reiki Magazin 3/98 berichtete Jürgen Kindler über die Diskussion, ob »Reiki« und verwandte Begriffe als Warenzeichen geschützt und deren Verwendung lizensiert werden sollte. Nun wendet sich Phyllis Lei Furumoto mit folgendem Brief an die Reiki-MeisterInnen und erklärt, die Pläne zur Lizensierung von Reiki nicht weiter zu verfolgen.



Liebe Meister,

heute morgen genieße ich es, endlich wieder zu Hause zu sein, nach einer dreimonatigen Reise, die mich zum ersten Mal nach Südamerika führte, dann nach Spanien und anschließend nach Nordeuropa zu vertrauten Zusammenkünften und Sprachen. Die letzten zwei Tage seit meiner Rückkehr hat es leicht geschneit und diesen prächtig weißen Zuckerguß auf alles ringsumher gelegt. Draußen vor meinem Fenster ist alles still und friedvoll.

Als ich heute morgen aufstand, dachte ich über die Ereignisse nach, die sich im Laufe der letzten sechs Jahre angesammelt haben. Vor sechs Jahren sann ich über meinen Wunsch nach, ein » Heim« fur das Usui-System zu finden. Hiermit meinte ich nicht bloß ein physisches Vorhandensein, sondern eine energetische Basis, auf die Schüler und die Öffentlichkeit sich beziehen könnten, wenn sie über das Usui-System sprechen. Ich traf mich mit einigen Meistern, um ihre Ideen zu diesen Wunsch zu sammeln. Ich wollte wissen, ob es bloß mein ureigener Impuls war oder eine Vision für das System. Wir führten intensive Diskussionen und hatten alle gemeinsam die Vision für das System, aus unserer eigenen persönlichen Praxis und Erfahrungen heraus. Wir verließen dieses Treffen mit großer Hoffnung.

Das nächste Ereignis war der Erhalt der Mitteilung, das Jupp Hilger, ein Meister, der von mir eingeweiht worden war, die Worte »Reiki« und »Usui-System der Natürlichen Heilung«, das Reiki-Kanji und verschiedene andere Ausdrücke, die von Meistern und Schülern benutzt werden, gesetzlich hatte schützen lassen. Ich dachte, daß dies eine interessante Wahl des Zeitpunkts war. Seine Absicht war es, die Praxis, die er gelernt hatte, zu schützen. Da ich gar nichts zu tun schien, um die wachsende Verwirrung über die verschiedenen Formen, die als Usui-System hingestellt wurden, zu verhindern, übernahm er diese Verantwortung. Er hatte auch kein Vertrauen, daß ich irgendetwas mit den Warenzeichen tun wurde, wenn ich sie hätte. Darum lehnte er es ab, sie auf mich zu übertragen, und eine lange Diskussion unter Anwälten nahm ihren Anfang. Während dieser Zeit begann ich, nachzuforschen und Kenntnisse über Warenzeichen, ihren Gebrauch und ihre Bedeutung in der Geschäftswelt zu erwerben.

Ich lernte, daß die Eintragung eines Warenzeichens für eine Person oder eine Gesellschaft nur bedeutet, das diese natürliche oder juristische Person das Recht hat, den Gebrauch des Ausdrucks oder des Logos zu sichern durch Vereinbarungen mit anderen, die denselben Ausdruck oder dasselbe Logo für dieselbe Dienstleistung oder dasselbe Produkt benutzen wollen.

Meine Absicht bei dem Erwerb von Warenzeichen war zu versuchen, daß Durcheinander bei der Benennung all der verschiedenen Formen der Praxis zu klären, die in den letzten Jahren erschienen sind. Es hat keine Absicht gegeben, noch wäre es für mich möglich gewesen, jenen den Gebrauch der Worte »Reiki« oder »Usui-System der Natürlichen Heilung« zu verwehren, die aufrichtig praktizieren und lehren. Bis jetzt konnte ich weder mein Wissen noch meine Absicht vollständig enthüllen, da ich damit die Verhandlungen mit Herrn Hilger und anderen gefährdet hätte.

Als Ergebnis der Nachforschungen und meiner Vorahnungen bezüglich der Probleme, die sich aus dem an keine Form gebundenen Gebrauch der Worte »Reiki« und »Usui-System der Naturlichen Heilung« ergeben, habe ich ein Paket zusammengestellt, bestehend aus den Warenzeichen, der Lizensierung für jene Meister, die möchten, daß man erkennt, daß sie in der Linie von Usui, Hayashi, Takata und Furumoto praktizieren, einer Non-Profit-Organisation für die Öffentlichkeit und Schüler zur Verteilung von Informationen über diese spezielle Praxis und einem Bildungsprogramm für Meister, die ihr Verständnis dieser Praxis vertiefen wollen oder von einer anderen Form in diese Praxis kommen.

