Das Therapeium in Berlin - Über die „Kunst des Heilens"

In Berlin-Zehlendorf gibt es eine ärztliche Praxis, die spezialisiert ist auf Energiemedizin, mit einem etwas anderen Hintergrund. Hier stand einmal nicht der asiatische Kulturkreis Pate für die zugrunde liegende Philosophie, sondern der europäische. Dies kommuniziert auch der aus dem Altgriechischen stammende Name der Praxis: Therapeium.

Marlen und Hartmut Schröder, Begründer des Therapeiums, haben eine enge Beziehung zum alten Griechenland, zur Wiege der europäischen Kultur. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin und der Professor für Therapeutische Kommunikation fanden während eines Aufenthalts auf der Insel Kos die Ideen für ihre Praxisgemeinschaft. Kein Zufall, könnte man meinen, denn Kos gilt als Heimat des griechischen Arztes Hippokrates, der im 5. Jahrhundert vor Christus die Basis legte für eine umfassende medizinische Philosophie und Wissenschaft, die bis ins Mittelalter, ja fast bis in die frühe Neuzeit hinein galt und angewandt wurde. Eine ihrer Theorien ist auch heute aktuell: die Lehre vom Pneuma, dem feurigen Lebensgeist, der den Körper durchdringt und mit dem Blut durch die Adern fließt.

 

Hippokrates und seine Schüler begriffen das Pneuma als materielle Lebenskraft. Ihnen zufolge hatte das Pneuma seinen Sitz im Gehirn und beeinflusste von dort aus den gesamten Körper. Zwei Arten von Pneuma nahm man an: das physische der eingeatmeten Luft und das seelisch-geistige, das im Herzen sitzt. Gleichzeitig galt das Pneuma als jener Stoff, der den Kosmos, den man als beseelt ansah, und den menschlichen Körper zusammenhielt. Mensch und Kosmos waren, weil verbunden durch das Pneuma, eins.

Doch Marlen und Hartmut Schröder haben nicht nur eine privatärztliche Praxis aufgebaut. Beide stehen auch für die Akademisierung komplementärer Heilmethoden und die Verbindung von Praxis und Forschung sowie für das neue Konzept einer Kulturheilkunde. Was sie in der Praxis anwenden und erkennen, fließt auch in Forschungsprojekte ein und wird in Studiengängen an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und an der Steinbeis-Hochschule Berlin gelehrt. Unterstützung in ihrer Arbeit im Therapeium finden sie durch andere ärztliche und therapeutische Praxen, die in den Räumen vor Ort tätig sind, sowie von einem Netz von Gasttherapeuten, die je nach Bedarf ins Therapeium kommen.

Die geisteswissenschaftlichen Wurzeln der Medizin

Professor Hartmut Schröder ist auch Gründer des Instituts für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina und des dortigen Master-Studiengangs „Kulturwissenschaften/Komplementärmedizin". Dabei geht es um die geisteswissenschaftlichen Wurzeln der Medizin und die kommunikativen Grundlagen einer Heilkunde, die es ermöglicht, den Patienten da abzuholen, wo er kulturell herkommt. Wer aus dem asiatischen Kulturkreis kommt, hat oft einen anderen Zugang zu Körper, Krankheit und Schmerzen als ein Europäer. Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse gilt es, Rücksicht zu nehmen, und mit dem Patienten auf einer seiner Mentalität entsprechenden, vertrauten Ebene zu kommunizieren.

Die griechischen Ärzte der Antike, allen voran Hippokrates, hatten ein Therapiekonzept entwickelt, von dem man sich im Therapeium inspirieren lässt. Hartmut Schröder: „Es fußt auf drei Säulen: erstens dem Heilenden Wort, zweitens der Anwendung von Kräutern oder, weiter gefasst, dem, was wir Naturheilkunde nennen, und drittens, wenn all das nicht hilft, kommt als ultima ratio der chirurgische Eingriff zustande." Doch immer dabei ist „das Heilende Wort!".

