Die Transformation einer Klinik für Psychiatrie

Dies ist ein erstaunlicher, Mut machender Bericht eines tief gehenden Veränderungsprozesses innerhalb einer renommierten psychiatrischen Klinik in den USA – hin zu einem neuen integrativ-medizinischen Konzept. Dabei spielt auch Reiki eine entscheidende Rolle.

Ich berichte aus dem Connecticut Valley Hospital (CVH) in Middletown, Connecticut. Es handelt sich um die letzte und älteste staatlich geführte psychiatrische Klinik in Connecticut. Es gibt hier rd. 575 Patienten und 1.700 Mitarbeiter. In den letzten sechs Jahren haben wir eine bemerkenswerte Verwandlung hin zum Guten erlebt, und Reiki war ein Teil davon. Ich möchte berichten, wie es dazu kam.

Als ich vor mehr als acht Jahren hier zu arbeiten begann, hatten wir rd. 600 Patienten und jede Woche insgesamt mehr als 720 Stunden damit zu tun, Patienten ruhig zu stellen und zu fixieren. Dies war der übliche, anerkannte und – wie angenommen wurde – effektive Weg, um Gewalt auf dem Klinikgelände zu verringern. Wenn die Leute hektisch werden oder sich aufregen, stell’ sie ruhig und gib ihnen Medikamente.

Konzept im Wandel

Die Zeiten haben sich geändert. Wir sind hier durch einen besonderen Wandel gegangen, im Zuge einer allgemeinen Kultivierung aller Professionen und Abteilungen – und haben heute insgesamt nur noch rd. 12 Stunden in der Woche damit zu tun, Patienten ruhig zu stellen und zu fixieren. Die Änderungen in den Umgangsweisen mit den Patienten spiegeln sich auch in einer geringeren Anzahl an Verletzungen bei den Angestellten wider.

Der Wandel in den Professionen und Abteilungen setzte sich sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben durch. Angespornt wurde er durch eine Förderung seitens der Federal Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA). Niemand hätte zuvor gedacht, dass eine Transformation solchen Ausmaßes möglich werden könne.

Auf der Verwaltungsebene unserer Klinik wurden Rufe nach einer Veränderung laut – und die Belegschaft trat heran, um Vorschläge zu unterbreiten. Heute bietet unsere Klinik eine erstaunliche Bandbreite an integrativen medizinischen Methoden und Verfahren – und das ist so, weil unser Geschäftsführer das unterstützt. Dies sind einige der Maßnahmen, die wir unternommen haben:

Maßnahmen zur Veränderung

– Eine unserer Psychologinnen, Tracey Meyers Sondik (Psy.D.), bot allen interessierten Mitarbeitern einen 12-stündigen Kurs in Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) an (eine Stunde in der Woche, während der Mittagszeit). Es handelt sich dabei um ein seit einiger Zeit bewährtes Programm, das vor vielen Jahren durch Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde. Da wir eine medizinische Einrichtung sind, wurde diese Methode als ein evidenzbasiertes Verfahren begrüßt, das jedem Einzelnen hilft, aufmerksam und verantwortlich mit seiner eigenen emotionalen Welt umzugehen. Dabei wird Meditation gelehrt und ein Weg zu sein, in jedem Augenblick, indem man sich seiner Stimmungen und Ruhelosigkeit achtsam bewusst wird. Mehr als 150 Angestellte nahmen daran teil.

– Unter Verwendung von Konzepten, die eine gleichmäßige Verarbeitung der sinnlichen Wahrnehmungen fördern, wurden an vielen Stellen in der Klinik Ruhezonen und Rückzugsräume für die Patienten eingerichtet. Dies bewirkte eine erstaunliche Veränderung für die Mitarbeiter. Die Möglichkeit, nun einem ängstlichen Patienten eine beruhigende Alternative anbieten zu können, führte dazu, dass Gewalt und daraus resultierende, die Hände von Patienten fixierende Maßnahmen jetzt überwiegend der Vergangenheit angehören – und lediglich als allerletzte Maßnahme stattfinden, nicht als erste Wahl.

– Ein Reiki-Lehrer bot jedem aus der Belegschaft, der interessiert daran war, Reiki-1-Kurse an, als eine Möglichkeit, Energiemedizin kennenzulernen, das Chakren-System und die Reiki-Energie. Mehr als 100 Angestellte nahmen daran teil.

– Ein Rehabilitations-Therapeut bot der Belegschaft Schwingungsheilung mit Tibetischen Klangschalen an. Die Klinik kaufte ein Set von Klangschalen, und die Mitarbeiter nutzen sie nun für die Patienten, zu deren Entspannung.

– Wir ermutigten die Mitarbeiter dazu und trainierten sie darin, ihre neuen, nunmehr gewandelten Rollen anzunehmen.

