Sanfte Riesen - Elefanten in Indien

Elefanten sind ganz besondere Tiere. Seit Jahrtausenden faszinieren sie die Menschen mit ihrer Intelligenz und ihrem sensiblen Wesen. Die Reiki-Meisterin und Reiseleiterin Simone Grashoff berichtet von ihren berührenden Erfahrungen mit den liebenswerten Dickhäutern.



Als wir uns das erste Mal begegneten, war ich ganz klein und Du warst riesengroß. Ich auf dem Arm meiner Mutter, und Du, zusammen mit Deinem Mahut (Führer, Pfleger), in Deiner Elefantenfamilie in Hagenbecks Tierpark, bei uns in Hamburg. Mein Herz klopfte, als Dein langer Rüssel über die Mauer des Geheges kam, direkt auf mich zu. Als ich ihn voller Freude berührte, fühlte er sich feucht, die Haut ganz fest und dabei auch so sanft an. Ich legte ein Apfelstück in Deine fingerartige Rüsselspitze und rief laut: „Ich hab Dich so lieb, Elefant!“ und wünschte mir dabei, dass wir Freunde werden.

Zotteliges Haar

Diesen Augenblick habe ich nie vergessen – und als ich Jahrzehnte später eines der Herkunftsländer Deiner Ahnen, Indien, bereiste, da war es wieder da: das Strahlen in meinen Augen, als ich die sanften Riesen ganz hautnah wiedersah und kennen lernen durfte. Regelmäßig besuche ich nun seit einigen Jahren eine Anlage, wo Tempel-Elefanten leben. Durch meine Tätigkeit als Reiseleiterin habe ich das große Glück, interessierte Fans von Euch Dickhäutern zu begleiten und erlebe, wie magisch und verzaubernd Ihr Menschenherzen berühren könnt und zum Dahinschmelzen bringt.



Ihr lebt zusammen auf einem großen Gelände, inmitten von Kokosnusspalmen, Bananen- und Cashewnussbäumen, Ziegen und Hühnern, in einem kleinem südindischen Dorf, und seid eine sechsköpfige Elefantenfamilie. Vor einem Jahr gab es Nachwuchs, der Kleine mit dem Götternamen „Shiva“ wurde geboren, nach mehr als 20 Monaten im Mutterleib erblickte er das Licht der Welt. Er hat ein ausgesprochen fröhliches Wesen, und sein zotteliges Haar steht oft wie ein Toupet auf seinem Kopf wild herum.



Er ist einfach zuckersüß anzuschauen, und wenn er sich nach einem ausgiebigen Bad gleich wieder selbst mit Dreck bewirft, sind viele Besucher hingerissen, wollen ihn zu gerne anfassen und mit ihm spielen. So wie mein Partner Halim, der einmal ausgiebig mit Dir herumgespielt hat und dich ein wenig neckte, am Rüssel. Und ein Jahr später, als Halim Dich wieder traf, hast Du Dich daran erinnert und ihm mit Deinem mittlerweile kräftig gewordenen Rüssel einen ordentlichen Hieb versetzt, sodass er im hohen Bogen durch die Luft gewirbelt wurde und sich so gerade noch auffangen konnte. Das sah natürlich lustig aus, und die Lacher der Anwesenden waren alle auf Deiner Seite.

In Berührung kommen

Wir haben gelernt: Elefanten vergessen nicht, und es ist besser zu warten, bis der Mahut kommt, da ist man auf der sicheren Seite. Eure Liebe zueinander, das sieht man, ist auf Vertrauen und Zuneigung aufgebaut, oft eine lebenslange Verbindung. Ihr akzeptiert die Rolle einer Autoritätsperson, die Euch leitet und führt. So erhalten viele die Möglichkeit, mit Euch näher in Berührung zu kommen.



Ihr könnt zusammen zu großen Tempelfesten gehen, wo Hunderte, ja Tausende Menschen zusammenkommen. Ihr steht dann im Mittelpunkt, denn hier in Indien werdet Ihr verehrt, symbolisiert Weisheit, Kraft, Wohlstand, seid Glücksbringer und Helfer in schwierigen Lebenssituationen. Der Gott „Ganesha“ ist eine Verkörperung von Mensch mit Elefantenkopf, und dadurch seid Ihr heilig.

Bananen auf dem Speiseplan

Ihr seid vollkommene Genießer, wenn es ums Baden geht, und auch beim Essen. Wasser gibt es zum Glück in Kerala viel, und Ihr braucht davon gute 70 bis 150 Liter täglich. Wenn wir Glück haben, sehen wir Euer tägliches Baderitual, das ist eine große Freude! Ihr legt Euch auf die Seite, schließt die Augen, und ein Grinsen übers ganze Gesicht stellt sich ein. Dann beginnt das Ritual, mit einem Riesenstrahl Wasser aus dem Schlauch. Kokosnussschalen werden als Rubbelbürste eingesetzt, und für die Fußnägel gibt es noch einen Extra-Stein, als Nagelfeile. Wenn Ihr ein Stück vom Rüssel aufsetzt, symbolisiert das einmal mehr, wie Ihr im „siebten Badehimmel“  schwebt. Und später, wenn Ihr wieder aufrecht steht, verspritzt Ihr selbst noch ordentliche Mengen Wasser in der Gegend, wie ein feinsprühender Duschkopf. Und in Euren Mund gelangen dabei auch hin und wieder ein paar Spritzer leckeres Trinkwasser.

