„Die heilenden Kräfte des Geistes verstehen ..."

Interview mit Horst Krohne

Was heilen wir, und womit heilen wir? Wie kann eine Annäherung an Antworten auf diese und andere wesentliche Fragen rund um das geistige Heilen geschehen? Oliver Klatt führte ein Interview mit Horst Krohne, einem der erfahrensten geistigen Heiler in Europa.

Oliver Klatt: Herr Krohne, in Ihrem Buch „Der Geist, der mich rief" stellen Sie ein „Schwingungsmodell des Lebens" vor, in dem Gott als „unendlich schnelle Schwingung des Geistes" benannt wird – eine interessante Formulierung, wie ich finde. Können Sie mehr zu dieser Vorstellung sagen? Und: Sehen Sie Gott nicht auch als ein direktes Gegenüber des Menschen? Oder ist ihre Wahrnehmung von Gott ausschließlich energetischer Natur?

Kreatives Bewusstsein

Horst Krohne: Für mich ist das, was wir Gott nennen, reines kreatives Bewusstsein. Und dieses schöpferische Bewusstsein wirkt und dirigiert mit und über universelle Gesetze in alle Erscheinungsformen der Schöpfung hinein. Von unserer menschlichen Sichtweise aus ist alles, was wir wahrnehmen, Schwingung. Und alles, was schwingt, bildet Obertöne – und so schwingt sich alles in immer schnelleren Schwingungen auf, bis hin zur unendlich schnellen Schwingung. Genauso bietet die Untertonreihe dem Schöpfer aus der unendlich schnellen Schwingung heraus dem ewigen Jetzt, in jedem Winkel seiner Schöpfung über das Herabschwingen präsent zu sein. In der unendlich schnellen Schwingung ist Raum und Zeit nur als Einheit vorhanden. Gott der Alleinige ist somit zu jeder Zeit an jedem Ort der Schöpfung gegenwärtig – und über die Obertonreihe erfährt er alles über seine Schöpfung und somit auch über das Leben selbst, einschließlich der Menschen. Der Mensch selbst nimmt über Intuition, Vision, Gebet und Imagination an diesem Schöpfungsprozess begrenzt teil.

Oliver Klatt: Ein Wissenschaftsautor, Marco Bischof, hat zum Thema Visualisation und Imagination einmal geschrieben: „Über die Imagination heißt es (...) ‚was Gott imaginiert, geschieht in Wirklichkeit, doch was die Seele imaginiert, geschieht nur im Geiste'. Dies scheint genau dem landläufigen Vorurteil zu entsprechen, dass alles Vorgestellte ‚nur Fantasie' und imaginär sei, doch in Wirklichkeit enthält es ein Rezept für wirksame Imagination: nur wenn das Imaginieren aus unserem überindividuellen, innersten göttlichen Kern kommt, ist es eine wirklichkeitsschaffende Kraft, nicht aber dann, wenn es bloß unserer individuellen Psyche entstammt." Das erinnert mich sehr an Ihren Rat, in Ihrem Buch, „unsere Absichten, unsere Vorstellungen zu überprüfen", wenn wir „mit unserem Tagesbewusstsein, mit unserem Intellekt ein Partner des schöpferischen Weltengeists" sein wollen, wobei es wichtig sei, „die Gesetze des Schöpfers zu verstehen". Sehen Sie ebenso Parallelen Ihrer Sichtweise zu dem genannten Zitat?

Horst Krohne: Der Mensch als Teil der Schöpfung hat nur ein begrenztes Mitspracherecht. Dieses liegt hauptsächlich in der individuellen Entfaltung seiner eigenen Bewusstheit, im Lernen und Lehren. Weil der Mensch aber Neugierde, Fantasie und Imagination besitzt, ist er in der Lage, Empfehlungen auszudrücken. Sollten diese im Einklang mit den schöpferischen Ideen Gottes liegen, ist es durchaus möglich, dass der Funke Gottes, der in jedem Menschen steckt, zur Verwirklichung des Ganzen beiträgt. An dem vom menschlichen Geist geformten Ausdruck und Verhalten, auch mit all den Zerstörungen und Katastrophen, können wir erkennen, wie unfähig wir noch sind, das Leben in der Schöpfung zu verstehen. Ich habe einen Satz gelesen, der das alles ausdrückt: Das göttliche Bewusstsein ist die Wahrheit in der Nicht-Wirklichkeit unserer Vorstellungen.

