„Für das Leben wirken ...“ - ein Interview mit Horst Krohne

Horst Krohne beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit geistigen Heilweisen und ist heute einer der erfahrensten und erfolgreichsten Geistheiler Europas. Oliver Klatt traf ihn in Berlin für ein Interview.

Horst-Krohne

Oliver Klatt: Wenn Sie heute auf Ihr Leben zurückblicken, auf alles was bisher war ... womit sind Sie besonders glücklich? Was ist Ihnen im Laufe Ihres Lebens besonders gut gelungen?

Horst Krohne: Ich denke, dass ich im weitesten Sinne einen Durchblick bekommen habe, was den Sinn des Lebens angeht. Es geht nicht darum, eine gute Berufsausbildung zu haben, eine eigene Villa oder ein großes Auto. Der Sinn, den ich meine, steht im Zusammenhang mit dem, was wir tun, was wir lernen, was wir ausdrücken, wie wir uns bewegen. Dahinter liegt ein Sinn. Mit bestimmten Verhaltensweisen oder Einstellungen, im kollektiven, humanistischen Sinne, kommt man anders und besser durchs Leben, als wenn man kämpft.

Oliver Klatt: Welche Verhaltensweisen und Einstellungen sind dies, aus Ihrer Sicht?

Ganzheitliches Menschenbild

Horst Krohne: Zum Beispiel, dass jeder Mensch, egal wie er aussieht oder was er getan hat, eine sehr vollwertige, biologische Bewusstseinsform ist. Wenn ein Mensch etwas schlecht ausdrückt, schlechte Taten verübt, krank ist oder etwas verrückt, dann sind dies nur ganz minimale Prozesse einer größeren Ganzheit, die entgleist sind; während der größte Teil des Menschen noch vollkommen ist. Man muss diese kleinen Stellen finden, um dem Menschen zu helfen, damit er vollkommener, harmonischer wird, sich besser einbindet in das kollektive Geschehen.

Oliver Klatt:
Sie haben Heilmethoden entwickelt, die dabei helfen können?

Horst Krohne: Ja, es sind etwa 20 grundlegende Methoden. Diese sind je nach den Problemen, die ein Mensch hat, anzuwenden. Die Probleme können rein seelischer Natur sein, es kann sich um charakterliche Fehlentwicklungen handeln, um körperliche Schäden oder auch um die zwischenmenschliche Dramatik. Wir haben festgestellt, dass jeder zweite Patient, der zu uns kommt, nur deshalb Krankheitssymptome hat, weil er mit irgendeiner Situation unglücklich ist. Sei es mit seinem Beruf, seinem Partner, seinen Eltern, seinen Nachbarn – oder mit sich selbst. Wie soll man jemanden behandeln, der unglücklich ist? Aus der Schulmedizin oder der Psychologie kenne ich keine Methode, mit der das geht. Wir machen es über die feinstofflichen Energien, mit medialem Heilen, über die Chakren und Meridiane, und harmonisieren dort die Felder. Denn die Ursachen für das Unglücklich-sein liegen nicht in der Außenwelt, sie liegen in der Innenwelt. Und darüber können sich Fehlfunktionen manifestieren, im psychosomatischen Sinne, bis hin zu schlimmsten Krankheiten.

Oliver Klatt:
Haben Sie nach der Anwendung Ihrer Methoden bei Ihren Klienten bemerken können, dass sie glücklicher wurden?

Horst Krohne: In jedem Falle, dass sie mehr Zufriedenheit erlangen konnten, ja. Glück, das sind Momente höchster Emotionalität, die kaum dauerhaft sind. Während das Zufrieden-sein doch eine erstrebenswerte Form menschlichen Seins ist.

Oliver Klatt: In dem Wort „zufrieden“ ist ja das Wort „Frieden“ enthalten, wie mir gerade auffällt. Innerer Frieden ist ein hoher spiritueller Wert, das passt insofern gut, wie ich finde.

Friedfertige Natur

Horst Krohne: Wir müssen die friedfertige Natur des Menschen, die jeder in sich trägt, hervorholen. Jeder möchte glücklich sein, zufrieden sein. Nur wissen die meisten nicht, wie sie es anstellen müssen. Viele sind unzufrieden mit sich selbst, weil sie den Weg dorthin nicht finden. Dann betrachten sie die Außenwelt als Schuldigen. So beginnt ihr Charakter sich zu verbiegen, bis dahin, dass sie unerträglich für ihre Umwelt werden. Wenn ihnen dann jemand in der Außenwelt Paroli bietet, erhalten sie schließlich, in ihrer verdrehten Sicht, auch noch den „Beweis“ dafür, dass die Umwelt schuld ist.

