Der Alternative Nobelpreis

Vor mehr als 30 Jahren startete die Initiative rund um den „Alternativen Nobelpreis". Die Preisträger setzen mutig praktische Lösungen zu wichtigen Herausforderungen unserer Zeit um. Reiki-Lehrerin Christine Kutter berichtet über diese alljährlich im Stockholmer Reichstag verliehene Ehrung mit internationaler Bedeutung.

Wir Reiki-Praktizierende sind damit befasst, Heilungsprozesse bei uns selbst und anderen Menschen durch die Reiki-Kraft zu unterstützen. Je nach Häufigkeit und Integration der Reiki-Praxis in den Alltag sind Veränderungen in unserem Leben wahrnehmbar. Ich praktiziere Reiki seit vielen Jahren. Die tägliche Selbstbehandlung hilft mir, in meiner Kraft zu bleiben, die Schöpferkraft in Stille zu erleben und Barrieren, die sich zeigen, zu überwinden.

Ich habe den Eindruck , dass mein Leben durch Reiki in seinen natürlichen Fluss gekommen ist und ich es jetzt mehr ergreifen kann. Es gelingt mir zunehmend, gestalterisch zu wirken, so dass Veränderungen nachhaltig und im Sinne des Gemeinwohls und Interessenausgleichs geschehen können. Auch nehme ich die Potentiale und die Schönheit des Lebens intensiver wahr.

Es gibt Menschen, die aus der Notwendigkeit einer Situation heraus Eigeninitiative ergriffen haben und mit großer Entschlossenheit ganz praktisch daran arbeiten, in ihrem Lebensraum, in ihrem Umfeld, in ihrem Land zerstörerische Prozesse zu verlassen und lebensfördernde Strukturen aufzubauen. Solche Menschen habe ich kennengelernt, nachdem ich im Jahr 2011 einen Vortrag von Ole von Uexküll über den Right Livelihood Award gehört habe, der auch „Alternativer Nobelpreis" genannt wird.

Herausforderungen unserer Zeit

Den Begriff „Right Livelihood" entnahm der Gründer dieser Auszeichnung, Jakob von Uexküll (der Onkel des jetzigen Geschäftsführers Ole von Uexküll) den Lehren Buddhas, dem sogenannten Edlen Achtfachen Pfad zur Erleuchtung. „Right Livelihood" bedeutet so viel wie: rechtes Leben, verantwortungsvolles Leben, Leben im Sinne der Lebensgesetze.

Mit diesem Preis werden seit 33 Jahren jährlich vier Menschen geehrt, die Lösungen zu den wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit praktisch umsetzen. Bisher wurden 149 Menschen in 62 Ländern ausgezeichnet. Kriterien für die Verleihung sind nicht nur die lokale und globale Bedeutung des jeweiligen Projektes, sondern auch die Widerstände, die es dabei zu überwinden galt. Die Preisträger arbeiten oft gegen Diktaturen oder Firmen an, die hauptsächlich an Macht und Geld interessiert sind. Dies führt oft dazu, dass die Preisträger nicht nur um ihr Projekt, sondern auch um ihr eigenes Leben bangen müssen.

Auswahl der Preisträger

Jeder kann jeden für den Preis vorschlagen. Es werden nicht nur Einzelpersonen nominiert, sondern auch Organisationen. Es gibt keine festgelegten Kategorien. Die Jury, so betont Uexküll, begutachte sehr sorgfältig die Kandidaten der engeren Wahl. Mitglieder des internationalen Komitees reisen nach Sichtung der Unterlagen in die Länder, zu dem jeweiligen Projekt, um vorort alles genauestens zu prüfen. Eine Nachlässigkeit bei der Auswahl der Kandidaten könnte zu einem unwiederbringlichen Verlust des guten Rufes führen, den der Preis genießt.

Vier Preisträger werden jedes Jahr Anfang Dezember im Stockholmer Reichstag in sehr festlichem Rahmen geehrt. Dieses Ereignis findet weltweit auch in den öffentlichen Medien Beachtung und Anerkennung. Das Preisgeld beträgt 50.000,- Euro für jeden Nominierten und darf nur für das entsprechende Projekt verwendet werden. Verfügt der Preisträger selbst über ausreichend finanzielle Mittel, erhält er einen undotierten Ehrenpreis. Der „Alternative Nobelpreis" wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

Besserer Schutz

Die Bedeutung des Preises geht weit über das Preisgeld hinaus. Durch das Bekanntwerden des Projektes in größerem Rahmen fließen oft zusätzliche Spendengelder. Der Inhalt und die Ideen der jeweiligen Arbeit werden weiter verbreitet und finden damit mehr Anerkennung. Der Preis kann auf diese Weise vielen Menschen Hoffnung machen bzw. sie ermutigen, in ihrem Bereich Visionen zu entwickeln und praktische Lösungen umzusetzen.

