Reiki auf Lizenz

Jürgen Kindler zu der Diskussion über eine mögliche Lizensierung


Im März 1997 ging ein Raunen durch die Meistergemeinde: Mit einem Brief stellte Phyllis Lei Furumoto einen Plan vor, nach dem für Reiki verschiedene Wörter als Warenzeichen eingetragen werden sollten, um dann Nutzungsrechte (Lizenzen) an Reiki-Meisterinnen und -Meister zu vergeben. Das Projekt war und ist in der Entwicklung und durch die interne Diskussion wird der sogenannte »Plan« laufend verfeinert. Obwohl alles noch »im Fluß« ist: Jürgen Kindler stellt ihn hier vor und versucht, einige Hintergründe zu beleuchten.

Angefangen hatte alles 1995. Zu dieser Zeit überraschte ein in Köln ansässiger Reiki-Meister mit Abmahnungen die Reiki-MeisterInnen im deutschsprachigen Raum. Er hatte sich verschiedene Warenzeichen rechtskräftig eintragen lassen, darunter auch das Reiki-Zeichen, und wollte nun das »traditionelle Reiki« retten, indem er in seinen Augen nicht traditionell praktizierenden Reiki-MeisterInnen verbieten wollte, das Wort Reiki und andere Wörter zu verwenden. Er informierte auch Phyllis Lei Furumoto darüber und schrieb Abmahnungen an freie und organisierte MeisterInnen.
Dieses Ereignis war wie ein Donnerwetter für die Reiki-Welt. Schlagartig wurden sich die Reiki-MeisterInnen bewußt, daß sie nicht auf einer Insel der Glückseligen leben, sondern in einer Welt, in der es Rechte und Gesetze gibt, die auf die eine oder andere Weise genutzt werden können. Die Aufregung war groß, und es wurden verschiedene Versuche gestartet, den Kölner Reiki-Meister dazu zu bewegen, die Warenzeichen aufzugeben. Dieser bewegte sich jedoch keinen Millimeter in seiner Position, so daß Phyllis Lei Furumoto und der Reiki Alliance nur noch der Weg der gerichtlichen Auseinandersetzung übrig blieb, der schließlich in einem Vergleich mündete.
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Reiki im Wandel


All dies fand zu einer Zeit statt, in der sich die Reiki-Welt immer weiter auseinanderentwickelte. Nachdem Phyllis Lei Furumoto 1989 angekündigt hatte, daß nicht nur sie allein, sondern alle Reiki-MeisterInnen andere zu Reiki-MeisterInnen einweihen könnten 1, entwickelten sich im Laufe der nachfolgenden Jahre immer mehr verschiedene Reiki-Richtungen, die sich zum Teil nicht gegenseitig akzeptieren konnten.

Angesichts der ungewohnten Unübersichtlichkeit baten viele traditionelle Reiki-MeisterInnen der Reiki Alliance, aber auch viele andere Reiki-MeisterInnen Phyllis eindringlich, für Klarheit in der Reiki-Szene zu sorgen.

Phyllis hatte zu dieser Zeit keinerlei Interesse daran, diesen Wunsch zu befriedigen. Sie wollte nicht Reiki-Polizei spielen und sagte nur: »Ich vertraue Reiki.« Nicht wenige MeisterInnen befürchteten daraufhin, daß durch die vielen Meistergenerationen innerhalb kürzester Zeit einiges von dem ursprünglichen Wissen verlorengehen würde.

Der »Plan« nimmt Gestalt an


Viele Gespräche waren nötig, um Phyllis umzustimmen. Auskünfte von Rechtsanwälten bestätigten, daß der erste, der »Reiki« als Warenzeichen eintragen lassen würde, es auch eingetragen bekäme. Ob das gut oder schlecht ist, berechtigt oder unberechtigt ist, interessiert das Patentamt nicht (siehe auch Kasten 1). Phyllis entschloß sich, nicht nur auf den Vorstoß des Kölner Reiki-Meisters zu reagieren, sondern sich weltweit aktiv um die Eintragung von Warenzeichen zu bemühen. Damit sollte Reiki und dem Usui System der natürlichen Heilung ein »weltlicher« Rahmen gegeben und verhindert werden, daß in anderen Ländern jemand »Reiki« auf seinen Namen eintragen läßt - wie von dem Kölner Reiki-Meister vorexerziert.