Das Heilende Wort

Das jeweils passende Heilende Wort für den Patienten zu finden, sei ein „dialogischer und intuitiver Prozess", erklärt der Professor für Kulturwissenschaften. Manchmal entwickele sich dieses Wort spontan im Gespräch, manchmal komme es aus einer Eingebung des Patienten selbst. Ein Relikt dieses „Heilenden Wortes" aus der antiken, griechischen Tradition werde heute noch immer häufig in den Arztpraxen gesprochen – dann nämlich, wenn der Arzt zu seinem Patienten bei der Gabe eines Medikaments die Heilung unterstützende Worte sagt.

Die Konzepte von Pneuma und Heilendem Wort sind sowohl die Wurzeln als auch der rote Faden in Marlen Schröders allgemeinmedizinischer Praxis. Sie ist Hausärztin und macht alles, „was ein Arzt so tut: Blut abnehmen, Laboruntersuchungen veranlassen, ein EKG machen, gegebenenfalls Medikamente verschreiben". Doch die Mehrheit ihrer Patienten wolle mehr als die übliche Versorgung, man wolle „von Grund auf kuriert werden", die Krankheit oder Befindlichkeitsstörungen „an den Wurzeln gepackt und behandelt wissen".

Hier greift das breit gefächerte Angebot im Therapeium. Zur Energiemedizin gehört hier vor allem auch Reiki: Marlen Schröder hat den 2. Grad im Usui-System des Reiki. Darüber hinaus kommen ergänzende energietherapeutische Geräte zum Einsatz. Eines dieser Geräte ist von Professor Fritz-Albert Popp entwickelt worden, dem Entdecker der „Biophotonen" oder, anders gesagt, des Lichtes in den Zellen. Mit einem Softlaser, so Marlen Schröder, werde „Licht direkt in die Zellen des Körpers gebracht, dies regt die Selbstheilungskräfte an".

Mit einem weiteren Gerät lässt sich die Herzratenvariabilität messen, die auch als „Lebensfeuer" dargestellt werden kann. Die Messung der Herzratenvariabilität ist vergleichbar mit einem Langzeit-EKG, der Patient trägt das Messgerät 24 Stunden am Körper. Dabei wird sichtbar, wie Stress sich auf das autonome Nervensystem auswirkt. Das autonome Nervensystem steuert u.a. den Herzschlag und kann vom Bewusstsein nicht beeinflusst werden. Die Variabilität zwischen den einzelnen Herzschlägen zeigt, wie gut der Organismus auf innere und äußere Reize reagiert. Alles, was im Körper geschieht, was an Informationen durch die Nerven ins Gehirn gelangt, beeinflusst auch das Herz.

Stärkung des Lebensfeuers

Anhand dieser Messungen, so Marlen Schröder, könne auch dargestellt werden, wie sich etwa eine Reiki-Anwendung auf den Körper auswirke: „Man kann sehen, wie die leeren Batterien wieder aufgefüllt werden, das Lebensfeuer stärker wird." Anhand der Herzratenvariabilität und von Laborergebnissen lasse sich das Ausmaß der Erschöpfung, an der jemand leidet, sichtbar machen – und zugleich das Wirken von eingeleiteten Therapien darstellen. Generell betonen Marlen und Hartmut Schröder, dass im Therapeium kein „Entweder–Oder" praktiziert werde, sondern vielmehr das Beste aus der Schulmedizin mit der Komplementärmedizin verbunden werde. Es komme auf den einzelnen Patienten an, darauf, was der individuelle Mensch zu einem gegebenen Zeitpunkt brauche. Dabei zielen alle Therapiemethoden in der Praxis auf die Regulation der Selbstheilungskräfte ab, auf das Aktivieren des „inneren Heilers", wie Hartmut Schröder betont. Damit folgt er einem Wort des Hippokrates: „Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt!"

