Reiki in "Zeiten der Krise"

Reiki-Meisterin Susanne Kontopides lebt und arbeitet abwechselnd auf der griechischen Insel Kreta und im niedersächsischen Wendland. Für das Reiki Magazin berichtet sie über ihre Erfahrungen mit Reiki in Griechenland in diesen bewegten Zeiten.

 

Als ich vor drei Jahren nach Kreta kam, war das Gerede über die „Krise" in Griechenland allgegenwärtig, und jeder machte seine Späßchen darüber. Obwohl die vielen schlechten Nachrichten aus Athen und über die desolate Wirtschaftslage des Landes die Ängste der Menschen schürten, so war doch im Alltag noch nicht so viel davon zu spüren. Der Tourismus lief wie immer, die Bauern bestellten ihre Felder, und die Menschen hatten ihr Auskommen. Einheimische wie Ausländer diskutierten viel über die Gründe, die möglichen Folgen und was wohl Abhilfe schaffen könnte, aber so richtig glaubte niemand, dass es auch ihn selbst bald existentiell betreffen könnte. Zwar waren die Lebenshaltungskosten enorm gestiegen, aber irgendwie ging es ja doch, und man konnte sich mit der Situation arrangieren.

Inzwischen sind die Ängste von damals für viele Realität geworden. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, der Staat mutet den Bürgern immer höhere Steuern und Abgaben zu, und ein staatliches soziales Netz, wie etwa in Deutschland, gibt es nicht. Auch der Tourismus hat Einbußen erlitten. Aus Not haben viele Haus und Hof verkaufen müssen und besitzen keine Krankenversicherung mehr. Man schlägt sich durch mit Gelegenheitsjobs und dem, was die Felder so hergeben. Es ist ein Segen, dass die meisten Einwohner Kretas irgendwo ein wenig Land besitzen, das sie bestellen können und eine große Familie haben, in der sich alle gegenseitig unterstützen. Trotz aller Widrigkeiten haben die Menschen hier aber ihre Zuversicht und ihre Fröhlichkeit nicht verloren, und das typische Organisationstalent dieses leidgeprüften Volkes kommt voll zum Einsatz.

Neue Wege

Als Reiki-Meisterin hat mich bei dem Thema Krise natürlich auch immer der psychologische und spirituelle Hintergrund interessiert. Jede Krise bedeutet schmerzhaftes Loslassen. Das Altvertraute funktioniert nicht mehr, und etwas Neues, Unbekanntes muss an seine Stelle treten. Das verunsichert, macht Angst, und der Druck auf die Menschen nimmt zu. Man wird gezwungen, auf allen Ebenen des Seins nach neuen Wegen und Lösungen zu suchen. So kann die Krise zu einer Heilungskrise werden und zu Erneuerung und Wachstum führen.

Gerade jetzt erlebe ich die Menschen hier, an der Südküste Kretas, besonders offen und auf der Suche nach neuen Wegen der Selbstentfaltung und Weiterentwicklung. Da kommt Reiki für sie wie gerufen. Die Teilnehmer in meinen Kursen haben die unterschiedlichsten Gründe, Reiki zu erlernen. Eleni beispielsweise ist Hausfrau, ihr Mann ist seit einem Jahr arbeitslos, sie hat zwei kleine Kinder, und die Familie ist ohne Krankenversicherung. Als ich sie frage, warum sie gern Reiki erlernen möchte, sagt sie ganz pragmatisch: „Ich habe gehört, dass es einem damit besser geht und dass man anderen helfen kann, wenn mal jemand krank ist. Das ist gut für mich und meine Familie."

Joanna weiß nicht so genau, warum sie gekommen ist, sie ist einfach neugierig, aber Maria sagt ganz entschieden: „So kann es doch nicht weitergehen mit uns und der Krise und allem. Etwas muss passieren, und darum probiere ich Neues aus." Kosta stimmt ihr zu. Er ist der Einzige in der Runde, der ein wenig Erfahrung mit Reiki hat. Er bekam schon mal zwei Behandlungen von mir wegen seiner starken Rückenschmerzen. Als Musiker hatte er immer wieder Probleme damit. Es hat ihm gut geholfen, und nun möchte er unbedingt alles über Reiki wissen und es selbst erlernen.

