Es gibt so viele wundervolle Dinge

Ein Interview mit Wanja Twan - Teil 1

Wanja Twan ist eine der wenigen noch lebenden Reiki-Meisterinnen, die von Hawayo Takata eingeweiht wurden. Dagmar Schneider-Damm hatte das Glück, Wanja in Portland bei einer Konferenz zu treffen und sich mit ihr zu unterhalten. Im ersten Teil dieses Interviews erzählt Wanja von ihrer Begegnung mit Frau Takata und von ihrem eigenen Weg zur Reiki-Meisterin.


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Reiki Magazin: Willkommen zum Interview mit dem deutschen Reiki Magazin. Würdest Du so freundlich sein, Dich vorzustellen und zu erzählen, warum Du zur internationalen Reiki-Meister-Konferenz der Reiki Alliance gekommen bist?

Wanja Twan: Nun, ich wurde von der Reiki Alliance eingeladen, als eine der Meisterinnen und Meister, die von Frau Takata eingeweiht wurden. Ich bekam meine Meister-Einweihung in Kanada, als sie im Oktober 1979 dorthin kam. Es gab damals nur fünf Meister in Kanada, und wir lebten alle in British Columbia. Die anderen waren Barbara Brown, Bethal Phaigh, Ursula Baylow und Rick Bockner. Rick war der letzte Meister, der von Frau Takata eingeweiht wurde. Das war im Oktober 1980.

Irgendwann kam mir die Idee, dass es schön wäre, die Erinnerungen an Frau Takata zusammenzutragen. Ich habe dann Videos mit Leuten gemacht, die ihre Kurse in British Columbia besucht hatten, um zu erfahren, was sie nach so vielen Jahren über Frau Takata dachten und wie Reiki in ihrem Leben gewirkt hat.

Freunde haben mir geholfen herumzureisen. Ich habe diese Videos mitgebracht, um sie mit den Mitgliedern der Reiki Alliance zu teilen. Das ist der einzige Weg, über die damalige Zeit Feedback zu bekommen, denn es ist immerhin 20 Jahre her. Ich denke, Geschichte ist sehr interessant und unbedingt wert, bewahrt zu werden.



Wir fühlten damals, daß das Lehren in Kanada ein wenig anders sein würde als in den USA. Ich habe immer wieder festgestellt, daß die Bedürfnisse von Land zu Land unterschiedlich sind. Und es gibt auch leichte Unterschiede in der Bedeutung von Reiki. Für uns in Kanada war es vor allem praktisch. Die Leute, die Frau Takatas Kurse dort besuchten, lebten oft sehr isoliert in kleinen Ortschaften in der Wildnis. Reiki war sehr nützlich in unserem täglichen Leben – es war wie ein Kurs in Erster Hilfe. So haben wir es in erster Linie gesehen, und so hat es auch funktioniert. Frau Takata schien recht erfreut zu sein über die Art, wie Reiki aufgenommen wurde, und die Menschen, die sie traf, beeindruckten sie sehr. Sie nahmen Reiki sehr schnell als eine neue Tonart in ihren Alltag auf.

Frau Takata hat es uns auch so beigebracht – ihre Anweisungen waren sehr praktisch. Sie sagte immer wieder: “Schaut auf meine Hände!“ Wir durften nichts mitschreiben, denn es war ihr wichtig, daß wir nicht ständig zwischen Intuition und Verstand hin und her pendelten. Es kam darauf an, einfach nur zu spüren, was in unseren Händen vor sich ging, und das war alles. Und so haben wir es auch gemacht. Sie war in dieser Beziehung wie ein Feldwebel.