– Wir versetzen heute die Patienten in die Lage, eine aktive Rolle in ihrem Genesungsprozess einzunehmen, indem wir patientenzentrierte Genesungskonzepte erarbeiteten.

– Yoga wird den Patienten wie auch der Belegschaft angeboten – sowohl Yoga auf der Matte als auch Yoga auf einem Stuhl.

– Wir bieten monatliche Vorträge zu integrativen Methoden an – und Wiederholungen dieser Vorträge während der Mittagszeit, für Mitarbeiter, die zuvor aus zeitlichen Gründen, wegen ihres Dienstplans, nicht teilnehmen konnten.

– Patienten können Tai-Chi erlernen, als eine alternative Methode der Leibesübung und Entspannung.

– Es gibt fortlaufend Anleitungen zu mehr Selbst-Mitgefühl, entsprechende Tages-Sprüche und meditative Übungen.

Sprache der Energiemedizin

Über ein Sechstel unserer Belegschaft war involviert in alle diesen unterschiedlichen Trainings. Langsam, während die Sprache der Achtsamkeit und der Energiemedizin Einzug in unser Vokabular hielt, kam es auch zu mehr Freundlichkeit untereinander – und das Thema Dankbarkeit rückte in unser Blickfeld.

Die Rolle, die Reiki in diesem Transformationsprozess spielte, ist ziemlich interessant. Zu Beginn wurden Reiki-Behandlungen nur den Mitarbeitern angeboten. Aber nachdem dies ein anerkannter Teil unserer Klinikkultur geworden war, integrierten jene Mitarbeiter, die in Reiki ausgebildet worden waren, dieses Heilverfahren auch in das Behandlungsangebot für die Patienten. Wir nutzen dazu eine Art der Anwendung, die wir mit den Krankenschwestern abgesprochen haben, die im Infektionsschutz ausgebildet sind, wobei wir die Patienten nicht direkt berühren, sondern unsere Hände stattdessen leicht über jene Körperbereiche halten, auf die wir uns ausrichten. Wir finden dies genauso effektiv wie die direkte Berührung.

Wenn Reiki angewendet wird, erhält der entsprechende Mitarbeiter dafür die Zustimmung des Patienten sowie die Zustimmung von dessen Behandlungsteam – und dokumentiert dies in der Akte des Patienten. Weitere mögliche Veränderungen, zu denen es im Laufe der Zeit kommen kann, werden ebenfalls in den Akten dokumentiert. So gibt es beispielsweise Einträge dazu, wenn ein Patient zu einer Zeit um Reiki bittet, wo keiner der entsprechend qualifizierten Mitarbeiter anwesend ist, oder wenn ein Klient weniger Schmerzen empfindet, oder wenn ein Klient davon profitiert, sich ruhiger zu fühlen, ausgeglichener zu sein und besser schlafen zu können.

Reiki hilft!

Ein Fall dokumentierter Veränderung mithilfe von Reiki betrifft eine Frau mit schwer geschädigten Füßen, die hervorragend von den Reiki-Behandlungen profitierte, da sie ihr halfen, besser mit den permanenten Schmerzen umzugehen, mit ihrer emotionalen Instabilität und mit ihren Schlafproblemen. Sie zog schließlich Reiki starken Beruhigungsmitteln vor. Jeder Fall ist individuell, und jede Behandlung ist auf den Patienten zugeschnitten.
Alle paar Monate finden bei uns Reiki-Zirkel statt, zu denen die Mitarbeiter kommen und ihre Geschichten miteinander teilen können, wo sie neue Techniken erkunden können und auch die Möglichkeit haben, an einer Reiki-Gruppenbehandlung teilzunehmen. Ich ermuntere die Mitarbeiter dazu, ihre Reiki-Fähigkeiten bei sich selbst, in ihren Familien und bei ihren Freunden anzuwenden. Ich biete jedoch keine Reiki-2-Kurse in unserer Klinik an, weil ich denke, dass es gut ist, wenn die Leute für sich selbst herausfinden, was die Gesellschaft ihnen in der näheren Umgebung anzubieten hat und inwieweit sie ein Teil der Reiki-Bewegung außerhalb der Klinik werden möchten. Einige sind mittlerweile diesen Weg gegangen, bis hin zum Meister – ich glaube, wir haben heute drei oder vier Reiki-Meister in unserer Belegschaft.

Bisher waren die Reiki-1-Kurse ausschließlich auf die Mitarbeiter ausgerichtet. Allerdings habe ich kürzlich auch zwei Patienten, die danach gefragt hatten, Reiki-1-Kurse gegeben – nachdem sie sich darauf vorbereitet hatten und das Okay seitens ihres Behandlungsteams vorlag. Dazu kommt es aber selten, zumal ich den Patienten empfehle, mental ausgeglichen zu sein und stabil in ihrer Genesung, bevor sie sich die Heilung Anderer vornehmen.

