Die Reiki-Lebensregeln: 2. „Man soll sich nicht sorgen."

Die neuen Übersetzungen der Reiki-Lebensregeln nach Mark Hosak nimmt Reiki-Meister und Diplom-Psychologe Harald Wörl zum Anlass, sich neue Gedanken über die Lebensregeln zu machen. In Teil zwei der Serie geht es darum, wie man es hinbekommt, sich nicht (oder weniger) zu sorgen.

 

Nachdem wir uns an der ersten Station unserer Reise durch die fünf Lebensregeln mit der Praxis des Nicht-Ärgerns beschäftigt haben(1), werden wir nun an der zweiten Station dazu aufgefordert, uns der Praxis des Nicht-Sorgens zu widmen. Mark Hosak gibt als Bedeutungszusammenhang dafür noch die weiteren Übersetzungsmöglichkeiten: „Hab keine Angst! Keine Bange! Sorge Dich nicht! Fürchte Dich nicht! Sei nicht beunruhigt! Hab keinen Kummer!"(2)

Schaut man auf die Welt, so gibt es einerseits viel Wunderbares zu entdecken. Zugleich kann man jedoch auch ohne große Mühe sowohl in der eigenen kleinen Welt als auch in der „großen weiten Welt" vieles, sehr vieles, erkennen, das einem Sorgen bereiten könnte. Wie sollte es angesichts dessen möglich sein, sich keine Sorgen zu machen? Goethe wird das Zitat zugeschrieben, dass man „auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, etwas Schönes bauen" kann. In diesem Sinne sollen meine Ausführungen dazu eine Art Stolper-Steine sein, an die man sich erinnern kann, wenn man über das stolpert, was man „Sorgen" nennen kann.

Sorgen können zum einen ein Hinweis darauf sein, dass es Probleme gibt, die gelöst werden wollen. Einstein gab uns freundlicherweise hierzu schon den Fingerzeig: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." Die Praxis des Nicht-Sorgens zielt also, unter anderem, auf eine andere Art des Denkens ab, durch die eine Vielzahl unserer scheinbar unlösbaren Probleme erzeugt werden. Mein normaler Denkapparat, der viel von sich hält, bringt natürlich gleich den Einwand: „Das klingt ja gut, aber wie bitteschön soll das konkret gehen?" Eine Anleihe bei einem berühmten Vor-Denker unserer Zeit, Deepak Chopra, mag hier stellvertretend für viele gute Anregungen dazu sein. Er weist darauf hin, dass eine Änderung unseres Blickwinkels im Sinne eines erweiterten Bewusstseins notwendig und sinnvoll ist.(3)

Bewusstseinserweiterung

Bewusstseinserweiterung ist ein verheißungsvolles Wort bzw. Begriff, der uns schon oft über den Weg gelaufen sein dürfte. Vielleicht auch schon zu oft, so dass wir eher verwirrt, frustriert (ach so, besser nicht ärgern ...) oder einfach rat-los sind, wie wir das hinbekommen sollen. Eine Schwierigkeit mag darin bestehen – weil die Probleme nicht auf der Bewusstseinsebene gelöst werden können, auf der sie entstanden sind –, dass unser Alltags-Bewusstsein sich schwer damit tut zu erkennen, wenn es sich gerade erweitert hat. Oder in dem Moment, wenn es sich in einem eingeengten, quasi geschrumpften Zustand befindet, anzuerkennen, dass es daneben – angeblich – noch einen anderen Zustand geben soll. Für den einen mag es hilfreich sein, sich darüber klar(er) zu werden, was er eigentlich für sich persönlich unter Bewusstsein versteht. Für den anderen mag es eventuell hilfreich(er) sein, darauf zu achten, welches Bewusstsein er zu verschiedenen Zeiten oder Situationen hat. Verändert sich mein Bewusstsein zum Beispiel dadurch, dass ich mir Reiki gebe? Für Menschen, die nicht Reiki praktizieren, könnte diese Frage auch lauten: Verändert sich mein Bewusstsein, wenn ich mit der Lebenskraft in Berührung kommen?(4)