Oliver Klatt: Herr Krohne, die Schule der Geistheilung nach Horst Krohne, die Sie 1998 begründet haben, akzeptiert keine Schüler, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden. Können Sie etwas zu den Hintergründen dieser Haltung sagen?

Umgang mit Medialität

Horst Krohne: Meine Erfahrungen in Seminaren, mit Teilnehmern die in psychotherapeutischer Behandlung waren, ergaben, dass bei Übungen für außersinnliche Wahrnehmung und im Umgang mit Heilenergien sich die psychischen Symptome bei ihnen verstärkten. Ich erlebte bei Teilnehmern mit labilen psychischen Eigenschaften, wie sie sich bei diesen Übungen fanatisch hinein steigerten und total überdrehten oder auch in Weinkrämpfe verfielen. Außersinnliche Wahrnehmung und der Umgang mit potenzierter Lebensenergie, Heilenergie führt nach meiner Erfahrung zu einer Verstärkung aller psychischen Probleme. Deshalb sage ich zu allen Dozenten unserer Schule: Lehrt nie einen Menschen bewusstseinserweiternde Techniken, der nicht in sich gefestigt ist.

Oliver Klatt: Zum Thema „Heilerischer Umgang mit Medialität" haben Sie in Ihrem Buch ja auch ein eigenes Kapitel verfasst, mit dem Titel „Geistige Durchsagen zur Heilung auf dem Prüfstand" (das Reiki Magazin veröffentlichte einen Auszug daraus in Ausgabe 2/14). Ich teile sehr, was Sie in diesem Kapitel rund um die mediale Wahrnehmung äußern, über den „persönlichen Filter", mögliche Verzerrungen von „Durchsagen von oben" und die große Bedeutung eines eigenen festen Standpunktes dabei. Selbstverständlich ist zunächst einmal festzustellen, dass solche Wahrnehmungen in vielerlei Hinsicht auch sehr erweiternd sein können. Wann und wie aber können Visionen, Intuitionen und „Durchsagen von oben" zu einem Problem für denjenigen werden, der sie empfängt?

Horst Krohne: Außersinnliche Wahrnehmungen und jeglicher Umgang mit Medialität kann unser Tagesbewusstsein, unser realitätsbezogenes Bewusstsein in einen Ausnahmezustand bringen. Ist uns immer bewusst, wo die Realität endet, wo die Illusion beginnt? Wo liegen die Grenzen zwischen Schein und Sein? Kommen noch emotionale Verzerrungen aus dem Unbewussten hinzu, werden die Grenzen zwischen realen Eindrücken und Phantasie noch verschwommener. Außersinnliche Wahrnehmungen tragen aber grundsätzlich zur Bewusstseinserweiterung bei. Sie sind für mich sogar der Garant für die Entwicklung menschlichen Bewusstseins. Doch was den meisten Menschen fehlt, ist ein Wissen und Können im Umgang mit beiden Bewusstseinsebenen gleichzeitig – und den daraus entstehenden mentalen und emotionalen Verarbeitungen. Hinzu kommt noch, dass der Weg in diese Bewusstseinserweiterung immer individuell unterschiedlich verläuft. So wie jeder Mensch einzigartig ist, ist auch seine Erfahrung einzigartig. Deshalb sollten besonders am Anfang alle neu gewonnenen Eindrücke auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Verwertbarkeit hin überprüft werden.

