Vom Patienten zum Reiki-Meister

Zunächst schien alles vorbei: Ein schwerer Arbeitsunfall, den Rolf Neujahr vor einigen Jahren hatte, schien das Aus zu bedeuten. Mutlos wurde der Sanitärinstallateur-Meister und niedergedrückt, er fürchtete um die Zukunft seiner Firma. Mehr als 20 Jahre hatte er da schon seinen kleinen Betrieb im Kreis Angermünde, in der Uckermark, an der deutsch-polnischen Grenze nahe Stettin.

Sein ganzes Leben war Rolf Neujahr für sich selbst, seine Familie und die Firma verantwortlich gewesen – und jetzt sollte es das gewesen sein? Mit einem Oberschenkelhalsbruch, einem angebrochenen Wirbel, der auf die umgebenden Nerven drückte und einem mehrfach gebrochenen Oberarm lag er, drei Stunden nach seinem Unfall, schon im OP eines regionalen Krankenhauses. Dort wurde zunächst der Oberschenkelhals mit Schrauben und Metallstiften versorgt. „Immerhin, kein künstliches Hüftgelenk, darüber bin ich schon sehr froh", sagt der Meister. Anschließend bestand er darauf, aus dem Kreiskrankenhaus ins Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) gebracht zu werden. Er wusste: Dort ist man besonders kompetent bei der Behandlung von Arbeitsunfällen, was für den selbständigen Firmeninhaber auch versicherungsrechtlich von Bedeutung war.

Der vierfach gebrochene Oberarm wurde dann als nächstes operiert. Mit Erfolg: Rolf Neujahr kann ihn inzwischen wieder gut bewegen. Doch seine Seele hatte ebenfalls gelitten: „Mir war klar, meinen Beruf würde ich nicht mehr ausüben können", fasst Rolf Neujahr zusammen, was ihn damals am stärksten bedrückte. „Doch meine Familie stand geschlossen hinter mir." Fünf Wochen blieb er im ukb, ehe man ihn in die erste Reha entließ. Anderthalb Monate danach kam er erneut ins ukb – zu einer weiteren Reha. „Das ukb ist mir damals eine zweite Heimat gewesen. Dort habe ich wieder ins Leben gefunden", sinniert der ehemalige Patient. Und: Im ukb macht er das erste Mal Bekanntschaft mit Reiki – eine Begegnung mit großen Auswirkungen.

Medizinische Themen

Als junger Mann war Rolf Neujahr Rettungsschwimmer und als Lehrkraft für Erste Hilfe beim Deutschen Roten Kreuz tätig. Später, als man ihn zum Wehrdienst einzog, wurde er als Sanitäts-Unteroffizier eingesetzt. Eine Beziehung zu medizinischen Themen hatte der ausgebildete Sanitärinstallateur schon lange bevor er Reiki kennenlernte. „In der Anatomie war ich ziemlich fit", resümiert er, „das kam mir später zugute, als ich anfing Reiki zu geben."

Der Liebe wegen zog der Erzgebirgler in die Uckermark. Sein Wunsch, dort als Klempner Arbeit zu finden, erfüllte sich nicht. Stattdessen wurde er 20 Jahre lang in der örtlichen LPG (Land- und Produktionsgemeinschaft) als Schlosser und Schmied eingesetzt. Seinem zur damaligen Zeit aufkommenden Wunsch, Krankenpfleger zu werden, konnte er nicht folgen, denn sein Gehalt hätte nicht ausgereicht, um davon seine Familie zu ernähren. Doch 1988, mit 38 Jahren, wagte Rolf Neujahr es, sich mit einer Firma selbständig zu machen. Mittlerweile betreut sein Sohn die Kunden im Landkreis, Rolf Neujahr hat nämlich eine neue Aufgabe. „Und hier etwas ganz anderes ...", heißt es fast schüchtern auf der Firmen-Website, wenn man zum Reiki-Meister Neujahr geleitet wird.

Reiki entdecken!

Reiki-Meister? Richtig. Rolf Neujahr hat Feuer gefangen, im ukb. Dabei hatten zunächst nur seine ständigen und starken Schmerzen in den zertrümmerten Knochen mit Reiki gelindert werden sollen. „Im ukb waren viele Patienten gestandene Handwerker", erinnert er sich, „mit teils großen Vorbehalten gegen Reiki." Was hat ihn anders denken lassen? „Ich weiß nicht ...", überlegt er, „meine Oma hat uns als Kindern die Hände aufgelegt, wenn wir Wehwechen hatten. Und zu mir sind sie später dann auch gekommen, in der Familie. Wenn meine Frau Kopfschmerzen hatte oder die Kinder Wachstumsschmerzen, dann hab' ich ihnen intuitiv die Hände aufgelegt, und sie fühlten sich besser."

