Ein Leben mit Reiki – ein Leben für Reiki! - Nachruf auf Brigitte Müller

Ende letzten Jahres starb Brigitte Müller, nachdem sie mehr als 30 Jahre lang die Reiki-Landschaft in Deutschland teils entscheidend mitgeprägt hatte. Das Reiki Magazin veröffentlicht einen Nachruf von Jürgen Kindler, mit Zitaten von Phyllis Furumoto.

Brigitte Müller war 43 Jahre alt, als Reiki 1981 in ihr Leben trat. Es war, wie so oft, ein „Zufall". Brigitte hielt sich gerade in Nordamerika auf und holte jemanden vom Flughafen ab. Diese Person war Mary McFadyen, eine von Hawayo Takata eingeweihte Reiki-Meisterin. Brigitte war ganz Ohr, interessierte sich voll und ganz – und erhielt kurze Zeit später ihren ersten Grad in Reiki. So nahm Brigittes Leben mit und für Reiki ihren Anfang.

Brigitte wurde am 24. Mai 1938 in Leipzig geboren. Ihre Kindheit fiel in die Zeit des aufkommenden Zweiten Weltkriegs, mit seinen Schrecken und Wirren. Nach dem Krieg – und noch einige Jahre vor dem Bau der Mauer – zog die Familie nach Frankfurt am Main. Brigitte besuchte die höhere Handelsschule und machte einen Abschluss als Buchhalterin. Doch sie wollte in die Welt hinaus.

Zeit in Hollywood

Ihr Weg führte sie für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen nach England. 1960 zog es sie nach Hollywood, und sie arbeitete dort als Sekretärin. Nebenbei war sie als Model tätig. In Hollyood lebten schon damals die Größen des Showgeschäfts, und so lernte sie u.a. Doris Day und Gregory Peck kennen. Sie träumte vermutlich den Traum von so vielen gutaussehenden jungen Frauen: Model werden und die Welt erobern!

Mitte der 1960er Jahre lernte Brigitte in den USA den bekannten indischen Meister Paramahansa Yogananda kennen. Diese Begegnung hat sie nachhaltig beeindruckt und auf den spirituellen Weg gebracht, den sie fortan mit aller Intensität weitergehen sollte.

Nach einer unglücklichen Ehe 1967 kehrte Brigitte Müller nach Deutschland zurück. Auch eine weitere Ehe wurde wieder geschieden. Brigitte fand auch später kaum Glück in ihren Beziehungen zu Männern – und blieb bis an ihr Lebensende allein lebend.

Nach ihrer Einweihung in den 1. Reiki-Grad flog Brigitte zurück nach Deutschland und begann damit, Reiki-Behandlungen zu geben. Bald lud sie Mary McFadyen nach Deutschland ein, um hier Reiki-Kurse zu geben. Schon bald reifte in ihr der Entschluss, Reiki zu lehren.

Wild entschlossen!

„Ich erinnere mich, dass ich einen Anruf von einer Frau erhielt, die sehr gut Englisch sprach, mit Akzent. Sie fragte mich, ob ich sie als Reiki-Meisterin einweihen würde. Sie war eine Schülerin von Mary McFadyen. Ihr Name war Brigitte Müller. Wir sprachen nur für einen kurzen Augenblick miteinander, denn sie rief von Kalifornien oder Deutschland aus an, und zu dieser Zeit waren solche Telefonate sehr teuer – man versuchte, sich kurz zu fassen.

Wir verabredeten, dass sie mich besuchen würde. Und so kam Brigitte mitten in der Winterzeit nach Nelson. Das liegt in den Bergen von den Kootenays, Kanada. Damals gab es immer viel Schnee. Und dieser Winter war keine Ausnahme.

Brigitte war wild entschlossen, als Reiki-Meisterin eingeweiht zu werden, und sie war eine hingebungsvolle Schülerin. Sie fühlte, dass Reiki ihre Bestimmung war. So war sie bereit, alles zu tun, um eingeweiht zu werden.

Ich hatte vor, sie mit zu meiner Arbeit zu nehmen. Ich half gerade dabei, eine Gesundheitsmesse zu organisieren, in einer Stadt, die rd. anderthalb Stunden mit dem Auto entfernt lag – im Sommer. Als Brigitte und ich dorthin fuhren, waren wir Stunden unterwegs, weil wir mitten in einen Schneesturm gerieten. Auf der Messe gaben wir Reiki Behandlungen, und ich präsentierte Reiki in einem kurzen Vortrag.