Oliver Klatt: Wenn man über Heilungen liest, die auf geistigem Wege erzielt wurden, liest man manchmal von Spontanheilungen. Ich selbst habe auch schon Spontanheilungen miterlebt. Sie geben in Ihrem Buch eine Erklärung für solche Heilungen, indem Sie erläutern: „Spontanheilungen sind keine Wunderheilungen, auch wenn sie von vielen als Wunder betrachtet werden. Das Wunder besteht einzig und allein in der Zeit. Deshalb bezeichne ich dieses Phänomen oft als Zeitreise-Heilungen." Demnach handelt es sich bei Spontanheilungen aus Ihrer Sicht wohl um „Heilung im Zeitraffer". Aus meiner Sicht ist dies eine der zwei Haupt-Möglichkeiten für eine Spontanheilung. Die andere ist, dass es zu einer De- und daraufhin wieder Re-Materialisation kommt. Die kranke Körperstelle dematerialisiert sich – und wird daraufhin im gesunden Zustand rematerialisiert. Man könnte auch sagen: Eine Art „direkter Eingriff von oben", ganz ohne Zeitaspekt, gewissermaßen. Der bekannte griechische Heiler Daskalos soll auch mit dieser Form der geistigen Heilung gearbeitet haben. Ist Ihnen diese Art geistiger Heilung bekannt? Haben Sie damit eigene Erfahrungen?

Heilende Information

Horst Krohne: Der von Ihnen eingebrachte Begriff „Heilung im Zeitraffer" ist zutreffend. Ich beobachte immer wieder heilsame Regulierungen mit unterschiedlichen Zeitabläufen. Von „deutlich schneller als biologisch zu erwarten" bis hin zu Spontanheilungen. Immer vorausgesetzt, der Heilungsverlauf läuft in biologisch zu erwartenden Abläufen ab. Heilungen, bei denen wie aus dem Nichts Gewebe entsteht oder aufgelöst wird, sind eine andere Dimension. Eines aber haben beide Heilwirkungen gemeinsam: Sie verändern oder neutralisieren biologische und physikalische Gesetzmäßigkeiten. Es sind Eingriffe aus einer höheren Ordnung in unser Raum-Zeit-Kontinuum hinein. Und sie haben noch etwas gemeinsam: Diese Art von Heilung kann nicht einfach vom Menschen getan werden. Beschleunigte bis Spontanheilungen kommen aus einer heilenden Information, getragen von einer Energie, die wir als Menschen nicht erzeugen können. Vorhin sagte ich, der Mensch hat ein begrenztes, aber sich entwickelndes Mitspracherecht – und dadurch kann der Umgang mit dieser Heilweise aus einer höheren Ordnung erlernt, erworben werden. Es ist und bleibt aber eine Vermittlung, es ist Medialität.

Olive Klatt: Herr Krohne, ich möchte noch zum Thema Handauflegen kommen. Die Form des Handauflegens, die in der Schule der Geistheilung nach Horst Krohne gelehrt wird, scheint mir etwas anderes zu sein als das, was wir mit Reiki tun. In dem Kapitel „Heilende Hände" beschreiben Sie die von Ihnen gelehrte Form des Handauflegens ausführlich, ein essenzieller Satz dabei ist: „Meine Hände sind gepolt, eine Hand ist minus, die andere ist plus." Hier scheint mir der entscheidende Unterschied zur Reiki-Methode zu liegen – denn genau so ist es im Reiki nicht. Die Reiki-Energie ist nicht polar, sondern immer allumfassend, in beiden Händen gleich. Haben Sie schon einmal eine Reiki-Behandlung erhalten? Haben Sie einen Unterschied zu der von Ihnen gelehrten Methode des Handauflegens festgestellt?