Oliver Klatt: In der von Ihnen begründeten Schule der Geistheilung werden Methoden vermittelt, die Sie entwickelt haben. Dabei geht es um Lehrinhalte, die relativ standardisiert sind. Zugleich betonen Sie, dass jeder Heiler seinen eigenen, individuellen Weg der Heilung finden muss, sowohl was die eigene Heilung angeht als auch die Art, wie er anderen helfen kann. Wie gehen Sie mit dem Paradox um, das sich zwischen diesen beiden Zusammenhängen auftut?

Horst Krohne: Wir haben rd. 20 verschiedene Heilmethoden in unserem Lehrprogramm. Ich kenne keinen unserer Schüler, der alle 20 Methoden komplett beherrscht. Das heißt: Aufgrund eigener Wertigkeit seines Bewusstseins – er muss seine Talente, aber auch sein Unvermögen kennen – sucht sich der Heiler jene Methoden heraus, mit denen er gründlich und erfolgreich arbeiten kann. Die gewählte Heilmethode muss passen zu den Worten und zu den Handlungen des Heilers. Es gibt beispielsweise Heiler, die bei uns die Ausbildung gemacht haben, die tief gläubig sind. Diese werden bestimmte Gebetsrituale bevorzugen. Und zu ihnen kommen Klienten, die sich ebenfalls davon angesprochen fühlen. Andere Heiler arbeiten mit der Harmonisierung der Chakren, was eine hohe Kunst ist. Andere wiederum mit der Organsprache.

Oliver Klatt: Alles ist miteinander vereinbar, auch unterschiedliche religiöse Haltungen?

Horst Krohne: Ja, davon gehen wir grundsätzlich aus, für alle Methoden, die wir lehren. Auch wenn wir uns in einigen Bereichen an die Wissenschaft anlehnen, so gehen wir doch immer davon aus, dass es ein höheres Bewusstsein gibt, das wir auch Gott nennen können oder kosmisches Bewusstsein, Weltengeist ... Es muss diese Instanz geben, denn wenn es sie nicht geben würde, wäre alles sinnlos im Leben. Und der Sinn ist nur im Leben selbst zu begründen – und zu leben: indem man sich diesem Schöpfer oder diesem höheren Bewusstsein annähert, durch mehr Wissen, Handeln und Tun, das dem Kollektiven und der Schöpfung dient. Dies ist der Grundtenor in unserer Ausbildung. Wir haben auch herausgefunden, dass die erfolgreichsten Heiler alle einen oder mehrere Geistführer haben. Und diese lassen sich nicht einfach abrufen. Sie werden einem zugeteilt, wenn das eigene Bewusstsein so geformt ist, dass man würdig ist, einen Geistführer zu erhalten.

Oliver Klatt: Im Usui-System des Reiki kennen wir als wesentliches Element der Praxis die Selbstbehandlung. Wie ich weiß, kann manch geistiger Heiler zwar anderen Menschen gut helfen, jedoch wenig für sich selbst tun. Es gibt geistige Heiler, die beispielsweise an einem Reiki-Seminar teilnehmen, um eine Form der Selbstbehandlung zu erlernen. Wie ist das in Ihrer „Schule der Geistheilung“? Gibt es ein Element der Selbstbehandlung?

Fernheilung

Horst Krohne: Ja, damit beginnen wir. In unserem Ausbildungsprogramm stellen wir uns anfangs einen Heilraum vor, in dem es alle Ideal-Heilmittel dieser Welt gibt. Es gibt Einrichtungen, mit denen wir in uns hineinschauen können, unsere Aura sehen können. Wir können auch nachfragen: Warum bin ich krank? Diese Methode ist erstaunlich gut. Wenn jemand Geistheiler werden möchte, dann müssen wir ja ausloten: Besitzt er diese außergewöhnlichen Fähigkeiten, die zur Medialität werden können? Das haben wir in unsere Übungen eingebaut. Dazu gehört dieser Heilraum, in dem wir wirken. Dort lernen wir auch Fernheilung. Es gibt einen Bildschirm, auf den wir uns die Personen holen können, die wir fernbehandeln möchten, auf feinstofflicher Ebene, in der Imagination. Ich hatte einmal ein erstaunliches Erlebnis, während einer Ausbildung. Ein elfjähriger Junge war dabei, er war schwer lungenkrank. In seinem Heilraum wurden ihm von seinem geistigen Berater Naturheilmittel genannt, jedoch in lateinischen Worten. Diese hat er sich gemerkt, obwohl er sie zuvor noch nie gehört hatte. Wir haben dann in einem Naturheilkunde-Buch nachgeschaut, und es waren alles Heilmittel für die Lunge. Die Anwendung dieser Mittel hat schließlich auch gewirkt, zusätzlich zur energetischen Heilarbeit – und er wurde gesund! So etwas geschieht, wenn man einen Berater, einen geistigen Führer bekommt.