Zu dieser Zeit war ich nicht so durchorganisiert, was die Art und Weise angeht, wie ich Reiki-Meister ausbildete, und so war ich auf meine Intuition angewiesen. Diese Zeiten waren voller Magie und voller Unschuld. Wir wussten nicht viel über Reiki, und auch nicht über Reiki-Meisterschaft. Intuition war alles, was wir hatten.

Ich erinnere mich nicht an sehr viele Details aus dieser Zeit. Aber durch das Zusammensein mit Brigitte wurde mir klar, dass Reiki sie rief. Ich hatte Bedenken, weil ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht hatte, jemanden aus Europa einzuweihen. Und Europa war sehr weit weg damals. Kurz bevor sie nach Hause fuhr, habe ich sie eingeweiht. Ich habe es nie bereut." (Phyllis Furumoto)

Reiki-Einweihungen

Zurück in Deutschland, wartete auf Brigitte eine große Aufgabe: Reiki lehren! Darüber hinaus bereiste Brigitte viele Länder, wo sie ebenfalls Reiki lehrte: Schweiz, Österreich, Frankreich, Dänemark, Lanzarote, Malta und Polen. Reiki in die Länder des Ostens zu bringen, war ihr ein besonderes Anliegen, das im Jahr 1988 mit der „Woche der Heilung und Ganzheit" in Krakau seinen Höhepunkt fand. Diese Veranstaltung war eine der ersten dieser Art, in der Lehrer aus dem Westen in den Osten reisen konnten. Brigitte bot Reiki-Kurse an, und die Nachfrage war riesig: In vier Tagen weihte sie 270 Menschen in Reiki ein, was für Brigitte eine Transformation war.
Später bildete sie ihren ersten Reiki-Meister in Polen aus.

Sie gab unzählige Reiki-Seminare, schrieb mehrere Bücher und machte eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Zugleich ging sie weiter ihren spirituellen Weg und interessierte sich für viele Aspekte der geistigen Weiterentwicklung.

Spiritueller Weg

„Brigitte engagierte sich für die Menschen und Tiere in ihrer Umgebung. Sie ging ihren spirituellen Weg mit der Yogananda-Gemeinschaft und mit Reiki. Ich sah in ihr das verspielte Kind, die Sucherin der Wahrheit – und eine Heilerin, die an sich arbeitete und Reiki zur Heilung mit anderen teilte. Sie war nicht immer einfach zu nehmen, und gleichzeitig hatte sie einen einfachen Grundsatz: Liebe andere, und liebe dich selbst!

Brigitte kommunizierte direkt, mit großem Selbstvertrauen hinter ihren Worten. Dies hat manchmal Leute abgeschreckt, wenn diese das nicht gewohnt waren. Wie auch immer ... ich habe das begrüßt, weil ich wusste, was hinter ihrem Denken und Agieren stand. Ihre Verletzlichkeit war vielleicht nicht so offensichtlich, aber sichtbar für jene, die es sehen wollten. Die Arbeit mit Reiki, in ihren Behandlungen und Kursen, hat sie tief berührt.

Brigitte lebte ihr Leben als Reiki-Meisterin. Wie alle Reiki-Meister hatte sie ihre Herausforderungen, und sie musste lernen, mit den Höhen und Tiefen der Reiki-Bewegung der letzten 30 Jahre umzugehen. Ohne dabei die Verbindung zu ihrem inneren Ruf zu verlieren, blieb sie voll und ganz Meisterin." (Phyllis Furumoto)

Tod im November

Vor zwei Jahren erfuhr Brigitte von ihrer schweren Krankheit. Sie kämpfte gegen die Krankheit, versuchte die verschiedensten Mittel – und hoffte bis zuletzt, einen Weg zu finden sich davon zu befreien.

Brigitte starb am 7. November 2014. Sie wurde in Frankfurt am Main beigesetzt. Sie wünschte sich ein Urnengrab in einem anonymen Urnenfeld. Von ihrem Körper wird nichts bleiben. Aber sie bleibt in Erinnerung als die Frau, die Reiki nach Deutschland gebracht hat und die mit ihrer Warmherzigkeit, Großzügigkeit und Stärke das Leben vieler Menschen berührt hat.

 

 

Zum Autor: Jürgen Kindler wurde 1985 von Brigitte Müller in den 1. und 2. Reiki-Grad eingeweiht. Seitdem ist er nicht nur als Reiki-Meister mit Reiki unterwegs, sondern auch als früherer Herausgeber des Reiki Magazins, als Organisator des Reiki-Festivals, als Vortragender auf Veranstaltungen und als Gründungsmitglied von ProReiki – der Berufsverband e.V. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Info: www.reiki-in-berlin.com

Copyright Foto: Archiv Nachlass B. Müller

 

 

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