Frau Takata erzählte uns wundervolle Geschichten, und wir konnten sie mit unserem eigenen Leben vergleichen. Mit den Jahren hatten wir dann unsere eigenen Geschichten, und wir fanden sie genauso wundervoll wie jene, die Frau Takata uns erzählt hatte. Das ist beeindruckend, und es geht immer weiter. Wir haben die Art zu lehren von Frau Takata übernommen, denn sie paßt zu unserem Leben. Wir sahen keine Notwendigkeit, etwas zu verändern. Um uns herum veränderten sich viele Dinge ständig. Die Leute glauben, daß die Dinge dadurch besser werden. Aber die Ergebnisse, die Frau Takata erzielte und die auch wir erzielten, zeigten uns: Diese Sache funktioniert! Warum sollten wir etwas verändern? Wir beließen es in seiner schlichten Form.  

Reiki Magazin: Hat Reiki Dein Leben verändert?

Wanja Twan: Ja, ich glaube, das hat es. Als ich den Kurs machte, war ich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich schon tausend Sachen machte. Aber dann passierten ein paar persönliche Dinge, unter anderem verließ mich mein Mann. Ich war ziemlich fertig und dachte: “Nun gut, was machst Du jetzt aus Deinem Leben?“

Ein halbes Jahr später kam dieses Heilungsseminar, und ich dachte: “Ich bin nicht krank, ich bin einfach nur sehr müde.“ Ich hatte eine große Familie zu versorgen, Tiere und eine Farm, und ich tat auch viel für die Gemeinde. Da hat man eine gewisse Verantwortung. Aber gleichzeitig dachte ich: “Vielleicht sollte ich etwas ganz Neues beginnen.“

Also habe ich den Reiki-Kurs gemacht. Es war etwas vollkommen Neues und etwas, das ich unter normalen Umständen nicht gemacht hätte, da ich normalerweise erstmal die Aufgaben hundertprozentig zu erledigen versuche, die ich schon habe, bevor ich etwas Neues hinzufüge. Aber genau das tat ich nun.

Ich machte den Kurs im Jahre 1978, ich glaube es war im August. Es war der Erste-Grad-Kurs. Als ich die Tür öffnete, kam Frau Takata die Treppe hinunter, sah mich an und sagte: “Oh, ich wußte, daß Du kommen würdest!“ Das fand ich dann doch irgendwie unheimlich. Und ich dachte: ‚Vielleicht sollte ich diesen Kurs lieber nicht machen. Das ist zu spleening für mich.’ Aber ich habe den Kurs gemacht. Und dann sagte sie mir auch noch, daß ich Reiki-Lehrerin werden würde, und ich entgegnete: “ Ich glaube nicht, daß ich dafür Zeit habe. Ich habe viel zu tun!“ Aber sie sagte: “Nein, nein, Du wirst Reiki-Lehrerin.“ Und ich dachte: “Egal, das ist wohl so eine Laune von ihr.“ Ich hatte keine Lust, darüber zu diskutieren, denn wenn ich einen Kursus belege und es mir wirklich gefällt und es funktioniert, dann ist es meine Art, auch den nächsten Kurs zu besuchen und solange weiterzumachen, bis ich alles darüber weiß.



Und nachdem ich den ersten Grad gemacht hatte, stellte ich fest, daß diese Sache funktionierte. Ich hatte mir noch gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Doch als ich meine erste Behandlung gab, dachte ich: ‚An dieser Sache ist wirklich etwas dran!’ Ich hatte nicht einmal Gelegenheit, innezuhalten und zu überlegen, was das eigentlich für ein Kurs war, den ich gemacht hatte. Ich fand das in Ordnung, denn es funktionierte. Es war erstaunlich. Ich beschloss, den nächsten Kurs zu machen, wenn Frau Takata wiederkäme. Ich nahm dann auch meine Kinder mit, drei von Ihnen jedenfalls. Sie wurden von Frau Takata eingeweiht, als sie das nächste Mal kam, und ich bekam den zweiten Grad. Und dann sagte Frau Takata wieder: “Du wirst einmal Reiki-Lehrerin!“ Und ich antwortete: “Frau Takata, ich habe nicht viel Zeit für solche Sachen. Ich muß meine Kinder großziehen und habe auch noch ein paar andere Verpflichtungen. Im Prinzip hätte ich allerdings nichts dagegen, denn ich sehe, es wirkt.“