Der erste Schritt war, die Form der Praxis zu definieren. Was kennzeichnete die Praxis dieser Linie? Hatte ich überhaupt das Recht, die Form zu bestimmen? Wie konnte ich die Form auf körperlicher Ebene beschreiben und die Essenz der Lehre halten, die durch die Beziehung zwischen Meister und Schüler übertragen wird? Viele glaubten, daß sie die Form so praktizierten, wie sie von Takata und dann von mir gelehrt wurde. Als sie erkannten, daß dies nicht der Fall war, fühlten viele sich betrogen glaubten, daß ich die Form geändert hatte. Als ich die Geschichte der Form betrachtete, wie sie über die Jahre hinweg von Takata gelehrt wurde, als ich die Dinge sah, die über die Jahre der Praxis hinweg von den Meistern, die Takata eingeweiht hatte, im Gedächtnis behalten worden waren, und als ich die Elemente sah, die in alle Kulturen übergegangen waren, definierte ich die Form in der Öffentlichkeit. Diese ist nicht anders als die, die ich die letzten 25 Jahre lang gelernt, gelehrt und praktiziert habe.


Der nächste Schritt war, der Gemeinschaft diesen Plan vorzustellen und zu sehen, wie der Widerhall sein würde. Ich war von den Reaktionen und dem Widerhall überrascht. War ich von den Einwänden gegen die Eintragung von Warenzeichen und die Lizensierung überrascht? Nein. Denn ich hatte sie alle selber. War ich davon überrascht, wie deutlich bei vielen Meistern der Wunsch nach einer Lösung für dieses Durcheinander hervortrat? Nein, ich war froh, daß ich etwas anzubieten hatte. Was mich überraschte, war die mangelnde Bereitschaft von Meistern, ihre eigene Beteiligung an der Schaffung des Durcheinanders von Formen und Ausübungen unter dem Namen »Reiki« und »Usui-System« zu erkennen. Stattdessen gab es da eine Stimmung von »Das betrifft die da draußen, nicht mich. Darum sollte ich nicht verpflichtet sein, eine Lizenz zu haben. Ich werde meine Praxis nicht ändern, obwohl ich weiß, daß ich sie geändert oder meine eigenen Philosophien oder eigene Praxis hinzugefügt habe.«

Das gemeinsame Band, daß sich durch alle Reaktionen und Stellungnahmen zog, war die Tiefe der Verbindung, die jeder zu der Praxis hat, egal, welche Form, egal, wieviel Zeit, egal, wieviel Geld. Diese Meister waren bereit, sich mir mit Aufrichtigkeit und mit ehrlicher Besorgnis zu öffnen. Ich war durch ihre Reaktionen berührt und geehrt.

Als ich beschloß, mit meinem Plan »an die Öffentlichkeit zu gehen«, auch wenn er noch nicht bis ins letzte durchdacht war. Es war eine Skizze, in die ich das Input der Meistergemeinschaft hineinhaben wollte (alle, die sich für Meister im Usui-System hielten). Viele meinten, daß dies nicht so gut sei. Nun, das war es auch nicht, und das hatte ich beabsichtigt. Ich war bereit, meine gesamte Energie und alles, was ich hatte, in dieses Plan zu stecken, falls die Gemeinschaft darauf eingehen würde und die leeren Stellen ausfüllen wollte. Meine Form der Führung erfordert, meiner Meinung nach, das Input der Gemeinschaft.

Ich habe das Input gehört. Ich ziehe die Gespräche, E-Mails und Briefe der Meister, die sich die Zeit genommen haben, sich direkt an mich zu wenden, gründlich in Betracht. Sogar jene, die zunächst Erleichterung fühlten, stellen jetzt eine neue Reihe von Fragen: »Stimmt die Lizensierung mit der Praxis von Usui Shiki Ryoho überein, wie wir sie in unserem Wesen halten?« Sie alle antworten mit: »Nein.« Ich höre diese Antwort und ehre sie. Der die Lizensierung betreffende Teil des Plans ist jetzt fallengelassen worden, und die natürliche Entwicklung, die durch den Vorschlag in Gang gesetzt worden ist, wird weiter im Fluß bleiben. Ich vertraue diesem Fluß, weil ich die Integritat gehört und gesehen habe, mit der jeder Meister reagiert hat.