Liebe geht bei Euch durch den Magen, und wir dürfen Euch dabei behilflich sein. Dies ist immer ein absoluter Höhepunkt unserer Begegnung! Eine besondere Delikatesse auf Eurem Speiseplan sind Bananen. Wenn wir Euch besuchen, bringen wir gleich einen ganzen Strunk mit. Bei Eurem großen Appetit von bis zu 200 Kilogramm Nahrung am Tag muss das auch sein. Euch auf diese Weise zu berühren, mit der Banane in der Hand, ist ein schöner Anfang – und ganz vorsichtig trauen sich dann auch andere Eurer Fans, werden immer mutiger. Sie legen Euch die Bananen direkt in den Mund und dürfen dabei auch mal Eure Zunge fühlen. Das ist ein außergewöhnliches Erlebnis und bedeutet tiefes Vertrauen, das Ihr uns da entgegen bringt. Auf Eurem Speiseplan stehen auch Palmenblätter, die Ihr oft zwischendurch knabbert, eigentlich mehr zerpflückt, ganz geschickt, mit Eurem Rüssel, und andere Leckereien, die extra für Euch zubereitet werden.

Kuschelig warm!

Wir haben mit Euch schon richtige Freundschaften aufbauen können. Besonders schön ist es natürlich immer wieder, Euch Riesenfreunden Reiki geben zu können. In allen Lebenslagen, wenn’s hoch hinauf geht, auf Euren Rücken, und wir nur auf einer dünnen Leinendecke auf Euch sitzen. Da fühlt sich alles noch einmal ganz anders an. So hoch oben, da wird dem einen oder anderen doch ein wenig mulmig zumute. Herrlich, dass es Reiki-Hände gibt, um sich zu beruhigen oder von jemand anderem Reiki geschickt zu bekommen, damit die Angst sich legt. Und das Erlebnis voll genossen werden kann. Wenn Ihr dann ganz sanft die Beine hebt und lostrabt, spürt man, wie knochig und gleichzeitig kuschelig warm es sich auf Eurem Rücken anfühlt. Wir halten uns nur an einem einfachen Kokosnuss-Seil fest, der beliebteste Platz ist darum gleich hinter Euren Ohren. Da ist eine Kuhle, in der sich das Anschmiegen an Euch am behütetsten anfühlt. Und dann geht’s los: Eine Runde im Dorf flanieren.



Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Stromleitungen kommen, dann heißt es Kopf einziehen. Der Mahut übernimmt dabei die sichere Führung. So kommt es dann auch zu lustigen Begegnungen, wenn auf der Straße plötzlich ein Schulbus anhält, mit vielen Kindern, die plötzlich alle aussteigen und uns umzingeln und vor Freude kreischen und winken.

Die Inder sind sehr neugierige Menschen und immer daran interessiert, was wir machen – und so gab es bei meinen Touren zu Euch schon einige witzige Reiki-Augenblicke. Einer ist mir dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben.

„Was macht ihr denn da?“

Eine Teilnehmerin hatte gerade den ersten Reiki-Grad erlernt, und das erste Tier für eine Reiki-Anwendung war der göttliche „Shanti“,
was Frieden heißt. Bei Eurer Größe und Nähe kann schon ein Gefühl von Ängstlichkeit und Respekt aufkommen. Aber dann wagte sich Ursula mutig an Euch heran, legte die Hände vorsichtig auf, schloss ihre Augen – und es war einfach magisch: Du hast Deine auch geschlossen! Da haben wir als Zuschauer alle eine Gänsehaut bekommen, vor lauter Rührung, Euch so dahinschmelzend zu sehen.



Als die Mahuts diese für sie interessante Situation sahen, fragten sie gleich: „Was macht ihr denn da?“  Wir versuchten, in einfachem Englisch, eine Beschreibung von Reiki für sie zu geben. Dann fingen die Mahuts herzlich an zu lachen und sagten, das sei „Easy, no problem ...“, und legten gleich ihre Hand mit auf. Ihr Gesicht strahlte, und sie sagten ganz begeistert, auf Englisch: „Kommt bald wieder, dann machen mir weiter mit diesem Spaß der Entspannungs-Meditation!“




Alle Fotos: Copyright: Archiv Mystic Travel

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Autorin: Simone Grashoff
Reiki Meister/ Lehrerin und Reiseleiterin
Unterrichtet in Deutschland und Südindien

Kontakt:
Eimsbütteler Straße 25
22769 Hamburg
Tel: (040) 4301198
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.reiki-simonegrashoff.de
www.mystictravel.de


 

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