Sie wollte gar nicht weiter darüber reden, denn für sie war klar, daß ich Reiki-Lehrerin werden würde. Aber ich dachte immer noch: “Ach, das ist nur so eine Laune von ihr “, und sagte: “Ja, sicher, in Ordnung, irgendwann in der Zukunft.“

Ich hatte Gelegenheit, den zweiten Grad auszuprobieren, denn ich gab auch Unterricht im Weben, und es kamen Leute aus allen Teilen des Kontinents zu meinen Kursen. Einmal stand eine Frau plötzlich auf, und ich dachte, es sei ein Faden gerissen oder etwas in der Art. Ich ging zu ihr hinüber, um zu sehen, was los war. Sie hatte fürchterliche Bauchschmerzen! Ich sagte: “Ich wette, dagegen kann ich etwas tun!“ Ich lud sie ein, zu mir ins Haus zu kommen, gab ihr einige Behandlungen – ich glaube, es waren drei, denn es waren nur noch wenig Tage bis zum Ende des Kurses –, und sie sagte, sie hätte zum ersten Mal seit Jahren wieder ohne Tabletten gut geschlafen. Ich antwortete: “Ich kann Dir noch mehr Heilenergie schicken, denn ich habe gerade einen Kurs in Fernheilung gemacht. Ich schicke Dir noch weitere Behandlungen.“

Das tat ich dann auch. Ein paar Wochen später bekam ich einen Brief von ihr. Sie schrieb, es sei ein wunderschönes Gefühl, wenn sie in ihrem Bett liege – was eine Tagesreise von unserem Wohnort entfernt war – und spüre, wie die Wärme sich in ihrem Körper ausbreite. Sie fühle sich heiter und stark. Und ich dachte: “Okay, das hat also funktioniert.“

Irgendwann im September erhielt ich einen Anruf von Barbara Brown, die mir sagte, daß Frau Takata kommen werde, um mich zur Reiki-Meisterin einzuweihen. Ich sagte: “Was wollen wir tun? Das Beste wäre, schon vorher ein paar Leute für einen Kurs zusammenzutrommeln.“ Barbara hoffte, die Chance zu haben, Reiki-Meisterin zu werden. Sie wollte mit Frau Takata darüber sprechen. Ich verschickte ca. 60 Briefe an Leute im ganzen Land, die ich aus Webekursen kannte. Da keine Zeit mehr für Antwortschreiben blieb, hatte ich keine Ahnung, wer alles kommen würde.

Zu den damaligen Zeit waren zwei Tagesreisen mit dem Auto durchaus gang und gäbe für Leute, die z. B. von den Vancouver vorgelagerten Inseln oder von der anderen Seite der Rocky Mountains kamen. Sie kamen jedenfalls von weit her. Es kamen schließlich ungefähr 35 Leute, und viele von Ihnen brachten ihre Kinder mit. Einige hatten auch ihren Hund dabei, jemand brachte eine Ziege mit, denn sie konnten sie nicht allein zu Hause lassen. Frau Takata wohnte bei Barbara Brown, denn dort war es ruhig, und all die Leute zelteten bei mir auf der Farm, obwohl es schon ziemlich kalt war, denn es war Mitte Oktober.

Um zwölf Uhr begann der Kurs. Frau Takata sah sich um und sagte: “Oh, es ist wunderbar, daß all diese Menschen gekommen sind!“, und sie fuhr fort: “Es sind so viele Kinder dabei. Wir sollten einen Kurs für Kinder machen.“ Die Eltern waren einverstanden. Also wurde neben dem 1. Grad ein Kurs für zehn kleine Kinder eingerichtet.

