Der zweite Grad - Option zur Erleuchtung

Der 2. Reiki-Grad hat eine Tiefe und Spannweite, wie es nur wenige erwarten, bevor sie sich für dieses Seminar entscheiden. Oliver Klatt reflektiert den Umgang mit den Symbolen und Techniken des 2. Grades.  

Wie unter Reiki-Praktizierenden ab dem 2. Grad bekannt ist, bedienen sich die meisten 2. Grad-Praktizierenden einer Vielzahl teils sehr ausgefeilter Techniken, unter Verwendung der drei Symbole dieses Grades. Dabei stellen die drei Haupttechniken des 2. Grades die Basis sämtlicher Anwendungen dar, gemäß den Wirkungsweisen der drei zugrunde liegenden Symbole.

Die drei Haupttechniken können als „Fokussierung und Verstärkung der Reiki-Energie“, „Reiki-Mentalheilung mit oder ohne Affirmation/en“ und „Überwindung der Grenzen von Raum und Zeit bei der Reiki-Gabe“ bezeichnet werden. Darüber hinaus gibt es eine große Vielzahl spezieller Techniken, von denen die drei wohl am weitesten verbreiteten oft bekannt sind als „Raumreinigung“, „Reiki-Dusche“ und „Reiki-Box“.

Bezeichnung der Symbole

In der Kommunikation über die Symbole des 2. Grades kommt es oft zu einer Reduzierung der Namen der Symbole auf bestimmte Inhalte. So ist beispielsweise vom „Kraftsymbol“ die Rede oder vom „Mentalheilungssymbol“, manchmal auch vom „Schutzsymbol“ sowie vom „Fernheilungssymbol“. Dies ist wahrscheinlich so, weil die ursprünglichen Bezeichnungen der Symbole innerhalb der meisten Reiki-Richtungen nach wie vor als etwas gesehen werden, was den Praktizierenden ab dem 2. Grad vorbehalten sein sollte. Deshalb werden diese Bezeichnungen gegenüber allen Nicht-2. Grad-Praktizierenden meist nicht offen kommuniziert. Die ursprünglichen Namen der Symbole werden also nicht genannt, sondern es werden Umschreibungen dafür gefunden.
Als solche Umschreibungen weit verbreitet sind außerdem Abkürzungen, die auf die Anfangsbuchstaben der Namensbestandteile der drei Symbole zurückgehen. So werden die Symbole auch häufig als CKR-Symbol, SHK-Symbol und HZS-Symbol bezeichnet – wobei 2. Grad-Praktizierende meist sofort wissen, was gemeint ist, da sie die ursprünglichen Namen der Symbole kennen.

Energetischer Raum

An dieser Praxis der Umschreibungen zur Benennung der drei 2. Grad-Symbole in der öffentlichen Kommunikation ist aus meiner Sicht nichts auszusetzen. Es macht Sinn, die ursprünglichen Namen dieser Symbole lediglich in Zusammenhängen zu verwenden, wo Praktizierende ab dem 2. Grad unter sich sind bzw. in den entsprechenden Kursunterlagen. Auf diese Weise wird für die Namen dieser (im Zusammenhang mit der entsprechenden Einweihung) mächtigen Symbole ein eigener energetischer Raum bewahrt, der sie vom Profanen, Gewöhnlichen abgrenzt und ihre spirituelle Kraft und Wirkungsweise erhält und fördert.

Schade ist es allerdings, wenn durch solche Umschreibungen die Wirkungsweise und das Anwendungsspektrum der Symbole rein vordergründig auf etwas sehr Konkretes reduziert wird. So kann es etwa passieren, dass, wenn man beispielsweise vom „Fernheilungssymbol“ spricht, man vielleicht annimmt, dass dieses Symbol ausschließlich die Überwindung von Grenzen des Raumes bei der Reiki-Gabe ermöglicht. Wobei eventuell vergessen wird, dass auch die Grenzen der Zeit ­bezüglich der Reiki-Gabe damit überwunden werden können.