Ich denke, dass wir normalerweise den verschiedenen, wechselnden Bewusstseinszuständen, die wir tagtäglich durchlaufen, (zu) wenig Aufmerksamkeit schenken. Sollten wir beim Reiki-geben, bei einer Meditation oder bei egal was wir gerade tun oder wie wir es nennen bemerken, dass sich unser Bewusstsein erweitert, ergibt sich dadurch natürlich die spannende Frage, wie wir diesen Zustand auch im Alltag möglichst dauerhaft aufrecht erhalten können. Oder uns daran erinnern können, ihn immer wieder erneut zu erzeugen oder uns in ihn hineinzuversetzen, ganz unabhängig davon, ob wir sitzen oder nicht.

Bezogen auf die Sorgen werden wir bemerken, dass ein sorgenvoller Zustand im obigen Sinne immer ein eher bewusstseins-eingeengter Zustand sein wird als ein Zustand der Bewusstseinserweiterung. Ohne dass wir es bemerken müssen ist quasi unser Bewusstsein geschrumpft. Und dann sorgen wir uns. Die Aufforderung, uns nicht zu sorgen, würde in diesem Zusammenhang also auch bedeuten: „Schrumpfe nicht Dein Bewusstsein!" Oder positiv(er) formuliert: „Erweitere Dein Bewusstsein!" Nach meiner Erfahrung lohnt es sich darauf zu achten, sich darüber bewusst(er) zu werden, in welchem Bewusstseinszustand man sich jeweils befindet. Und weiterhin ist es lohnenswert, erweiterte Bewusstseinszustände bewusst, im Sinne von absichtlich, zu kultivieren.

Illustriert wird dies durch eine Geschichte, die es in vielfältiger Form und Varianten gibt: Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn am Lagerfeuer von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt. Er sagte: „Mein Sohn, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit." Der Enkel dachte einige Zeit über die Worte seines Großvaters nach und fragte dann: „Welcher der beiden Wölfe gewinnt?" Der alte Cherokee antwortete: „Der, den du fütterst."

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Geschichte Menschen unmittelbar irgendwie einleuchtet, für sie irgendwie intuitiv einen Sinn ergibt. Darüber hinaus ist es natürlich auch lohnenswert sich klar(er) zu machen, wenn man das möchte, wer hier eigentlich wen füttert und was genau gefüttert wird. In diesem Zusammenhang oder auch beim Sorgen-machen taucht dann oft der Begriff des Ego auf. Dies dürfte ebenfalls ein Wort oder ein Begriff sein, der schon für mancherlei Aufregung und Verwirrung gesorgt haben dürfte. Aber keine Sorge, ich habe nicht vor diesen Begriff hier zu definieren oder dies auch nur ansatzweise zu versuchen. Ich möchte lediglich ein englisches Akronym weitergeben, das mir vor kurzem über den Weg gelaufen ist und gefallen hat: EGO = Edge God Out. Zumindest meinem begrenzen Bewusstsein ist bislang noch keine deutsche Entsprechung eingefallen. Das englische „to edge out" könnte man übersetzen mit „beiseite drängen/verdrängen".

