Stofftiere für Flüchtlingskinder

Rolf Holm berichtet über eine humanitäre Aktion

 

Die Reiki-Meisterin Nicolien de Kroon hat jahrelange Erfahrungen mit dem Sammeln und der Verteilung von Hilfsgütern in Kriegsgebiete. Das niederländische »Reiki Magazine« hat schon mehrmals über ihre Arbeit informiert. In der letzten Ausgabe schrieb der Herausgeber Rolf Holm über eine neue Aktion ihrer Organisation »Motherhood«, durch die große Mengen an Hilfsgütern vor allem für Kinder gesammelt und in Flüchtlingslager in Albanien transportiert wurden. Hier eine gekürzte Fassung seines Berichtes, den Annette Gruber für uns übersetzt hat.



Während wir uns noch fragten, wie Nicolien de Kroon wohl auf diese neue menschliche Tragödie auf dem Balkan reagieren würde, bekamen wir plötzlich eine E-mail. Die Redaktion verbreitete den Aufruf sofort über E-mail und Fax-Kanäle innerhalb der holländischen Reiki-Gemeinschaft. Der Aufruf wurde auch von den niederländischen Medien und der Bevölkerung aufgegriffen. Nicolien: »Es ist die größte Hilfsaktion gewesen, die Motherhood je auf die Beine gestellt hat. Es waren schließlich 75 Lastwagen mit Stofftieren, Paketen mit Kinderkleidung, Essen, aber auch Medikamenten und anderen Hilfsgütern. Doch es geht nicht um die Größe der Aktion, sondern darum, daß sie den Menschen in Holland die Möglichkeit gab, etwas gegen ihre Ohnmacht zu tun. Es wurde ein großes emotionales Geschehen.«

Am Anfang war es überhaupt nicht Nicoliens Plan, so etwas Großes zu organisieren. Nicolien: »Ich hatte den Wunsch, etwas zu unternehmen, etwas Kleines, ein Lastwagen, nichts Auffälliges. Aber schon drei Tage nach der ersten E-mail war es bekannt, und selbst die Medien wurden auf Motherhood aufmerksam. Danach ist es enorm schnell gegangen. Ich war plötzlich in aller Munde. Überall im Land haben Menschen sich eingesetzt, es entstand eine intensive Zusammenarbeit mit 'Warchild' und den Schwestern von Mutter Theresa in Albanien. Von überall her kamen Pakete, es wurde eine große landesweite Bewegung.«

Kinderpakete

Die großen Hilfsorganisationen meinten, man solle aufhören mit Sachspenden und lieber Geld auf die bekannten Spendenkonten überweisen. Und Stofftiere wären wohl das letzte, was man in den Krisengebieten nötig hätte. Aber die Aktion ging weiter, Kinder gaben ihre eigenen Stofftiere her, viele waren menschlich tief berührt von den Schicksalen der Menschen, die nur ein paar Länder von uns entfernt wohnen. Nicolien: »Wir arbeiten kostenlos, wir haben jahrelange Erfahrung im Organisieren von Hilfsaktionen. Wir haben Erfahrung, wie wir die Hilfsgüter vor Ort verteilen lassen. Ich weiß, daß sie in gute Hände kommen, sonst gebe ich sie nicht her. Diesmal habe ich erst mit der Regierung von Albanien, mit Minister Pascal Milo, Kontakt aufgenommen. Ich erkundigte mich danach, was sie selbst nötig hätten, denn ich wollte den albanischen Kindern auch etwas geben. Er sagte: 'Sie sind die erste, die auch an unsere Kinder denkt.'

Ich reiste nicht über Italien, da war zuviel Verkehr. Ich fuhr über Slowenien und von dort mit dem Boot nach Dures in Albanien. Diese Route war etwas länger, aber wir kamen ohne Probleme ins Land hinein. Auch hier geht es um Respekt, Respekt vor den Zollbeamten. Sie fühlten sich überfordert durch den Verkehr an ihren Grenzen. So etwas hatten sie noch nie erlebt. Ich fühlte mich sehr willkommen und hatte sogar Polizeischutz. Wir wurden als Gäste behandelt. Wir fuhren in einer Kolonne von 14 Lastwagen, die wir dann aufteilten. Ich fuhr mit vier Lastwagen, beladen mit Früchten, Kinderpaketen und Arzneimitteln, die wohl für drei Monate ausreichten, nach Kukes. Als wir ankamen, liefen die Kinder hinter den Autos her, als wenn sie fühlten, daß der Inhalt für sie bestimmt war. Wenn du aussteigst, bist du gleich von hundert Kindern umringt. Wir legten erste Kontakte, den Tag darauf begannen wir die Verteilung der Kinderpakete zu den einzelnen Lagern hin zu organisieren. Das war schwierig, einer stürzt sich auf den anderen, ein totales Chaos. Teilweise weil sie Angst hatten, nichts abzubekommen, aber auch aus Angst, ihre Angehörigen aus den Augen zu verlieren. Wir stellten uns so auf, daß jeweils nur ein Kind zu uns durchkommen konnte, und nachdem es ein Paket empfangen hatte, bekam es einen Stempel auf die Hand. Auf der anderen Seite standen Tausende von Menschen, und manchmal mußte ich meine resolute Ader zum Vorschein bringen, um etwas Ordnung zu schaffen.