Oliver Klatt: Ihre Ausbildung ist also darauf hin ausgerichtet, die Teilnehmer dahingehend zu schulen, dass sie einen geistigen Berater bekommen?

Horst Krohne: Ja. Und wer einen geistigen Berater bekommt, der macht weiter. Wir lehren dann, direkt am Menschen zu arbeiten, unter Aufsicht, Kranke zu behandeln. Dazu gehört das richtige Einsteigen in den Hintergrund der Erkrankung, um so den Verursacher zu finden. Wir wollen zeigen, wie man eine Krankheit aufrollt, die Hintergründe freilegt und dahingehend wirken, dass der Kranke das vermeidet, was zur Krankheit geführt hat – denn jede Krankheit hat eine Ursache. Diese Auffassung ist ein Grundbaustein unserer Philosophie. Nichts geschieht sinnlos, alles hat irgendwo eine Ursache, und diese müssen wir aufdecken. Das ist nicht einfach, denn wenn diese Krankheitsverursacher so leicht aufzudecken wären, dann würden die Ärzte und Therapeuten aus der Schulmedizin und der Naturheilkunde das längst beherrschen. Wir müssen die Hintergründe für die Unzufriedenheit der Seele, die gestörten Verhältnisse in der Seele ergründen.   

Oliver Klatt: In welcher außergewöhnlichen Situation haben Sie schon einmal einem Menschen heilerisch helfen können? Erinnern Sie sich an eine besonders skurrile oder gefahrvolle Situation, was die Begleitumstände angeht?

Horst Krohne: Es gab einmal eine herausfordernde Situation für mich auf den Basler Psi-Tagen. Ich hatte mich für die Heilergruppe gemeldet, in der öffentlich, unter Aufsicht, Patienten von Heilern behandelt wurden, die ihnen zuvor zugeteilt worden waren. Der Raum war so groß wie ein Klassenzimmer, da waren ein Arzt, der Patient und ich. Der Arzt schaute zu, damit ich keine aus schulmedizinischer Sicht falschen Dinge tun würde. Außerdem waren drei Beleuchter anwesend, zwei Kameraleute, ein Interviewer – und auch die Presse war dabei. Es waren wohl insgesamt rd. 20 Leute im Raum. Die Kameras surrten, es war heiß, durch die vielen Lampen der Beleuchter. Und alle erwarteten von mir nun, eine Spontanheilung hinzulegen ... und das ist tatsächlich geglückt! Unter diesen Umständen war es mit das schwierigste Heilerlebnis, das ich je hatte. Es war ein Junge, der eine schlimme Allergie hatte. Er war damit schon mehrfach wegen Erstickungsanfällen im Krankenhaus gewesen. Auf bestimmte Substanzen war er allergisch, unter anderem auf Marzipan und Mandeln, aus Nüssen herkommende Stoffe. Wenn er so etwas zu sich nahm, bekam er das Quincke-Ödem. Dabei schwillt der Hals zu, und dann muss sofort ein Arzt helfen. Deshalb war an diesem Tag auch der Arzt anwesend, er saß mit der Spritze in der Hand daneben, als der Junge das erste Mal wieder Marzipan aß ... und er konnte es essen, ohne Probleme!

Oliver Klatt: Herr Krohne, zum Abschluss noch zwei Fragen. Zunächst: Was ist Ihre Vision für die Entwicklung der geistigen Heilung weltweit? Was kann in den nächsten 20, 30 Jahren weltweit in Sachen geistiger Heilung geschehen?