Wenn es also bei der Praxis des Nicht-Sorgens auch darum geht, bitteschön möglichst nicht das Ego zu füttern, was auch immer wir darunter verstehen mögen, taucht hier die aus meiner Sicht überaus spannende Frage auf, was wir persönlich unter „Gott" oder dem „Göttlichen" (als Nicht-Ego) verstehen? Wenn das Ego ein Bewusstseinszustand ist, in dem „Gott" bzw. „das Göttliche" (oder ein Synonym dafür, das in keiner Weise religiös zu sein braucht) beiseite gedrängt oder verdrängt ist, erscheint diese Überlegung mehr als relevant. Ein Aspekt, wenn wir uns keine Sorgen machen sollen, mag dabei sein, worauf wir denn dann vertrauen können bzw. sollen. Zum Beispiel Gottvertrauen zu haben ist überaus hilfreich für den, der es hat. Was macht aber derjenige, der mit dem Göttlichen, zumindest manchmal, irgendwie auf „Kriegsfuß" steht? Und, mal ganz im Vertrauen, wer von uns hat nicht auch hier und da mal ein Problemchen mit dem Erkennen der eigenen göttlichen Natur?

Wer bin ich?

In der Psychosynthese(5) gibt es interessante Überlegungen und Übungen zu dieser Thematik, die – in der Essenz zusammengefasst – folgendermaßen formuliert werden können:

Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.

Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.

Ich habe Gedanken, aber ich bin nicht meine Gedanken.

Ich bin ...

Ich möchte nicht verheimlichen, dass es an dieser Stelle noch weitergeht – und Formulierungen gefunden werden, was wir stattdessen sind. Ich stelle aber gerne, wie auch jetzt hier, diese Frage ohne „Auflösung", da eine verbal-logische „Antwort" in einem Zustand möglicherweise geschrumpften Bewusstseins eh keinen Nähr- bzw. Erkenntniswert hat. Bewusstseinserweiternd kann zum Beispiel sein, wenn wir selbst eine „Antwort" zu finden versuchen auf die Frage: Wer oder was sind wir, wenn wir nicht Körper, Gefühle und Gedanken sind? Wie beschreiben, wie erfahren wir persönlich diesen Zustand des „darüber Hinausgehenden"? Bezogen auf die zweite Lebensregel könnte diese in diesem Zusammenhang lauten: „Identifiziere Dich nicht (ausschließlich) mit Deinen Gefühlen und Gedanken!" Oder, positiv(er) formuliert: „Erkenne, erlebe (oder werde Dir bewusst und fühle), wer oder was Du wirklich bist!" Nach meinem Verständnis sind die Lebensregeln als Lebensregel-Praxis in Verbindung mit der Reiki-Praxis ein hilfreicher Weg in diese Richtung. (Ich persönlich schwanke in meiner Beschäftigung mit Reiki seit mehr als 20 Jahren zwischen den Polen völliger Unbewusstheit bzw. Ahnungslosigkeit und der Illusion hin und her, dies jetzt besser verstanden zu haben ;-)

Für ein geschrumpftes Alltags-Bewusstsein wird es an dieser Stelle prinzipiell schwierig und verwirrend, und es gibt buchstäblich den Geist auf. Da wir, auch kulturell bedingt, dazu neigen, uns mit unserem Körper, unseren Gefühlen und unseren Gedanken zu identifizieren, unser „Ich" daraus generieren, kommen wir fast zwangsläufig ins „Schleudern", wenn wir eine Aussage dazu machen sollen, wer (oder was) „wir" darüber hinausgehend „eigentlich" sind. Wer oder was sind wir, wenn wir nicht Körper, nicht Gefühle, nicht Gedanken sind? Hier wird es oft sehr abstrakt, und es sei an dieser Stelle klar gesagt, dass all das eben Genannte weder irgendetwas „Schlechtes" ist noch irgendwie vernachlässigt werden sollte. Ganz im Gegenteil: Letztlich geht es genau darum, dass unser Körper, unsere Gefühle und Gedanken geheilt werden sollen. In diese Richtung gehend verstehe ich (unter anderem) auch die Inschrift des Gedenksteins am Grab von Mikao Usui.(6)