Als einer der Männer fragt, ob es eigentlich noch mehr gebe als den 1. Grad, antwortete Frau Takata: “Ja, es gibt noch mehr. Es gibt den zweiten Grad, der mit Fernheilung zu tun hat.“

Frau Takata hatte mir gesagt, die Reiki-Meister-Gebühr betrage US$ 10.000,-. Dann sagte sie den Kursteilnehmern, wieviel es kostete. Es musste alles in amerikanischen Dollars sein. Nun versuchten alle, amerikanisches Geld aufzutreiben. Sie fuhren zu Tankstellen, Restaurants und Banken. Es war lustig, wir hatten alle viel Spaß dabei.

Ich bekam von den Leuten Geld für die Verpflegung, und so hatte ich schon die ganze Meister-Gebühr zusammen. Frau Takata sagte, so etwas hätte sie nie zuvor und auch später nie wieder erlebt. Das war also schon erledigt. Geld ist für mich kein Thema. Es hat mit Energie zu tun – reiner Energie.

Wenn jemand einen Reiki Kurs besuchen will, ist da zunächst der Wunsch, Reiki zu lernen. Menschen kommen in die Kurse, weil sie sich zu der Energie hingezogen fühlen, vielleicht selbst schon eine Behandlung bekommen haben. Frau Takata hat immer betont, wie wichtig es sei, keine Werbung zu machen. Wenn Menschen die Energie in Deinen Händen spüren, werden sie von ihr angezogen und wollen selbst lernen. Man sollte darauf vertrauen, daß die Energie die Menschen ermutigt.

Unter den Leuten, die beschlossen hatten, den ersten und zweiten Grad bei mir auf der Farm zu machen, war eine Frau, die, als sie wieder nach Haus kam, das ganze Geld für die Gebühr innerhalb von wenigen Tagen zurückbekam. Jemand kam vorbei und wollte das Auto kaufen, welches auf ihrem Hof stand. Sie wußte überhaupt nicht, wovon er sprach und sagte: “Da ist kein Auto auf meinem Hof.“ Aber der Mann zeigte ins Gebüsch. Da war dieses T-Modell, das sie schon lange dort hatte herausholen wollen. Er gab ihr US$ 500,- dafür.




Diese Art von Geschichten waren es, die Frau Takata meinte. Man öffnet sich für verschiedenste Möglichkeiten – und dann geschehen augenblicklich Wunder. Wenn du allerdings sagst: “Oh, du Armer, nun gut, wenn du dir den Kurs nicht leisten kannst, dann bekommst du eine Ermäßigung“, dann werden die Leute keine Wunder erleben. Es ist besser zu sagen: “Wenn du Reiki hast, wirst du erfolgreich sein, und ich bin sicher, daß du mir das Geld in drei Monaten geben kannst.“ Du setzt einen Termin fest und vertraust den Leuten. Frau Takata sagte immer: „Mit Reiki kommen Erfolg, Gesundheit, Glück und Wohlstand.“

Und ich habe das bei Menschen erlebt. Wenn Du das tut, was Du wirklich tun willst, wird sich der Erfolg einstellen. Dann wirst Du Dich auch gesundheitlich gut fühlen, weil Dein Leben Dir Spaß macht, und schließlich folgt auch der Wohlstand, weil der Energieaustausch da ist. Wenn Du Deine Energie hinein gibst, wirst Du Energie zurückbekommen, in welcher Form Du sie auch immer benötigst. Ich habe mein ganzes Leben darauf vertraut, und als ich merkte, dass Frau Takata die gleiche Philosophie hatte, fühlte ich, daß dieser Weg für mich richtig war, dass es “passte“.

Reiki Magazin: Du hast gerade über Vertrauen und Wunder gesprochen. Ich habe Dein Buch gelesen und darin gibt es auch so eine schöne und interessante Geschichte über Vertrauen und Zuversicht. Ich meine die Geschichte von Waldo, dem Hund. Möchtest Du diese Geschichte teilen?