Schwingungserhöhung

Ebenso kann es passieren, dass, wenn man vom „Mentalheilungssymbol“ spricht, leicht vergessen wird, dass dieses Symbol nicht ausschließlich im Zusammenhang mit Affirmationen Verwendung finden muss, sondern eben auch ohne diese angewendet werden kann. Dabei wird dann eine ganz spezifische „Reiki-Schwingung“ gewissermaßen pur übertragen, die sich vom „Erste-Grad-Reiki“ meiner Erfahrung nach ziemlich unterscheidet. (In welchem Zusammenhang das zugrunde liegende Symbol manchmal auch als „Schutzsymbol“ bezeichnet wird, darüber vermag ich nur zu mutmaßen, da mir weiterführende Erläuterungen hierzu nicht bekannt sind. Aber sicherlich ist es so, dass die besondere energetische Schwingung dieses Symbols auch einen gewissen Schutz beinhaltet, ganz einfach durch die Schwingungserhöhung, die mit dessen Anwendung einher geht.1 )

Außerdem mag durch die Bezeichnung des ersten 2. Grad-­Symbols als „Kraftsymbol“ dessen Bedeutung für die Fokussierung der Reiki-Energie womöglich unter den Tisch fallen – sowie dessen Verwendung im Zusammenhang mit den beiden anderen Symbolen, wobei dessen Charakter als Aktivierer zutage tritt.

Umschreibungen sinnvoll

Aus den genannten Überlegungen heraus spreche ich mich deshalb dafür aus, die Umschreibungen der Symbole generell lieber mit den bekannten Abkürzungen vorzunehmen – also: CKR, SHK und HZS (oder: HSZSN) –, und Begriffe wie „Fernheilungssymbol“, „Mentalsymbol“ oder „Kraftsymbol“ lieber zu vermeiden. Dies, weil Letztere sowohl die tiefer liegenden Bedeutungen und Wirkungen dieser Symbole als auch deren Anwendungskreis stark reduzieren und – bei unachtsamem Gebrauch der Begriffe – der spirituellen Entwicklung gar im Wege stehen können.

Grenzenlosigkeit

Die selben Überlegungen gelten im Übrigen aus meiner Sicht auch für das „Meister-Symbol“. Hier wäre es, aus denselben Gründen wie für die Symbole des 2. Grades, sicher von Vorteil, vielmehr beispielsweise vom DKM-Symbol zu sprechen. So kann eine gewisse Offenheit und – im positiven Sinne – Grenzenlosigkeit für die Anwendung sowohl der Symbole des 2. Grades als auch der Kanji-Folge auf der Meister-Ebene bewahrt werden.

Eine solche innere Haltung der Offenheit betrachte ich als sehr wesentlich für eine spirituelle Entwicklung, die dauerhaft in der Lage ist, neue Impulse und Wahrnehmungen zu integrieren.

Meister-Ebene

Im Reiki-Stil Usui Shiki Ryoho, wo ich meine Reiki-Ausbildung erhielt, gehört dazu übrigens auch, nicht vom „Meister-Grad“ zu sprechen, sondern vielmehr von der Meister-Ebene. Dies, weil das Wort „Grad“ der besonderen Freiheit und Unermesslichkeit dessen, was man hier erhält, letztlich nicht gerecht werden kann.

Dazu gehört dann im übrigen auch, im Usui Shiki Ryoho, nicht zwischen Meister und Lehrer zu unterscheiden, da ein Meister hier immer zugleich auch Lehrer ist. Denn das eine wird vom anderen hier ganz bewusst nicht unterschieden, weil, wie man vielleicht sagen kann, der Zugang zu diesen sehr hohen, lichtvollen Ebenen so unmittelbar und untrennbar mit dem Dienst an Anderen verknüpft ist.

Innere Freiheit

Es gibt eine besondere Art von innerer Freiheit – im Spirituellen wie im Weltlichen –, die entstehen kann, wenn man bei der Vermittlung von Techniken und dazugehörigen Zusammenhängen lediglich grundlegende Inhalte und Dinge vermittelt; und dabei anfangs nicht zu spezifisch wird. So kann der Schüler im Laufe seiner Entwicklung diese grundlegenden Inhalte für sich nutzen, in der Weise wie sie sich ihm offenbaren.

Zu solch‘ grundlegenden Inhalten gehört für mich bei der Vermittlung von Reiki-Symbolen und dazugehörigen Techniken und Anwendungsfeldern: 1. die Gestalt des Symbols, 2. dessen ursprünglicher Name, 3. dessen Übersetzung/en ins Deutsche und 4. tiefer liegende Bedeutungen sowie die grundsätzliche/n Technik/en und deren Anwendungskreis/e, die auf das Symbol bezogen sind.

Von da aus kann der Schüler dann selbst weitergehen – und bei Bedarf weitere Erläuterungen vom Meister einholen (weshalb eine Erreichbarkeit des Meisters opti­malerweise auch Jahre nach der Ausbildung noch gewährleistet sein sollte, oder ggf. die Ernennung einer zuständigen Person und Mitteilung dieser Person gegenüber dem Schülerkreis).