Wenn aber diese „Ebenen" (Körper, Gefühle, Gedanken) geheilt werden sollen, wer oder was bewirkt dann diese Heilung bzw. kann sie bewirken? Eine ebenfalls sicher schon oft gestellte Frage, auf die es ebenso viele Antworten geben wird. Auch wenn es uns schwer fallen mag in Worte zu fassen, wer oder was wir eigentlich sind, so ist es doch gleichzeitig meine Beobachtung, dass wir Menschen, mehr oder weniger bewusst oder unbewusst, alle danach streben, dies zu sein bzw. zu „werden". Auch wenn wir eigentlich wenig Ahnung davon haben sollten, was wir damit meinen oder wie wir dies erreichen können, so würden doch die meisten Menschen zustimmen, dass sie zum Beispiel gerne „glücklich" wären. Für mich ist dies wiederum nur ein weiterer Hinweis oder eine andere Bezeichnung für das „darüber hinaus." Humorvoll verdeutlicht wird dies durch eine John Lennon zugeschriebene Aussage:

Als ich fünf war, hat meine Mutter mir immer gesagt, dass es das Wichtigste im Leben sei, glücklich zu sein.

Als ich in die Schule kam, baten sie mich aufzuschreiben, was ich später einmal werden möchte. Ich schrieb auf: „glücklich".

Sie sagten mir, ich hätte die Frage nicht verstanden, und ich antwortete ihnen, sie hätten das Leben nicht richtig verstanden."

Auch wenn wir in einem abgedunkelten, sorgenvollen Alltagszustand des geschrumpften Bewusstseins keinen blassen (Licht-)Schimmer davon haben sollten, wer oder was wir „eigentlich" sind, so sehnen wir uns doch gleichzeitig bewusst oder unbewusst fast unaufhörlich und quasi „unausrottbar" danach, so (oder „glücklich") zu „sein". Die Praxis des Nicht-Sorgens ist unter diesem Aspekt auch eine Aufforderung, aus diesem „Zustand" heraus zu handeln, zu leben. Eine Patientin formulierte es in drastischer Weise so, dass sie „um jeden Preis glücklich werden" wolle. Woraus sich natürlich die Frage ergibt, ob „glücklich sein" oder „ohne Sorgen" zu sein überhaupt einen Preis hat? Und falls ja, welchen? An welchem Bankautomaten kann ich hier eine Einzahlung in welcher Höhe tätigen?

Grenzen sprengen

Eine Erzählung ihrer „Selbst-Findung" im obigen Sinne, die für mich persönlich bewusstseinserweiternd wirkte und auch mein Verständnis von Reiki vertiefte, fand ich in einem Buch von Suzan Wiegel. Von ihrer inneren Stimme geführt, fand sie nach längerer Suche auf Hawaii einen alten Kahuna.(7) Er fragte sie als erstes ganz freundlich und liebevoll: „Du weißt schon, dass Du kein Mensch bist, oder?"(8) Ich glaube, dass der „Preis", derjenige zu sein oder zu werden, der wir wirklich sind, auch darin besteht zuzulassen, dass solche Fragen oder Herausforderungen die Grenzen unseres Verstandes „sprengen" bzw. erweitern.

Was würden wir darauf antworten, wenn uns diese Frage gestellt würde? Das „Problem" ist auch hier wieder, dass unsere „Antwort", unsere innere Resonanz auf diese Frage davon abhängig ist, wer oder was in uns darauf antwortet bzw. reagiert. Versuchen wir eine Antwort mit einem „geschrumpften" Bewusstsein zu geben, dürfte das ebenso folgenlos bzw. folgenschwer sein, als wenn wir versuchen, mit einem solchen Bewusstsein uns keine Sorgen zu machen. Von Wilhelm Busch stammt der Aphorismus: „Wer in Glaubenssachen den Verstandbefragt, kriegt unchristliche Antworten." Was bekommen wir, wenn wir unseren Verstand danach fragen, wer oder was wir jenseits des Verstandes sind?