So ein Kind läuft dann mit seinem Paket zu seinem Zelt oder seiner Hütte. Mir fehlen die Worte, um all die Gefühle auszudrücken. Mütter, die zu weinen anfingen, als sie entdeckten, daß auch Monatsbinden in den Paketen waren; sie fühlten sich so schmutzig ohne. Sie sammelten sofort alle ein und verteilten sie unter den Frauen. Kinder, die rumliefen mit Kaugummiblasen, Schokolade in ihren Mund stopften, froh mit ihren neuen Murmeln spielten. Wie glücklich waren sie! Sie hatten nichts von zu Hause mitgenommen, überhaupt nichts. Die Pakete waren so gut und sorgfältig zusammengestellt! Es waren auch sehr viele neugekaufte Dinge dabei.

Am nächsten Tag sah ich Leute mit einem nagelneuen Handtuch und einer neuen Zahnbürste, sie konnten ihre Zähne wieder putzen. Und Stofftiere trösten, sie geben den Kindern Hoffnung; sie ließen sie auch nicht mehr los. Ich sah, wie Kinder mit ihrem neuen kleinen Rucksack umhergingen, das machte mich glücklich. Sie spielten auf Mundharmonikas oder auf anderen Instrumenten, die in den Paketen waren. Dann fingen sie an, für uns zu singen, auch die Erwachsenen kamen dazu und sangen mit. Ich bekam davon eine Gänsehaut. So kommt wieder Kraft in die Menschen, sie werden wieder lebendig, das hat nachhaltige Wirkung.
Es waren auch Briefe und Zeichnungen von holländischen Kindern in den Paketen, aber auch Schreib- und Zeichenmaterial. So konnten sie wieder schreiben. Scheren und Nähsachen waren auch dabei, die Menschen haben ja wirklich nichts.
Ich könnte stundenlang erzählen, wie wichtig dein Selbstwertgefühl ist, über Liebe und Trost. Habe ich erzählt, daß jeder, der ein Paket gespendet hat, auch zehn Gulden für die Frachtkosten dazugetan hat?
Ich finde es gut, die Hilfsgüter direkt an Menschen, die sie nötig haben, zu verteilen.«


Das »Reiki Magazine« hatte die internationale Reiki-Gemeinschaft dazu aufgerufen, Reiki zum Kosovo und zu Nicolien zu schicken. (Das - deutsche - Reiki Magazin veröffentlichte diesen Aufruf auf seiner Internetseite, denn er erreichte uns erst nach dem letzten Redaktionsschluß.) Nicolien: »Ja, ich fühlte, wann es richtig war, zu einem bestimmten Platz zu gehen, bestimmte Dinge zu tun und andere nicht zu tun. Alles war stimmig. Auch die Mehrzahl der holländischen Fahrer halfen mit. Plötzlich fingen sie an, Eier für die Menschen zu braten, sie waren gerührt. Geduldig und mit Sorgfalt jedem zu begegnen, vor allem auch mit Respekt - damit hatten wir keine Probleme. Pakete haben wir jetzt keine mehr nötig, es fahren noch stets Lastwagen hinunter. Nun wird dringend Geld gebraucht, um Arzneimittel kaufen zu können, einen großen Vorrat, mit dem das Lager lange auskommt.«

Nicolien: »Wir hegen den Plan, mit Frauen aus der ganzen Welt etwas zu tun, 'Motherhood' auf Weltniveau. Es ist doch so, daß der Krieg von männlicher Energie geschaffen wird, und wer kann dann alles aufräumen und die Pflaster kleben? Ja, die Mütter!! Der Krieg muß aufhören, er hat schreckliche Auswirkungen auf die Kinder; wieder eine Generation mit Kriegstraumata. Vielleicht wird das eine oder andere geklärt, aber es kommen neue Verwicklungen dazu. Das sinnlose Leid, auch in Serbien, muß aufhören. Es muß mit Leid- und Angstbewältigung gearbeitet werden. Ich bin der Meinung, daß niemand aus Albanien ausgeflogen werden darf. Ich habe die Resultate gesehen. Familien, die sich verloren haben, über die ganze Welt verstreut. Es wird Jahre kosten und sehr viel Geld, um das wieder in Ordnung zu bringen.«

(Übersetzung von Antje Holte)

Für die Stiftung Motherhood, die Organisation, in der Nicolien de Kroon arbeitet, werden Spenden gerne entgegengenommen. wer spenden möchte, kann sich an Nicolien wenden.
Nicolien ist telefonisch erreichbar unter der Nummer: 0031/ 228/ 593742
Auch ein Blick auf die Web-Site: www.motherhood.nl ist lohnenswert.

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