Plus- und Minus-Energien

Horst Krohne: Gehen wir erstmal davon aus, dass Reiki und Handauflegen, egal mit welcher Methode ausgeübt, zur Regulierung biologischer Systeme die gleichen universellen Energieinformationen nutzen. Es sind zum einen die eigenen Bioenergien des Heilers, und es ist die geistige universelle Energie. Diese universelle geistige Energie kann der Mensch nicht herstellen, aber er kann sie fokussieren, potenzieren, konzentrieren. Ich möchte dies an der Methode von gepolten Händen erklären. Wir haben an jedem Finger unserer Hände zwei Meridiane, von denen ist einer plus-gepolt, d.h. hinaus fließend, und der andere ist minuspolig, d.h. hinein fließend. Es gibt somit an jeder Hand gleich viel Plus- und Minus-Energien. Beim Handauflegen können die Energien der abgebenden oder aufnehmenden Meridiane, wenn gewollt und erlernt, regulierend harmonisieren eingreifen. Lernt der Mensch, die Meridiane so zu steuern, dass in einer Hand alle Minus-Energien sind, und in der anderen alle Plus-Energien, dann entsteht beim Handauflegen eine höhere Konzentration als bei dem normalen Wechselspiel der Plus/Minus-Energien in den einzelnen Meridianen. Gepolte Hände bieten noch eine weitere Verstärkung bei der Heilenergieübertragung. Wir haben in den Händen Chakren, und diese werden im gleichen Sinne von den Meridianen angeregt. So werden aus gepolten Händen heilende Hände, die zusätzlich Chakra-Energien nutzen.

Oliver Klatt: Danke für Ihre Erläuterung, ich verstehe, was Sie meinen. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob beim Handauflegen, egal mit welcher Methode ausgeübt, tatsächlich immer die gleichen universellen Energieinformationen genutzt werden. Ich möchte noch zu einem anderen Punkt kommen: Es ist ja bekannt, dass es in der Arbeitsweise der meisten geistigen Heiler zwei Modi gibt, die man, vereinfacht gesagt, so beschreiben kann: Dem Klienten wird gute Energie gegeben, und es wird ihm schlechte Energie genommen. Im Reiki kennen wir nur einen Modus: Reiki geben. Dieser Zusammenhang mag manchmal dazu führen, dass mancher Heiler die Reiki-Methode vielleicht als „wenig ausgereift" betrachtet. Ich habe mir einmal Gedanken zu diesem Punkt gemacht und habe ein Bild dafür gefunden, das gut beschreibt, wie Reiki wirkt, im Vergleich zu Arbeitsweisen, bei denen beim Handauflegen mit zwei Modi gearbeitet wird. Stellen wir uns vor: ein leeres Glas, auf dem Boden des Glases etwas schwarze Tinte. Wenn ich dieses Glas zum Trinken verwenden möchte, muss die Tinte vorher hinaus. Dies kann ich auf zweierlei Weise erreichen: a) Ich nehme ein Tuch, tupfe die Tinte heraus – und reinige so das Glas von innen. Schließlich, im zweiten Schritt, fülle ich das Glas mit frischem Wasser. Oder b) Ich stelle das Glas, so wie es ist, mit der Tinte direkt unter den Wasserhahn und öffne den Hahn. Das beständige Strömen aus dem Wasserhahn wird nun dazu führen, dass die Tinte das Glas langsam „wie von alleine" verlassen wird. Ohne dass ich ein Tuch oder etwas anderes verwenden und sie heraus tupfen muss. Dies beschreibt aus meiner Sicht die Arbeitsweise von Reiki sehr gut – und zeigt, warum im Reiki keine zwei Modi benötigt werden, also das „Entfernen schlechter Energie" als Extra-Schritt nicht nötig ist. Was sagen Sie zu diesem Bild? Sind Sie offen dafür, es auch so zu sehen? Haben Sie ein anderes Bild oder andere Gedanken dazu?

Warum sind wir krank?

Horst Krohne: Ihr Bild mit dem verschmutzten Glas, das kann man so sehen. Doch ich möchte eine zusätzliche, andere Sichtweise hinzufügen: Man könnte das Glas auch auswechseln – das wäre dann Heilung durch Entmaterialisation, physisch gesehen wäre das eine Operation. Oder man könnte, bildlich gesprochen, einen Hochdruckstrahler verwenden, der in Sekundenschnelle alles reinigt – das wäre „Heilung im Zeitraffer". Egal, welches Bild wir nehmen: Im Endeffekt muss die Tinte, das Kranke weg. Betrachten wir so gesehen ein Heilungsgeschehen: Dieses kann spontan, schnell oder langsam ablaufen. Der langsamere Weg ist der natürliche – und ist für den Betroffenen ein Lernprozess. Jede Krankheit will uns etwas sagen. Hat der natürliche Genesungsprozess – durch Lernen, Anpassen oder sogar Immun-werden – eine Stärkung der Abwehrkräfte zur Folge, so sollten wir fragen: Was geschieht bei einem beschleunigten Heilungsprozess? Sind Spontanheilungen ein Geschenk, Liebe oder ist es Gnade, die wir erfahren? Sind deshalb Spontanheilungen so selten, weil wir alle lernen müssen, warum wir krank sind?

