Wenn weißes Licht zur Farbe wird

Ein eigenwilliges Blau und eine großflächige Aquarelltechnik bestimmen die Werke des Künstlers Mirko P. Slongo. Das „cosmic blue“ ist sein Blick in den Weltraum, in dem gegensätzliche Urkräfte spielen und die Geschicke der Erde lenken. Mirko P. Slongo betrachtet die geistigen und körperlichen Dinge und versucht mit seiner Kunst, die Zusammenhänge zu erklären. Wie ihm Reiki dabei hilft, erzählt er in diesem Artikel.


Ich kann jetzt auf zwei Jahre zurückblicken, seitdem Reiki Teil meines Lebens und auch Teil meiner Kunst wurde. Eigentlich kann ich mich nicht mehr genau erinnern, wie das Gefühl war, ohne Reiki zu leben. Heute scheint es mir, als hätte ich immer schon mit Reiki gelebt, nur meine Bilder erzählen mir die Geschichten dieser für mich und meine Lebenspartnerin Biggi Bruhin wichtigen und freudevollen Entwicklung.

Alles begann, als Ti und Hans Peter Weiersmüller uns in Glarus zu einem ihrer Reiki-Treffen einluden. Beide hatten damals den zweiten Grad, und wir gingen an diesem Abend eher skeptisch und mit gemischten Gefühlen zu dem Treffen.

Obwohl ich noch nicht eingeweiht war, spürte ich die sanfte Reiki-Energie bereits an diesem Abend, ich konnte jedoch noch nicht feststellen, ob es sich nun um etwas für mich Neues handelte, oder ob es das liebevolle Umfeld der Schwingungen des Raumes und der Leute war, die ein Gefühl von Geborgenheit und tiefer Liebe zu allem Lebenden hervorriefen. Biggi ging es ähnlich wie mir, obwohl ich sie nicht gleich überzeugen konnte, einen Reiki-Kurs zu besuchen.

Zu dieser Zeit hatte ich bereits über mehrere Jahre Erfahrung mit der Zen-Meditation gesammelt. Es war mir leicht, keine bestimmte Farbe oder Bild zu visualisieren, und ich hatte auch Erfahrung, meine Gedanken wie Wolken ziehen zu lassen. Nur eine Wolke ließ ich nicht ziehen. Eines konnte ich nicht: „Loslassen!“ Mir war zu dieser Zeit nicht bewusst, wie ich mich an eine Vision klammerte, ja mich sogar versklavte.

Ich malte damals schon drei Jahre ausschließlich mit blauer Farbe. Akzente setzte ich nur mit Weiß, das auf dem blauen Untergrund hellblau wurde. Ich steigerte mich so sehr in diese Vision, dass ich 1993 mein Zimmer blau strich und 1995 fast schon krankhaft in völlig blauen Räumen lebte. Heute weiss ich, dass Biggi damals eine Riesengeduld aufbrachte und mit unsterblicher Begeisterung als meine Managerin weitermachte.

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Heute haben wir beide den II. Grad, und meine Bilder?

Ich verließ den dunklen blauen Kosmos nicht. Ich ließ jetzt aber Farben zu. Es schien mir, als ob ich ein Prisma sei, das das weiße Licht in sämtliche Spektralfarben bricht. Aufgefallen ist mir das an einem bestimmten Bild, auf dem ich einen krähenden Hahn auf einem Regenbogen malte. Ich nannte es: „Wach auf!“

Reiki ermöglichte mir also, aus dem dunklen Raum zu treten oder dem Licht zu mir selbst die Fensterläden zu öffnen. Es war wie einkehren in etwas, was ich immer schon kannte, aber nicht zuließ. Das erste Bild nach meiner Einweihung zum II. Grad nannte ich aus diesem Grund auch: „Ich habe keine Angst vor der Liebe!“

Mir wurde auch bewusst, wie wichtig mir Zärtlichkeit und Geborgenheit sind. Das Licht, das Reiki brachte, ermöglichte mir, tiefer mit meinem inneren Feuer zu kommunizieren. Durch die tägliche Harmonisierung der Chakren entwickelte ich auch eine bessere Beziehung zu Bedürfnissen, die ich zuvor verdrängte oder, besser, bewusst ignorierte. Natürlich zeigt sich das auch in meinen Bildern wieder, und ich bin endlich fähig zuzulassen und habe den Mut, die Visionen, die in mir aufsteigen, auch zu malen und auszustellen.

Ausstellen ist mir daher sehr wichtig, da mir bewusst wurde, dass ich wie bei Reiki als Maler ein Kanal bin. Die Bilder, die ich male, sind nicht ausschließlich meine Visionen, sondern es sind auch Schwingungen anderer Menschen, die ich als Medium wahrnehme und darstelle. Darum können mir meine Bilder zum Teil auch sehr fremd erscheinen. Es kann vorkommen, dass ich erst nach mehreren Ausstellungen ein Bild durch einen Kommentar einer anderen Person, durch ein Gespräch oder auch während einer Meditation völlig verstehe und akzeptiere. Ich muss gestehen, für mich ist jedes Bild wie eine Reise in eine neue, unbekannte Welt.

Ich lerne jedesmal auf diesen Reisen Neues über Mirko, Neues über die Welt. Und doch ist es mir dann, als ob diese Information, diese Erfahrung auf mich gewartet hätte. Wer C. G. Jungs These über die Akausalität oder Synchronizität, wie er selbst sie nannte, kennt, der weiß auch, dass jede Erfahrung dann auf einen zukommt, wenn die Zeit reif dazu ist, damit sie auch verstanden wird.

Aus den buddhistischen Lehren wissen wir: „Wenn der Schüler reif ist, findet er den Meister!“ Der Meister wird zu ihm kommen, ihn zu suchen hätte keinen Sinn.

Auf diese Weise habe ich zu Reiki gefunden, oder Reiki zu mir. Auf diese Weise habe ich als Kind zur Kunst gefunden oder die Kunst zu mir? Alles Leben ist Lernen, alles Lernen ist Leben.