Über mehrere Jahre arbeitete sie im stillen und in kleinem Kreis daran, wie mit solchen Warenschutzrechten umzugehen wäre. Dann war es soweit: Am 7. März 1997 verschickte Sie einen Brief an die weltweite Gemeinschaft der Reiki-MeisterInnen, in dem sie ihre Entwicklung der letzten fünf Jahre darlegte und ihren Plan vorstellte. Dieser Brief kann vollständig in verschiedenen Übersetzungen im Internet unter der Adresse http://www.furumoto.org nachgelesen werden. Im einzelnen schlug sie folgende Schritte vor:

- Für verschiedene Begriffe, die Reiki beschreiben, sollen weltweit Warenzeichen eingetragen werden.
- Es sollen eine oder mehrere Organisationen gegründet werden, die die Weiterbildung und Lizenzvergabe durchführen.
- Es sollen verschiedene »Kreise« für Reiki-MeisterInnen eingeführt werden, die die unterschiedliche Verpflichtung der Reiki-MeisterInnen gegenüber dem Usui System widerspiegeln.

Ansonsten stellte Phyllis noch klar, daß dies ein Entwurf ist und Rückmeldungen erwünscht seien.

Auf der kurz darauf folgenden Konferenz der Reiki Alliance in der Nähe von Portland, Oregon, USA gab Phyllis weitere Erläuterungen, deren Mitschriften ebenfalls im Internet veröffentlicht wurden und weiteren Aufschluß über die Details geben (siehe auch Kasten 2).

Phyllis verdeutlichte in ihren Ausführungen, daß der Plan nicht nur eine Reaktion auf die aktuellen Vorfälle sei, sondern vielmehr dazu dienen solle, das ursprüngliche Usui System, so wie sie es von Takata gelernt hatte, für die nächsten Generationen zu bewahren. Durch das stürmische Wachstum in den letzten Jahren brauche Reiki eine neue Form, einen neuen Rahmen, um es für alle zu erhalten.

Der Sturm der Entrüstung bricht los

Die Präsentationen von Phyllis wurden von der Gemeinschaft unterschiedlich aufgenommen. Es gab und gibt eine Gruppe von Reiki-MeisterInnen, die regelrecht erleichtert waren und - wenn auch mit Fragen zu den Details - das Projekt mit ganzem Herzen bis zum heutigen Tag unterstützen.

Viele andere MeisterInnen lehnten und lehnen die Idee der Lizenzierung ab. So wurde beispielsweise. zum Ausdruck gebracht, daß »der Zug bereits abgefahren sei« und Phyllis diese Maßnahme schon vor zehn Jahren hätte durchführen müssen, um Erfolg zu haben. Jetzt gäbe es schon zu viele freie Meister, die sich ein Recht erworben hätten, das Wort »Reiki« für sich zu benutzen.

Zu allem Überfluß sah sich Phyllis nicht in der Lage, alle Reiki-MeisterInnen zur gleichen Zeit umfassend und laufend zu informieren: Der Plan, den sie der Meistergemeinschaft im März 1997 vorgestellt hatte, war - daran ließ sie keinen Zweifel - noch in der Entwicklung, Rückmeldungen und Anregungen waren ausdrücklich erwünscht. Dennoch nahmen viele die dort vorgeschlagenen Verfahren und Bedingungen als für »in Stein gemeißelt« und für die Ewigkeit gemacht.

Vom März 1997 bis März 1998 entstanden in Zusammenarbeit mit MeisterInnen und unter Berücksichtigung der eingegangenen Rückmeldungen viele neue Überarbeitungen des »Plans«. Leider wurden diese Zwischenversionen nicht veröffentlicht, und so kam es, daß viele MeisterInnen sich weiterhin über Punkte aufregten, die in dem Plan schon gar nicht mehr enthalten waren.