Oliver Klatt: Vielleicht ist das der Punkt ... das würde zumindest erklären, warum manche Heilungen lange dauern. Sie schreiben in Ihrem Buch noch mehr über das Handauflegen, unter anderem auch Folgendes: „Handauflegen, auch wenn eine Kraft aus der geistigen Welt dabei mitwirkt, zielt auf bestimmte energetische Entgleisungen. Es sind körperbezogene Krankheiten, die gut auf Handauflegen ansprechen. Krankheiten, die auf seelisch-geistigen Fehlfunktionen basieren, können jedoch nur selten durch Handauflegen kuriert werden." Wie gelangen Sie zu dieser Auffassung? Würden Sie sagen, dass diese Aussage nur für die von Ihnen gelehrte Form des Handauflegens gilt? Oder stimmt sie Ihrer Meinung nach für alle Formen des Handauflegens?

Horst Krohne: Wenn von Handauflegen gesprochen wird, ist meistens Biomagnetisches Heilen damit gemeint. Eine von jedem ohne Vorkenntnisse durchzuführende Heilübertragung. Wie schon vorher gesagt, gibt es Steigerungen bei Heilübertragungen mit den Händen. Reine Bio-Energieübertragung geht selten über die Heilung von körperlichem Leid hinaus. Menschen aber, die ein Talent haben, eine angeborene Fähigkeit oder die in irgendeiner Methode ausgebildet sind, dazu gehört auch Reiki, können durchaus Fähigkeiten entwickeln, die in das Psychosomatische hinein wirken und sogar seelische Bereiche erreichen.

Oliver Klatt: Sie berichten in Ihrem Buch auch von den sogenannten „freien Energien", dazu heißt es: „Diese Energien durchdringen alles. Wenn sie vom geistigen Bewusstsein verändert oder moduliert" werden, können sie im „gesamten physischen Universum alles beeinflussen, verändern, auflösen und ergänzen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt." Sind Ihnen in Ihrer Heilarbeit diese „freien Energien" schon einmal in der hier beschriebenen Reinform begegnet?

Freie Energien

Horst Krohne: In meinem Buch benutze ich den Begriff deshalb, weil diese Kräfte des allumfassenden Bewusstseins frei sind, sie sind nicht gebunden an die bekannten Gesetzmäßigkeiten unserer Welt. Ich meine das im Zusammenhang mit den Anomalien von Raum und Zeitveränderungen und Entmaterialisation. Mehrmals erlebte ich bei Heilungen dieser Art unerwartete Einbrüche in unsere Welt der Erscheinungsformen. Elektronische Geräte versagten ihren Dienst, seltsame Gerüche traten auf, Patienten fielen in Ohnmacht, und die Freiheit im Denken und Handeln war mir nicht mehr gegeben. Was unter diesen Situationen geschah, war immer in wenigen Augenblicken und höchster Vollkommenheit erledigt. Wenn ich das Geschehen beschreiben sollte, müsste ich sagen: emotionslos, bestimmend, seelenlos wie eine mathematische Gleichung, doch den bestmöglichen Zustand erreichend. Nach diesen gefühlslosen, absolut bestimmenden Wirkungen setzte für mich und den Patienten, wenn wir in unsere eigene Freiheit zurückgekommen waren, ein Glücksgefühl ein, gepaart mit großer Zufriedenheit.