Heiler und Schulmedizin

Horst Krohne: Die Entwicklung kommt aus der Schulmedizin selbst. Die Schulmedizin hat sich verrannt. Es gibt immer mehr Geräte, die immer komplexer werden. Es gibt immer mehr Forschung zu Heilmitteln, die wenig bringen, seit Jahrzehnten, trotz Einsatz von Milliarden. Es wird verkündet „Wir beherrschen den Krebs!“, aber das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, Krebserkrankungen nehmen sogar noch zu. Es gibt zwar mittlerweile einige gute Operationsmethoden, bei Früherkennung, in dem Bereich ist die Heilungsquote gestiegen. Aber insgesamt betrachtet sterben immer noch viel zu viele Menschen an Krebs. Hier könnte die Geistheilung mithelfen, denn bei Medizinern, die mit Heilern zusammenarbeiten, besteht für die Klienten eine größere Heilungschance. Was dazu an statistischen Zahlen vorliegt, ist noch nicht viel, aber bisher zeigen sich folgende Zusammenhänge: Bei rein schulmedizinisch behandelten Patienten, die Krebs haben, werden rd. 30 Prozent der Patienten gesund, bezogen auf eine Dauer von fünf Jahren ohne Krebs. Bei Krebs-Patienten jedoch, die schulmedizinisch und geistheilerisch kombiniert behandelt werden, gesunden rd. 50 Prozent, bezogen auf denselben Zeitraum. Was diese Untersuchungen angeht, so liegen hierfür derzeit noch zu wenige Daten vor, um breitflächig aussagekräftig zu sein, denn bislang wurden nur wenige Patienten nach diesen Kriterien untersucht. Aber es geht voran!

Ein Problem in der Zusammenarbeit zwischen Heilern und Schulmedizinern ist, dass die Grundeinstellung zur Heilung sehr verschieden ist. Schulmediziner werden an den Universitäten darin ausgebildet, den Körper zu behandeln. Und wir Heiler sagen: Der Körper ist nachrangig, was den Punkt betrifft, wo wir mit der Heilung ansetzen. Es ist die Seele, die den Körper formt. Wir müssen die Seele und den Geist stabilisieren, damit es in der Folge dem Körper besser geht. Es gibt aber Annäherungen untereinander. Es gibt Ärzte, die offen dafür sind, mit Heilern zusammenzuarbeiten. Und ebenso gibt es viele Heiler, die eine Zusammenarbeit mit Ärzten anstreben. Nun ist die Frage: Ab wann wird dies auf breiter Basis gesellschaftlich anerkannt geschehen?

Ein großer Wissenschaftler aus Deutschland, der Physik-Professor Hermann Oberth, hat einmal gesagt: Eine neue Idee setzt sich nicht durch, weil sie besser ist, sondern weil die Gegner aussterben. Und das dauere immer so um die 30 Jahre. Im Jahr 2004 wurde geistiges Heilen vom Bundesverfassungsgericht als Beruf anerkannt. Dann wäre also 2034 das Jahr, von dem an eine Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Heilern auf breiter, gesellschaftlich anerkannter Basis wahrscheinlich ist.

Oliver Klatt: Oder vielleicht doch etwas früher? Ich hoffe, dass wir nicht mehr so lange werden warten müssen. Aber bestimmte Prozesse dauern ihre Zeit, da hat Prof. Oberth sicherlich recht. Zum Abschluss: Was ist Ihre wichtigste Lebenseinsicht, die Sie an andere Heiler weitergeben möchten?

Vertrauen in sich

Horst Krohne: Mir erscheint es äußerst wichtig, dass ein Heiler zwei Dinge beachtet: Zum einen, dass er Vertrauen in sich selbst hat, dass das, was er anwendet, auch eine Wirkung hinterlässt. Denn viele Heiler zweifeln an sich. Wenn man zweifelt, dann ist die Wirkung weg. Ein Heiler muss also Vertrauen haben. Und zum anderen ist wichtig, dass ein Heiler erkennt, dass seine eigene, charakterliche Einstellung zum Leben bedeutsam ist und dass er in das Leben eingebettet ist, von niederen Schwingungen bis zum höchsten geistigen Strom. Ein Heiler sollte sich stets darum bemühen, für das Leben, vom Kleinsten bis zum Größten, als brauchbarer Teilnehmer zu wirken. Es ist wichtig, Vertrauen darin zu haben, dass die göttliche Ebene hilft, wenn man sich richtig einbringt.

Oliver Klatt: Vielen Dank für das Interview!



Das Interview wurde im November 2011 in Berlin geführt, in persönlicher Begegnung.

Ein besonderer Dank geht an Anneli Krohne, Ehefrau von Horst Krohne, für die Unterstützung rund um das Interview und den Porträtartikel über Leben und Wirken von Horst Krohne, der in Ausgabe 1/2012 des Reiki Magazins erschien.

Foto: privat / Copyright: Horst Krohne