Wanja Twan: Eines Tages rief mich eine Frau an und sagte: “Ich habe gehört, Sie können heilen.“ Ich sagte: “Ja.“ Daraufhin fragte sie: “Gilt das nur für Menschen?“ Ich sagte: “Nein, was haben sie denn?“ Sie antwortete: “Ich habe einen Britischen Schäferhund. Ich war mit ihm beim Tierarzt, denn es musste eine kleine Operation in seinem Maul durchgeführt werden. Aber nun ist es wieder da, das Geschwür.“ Ich sagte: “Okay, bringen sie ihn her. Ich gebe ihm eine Reiki-Behandlung.“

Sie kam mit Waldo. Ich behandelte ihn, und er saß ganz ruhig da. Nach einigen Minuten bekam er Durst, lief in die Küche, trank Wasser, kam zurück, setzte sich fast auf mich drauf und blieb für eine Weile so sitzen. Dann rannte er wieder in die Küche. Wahrscheinlich machte ihn die Energie so durstig. Aber er kam immer zurück. Schließlich gingen sie, und nach einer Woche rief die Frau mich an und sagte, wie glücklich sie war: Waldo war wirklich guter Dinge, er aß und benahm sich wie ein Welpe. Dabei war er schon ein älterer Hund.

Einige Monate vergingen, und dann rief sie eines Tages wieder an. Sie hatten zwei große Hunde. Als sie ihren Kühlschrank auftauten, fanden sie noch ein paar Würstchen. Sie gaben jedem Hund eine. Irgendetwas war mit der Wurst, die Waldo bekommen hatte. Er wurde krank und starb. Sie war sehr traurig und wollte es mir nur erzählen. „Ich werde ihm ein wenig Heilenergie schicken“, sagte ich zum Trost, und auch ich war wirklich traurig.

Dann zogen wir um, und nach vielen Verwicklungen kamen wir in ein neues Haus, an dem noch viel Arbeit nötig war. Ich gab mein letztes Geld dafür aus. In dieser neuen Gegend kannte ich niemanden. Ich war ziemlich in der Klemme. Ich weiß nicht, wie lange ich damals schon in Kanada lebte, vielleicht 25 oder 26 Jahre. Ich hatte zwar oft schwierige Zeiten erlebt, wie alle in jenen Tagen, aber ich hatte noch nie in Schweden anrufen müssen, um meine Eltern um Geld für Lebensmittel zu bitten. Nun beschloss ich, anzurufen. Ich erzählte es meiner Mutter, und sie sagte: “Ja, ich werde telegraphieren. Morgen hast Du das Geld, in Ordnung?“

Ein paar Tage später beschloss ich, zum Postamt zu gehen. Ich rief das zuständige Amt und ein paar andere Stellen an, aber nirgendwo war Geld für mich angekommen. Es vergingen wieder ein paar Tage. Irgendetwas musste ich tun. Eines Tages hatte ich eine Verabredung in der Stadt, um einer Frau Reiki zu geben. Ich ging also in die Stadt – es waren 20 Minuten Fußweg bergab –, dann stand ich dort, und plötzlich sagte etwas in mir:
“Geh nach Hause, geh nach Hause!“ Ich ging also heim, setzte mich in die Küche und fragte mich, was das alles zu bedeuten habe. Dann klingelte das Telephon, und eine Frauenstimme, an die ich mich vage erinnerte, fragte, ob sie mit Wanja Twan spreche. Und ich sagte: “Ja.“

Dann sagte sie: “Es ist mir sehr peinlich. Ich weiß gar nicht, wie ich es Ihnen sagen soll.“ Ich sagte: “Nein, das ist in Ordnung, wir haben eine eigene Leitung.“ (Damals teilten sich manchmal mehrere Leute eine Leitung, und sie konnten deine Gespräche mithören.) Worauf sie entgegnete: “ Oh, das ist es nicht, es ist persönlich.“

Und ich sagte: “Das ist auch in Ordnung.“ Dann meinte sie: “Nein, es geht um Sie.“ “Gut, okay.“ Und dann fragte sie:“ Brauchen Sie Geld?“ Ich sagte: “Na ja ... ja!“ Sie:“ Also Sie brauchen wirklich ganz dringend Geld?“ Ich antwortete:“ Ja genau so ist es.“ “So dringend, daß Sie bald nichts mehr zu essen haben werden?“ “Ja,das stimmt.“ Und dann sagte sie: “Okay.“