Durch einen Zufall – die ihn behandelnde Therapeutin war plötzlich krank geworden – lernte er Marc Bendach kennen, den Reiki-Meister, durch dessen Wirken Reiki am ukb eine feste Größe wurde. (Mittlerweile finden rund 4.000 Reiki-Behandlungen jährlich am ukb statt – das Reiki Magazin berichtete.) Mit Marc Bendach hatte Rolf Neujahr eine erste Begegnung, von der er heute noch staunend spricht, nicht zuletzt, weil er dabei seine eigene Sensitivität für feinstoffliche Zusammenhänge entdeckte. Und natürlich, weil Reiki bei ihm, insbesondere in dieser ersten Behandlung, wahre Wunder wirkte.

Ausbildung in Reiki

Auf den ersten Kontakt zwischen Rolf Neujahr und Marc Bendach folgte eine weitreichende Verbindung – doch nicht sogleich, denn erst einmal musste Rolf Neujahr noch ein Jahr lang in eine ambulante Reha nach Eberswalde. „Anschließend bot Marc Bendach mir die Einweihung in den ersten Reiki-Grad an," erinnert sich Rolf Neujahr. „Diese fand dann im Februar 2012 statt." Jedes der monatlichen Reiki-Treffen habe er danach „begeistert besucht." Auch sich selbst behandelte er von da an täglich mit Reiki, bis heute. Seine Mitstreiter in der Ausbildung und bei den Reiki-Treffen „sind eine tolle Truppe", freut er sich.

„Nachbarn, Freunde, die Familie, alle wurden von mir behandelt!" lacht er. „Ich habe eine Entwicklung festgestellt, von der ich mehr wollte. So habe ich im Juni 2012 den zweiten Reiki-Grad gemacht, auch bei Marc Bendach." Aber er wollte noch mehr: Und so wurde er ein Jahr später in den Reiki-Meistergrad eingeweiht, den er erst kürzlich vervollständigte: Im April 2014 beendete Rolf Neujahr seine Reiki-Lehrer-Ausbildung.

„Stetig wachsend!"

Parallelen zu seinem bisherigen beruflichen Leben liegen nahe. Hat er doch als Sanitärinstallateur-Meister auch ausgebildet, so seinen Sohn, der im August 2011 auf einmal die Firma eigenständig weiterführen musste. Seit Januar 2014 leitet der Sohn die Firma nun vollkommen selbstständig.

Und der Vater geht einen neuen Weg. In ein Netzwerk eingebunden. „Gesundheitsnetzwerk Angermünde" heißt das. Dazu gehören eine Praxis für Physiotherapie, eine Ärztin, eine Apotheke, ja sogar Hotels und Pensionen machen mit. „Unsere Zielgruppe sind die Leute aus der Region", führt Rolf Neujahr aus, „aber auch alle, die in der Uckermark Erholung suchen." Wie wird sein Reiki-Angebot angenommen? Er lacht: „Stetig wachsend!"

Eine Rolle spielt dabei sicher auch der Umstand, dass er als Sanitärinstallateur viel herumgekommen ist und die Menschen ihn kennen. Doch nicht nur das: Seit 2007 ist er auch Ortsvorsteher von Bruchhagen, einem Ortsteil der Stadt Angermünde – man hatte seinerzeit ihn, den parteilosen Kandidaten, gewählt. Auch in diesem Jahr stellt er sich wieder zur Wahl auf.

Loslassen lernen

Zum ehemaligen Sanitärinstallateur kommen auch viele seiner langjährigen Kunden, um sich Reiki geben zu lassen. Rolf Neujahr stellt fest: „Drei Viertel der von mir Behandelten haben Ängste, Existenzängste, sie können nicht loslassen ... " Auch Rentner seien darunter, die „Stress in ihrer Familie haben".

Wenn Rolf Neujahr seine Klienten behandelt, geht er meist intuitiv vor. Seinen Klienten erklärt er: „Ich versuche, so viel Lebensenergie zu aktivieren, dass du dir wieder selber helfen kannst!" Das Aufspüren des Byosen während einer Behandlung fasziniert ihn, insbesondere, wenn die Spannung gelöst werden kann und die Energie wieder in Fluss kommt. „Ich lasse mich leiten", erklärt er ruhig, „ich lasse mich während der Behandlung von der Energie, der Intuition führen, ich finde es faszinierend, den Energieflüssen nachzuspüren – und auf einmal sagen die Leute mitten in einer Behandlung: ‚Wow! Wie machst du das?' " Er lacht: „Das ist dann der Wow!-Effekt! Auch für mich!"

Und: Reiki ist für Rolf Neujahr noch mehr: „Ich habe bei meinen eigenen Problemen erfahren, dass Reiki trägt und hilft. Reiki ist für mich liebevolle Zuwendung, grenzenloses Vertrauen."

 

 



Franziska Rudnick ist Redakteurin des Reiki Magazins und Autorin des Buchs „Heilende Begegnung". Als Heilpraktikerin wendet sie in ihrer Praxis Klassische Homöopathie, Reiki und andere energiemedizinische Methoden an. www.akatombo.de


 

„Reiki am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb)"
Das Reiki Magazin berichtete ausführlich über „Reiki am Unfallkrankenhaus Berlin", in den Ausgaben 2/2012 und 4/2012.

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok