Reiki Mandala - Vom Seminarbetrieb zur Lebensgemeinschaft

Das Reiki-Mandala Centrum in der Lüneburger Heide wurde lange Zeit als Seminarbetrieb genutzt, nun geht es einer neuen Bestimmung als Lebensgemeinschaft entgegen. Oliver Klatt interviewte Michael Hartley und Janina Sloman, die das Reiki-Mandala vor rd. 25 Jahren begründeten.



Oliver: Michael, du warst Gründungsmitglied von The Reiki Alliance, der internationalen Reiki-Meister-Vereinigung im Usui Shiki Ryoho, und du hast Hawayo Takata noch persönlich gekannt. Wie hat es dich als „alten Reiki-Hasen“ überhaupt aus dem kanadischen Bergland in die Lüneburger Heide verschlagen?

Michael:
Mitte der 1980er Jahre habe ich als Psychologe und Reiki-Meister zusammen mit meiner damaligen Partnerin Phyllis Furumoto und meinem Freund Paul Mitchell in den USA und in Europa viele Reiki-Selbsterfahrungs-Workshops geleitet. An solchen Workshops teilzunehmen war damals Voraussetzung, wenn man Reiki-Meister werden wollte. Für diese Kurse hatten wir 1987 zum ersten Mal das damals noch sehr kleine Seminarhaus hier in Wettenbostel angemietet. Nachdem es zur Trennung mit Phyllis gekommen war (wir waren neun Jahre verheiratet gewesen), fand ich überraschenderweise ausgerechnet hier im flachen Norddeutschland ein neues Zuhause.

Großes Seminarprogramm

1990 habe ich Janina, die Tochter des Hauses, geheiratet. Unsere freundschaftliche Beziehung zu Phyllis blieb davon unberührt. So fanden im Reiki-Mandala Centrum auch weiterhin viele Veranstaltungen mit Phyllis Furumoto statt, und auch Paul Mitchell kam mit Aikido-Workshops und Retreats. Ich selbst habe hier neben Reiki noch Kurse in japanischer Kalligraphie, Teezeremonie, Raku-Töpferei und Bildhauerei angeboten. Über die Jahre haben wir die Räumlichkeiten wie auch das Seminarprogramm kontinuierlich erweitert. Es entstanden nicht nur neue Zimmer und zusätzliche Bäder, sondern auch neue Veranstaltungen wie das „H’Art & Soul Reiki-Sommercamp“ und zu guter Letzt „Friends in Reiki“.

Janina: Die bäuerliche Bevölkerung staunte anfangs nicht schlecht, als in unser kleines Dorf mit 60 Einwohnern plötzlich Menschen aus aller Welt anreisten. Es kamen Reiki-Schüler und -Meister aus ganz Europa, aus den USA, aus Hongkong, Australien ... Das nahe gelegene Amelinghausen ist ein bekannter Ferienort. Aber Wettenbostel war gänzlich unbekannt. Durch die vielen, teils recht großen Reiki-Veranstaltungen ist es manchen nun durchaus ein Begriff geworden, und anderen sogar regelrecht eine „zweite Heimat“. Wer lange nicht hier war, wird es kaum wiedererkennen. Es hat sich viel hier verändert! Und durch den Seminarbetrieb war es für mich niemals zu einsam oder still, sondern eher durchgehend turbulent.



Oliver: Und warum wollt ihr jetzt, nach einem Viertel Jahrhundert, plötzlich aufhören mit dem Seminarbetrieb?

Janina: Die Zeiten ändern sich. Und man muss im Fluss bleiben ... 1985 habe ich, gemeinsam mit meiner Mutter Gerda Sloman, angefangen, das damals noch kleine Landhaus zu renovieren. Uns schwebte vor, ein „Haus der Heilung“ zu erschaffen. Nachdem wir 1988 beide Reiki-Meister geworden waren, haben wir es als „Reiki-Mandala Centrum“ geführt, d. h. Gerda und ich hatten jeweils ein Wochenende im Monat für unsere Reiki-Kurse reserviert, und die restliche Zeit wurde es an andere Gruppen vermietet.

Traumhafter Garten

Eine besondere Freude war es für uns immer, wenn ein Seminar mit Phyllis, Michael oder Paul stattfand. Da die Gruppen jedoch immer größer wurden, haben wir permanent ausgebaut. Phyllis kam zuerst mit 25-35 Personen, dann schließlich mit 60-80 Teilnehmern. Durch die zusätzlichen Räumlichkeiten in weiteren Gebäuden und die aufwändige Landschaftsgestaltung der ehemaligen „Brennnessel-Wiese“ ist ein wundervoller Ort entstanden: Im riesigen Garten (20.000 m2) gibt es nun drei Häuser mit insgesamt 20 Schlafzimmern, 17 Bädern etc. Doch die damit verbundene Arbeit hat sich dermaßen verselbstständigt, dass wir schließlich kaum noch dazu gekommen sind, unsere Reiki-Kurse anzubieten. Außerdem ist meine alte Sehnsucht nach Gemeinschaft, wie ich sie mit Michael in Kanada erlebt hatte, wieder aufgekeimt.

Michael: Ich liebe den Garten, er ist für mich ein lebendiges Kunstwerk. Aber der Seminarbetrieb ist immer mehr in einen Montag-bis-Sonntag-Dauerstress ausgeartet. Wir mussten immerzu irgendetwas reparieren, renovieren, putzen, kochen, waschen – und dazu noch die ganze Buchführung machen. Anfangs fand ich es sehr kreativ, für große Gruppen zu kochen, aber der Reiz des Neuen ist mit der Zeit verflogen ... Jetzt bin ich 65 und überlege, was ich noch zu tun habe. Ich will mich wieder vermehrt meiner Kunst und natürlich auch Reiki widmen. Janina arbeitet neben Reiki mit Aura-Soma, Chakra Massage, Engelsymbolen und Duft-Essenzen. Es ist Zeit für etwas Neues. Außerdem habe ich früher in Kanada immer in Gemeinschaft gelebt.

Janina: In Silverton, wo Michael herkommt, gab es unglaublich viele Reiki-Meister, weil Frau Takata früher in dem kleinen kanadischen Bergdorf unterrichtet hatte. Es war ausgesprochen angenehm, in dieser verstärkten Reiki-Energie den Alltag zu erleben. Nun wurde mir klar, dass wir auch diesen Ort hier gerne mit Menschen teilen wollen, die geistig aufgeschlossen sind.

Oliver: Habt ihr auch einmal daran gedacht, wieder nach Kanada auszuwandern?

Michael: Natürlich, immer wieder. Besonders nachdem wir 2007 einen riesigen Brandschaden hatten. Ich hatte die alte Holzscheune komplett ausgebaut, und plötzlich, über Nacht, wurde die ganze Arbeit zerstört. Es war deprimierend! Und ein weiteres Mal überkam mich Heimweh, nachdem unser Sohn Julian nach Kanada ausgewandert war. Er ist dort geboren und studiert jetzt drüben Psychologie. Ich wäre schon damals, nach unserer Hochzeit, gerne in „Beautiful British Columbia“ geblieben, weil ich noch andere Kinder und Enkel drüben habe. Aber Janina hat der kanadische Winter arg zu schaffen gemacht. Sie traute sich bei Glatteis auf den engen Bergstraßen nicht Auto zu fahren. Und die Entfernungen sind dort sehr weit. Weil es vor Ort so viele Reiki Meister gab, musste man weite Reisen auf sich nehmen, um Reiki zu unterrichten. Aber seitdem ich hier in Wettenbostel eine Feng-Shui-Pflastersteinstraße verlegt habe (mit 120 Tonnen Kopfsteinpflaster), fühle ich mich dem deutschen Boden schon viel näher. Die Straße kann ich ja schließlich nicht mitnehmen!