Der Name „Therapeium" kommt nicht von ungefähr. Einerseits enthält er ein altes Wort für „Dienen", andererseits spielt er auf den heilenden Charakter eines Ortes an. Dem tragen die Praxisräume Rechnung. Gelegen in einer Villa aus der Gründerzeit, dem ausgehenden 19. Jahrhundert, fallen einem, wenn man sie betritt, sogleich die hohen Decken und die hellen Wände auf, beides wird zudem durch die Beleuchtung der Räume betont. Schon hier wird offenbar, dass Heilung auch etwas mit „Sich erheben" zu tun haben kann – denn die hohen Decken ziehen den Blick und damit die eigene Aufrichtung automatisch nach oben.

Wie im alten Griechenland, wo die Kliniken stets an besonderen Kraftorten standen, soll auch hier ergänzend die Heilkraft des Ortes wirken. Dem Konzept der hier angewandten Kulturheilkunde zugrunde liegt eine stimmige Mischung aus Ort, Haus, Einrichtung, Licht, Farbe und Methoden. Denn Heilung ist ein Geschehen, bedingt und gespeist aus vielen Faktoren. Dazu gehöre auch „eine Kultur der Umgebung und des Umgangs miteinander," so Hartmut Schröder. Und er erläutert, dass Studien gezeigt haben, wieviel rascher und gründlicher etwa Krankenhauspatienten genesen sind, wenn sie von ihrem Fenster aus in einen Park oder auf Bäume sehen konnten statt auf Mauern oder Beton.

Innere Harmonie

Eine Besonderheit im Therapeium sind Körper- und Klanginstrumente. Sie werden hier eingesetzt im Rahmen eines sogenannten „Klang-Coachings", das keine eigenständige Therapiemethode ist, sondern ergänzend angewandt wird. Die Tradition der Klangtherapie ist alt und vielseitig. Schon in der Antike wurde Musik eingesetzt, um kranken Menschen zu helfen. Seinerzeit nahm man an, dass der kranke Mensch „in Unordnung geraten" sei und wollte durch die Anwendung von Musik die Ordnung, die innere Harmonie, wieder herstellen.

Die Instrumente, die im Therapeium eingesetzt werden, sind keine, auf denen man in einem üblichen Orchester musizieren würde. Das liegt an ihrer Bauweise. Es handelt sich vor allem um Mono- und Polychorde – also um Saiteninstrumente, die auf nur einen oder maximal zwei bis drei verschiedene Töne gestimmt sind. So klingen alle Saiten auf demselben Ton oder auf maximal zwei bis drei verschiedenen Tönen, die in einer harmonischen Beziehung zueinander stehen.

Die Tradition solcher Instrumente reicht weit zurück: Schon im Schamanismus wurden sie eingesetzt, um veränderte Bewusstseinszustände oder heilende Wirkungen zu erzeugen. Auch heute ist darauf zu achten, wie der Patient oder Klient, der an einer solchen Klangtherapie teilnimmt, reagiert. Denn diese Klänge haben eine sehr starke Kraft. Eine besondere Herausforderung in der Wirkung können dabei die mitschwingenden hohen Obertöne sein. Jeder Mensch hat individuelle Vorlieben und Abneigungen bezüglich bestimmter Töne. Damit kann auch therapeutisch gearbeitet werden. Der Klangtherapeut braucht daher Empathie und Erfahrung.

Klangteppich

Auf einem der klangtherapeutischen Instrumente kann man sogar liegen. Die große Klangliege aus Holz ermöglicht es, den Klang durch den Körper hindurch zu spüren, ihn mit dem ganzen Körper zu „hören". Eine ganz besondere Erfahrung, wenn der Körper zum Resonanzraum für von außen kommende Töne wird. Im Kleinen kennt das wohl jeder, der satte Bässe liebt: sie durchdringen tatsächlich den Körper. Hier allerdings wummern keine Bässe, sondern zu hören sind Saiten. Zum Klingen gebracht von Marlen und Hartmut Schröder, die, neben der Klangliege sitzend, 64 Saiten spielen, die auf den nach unten gewölbten Bauch der Liege gespannt sind. Dabei entsteht ein Klangteppich von faszinierender Fülle, von dem man sich tragen lassen kann: die „Kunst des Heilens".

 

Autorin: Franziska Rudnick
Copyright Fotos: Archiv Therapeium

 

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.