Spiritueller Weg

So kann ein individueller, spiritueller Weg gegangen werden, fernab vom simplen Wiederholen genau festgelegter Techniken oder Abläufen zu ganz bestimmten, fest definierten Zwecken. Dazu gehört für mich auch, keine Einweihung in die Symbole zu geben, so als wären sie eigene Wesenheiten oder als würde man dabei von deren Energieraum in Besitz genommen werden – sondern vielmehr die Einweihung zum Gebrauch der Symbole zu geben.

So gesehen macht auch die Anmerkung des Reiki-Meis­ters Hiroshi Doi Sinn, der in einem seiner Bücher feststellt, dass man die Symbole letztlich wie Stützräder an einem Fahrrad sehen kann.

Und, das Folgende füge ich hinzu: Sofern man das, was man tut, wenn man ein Symbol anwendet, in vollem Umfang und in voller Bedeutung erkannt hat, mag es sein – dies jedoch in der Regel erst nach Jahrzehnten der Anwendung –, dass man die Symbole nicht mehr bei jeder einzelnen Anwendung im Detail so handhaben muss, wie man es ursprünglich gelernt hat. (Wobei es zu diesem Punkt noch sehr viel mehr zu sagen gibt, was aber aus meiner Sicht in Reiki-Gruppen geschehen kann, wo sich Praktizierende ab dem 2. Grad persönlich zusammenfinden und sich untereinander austauschen, und nicht in einem Artikel wie diesem.) 

„Es hängt alles am Menschen ...“

Die folgende Einsicht stammt aus einem Artikel aus der Zeitschrift Tattva Viveka und erscheint mir wesentlich für eine ungehinderte spirituelle Entwicklung, die letztlich vor allem auch der Entwicklung der eigenen Seele dienen und insofern letztlich ohne eine „Abhängigkeit“ von Techniken und Symbolen auskommen sollte:

„Ein wirklicher Therapeut weiß, dass es nicht (nur) ,seine‘ Techniken oder Suggestionen sind, die sich heilsam auf das Gegenüber auswirken, sondern dass er selbst seine Methode, also sein ,Werkzeug‘ sein muss – was wiederum so etwas wie Hingabe oder Demut erfordert. Daher ist beim erfolgreich wirkenden Heiler nicht vordergründig entscheidend was er macht oder sagt, sondern wer er selbst im tiefsten Inneren geworden ist.“2

Verkörperung

So gesehen ist die Verkörperung des Erlernten und, später als Meister, dessen, was man lehrt, ein sehr wesentlicher Punkt. Der große Psychiater Carl Gustav Jung (1875-1961) schrieb einmal zu diesem Thema: „In Wirklichkeit hängt in diesen Dingen alles am Menschen und wenig oder nichts an der Methode.“3

Wie „funktioniert“ es?

Letztlich ist doch die Frage – bzw. sind die Fragen, um nur einige wesentliche zu nennen –, zumindest wenn wir die Anwendung der Reiki-Methode auch als spirituellen Erkenntnisweg sehen, auf dem wir vorankommen wollen (und Reiki nicht ausschließlich als ein „großes Füllhorn“ mit schnell zum Ergebnis führenden Techniken sehen):

  • Wie kann es eigentlich sein, dass, wenn ich mir oder einem anderen Lebewesen, einer Pflanze oder einem Gegenstand die Hände auflege, dann universelle Lebensenergie übertragen wird?
  • Was geschieht eigentlich während einer Mentalbehandlung?
  • Was tue ich da wohl, wenn ich eine „Fernbehandlung“ durchführe?
  • Was ergibt sich aus der Tatsache, dass das alles tatsächlich „funktioniert“ ... ?  

 

Anmerkungen:

1 Der Begriff „Schwingungserhöhung“ ist hier nicht physikalisch, sondern im heilenergetischen Zusammenhang gemeint.

2 Quelle: Tattva Viveka 65, S. 48, aus dem Artikel „Psychologie – Emotionaler therapeutischer Missbrauch“.

3 S.o.

 

 

 

 

 

 

 

Oliver Klatt ist seit dem Jahr 2000 Reiki-Meister/-Lehrer, ausgebildet im Usui Shiki Ryoho, Herausgeber des Reiki Magazins und Buchautor.
Info: www.einfach-nur-reiki.de

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