Die finanzielle Seite

Nur mit der finanziellen Seite der Reiki-Ausbildung gibt es zunächst etwas Durcheinander. Da ich ja um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiß, hatte ich den üblichen Preis für die Teilnahme an einem Reiki-Seminar schon um die Hälfte verringert. Als dann aber immer mehr Interessenten sich zurückzogen, fragte ich nach, was denn der Grund dafür sei. Es war ihnen offensichtlich unangenehm, aber sie konnten auch diesen Betrag nicht aufbringen. Dabei erfuhr ich u.a. von Irini, dass sie zwar Vollzeit als Beamtin in einem Büro arbeitet, aber schon seit etwa einem Jahr keinen Lohn mehr erhalten hat. Ihren Kolleginnen würde es genau so ergehen. Sie gehen aber trotzdem jeden Tag zur Arbeit, weil sie den Job behalten wollen und auf bessere Zeiten hoffen. Ich spürte das große Bedauern der Leute, und so machte ich einen Vorschlag: „Es muss ja nicht unbedingt Geld sein, was ihr mir als Ausgleich für das Reiki-Seminar gebt. Wie wäre es, wenn wir eine andere Art des Tausches machen? Jeder gibt, was er kann und was er hat." Begeistert wurde der Vorschlag angenommen. Sie kamen und brachten Kinder, Ehepartner und Freunde mit. Und bei Seminarbeginn wurde ich reichlich bedacht mit Säcken voll Kartoffeln, Kanistern voller Olivenöl, Honig, hausgemachtem Wein u.v.m. Eine Schülerin bot mir ihre Dienste als Friseurin an, und ein Schüler, der eine Kfz-Werkstatt besitzt, würde den nächsten Service bei meinem Auto machen. Alle waren zufrieden und glücklich mit dieser Lösung, und ich war sehr gerührt über die Freude und Großzügigkeit, mit der diese Menschen, die selbst so wenig haben, mir etwas gaben.

In Gemeinschaft

Die „Parea", die Gemeinschaft, ist den Griechen sehr wichtig, und wie immer, wenn sich hier einige Menschen zusammenfinden, um etwas Gemeinsames zu erleben, wird das Ereignis gefeiert wie ein Fest. So ist die Stimmung in den Seminaren recht ausgelassen, aber dennoch von einer starken Konzentration und andächtigen Ernsthaftigkeit, die mich tief beeindruckt.

Aber nicht nur Einheimische nehmen an den Gruppen teil. Menschen aus der ganzen Welt, und besonders aus Nordeuropa, haben sich hier angesiedelt. Das Zusammenleben zwischen Ausländern und Einheimischen ist im Allgemeinen sehr friedlich und voller Respekt. Leider entstehen aber in letzter Zeit, bedingt durch die Krise und die negative Berichterstattung in den Medien, immer öfter Spannungen. Misstrauen, Neid, Empörung und Unverständnis auf beiden Seiten machen die Kommunikation manchmal schwierig, was zu weiteren Gefühlen der Abtrennung und Entfremdung führen kann.

Große Dankbarkeit

In den Seminaren finden sich manchmal drei oder vier verschiedene Nationalitäten zusammen. Deutsche, Österreicher, Engländer und Kreter lernen und praktizieren gemeinsam Reiki. Für mich als Reiki-Lehrerin ist das eine große Herausforderung, aber auch eine gute Gelegenheit, positive, gemeinsame Erfahrungen zu ermöglichen. Die unterschiedlichen Mentalitäten begegnen sich auf einer liebevollen, spirituellen Ebene, die jenseits vom Ego liegt, und bereichern sich gegenseitig. So fungiert Reiki hier auch als ein wunderbares Medium zur Völkerverständigung, und es ist sehr beglückend, wenn am Ende eines Seminars die Teilnehmer sagen, das Allerwichtigste, also das, wofür sie größte Dankbarkeit empfinden, ist die intensiv miteinander verbrachte Zeit und das Gefühl der Verbundenheit. Zum Abschied wird ein „Tsikoudia" (kretischer Trester-Schnaps) auf die Gesundheit getrunken, und wir freuen uns alle, dass wir auf dieser unglaublich schönen und bezaubernden Insel leben dürfen.

 

Susanne Kontopides, Reiki-Meisterin/-Lehrerin, Ergotherapeutin und Künstlerin.
Jahrg. 1962, geb. in Hamburg, lebt und arbeitet abwechselnd auf der griechischen Insel Kreta und im niedersächsischen Wendland.

Kontakt:

Tel. in D: 05862-1799795
Tel. in GR: +30 - 6984003794
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.reiki-tao.de

www.susanne-kontopides.eu

 

Fotos: Copyright Susanne Kontopides

 

 

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