„Reiki ist der rote Faden!“ - Ein Portrait von Dr. med. Petra Koch

Es gibt sie, die Ärzte mit ungewöhnlichen Ideen und dem Mut, andere Wege als allein den schulmedizinisch anerkannten zu beschreiten. In Hamburg praktiziert eine Allgemeinmedizinerin, die zugleich Reiki-Meisterin und Schamanin ist.

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Dr. Petra Koch hat Power. Klar und vibrierend ist ihre Ausstrahlung, wenn sie einem mit forschendem Blick und freundlichem Gesicht gegenübersteht: eine kleine, zarte Frau mit langen dunklen Haaren und schwarzen Augen. Die Ärztin für Allgemeinmedizin bietet zusätzlich zu ihrer Praxis im nordöstlichen Hamburg auch Behandlungsmethoden an, die man bei einer Schulmedizinerin nicht erwarten würde. Dazu gehören neben indianischer Herzheilung auch geistige Wirbelsäulenaufrichtung sowie energetisches Heilen. Und Reiki.

Klarer Blick

Wie eine Oase mitten in der Stadt wirkt die Praxis mit den in hellen und warmen Farben gestrichenen Wänden und dem hellgrünen Teppichboden; die belebte Kreuzung und die Tankstelle vor der Tür sind weit entfernt. Viel näher scheint dagegen der Park nebenan, mit seinen großen und alten Bäumen. „Kimochi“ heißt die Praxis von Dr. Petra Koch. Der Begriff stammt aus dem Aikido, einer japanischen Kunst der Selbstverteidigung, die die Ärztin viele Jahre praktizierte. „Kimochi bezeichnet im Aikido sozusagen das Kraftfeld zwischen zwei Menschen, die sich gegenüberstehen und sich konzentriert ansehen,“ erklärt Petra Koch. „Das passiert hier in der Praxis täglich. Das Hinsehen ist wichtig, der klare Blick auf das, was ist. So kann Heilung geschehen, durch den Mut zur Wahrheit.“

Ein breites allgemeinmedizinisches Spektrum umfasst ihre hausärztliche Praxis, kombiniert mit alternativmedizinischen Therapieverfahren. Die Initiative ihrer Patienten habe zum allmählichen Ausbau des alternativen Angebots geführt, das die Hausärztin neben dem „großen Schatz an schulmedizinischem Wissen“ anbietet, wie sie betont. „Ich empfinde mich als eine Schnittstelle zwischen Schulmedizin und den komplementären Methoden“, erzählt Dr. Petra Koch später, an ihrem Schreibtisch sitzend, den ein großer Bergkristall schmückt. Kristalle befinden sich überall in den Behandlungsräumen; eine Amethystdruse liegt auf der Fensterbank im Wartezimmer. Es duftet nach Räucherstäbchen. Wohltuend ist diese Atmosphäre, und so möchte die Ärztin es auch: „Ich will eine entspannte Praxis“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln, „in der die Patienten sich wohlfühlen. Das ist wichtig, denn: „Der Körper heilt sich selbst, ich schaffe die Voraussetzungen dafür.“

Heilung des Herzens

Reiki wird von ihren Patienten gern angenommen. So gern, dass inzwischen neben Petra Koch noch zwei Mitarbeiterinnen die Behandlungen geben. Die Ärztin bietet Reiki sowohl als alleinige Möglichkeit an, um Prozesse zu klären, als auch begleitend zu den schulmedizinischen Behandlungen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass durch eine oder mehrere Reiki-Anwendungen klarer wird, wie dem jeweiligen Menschen am besten geholfen werden kann – und zwar vor allem dem Patienten selbst. Durch Gespräche mit den Betreffenden kristallisiert sich dann heraus, welchen Behandlungsweg Ärztin und Patient gehen wollen.