Verborgene Geschenke

Janina: Michael hat wirklich einen traumhaften Garten angelegt, und wir hängen sehr daran. Für uns ist Wettenbostel ein regelrechter Kraftort. Wir lieben dieses Fleckchen Erde und sind dankbar, hier zu leben, wo andere Urlaub machen. Doch nach so langer Zeit verspüren wir beide den Wunsch, die Energie, die wir trotz aller Widrigkeiten über Jahrzehnte aufgebaut haben, nun endlich auch mal ganz entspannt mit Gleichgesinnten zu teilen, indem wir einfach einige Bereiche abgeben. Nach dem verflixten „Osterfeuer“ im Jahr 2007 haben wir oft an allem gezweifelt. Aber das, was aus der Brandruine entstanden ist, war ein unbewusster Traum, der sich sonst nie erfüllt hätte. Manchmal enthalten Schicksalsschläge auch verborgene Geschenke.



Oliver: Und wie stellt ihr euch so ein Zusammenleben in Wettenbostel vor?

Michael: Die drei Gebäude bieten die Möglichkeit, kleine Wohneinheiten zu gestalten. Es könnten sich natürlich auch ein oder zwei Familien ein ganzes Haus teilen. Bäder sind jedenfalls reichlich vorhanden! Und wenn sich die entsprechenden Mitbewohner gefunden haben, stellt sich heraus, wie viele Küchen noch gebaut werden sollen. Eine WG im Studentenstil ist für unsere Altersgruppe wohl nicht mehr ganz so erstrebenswert. Obwohl junge Menschen natürlich auch herzlich willkommen sind. Auf Wunsch könnte man natürlich auch eine Gemeinschaftsverpflegung organisieren. Die große Küche gibt das jedenfalls her.

Janina: Zu Michaels kanadischen Hippie-Zeiten war das eine prima Sache. Da musste man nicht so oft kochen und wurde selbst gut verpflegt. Aber ich halte es heutzutage für relativ unpraktikabel. Die Gewohnheiten sind zu unterschiedlich. Und ich glaube, generell macht jeder auch ganz gern sein eigenes Ding. Aber die Möglichkeit, sich gelegentlich in der Gemeinschaft zu treffen, zusammen zu essen, zu feiern, Reiki auszutauschen etc., das hat schon einen besonderen Reiz und entspricht dem Geist der neuen Zeit: Individualität im Kontext der Gemeinschaft. Der Platz ist wirklich gut dafür geeignet. Wir wünschen uns, dass eine Generationen übergreifende Lebensgemeinschaft entsteht. Ob das realistisch ist, wird sich zeigen.

Oliver: Wer käme als Mitbewohner in Frage, und ab wann soll es losgehen?

Lebensgemeinschaft

Janina: Menschen, die gerne aufs Land ziehen möchten und ihren Beruf hier ausüben können. z. B. Künstler, Therapeuten, Schriftsteller oder andere Personen, die mit PC oder Telefon arbeiten. Uns schwebt ein permanentes Behandlungszimmer vor und ein Versammlungsraum, der von allen genutzt werden kann. Michael will bei Bedarf die vorhandenen Werkstätten zur Verfügung stellen. Einige Dorfbewohner arbeiten sogar in Hamburg und fahren jeden Tag die ganze Stecke, aber mir wäre das zu weit. Als Termin haben wir September angesetzt: falls Familien interessiert sind, weil dann die Schule wieder anfängt.

Oliver: Gibt es noch ein Sommer-Programm dieses Jahr?

Michael: „Friends in Reiki“, für alle, die jemals bei uns waren und alle, die an dem Wohn-Projekt interessiert sein könnten. Wer noch kein Reiki hat, kann vorher den ersten Grad machen. Weiterhin biete ich einen Sumi Do Kurs mit japanischer Kalligraphie und Schnitzen eines persönlichen Meister- bzw. Namenssiegels an. Janina macht mehr Einzelberatungen und Behandlungen. In ihrer neuen Arbeit geht sie ganz auf.

Janina: Es ist nicht ganz leicht, das Vertrauen beizubehalten, wenn alles noch so ungewiss ist. Andererseits hat sich das Gefühl seit längerem angekündigt, dass eine große Veränderung ansteht. Es fühlt sich gut an, diese Nachricht nun in die Reiki-Welt hinauszuschicken. Und wir beide möchten uns noch ganz herzlich bei dir, Oliver, und deinem Verlag für die langjährige Unterstützung bedanken!







 

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