Ruhe und Freundlichkeit

Nachdem die Anwendung von Reiki und vieler anderer komplementärmedizinischer Verfahren in unserer Klinik die Norm geworden war, für Mitarbeiter wie für Patienten, kam es zu größeren positiven Veränderungen. Einige der Mitarbeiter wurden sich der auf vielen Stationen herrschenden Anspannung bewusst und begannen, sich dieser anzunehmen. Wir bemerkten: So wie Ärger sich ausbreiten kann, so können sich auch Ruhe und Freundlichkeit ausbreiten.

Die Stationsteams übernahmen die Verantwortung für ihren eigenen Stress-Level. Um die entsprechenden Zusammenhänge benennen und bewältigen zu können, werden sich die Leute, die auf den Stationen arbeiten und jene, die dort wohnen, nun zunehmend der Dinge bewusst, die sie tun könnnen, um Veränderungen herbeizuführen und suchen nach den Ursachen für ihren Stress. Sie wissen nun, dass sie die Wahl haben: Sie können sich von einer hochaktiven Umgebung mitreißen lassen oder beruhigend auf diese einwirken.

Mitarbeiter und Patienten begannen, einige Ursachen für ihren Stress herauszufinden, wozu gehören: laute Geräusche, sich nicht sicher zu fühlen, sich in einer sterilen Umgebung aufzuhalten. Die Stationsmitarbeiter und die Patienten fragten nach Möglichkeiten, ihre Umgebung „weicher“ zu machen durch entsprechende Farbgestaltung, erbaten den Einsatz beruhigend wirkender Kunstobjekte, um diese betrachten zu können, und baten darum, ihnen Wahlmöglichkeiten zu geben hinsichtlich ihrer Behandlungs- und Dienstpläne, darum sich mehr darin üben zu können, einen freundlicheren Umgangston und bessere Umgangsweisen zu entwickeln sowie darum, einen angenehmen Ort zur Verfügung zu haben, an den sie gehen können, um sich zu entstressen. Seitdem man sich mit diesen Angelegenheiten befasst, trägt dies dazu bei, dass die Stationen insgesamt ruhiger und sicherer werden.

Maßnahmen, die Trost und Beruhigung bringen, wie beispielsweise einfach nur bei jemandem zu sitzen und Zeuge seiner Angst oder seines Leidens zu sein, sind willkommene Maßnahmen geworden. Schwere Decken, die sich wie eine Umarmung anfühlen, Hand-Lotion mit beruhigendem Lavendel, entspannende Musik und kleine Sprüche und Fragen, die die Leute aus ihren Gedanken herausholen und ins Spielerische hineinbringen, all das trägt dazu bei, die Spannung, Schärfe und Heftigkeit in unserer Umgebung zu verringern und ganz allmählich Frieden zu fördern.

Erfolgreiche Transformation

Es war ein langer Weg – über sechs Jahre. Es war nicht immer einfach, die Veränderungen anzunehmen. Heute bin ich stolz darauf sagen zu können, dass ich ein Mitglied dieser Gemeinschaft bin und dass wir erst vor ein paar Wochen unser integratives medizinisches Programm dem Beauftragten für Psychische Gesundheit in Connecticut vorgestellt haben, in der Hoffnung, dass dieses auch in anderen vergleichbaren Kliniken und Zusammenhängen vorgestellt und dort dazu ermuntert wird, dieses ebenfalls umzusetzen – vielleicht auch durch zunehmende Dienstleistungen innerhalb des Bereichs der Psychischen Gesundheit in der Öffentlichkeit.

Unsere erfolgreiche Transformation, ausgehend von einem alten Modell hin zu einem neuen und erfolgreicheren Modell, das eine gesündere Lebensqualität in die Leben unserer Patienten und Mitarbeiter gebracht hat, ist etwas, zu dem das Connecticut Valley Hospital sowohl ganz allgemein wie auch überall auf dem Feld der Psychischen Gesundheitspflege ermuntern möchte.



Pat Guerard ist Reiki-Meisterin in der Tradition nach Hawayo Takata. Sie lehrt Reiki seit mehr als 15 Jahren. Schon in den 1970er Jahren lernte sie die Energiemedizin kennen, in Brüssel. Kontakt (in englischer Sprache): E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Erst-Publikation in deutscher Sprache, mit freundlicher Genehmigung von Pat Guerard und William Lee Rand. (Der Artikel ist die deutsche Übersetzung des Artikels „Transforming a Psychiatric Hospital“, veröffentlicht im US-amerikanischen Reiki News Magazine, Winter 2015, S. 55-56, www.reiki.org)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Franziska Rudnick
Redaktionelle Bearbeitung: Oliver Klatt

 

Copyright Foto: Viacheslav Iakobchuk - Fotolia.com




 

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