„Natürlich habe ich auch Patienten, die nur eben schnell ein Mittel gegen Erkältung oder Schmerzen haben möchten“, sagt Dr. Koch, „und ich tue auch alles, was ein ganz normaler Hausarzt so tut.“ Jedoch der überwiegende Teil der Patienten sei offen für die intensive Arbeit an sich selbst. Zu Beginn ihrer Wandsbeker Zeit hat sie mit einer Psychotherapeutin zusammengearbeitet, die mittlerweile umgezogen ist. Doch für die Arbeit mit der Seele gibt es neben dem Praxisalltag von Dr. Petra Koch einen großen Raum. Familienstellen bietet sie auch an sowie Hopi-Herzheilung. Die liegt ihr neben Reiki besonders am Herzen. Denn gerade die Heilung des Herzens sei der Schlüssel zur Heilung der Seele und damit des ganzen Menschen. Reiki aber ist für sie etwas ganz Besonderes:

„Reiki ist der rote Faden“, sagt sie, „bei Reiki hatte ich zum ersten Mal das Gefühl: ich bin angekommen!“ Schon während ihrer Kindheit beschäftigte sich die Tochter zweier Ärzte mit Dingen, die ein wenig anders waren als das, was Kinder so tun. Ihre erste Liebe waren Kräuter und Heilpflanzen. Lachend erzählt sie, dass sie Ringelblumen gepflanzt und später getrocknet hatte und versuchte, ihre Eltern zu überreden, Kompressen und Verbände mit Ringelblumen zu verwenden.

Qi Gong, Tai Chi, Aikido

Dann gab es noch die Energien. Die subtilen, nicht fassbaren Energien von Dingen, Lebewesen und Orten. Petra Koch befasste sich mit Qi Gong und Tai Chi, lernte Aikido, das sie mit Hingabe ausübte. „Doch irgendwie war es das nicht“, berichtet sie, „da fehlte noch etwas, das fühlte ich genau, wusste aber nicht, wie ich es finden könnte.“ Sie brauchte es auch letztlich nicht zu finden – es fand sie. Später, als sie schon mit dem Medizinstudium fertig und Ärztin im Praktischen Jahr war. Sie hatte Ende der 1990er Jahre einen Unfall mit ihren Rollerblades und sich das Knie blutig geschrammt. In ihrem Ausbildungskrankenhaus kümmerte sich eine Mitarbeiterin um sie, die zu ihr sagte: „Lass mich mal ran, ich geb dir Reiki.“  Sie legte die Hände auf das verletzte Knie, die Energie begann zu fließen, und Petra Koch dachte, so erinnert sie sich: „Wow. Das ist es!“

Das musste sie unbedingt kennenlernen. Nicht lange nach dieser Begebenheit bekam Petra Koch die Einweihung in den ersten Reiki-Grad. Ihre Reiki-Meisterin hatte sie „ganz schnell“ gefunden, und die Chemie zwischen Meisterin und Schülerin stimmte auch. Reiki brachte bei Petra Koch einiges in Bewegung. „Es war,“ so beschreibt die Ärztin, „als habe man mich und mein Leben genommen und kräftig geschüttelt“ – hier macht sie mit beiden Händen eine kurze, rasche Bewegung wie ein Barkeeper, der ein Getränk mixt. „Ich war damals gar nicht der Mensch, der ich eigentlich bin,“ resümiert Petra Koch, „ich habe ein Leben gelebt, das nicht zu mir passte. Das wusste ich aber nicht. Und in einem halben Jahr wollte ich heiraten, der Termin stand schon fest.“

Reiki krempelte das Leben der jungen Ärztin um. So radikal ließ sie den Wandel zu, der sich in ihrem Inneren vollzog und zunächst „alles, aber auch alles, schlechter machte“, wie ihr gewahr wurde. Zugleich war sie jedoch so vertrauensvoll, dass sie „geführt von der Gewissheit: es wird alles gut!“, ihre Verlobung sechs Wochen vor dem Hochzeitstermin löste. „Damit verlor ich auch einen großen Freundeskreis“, sagt sie leise.