Ich vermute, dass die Begegnung mit dem Kahuna in einem Zustand erweiterten Bewusstseins oder in einem Zustand eines für Neues offenen oder aufnahmebereiten Bewusstseins stattfand, als dieser dann fortfuhr: „Du bist eine Seele. Du bist ein vollkommener Teil des Unaussprechlichen, des reinsten kosmischen Bewussteins. Du bist überwiegend Geist, auch wenn es nicht so aussieht." Natürlich geht auch diese (lesenswerte) Geschichte weiter. Für unsere Zwecke mag hier aber der Hinweis ausreichen, dass auch für mich im Folgenden die Frage bedeutsam wurde (egal was man nun genau unter „Seele" versteht), ob wir als Menschen ein Körper sind, der eine Seele hat, oder ob wir eine Seele sind, die einen Körper hat? Bezogen auf die Sorgen könnte diese Frage dann so formuliert lauten: Sind wir Menschen ein Bündel Sorgen, das eine Seele (alternativ: einen göttlichen Kern, ein höheres Selbst etc.) hat, an die wir uns hilfesuchend wenden können, die uns dann antwortet/hilft oder auch nicht? Oder sind wir in der Essenz in Wahrheit eine „Seele", die in mysteriöser Weise auch über die „Fähigkeit"(?) verfügt (oder mit dem „Fluch" „beladen") ist, sich Sorgen machen zu können? Wie schwierig es einerseits ist, auf dieser Ebene mit Begriffen umzugehen bzw. notwendig, diese genauer zu definieren, zeigt sich auch daran, wenn wir davon sprechen, „seelisch krank" zu sein. Dies wird gewöhnlich in dem Verständnis von „psychisch krank" verwendet. Aber ist das stimmig? Kann die Seele in dem obigen Verständnis überhaupt erkranken?

Körper und Seele

Bezogen auf das hier angedeutete Körper-Seele- bzw. Seele-Körper-Problem wird es, je nach Blickwinkel oder Bewusstseinszustand, wieder schwierig oder interessant. Auch ich hatte bislang in mir eher die Vorstellung, ein Körper zu sein, der über die Fähigkeit verfügt, sich mit etwas Größerem „da oben" in Verbindung setzen zu können, auch weil ich dies schon öfters erlebt hatte. Jetzt dämmerte in mir die Ahnung, dass „ich" ja eher dieses „da oben" sein könnte. Natürlich werden Begriffe wie „da oben" oder „höheres Selbst" und „niederes Selbst" dann irgendwie hinfällig, obwohl eben unser Alltags-Bewusstsein in Kategorien von Raum und Zeit denkt und dies auch sinnvoll ist. Wenn man diese Perspektive, diesen Blickwinkel jedoch auch nur allein mit seinem Alltags-Bewusstsein irgendwie hinbekommt, also Teil des „Unaussprechlichen", noch dazu ein vollkommener Teil, zu sein, ergeben sich reizvolle Konsequenzen, auch in Bezug auf Reiki.

So weist die übliche Formulierung, sich oder jemand anderem „Reiki zu geben" ja auf eine Art Energie hin, die man u.a. mit den Händen weitergeben kann. Oder man „kanalisiert" Reiki, in dem man eine/die universelle kosmische oder Lebensenergie weitergibt. Das allein ist schon eine schöne Vorstellung und ebenso eine schöne Erfahrung. Was aber, wenn ich von der Formulierung „Reiki geben" zu „Reiki sein" überwechsle? Schon grammatikalisch klingt das für unsere Ohren ungewohnt, wenn man formulieren würde: „Ich bin dann mal Reiki." Andererseits: Geht diese Formulierung nicht genau in die Richtung, was und wie wir uns oder unser Gegenüber in unseren Stern-Stunden mit Reiki zumindest manchmal erleben? Ist es nicht so, dass wir dabei manchmal in Berührung kommen mit diesem „Unaussprechlichen", das vielleicht gerade deshalb so schwer in Worte gefasst werden kann, weil es gleichzeitig so real ist? Können wir auf diese Weise manchmal sogar zu einem Teil dieses „Unaussprechlichen" und seiner Vollkommenheit werden?