Ich hörte nur einen tiefen Seufzer der Erleichterung, und dann fuhr sie fort: “Nun ja, hier passieren merkwürdige Dige. Wissen Sie, es begann vor ungefähr einer Woche ...“ Sie war gerade beim Abwaschen und ihr Hund – zu dem Zeitpunkt war mir klar, wer es war – Waldo erschien hinter ihr in der Küche und sagte: “Die Dame braucht Geld“. Sie sah den Hund, dachte – sie war gar nicht mal erschrocken, daß der Hund dort stand – aber sie dachte: “Nein,nein, wie kann er das wissen?“ Doch dann sagte er es wieder und wieder, und er kam mehrmals zurück, an verschiedenen Tagen. Jedes Mal sagte er: “Die Dame braucht Geld, die Dame braucht Geld.“

Als ihr Mann nach Hause kam, sagte sie zu ihm: “Es geschehen seltsame Dinge hier. Waldo ist gekommen und hat mir gesagt, daß die Dame Geld braucht.“ Und ihr Mann hat interessanterweise keinen Moment gezögert.

Er sagt zu ihr: “Erinnerst Du Dich nicht an das Schweinchen? Waldo hat doch ein Sparschwein. Das könnten wir leeren. Wir zählen das Geld, und wenn es das ist, was Waldo will, geben wir der Dame sein Sparschwein.“

Es waren ungefähr 50 Dollar. Damals konnte man davon länger als eine Woche leben. Danach rief sie mich an und sagte:“ Mein Mann ist einverstanden. Er hat gesagt: ‚Was immer Waldo will, gib der Dame das Geld, das ist in Ordnung.’ “ Und so bekam ich es. Sie lebten in der Stadt, in der ich sowieso zu tun hatte. So konnte ich das Geld am nächsten Tag abholen und legte es auf den Tisch. Es war alles Silbergeld, ein großer Silberhaufen in der Mitte eines runden Tisches. Meine Töchter kamen aus der Schule und wunderten sich: “Oh, woher hast Du all das Geld?“ Ich antwortete:“ Oh, das hat uns ein Hund im Himmel geschickt.“

Wir glauben, daß Wunder geschehen, weil jemand vergessen hat, daß er dir Geld schuldet oder etwas in der Art. Es aber von einem Hund im Himmel zu bekommen, das hat mir vollkommenes Vertrauen gegeben. Es ist einerseits völlig abwegig und doch so real, daß Du Dir, nachdem Du einmal so eine Erfahrung gemacht hast, keine allzu großen Sorgen mehr machst. Du findest es einfach nur aufregend!

Manchmal, wenn Du in Schwierigkeiten steckst, denkst du vielleicht: “Das ist eine Nummer zu groß für mich! Ich weiß nicht, wie ich da wieder herauskommen soll!“ Nach meiner Erfahrung gibt es aber immer Lösungen, und deshalb finde ich solche Situationen richtig  spannend: “Das wird aufregend, denn ich weiß noch keine Lösung!“, sage ich mir dann. Und warte ganz gespannt und interessiert auf die Lösung des Problems. Da passieren meistens ganz erstaunliche Dinge.

Gegenwärtig machen sich viele Menschen auf der Welt Sorgen um ihren Arbeitsplatz und um ihren Lebensraum. Es geschehen so viele große Veränderungen, daß ich denke, diese Menschen sollten ein bisschen mehr über Wunder erfahren. Darüber, daß es Dinge gibt, die man nicht sehen kann. Selbst in der Bibel ist die Rede von Vertrauen in Dinge, die wir nicht verstehen, und wir verstehen nicht besonders viel. Es gibt viele wundervolle und aufregende Dinge da draußen.


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Übersetzung aus dem Amerikanischen ins Deutsche: Brigit Maack