Die Anträge auf Eintragung von Warenzeichen sind jetzt nach vielen Monaten des Wartens geklärt. In den meisten Ländern werden die Ausdrücke »Reiki« und »Usui Shiki Ryhoho« für als zu schildernd angesehen, und sie können dort nicht durch ein Warenzeichen geschützt werden. Die Warenzeichen, die in verschiedenen Ländern eingetragen sind, werden verwaltet werden. Diejenigen, die Bücher schreiben, Broschüren veröffentlichen und mit diesen Ausdrucken unterrichten wollen, werden sich einfach nur mit dem Verwalter in dem betreffenden Land in Verbindung setzen und eine Nutzungsvereinbarung unterschreiben müssen.

Ich habe das Copyright und das Warenzeichen für ein Logo, das für das Lizensierungsprogramm entworfen worden ist. Dies wird von mir selbst benutzt werden, um jene Programme auszuweisen, die direkt unter meiner Überwachung stehen. Der Gebrauch dieses Logos ohne mein schriftliches Einverstandnis ist gesetzlich verboten.
Die Reaktionen auf den Warenzeichen- und Lizensierungsplan haben auch Behauptungen und Anschuldigungen mit eingeschlossen, die sich nicht auf echte Erfahrung gründen, oder in denen Gesprächsinhalte benutzt wurden, um Gesichtspunkte in ein schiefes Licht zu rücken, indem man sie aus dem Zusammenhang gerissen hat. Als ich beschloß, die Verantwortung für die Warenzeichen und das Projekt des Lizensierungsprogramms zu übernehmen, wurde mir klar, daß ich mich selbst 100% hinter dieses Projekt stellen muß. Jede Befürchtung, die ich hatte, mußte vor meiner öffentlichen Ankündigung durchgearbeitet worden sein. Dies habe ich getan. Ich habe 100% gegeben, und damit kam der Abstand, den ich brauchte, um all die Stürme zu überstehen.

Da ich mich selbst dem Plan verpflichtet hatte - komme, was da wolle -, stand ich da, um alles entgegenzunehmen, was diese Gemeinschaft zu geben hatte: Unterstützung, Einverständnis, Meinungsverschiedenheiten, Projektionen, Mißtrauen, Mißachtung und Lügen. All das anzunehmen war meine größte Herausforderung. Dies ist meine größte Lektion gewesen.

Als das Lizensierungshandbuch den Meistern vorgestellt wurde, war dies die Qualität, die im Raum stand. Ich glaube nicht, daß es die Einzelheiten der in diesem Dokument umrissenen Form waren, die die Leute unter Druck setzten. Ich glaube, es war die Unfähigkeit von Meistern, diese Art von Verpflichtung so öffentlich einzugehen. Die Frage der Durchführung war einfach. Wenn Meister aus eigenen Gründen nicht mehr auf solche Weise praktizieren konnten, dann lehnten sie es ab, lizensiert zu werden. Könnte ein Meister einen solchen Standpunkt öffentlich vertreten? Es ist eine schwierige Entscheidung, und eine mit vielen Risiken.

Was es schwer, die Durchführung der Lizensierung aufzugeben? Nein. Ich habe die Komplikationen, Kosten und ethischen Fragen gesehen, die bei dieser beabsichtigten Aktion entstehen. Ich habe weder die Weisheit noch die Mittel, um dieses Programm durchzuführen. Nur die Gemeinschaft als Ganzes hat diese Möglichkeit. Vielleicht gibt es einen Weg zu einer festgelegten gemeinsamen Praxis ohne das Rechtssystem. In der Zwischenzeit mache ich einfach mit meiner Praxis weiter und sehe mir an, was sich entwickelt.


Ich möchte den folgenden Meistern danken, die diesem Projekt finanzielle und energetische Unterstützung gegeben haben: Jane Cherrington, Hans Hinken, Horst Günther, Jule Erina van Calker, Elfie Schlumberger, Mark Ruge, Bernie Morin, Ned Wolf, Barbara McDaniel, Olivia Salazar, Joachim Ernst, Jürgen Kindler, Cristina Aguilar, David Pex, Nirdosh Samalnov, Vamzu-Jo, Maria Luiza Bueno, Barbara West, Maria del la Luz Dais, Jason Thompson, Kandy Brandt, Elena Znamenskaya, Lynn Gebetsberger, Kate Jones, Ian Spiers, Regina O`Mahoney, Padma von Mühlendahl, Erika Breiter, Fokke Brink, Dawn Mills, Ruth Wong, Luba Ivanova und viele andere.

Mit aufrichtiger Wertschätzung für alle Dinge, die mein Leben durchquert haben, verbleibe ich dankbar

Eure
Phyllis Lei Furumoto

(Übersetzung von Antje Holte)