Göttliches „Drive-in"

Aus der im Alltag so schwierig aufrecht zu erhaltenen Sicht und dem Erleben, dass wir in Wahrheit ein vollkommener Teil des Unaussprechlichen sind, ergibt sich weiter Interessantes in Bezug darauf, was Heilung bedeuten kann. So sind wir zum einen etwas, das man Seele oder auch anders nennen könnte, was heil ist und keiner Heilung bedarf. Nur in diesem Sinne sind wir „unheilbar". Zum anderen „sind" wir etwas bzw. haben wir etwas (Körper, Gefühle, Gedanken), was sehr wohl geheilt werden kann, in dem Sinne, dass es mehr und mehr, nach und nach ebenfalls Teil des Vollkommenen werden kann. Wollte man das Ganze als eine Art Integrationsprozess ansehen, wo das noch von dem Göttlichen Abgespaltene wieder oder erstmalig damit verbunden wird, wird das Ego in diesem Geschehen als Schauplatz sich wandeln von einem Ort der Ausgrenzung zu einem göttlichen „Drive-in." Daran kann man sich erinnern, wenn man sich das nächste Mal Reiki gibt bzw. zu Reiki wird, oder auch beim nächsten – bewussten – Atemzug.

Begleiterscheinung dieses Wandlungsprozesses ist die Abnahme von Sorgen bzw. die Zunahme von gefühlter Dankbarkeit, womit wir aber schon bei der nächsten Station unserer Reise wären.

 




Harald Wörl, Diplom-Psychologe, seit 1984 als Psychotherapeut in eigener Praxis tätig. Hilft Menschen zusammen mit seiner Frau bei der Selbstentfaltung ihres Potentials. Gibt seit 1992 als Reiki-Meister Seminare und Behandlungen.

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Redaktioneller Hinweis: Die erste Serie zu den Reiki-Lebensregeln von Harald Wörl erschien im Reiki Magazin von 1997-99, mit insgesamt neun Texten in den Ausgaben 4/97 bis 4/99. Die meisten Hefte davon sind immer noch erhältlich und können nachbestellt werden. Dieser Artikel baut auf dem Artikel „Gerade heute, sorge dich nicht" von Harald Wörl auf, der in Ausgabe 2/98 erschien. Alle früheren Lebensregel-Artikel von Harald Wörl sind auch online auf der Website des Reiki Magazins zugänglich, siehe: www.reiki-magazin.de/schlagworte/lebensregeln.html

 

Anmerkungen:

(1) „Die Reiki-Lebensregeln – 1. Heute soll man sich nicht ärgern.", H. Wörl, in: Reiki Magazin, Ausg. 2/14, S. 22-25

(2) „Neue Forschungen über die Lebensregeln des Mikao Usui", M. Hosak, in: Reiki Magazin, Ausg. 4/12, S. 40

(3) „Das Buch der Lösungen. Spirituelle Antworten auf alle Lebensfragen", Deepak Chopra, Arkana 2012

(4) Zu diesem Gedanken wurde ich angeregt durch die Bezeichnung „Energie des Lebens" von Paul Mitchell, in dem Interview mit ihm von Oliver Klatt, in Ausg. 1/14 des Reiki Magazins, S. 15

(5) Siehe z.B. Assagioli, „Handbuch der Psychosynthese"

(6) „Neue Forschungen über die Lebensregeln des Mikao Usui – Teil 5", M. Hosak, in: Reiki Magazin, Ausg. 4/13, S. 40

(7) Kahuna = Priester, Schamane, Heiler; interessanterweise habe ich auch die Bezeichnung „Meister der Lebensenergie" dafür gefunden.

(8) Aus: „Ho'oponopono. Fliegen kannst Du nur gegen den Wind", Suzan H. Wiegel, Schirner Verlag 2012, S. 38

 

 

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