Oliver Klatt: Das finde ich sehr interessant, Ihre Wahrnehmung diesbezüglich ... Herr Krohne, zum Abschluss des Interviews möchte ich noch auf einen für mich sehr wichtigen Punkt kommen. Eine Stelle in Ihrem Buch hat mich auf besondere Weise berührt, weil Sie dort etwas auf den Punkt bringen, das ich auch irgendwann einmal für mich erkannt habe; wobei es mir immer schwer fiel, dies in Worte zu fassen. Ihnen ist das in besonders inspirierender Weise gelungen, wie ich finde. Es geht um die essenzielle Haltung, die beim Heilen an den Tag zu legen ist: „Es gibt nur eine Möglichkeit: sich zu entscheiden, alles mit Gedanken der Liebe, Gefühlen der Überzeugung und Vertrauen in Gott anzufüllen oder das Bewusstsein zu haben, dass der schaffende Geist mit uns zusammenwirkt. Die alten spirituellen Lehren aller Kulturen fordern uns schon lange auf, nicht mit Werdeprozessen zu heilen, uns also keine Gedanken über das Wie zu machen, sondern einfach das Werkzeug der Heilung zu sein." Können Sie diesen Punkt etwas weiter ausführen?

Was heilen wir?

Horst Krohne: Sie sprechen hier ein wichtiges Thema der Heilung an: Welche Einstellung und Verhaltensweise ist die richtige? Wir könnten sehr einfach antworten: Wer heilt, hat recht. Doch leider ist es anders, denn heilen hat nichts mit Recht haben zu tun. Wir können uns nur einer Antwort annähern, wenn wir fragen: Was heilen wir, und womit heilen wir? Als Geistheiler versuche ich, die erschöpften, zusammengebrochenen, disharmonischen Selbstheilungskräfte zu stabilisieren. Hierfür stehen mir mehrere Wege offen: 1. Mentales Heilen, angefangen von Lebensberatung bis hin zur Imagination. Dabei stelle ich mir zum Beispiel vor, wie der Kranke seinen schmerzenden Arm wieder leicht und beschwerdefrei bewegen kann. 2. Ich lege meine Hände auf und wünsche mir voller Vertrauen, dass heilende Energie fließt. 3. Ich bete für den Kranken. Oder, wenn ich einen geistigen Helfer habe, bitte ich, dass er über mich oder durch mich Heilung überträgt. Je nach Einstellung und Erfahrung kann ich nun als Heiler alles noch ergänzen, mit Farben, Ritualen, Suggestionen usw.

Doch es fehlen bei all den hier beschriebenen Methoden noch zwei Dinge. Erstens: Warum ist der Mensch krank, was ist der Verursacher seiner Krankheit, und warum kommt der Kranke zu mir? Und zweitens: Was sagt mir seine Krankheit, und was soll ich daraus lernen? Meine Überzeugung war und ist, dass wir als Kinder Gottes hier auf Erden sind, um lernend seine Schöpfung zu verstehen. Durch unseren freien Willen dürfen wir mitmachen und somit unser Bewusstsein erweitern. So lernte ich beim Heilen zu erkennen: Diesem Menschen kann ich mit meinen Fähigkeiten helfen, und jenem nicht; hier benötige ich geistigen Beistand. Schnell erkannte ich: Jeder Patient ist ein Geschenk, mein Bewusstsein anzuheben, besonders dann, wenn geistige Hilfe angezeigt wurde. Meine geistigen Führer entwickelten eine Methode, die dazu führte, dass ich bei ihrem Wirken vor meinem inneren Auge Bilder zum Teil mit Erklärungen zu sehen bekam. Diese Aufklärungen führen immer mehr dahin, den Sinn von Krankheit, Not und Leid zu verstehen. Deshalb glaube ich, die Zukunft des bioenergetischen und geistigen Heilens besteht genau darin, die heilenden und lebensspendenden Kräfte des Geistes zu verstehen. Und darüber hinaus auch die Frage beantwortet zu bekommen: Was ist der Sinn des Lebens?

Oliver Klatt: Herr Krohne, vielen Dank für das Interview.

 

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