Täglich eine Selbstbehandlung

Seit ihrer ersten Einweihung in Reiki gönnt sie sich täglich eine Selbstbehandlung. „Wenn ich es einmal nicht mache, fehlt mir etwas,“ erzählt sie lebhaft nickend, „es ist für mich eine wunderbare Meditation!“ Im Sommer 2008 wurde sie Reiki-Meisterin. Für sie bedeutet der Weg zur und die Erlangung der Meisterschaft einen Auftrag zur Persönlichkeitsbildung: „Es geht um die eigene Meisterschaft,“ führt sie aus, „darum, sich selbst zu meistern!“ Hier sieht sie Parallelen zu den japanischen Kampfkünsten. Hin und wieder, wenn die Patienten nachfragen, bietet sie Einweihungen in die ersten beiden Reiki-Grade an. Ebenso Reiki-Treffen. Die meisten, die daran teilnehmen, sind Frauen. Oft befinden sie sich in einer Wendephase im Leben, so wie damals Petra Koch. Und sie empfinden Reiki als ein großes Geschenk, das sie voller Dankbarkeit würdigen.

Viel hat die junge Ärztin Petra Koch nach ihrer Einweihung in den ersten Reiki-Grad erlebt: um die Welt ist sie gereist, verdiente das Geld für die Reise als angestellte Ärztin in Krankenhäusern. Petra Koch hat dabei Einblicke gewonnen in andere medizinische Möglichkeiten, als sie in deutschen Krankenhäusern üblich sind. „Asien war schon immer mein Traum“, erklärt sie mit leuchtenden Augen. Sie kam durch China, Malaysia, Australien. Sogar durch die Mongolei führte ihr Weg, dort kam sie in Kontakt mit dem Schamanismus Mittelasiens. In Malaysia hatte Petra Koch tatkräftig auf der Entbindungsstation mitzuhelfen, statt, wie es für angehende Ärzte in Deutschland damals üblich, danebenzustehen und zuzugucken. „Da müssen schon die Medizinstudenten mit anpacken, sie lernen gleich von der Pike auf,“ resümiert sie. In China lernte sie die vielfältigen Möglichkeiten der Akupunktur und Traditionellen Chinesischen Medizin kennen, die sie mittlerweile auch selbst anbietet.

Wieder zurück in Deutschland, war Dr. Petra Koch neben ihrer Arbeit als Unfallärztin an einem großen Hamburger Krankenhaus acht Jahre als Notärztin unterwegs, immer abends und nachts mit dem Ärzte-Taxi. Sehr lehrreich sei diese Zeit gewesen, nicht nur, weil sie ihr umfangreiches schulmedizinisches Wissen rasch in Extremsituationen anwenden musste. „Es gab auch Menschen, die angerufen haben, weil sie Angst hatten, allein waren und einfach nur jemandem brauchten ...“

Japanischer Glücksbringer

Als Petra Koch im Jahr 2004 ihre erste Praxis im Hamburger Univiertel eröffnete und das Praxisschild an der Hauswand anbrachte, sah ihr zufällig ein Nachbar dabei zu, der Inhaber eines japanischen Geschäfts, und kam mit ihr ins Gespräch. Voller Freude über ihre japanischen Sprachkenntnisse schenkte er ihr zur Praxisgründung einen japanischen Glücksbringer: einen Daruma, der aussieht wie ein rotes Stehaufmännchen. Wenn man einen Wunsch hat, malt man dieser Figur erst das eine Auge aus – und wenn dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist, das zweite.
Mittlerweile hat Petra Koch etliche dieser Daruma-Figuren, deren beide Augen ausgemalt sind. Die stehen so, dass die Ärztin sie täglich sehen kann. Und wenn man ganz genau hinschaut, könnte man fast annehmen, dass sie ihr zunicken. So, wie der Buddha vor dem Praxiseingang, den man erst sieht, wenn man das Haus verlässt. Er hat ein ansteckendes Lächeln.




Fotos: Copyright Dr. Petra Koch

Text: Franziska Rudnick / Reiki Magazin