Es beruhigt sich

Im vergangenen Jahr gab es viel Aufregung über den »Plan«. BefürworterInnen und GegnerInnen haben ihren unterschiedlichen Positionen Ausdruck verliehen. Zwischen diesen beiden Polen gibt es aber auch viele Reiki-MeisterInnen, die in die Tiefe des Plans eintauchen und sich etwa folgende Fragen stellen: »Ist eine Lizenzierung mit den Prinzipien von Reiki vereinbar?«, »Kann Reiki - die universelle Lebensenergie - überhaupt durch weltliche Strukturen (Warenzeichen) geschützt werden?«, »Werde ich es mir leisten können, Gebühren für die Mitgliedschaft in einer weiteren Organisation zu zahlen?«

Ein Ruck ging durch die Meistergemeinschaft. Viele Reiki-MeisterInnen sehen sich in Frage gestellt. »Ist das, was ich von meinem Reiki-Meister gelernt habe, auch wirklich das ursprüngliche, authentische Usui System?« Nicht wenige fallen aus allen Wolken, daß Phyllis Furumoto vielleicht eine andere Meinung über das Usui System haben könnte als sie selbst. »Ich bin doch schon ausgebildet worden, warum soll ich noch einmal für Fortbildung zahlen?« Andere geben die Reiki-Meisterschaft auf und wollen mit einem Reiki, das sich so um Geld dreht, nichts mehr zu tun haben. »Reiki ist doch die Freiheit des Geistes, da paßt es nicht, irgendwelche Grenzen zu setzen.«

Es gibt aber auch viele MeisterInnen, die sich schon darauf freuen, wenn der Plan Realität wird. »Endlich geht Phyllis daran zu sagen, was Reiki ist und was nicht. Es wurde Zeit, die Grenzen aufzuzeigen.« hört man ebenso wie: »Mit einer einheitlichen Repräsentation nach außen hat Reiki eher eine Chance, z. B. von Krankenkassen akzeptiert zu werden.« Am besten hat uns dieser Spruch gefallen: »Ein Traum wird wahr: Wo Reiki draufsteht, wird künftig auch Reiki drin sein.«

Und was haben die Reiki-SchülerInnen davon?

Für Reiki-SchülerInnen ergeben sich zunächst keine direkten Auswirkungen. Lizenzen sollen nur für Reiki-MeisterInnen vergeben werden (deswegen wurde der Plan ja auch erst der Meistergemeinschaft vorgestellt). Auf welche Art und Weise jemand für sich Reiki praktiziert, ist nicht Gegenstand des »Plans«. Langfristig bietet die Lizenzierung die Möglichkeit, den Reiki-Markt zu beruhigen und transparenter zu machen. Klare Richtlinien geben Reiki-Suchenden eine Orientierungsmöglichkeit. Reiki-MeisterInnen, die eine Lizenz erworben haben, sollen durch Aus- und Fortbildungen sicherstellen, daß sie gleiche Qualitätsstandards in ihren Ausbildungen zugrunde legen.

Ein Jahr vergeht ...

Die Meinungen zu diesem Thema gehen weiterhin auseinander. Noch ist der Plan in der seit fast zwei Jahren andauernden »Schwebephase«. Außer Absichten und Ideen gibt es leider noch nicht viel Konkretes zu berichten. Dem Vernehmen nach sollen demnächst weitere Informationen für Reiki-MeisterInnen zur Verfügung stehen. Das Reiki Magazin wird berichten, sobald mehr und verläßliche Informationen veröffentlicht wurden. Wir halten Euch auf dem laufenden.

Dieser Vorgang selbst und die daraus entstandenen verschiedenen Interpretationen ihrer Rede wären einen Artikel wert - vielleicht ein anderes Mal im Reiki Magazin.

 

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Info zu Warenzeichen

Ein Warenzeichen kann ein oder mehrere Wörter oder ein Bild enthalten. Warenzeichen werden in Deutschland beim Deutschen Patentamt angemeldet. Das Warenzeichen wird in einer speziellen Publikation bekanntgemacht, dann läuft eine Widerspruchsfrist, in der jeder, der meint, seine Rechte würden verletzt, Widerspruch einlegen kann. Nach Ablauf dieser Frist wird das Warenzeichen endgültig eingetragen. Ab dann darf nur noch der Eigentümer des Warenzeichens dieses im Geschäftsverkehr benutzen: zur Werbung oder zur Vergabe von Nutzungsrechten, z. B. Lizenzen.
Da das Deutsche Patentamt das Warenzeichenregister führt, denken viele, Reiki sei patentiert worden, wie es der Name fälschlicherweise nahelegt. Das ist jedoch nicht so. Nur technische Verfahren können patentiert werden.
Allgemeingebräuchliche Wörter können jedoch nicht eingetragen werden, so kann niemand das Wort »Auto« oder »Backwaren« als Warenzeichen eintragen lassen, da jeder ein Recht darauf hat, diese Wörter zu benutzen.


 




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