Eine weitere Funktion des Preises ist der sich daraus ergebende Schutz für das Projekt wie auch für den Preisträger selbst, der durch die zunehmende Bekanntheit wächst. Rene Gongo aus dem Kongo beispielsweise kämpfte gegen die Abholzung des Urwaldes. Die Regierung wollte gerade sein kleines Büro schließen, als die Nachricht von der Verleihung des „Alternativen Nobelpreises" allgemein bekannt wurde. Dieselbe Regierung, die sein Büro schließen wollte, lud ihn nun in das schönste Hotel der Hauptstadt ein, und er konnte mit den Ministern sprechen.

Preisverleihung in Stockholm

Ich war von dem klaren Vortrag Ole von Uexkülls 2011 in Berlin, der globalen Bedeutung der geschilderten Projekte sowie vom Mut und der Visionskraft der Preisträger beeindruckt. Durch ihr unermüdliches Engagement, Wahrnehmen und Nutzen des Potentials wurde möglich, was vorher nicht denkbar gewesen war. Die Preisträger leben ein Verbunden-sein mit der Welt, eine Liebe am Leben und dessen Fülle, wie ich sie durch die Reiki-Kraft immer wieder erfahren kann.

Nach dem Vortrag entwickelte sich ein Gedankenaustausch zwischen Ole von Uexküll und mir. Die Sicherheit der Preisträger sei es, die ihm am meisten am Herzen liege. Wir hatten die gleichen Anliegen: Menschen mit unseren jeweiligen Fähigkeiten zu unterstützen, die in sehr großem Maße zum nachhaltigen Wandel und damit zur „Heilung" der Welt beitragen. Nach einiger Zeit folgte die Einladung nach Stockholm. Ich durfte die Preisverleihung am 7. Dezember 2012 im Stockholmer Parlament erleben und die Preisträger persönlich kennen lernen:

Der 82-jährige Amerikaner Gene Sharp wurde für das Studieren und Systematisieren aller bisher stattgefundenen friedlichen Revolutionen geehrt. Die Essenz daraus stellt er im Internet kostenlos zur Verfügung, in dem von ihm verfassten Buch „Von der Diktatur zur Demokratie". Sie wird von Menschen als Leitfaden genutzt, die eine Diktatur in eine Demokratie umwandeln wollen, in Regionen wie dem Nahen Osten, in der Ukraine, in Burma u.a. . Sharp reist auch in die entsprechenden Länder und hält Workshops zum Thema „Gewaltfreier Widerstand", sorgt also für die praktische Umsetzung seines Leitfadens.

Dr. Simar Samar, 55 Jahre alt, ist Ärztin aus Afghanistan. Sie gründete mit ihrer Organisation 15 Krankenhäuser und mehr als 100 Schulen, um die desolate Situation der Bildung und medizinischen Versorgung speziell der Frauen zu verbessern. Als Vorsitzende der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission mit 600 Mitarbeitern klärt sie insbesondere auch Frauen über deren Menschenrechte (Recht auf Gleichheit, Gesundheit, Bildung und Berufsausübung etc.) auf – in einem Land, in dem Frauen wie „Menschen zweiter Klasse" behandelt werden. Wird eine Frau in Afghanistan des Ehebruchs bezichtigt, kann sie ohne gerichtliche Aufklärung immer noch gesteinigt werden. Reaktionäre Kräfte missbilligen, dass Frau Samar das Selbstbewusstsein der Frauen stärkt, so dass sie immer mit einer kugelsicheren Weste und Leibwächter unterwegs ist.

Der 90-jährige Hayrettin Karaca aus der Türkei ist Gründer der türkischen Umweltorganisation TEMA, die es seit 1992 gibt (TEMA bedeutet: Türkische Stiftung zur Bekämpfung von Bodenerosion, für Aufforstung und den Schutz von natürlichen Lebensräumen). 90 Prozent des türkischen Bodens unterliegen schwerer oder mittelschwerer Erosion, die hauptsächlich durch Abholzung verursacht wurde. Um der Wüstenbildung entgegen zu wirken, wurden durch seine Organisation zehn Millionen Bäume gepflanzt und Bauern in ökologischer Landwirtschaft unterrichtet. Außerdem findet die Verbreitung ökologischen Wissens durch einen eigenen Fernseh- bzw. Radiosender statt.

Die englische Gruppierung Campaign Against Arms Trade (Kampagne gegen Waffenhandel) wurde geehrt für den langjährigen Einsatz, Waffenhandel transparent und öffentlich zu machen. Dem Einsatz der Gruppe ist es zu verdanken, dass sich öffentliche Subventionen für Waffenexporte in England drastisch reduziert haben (von 57 Prozent auf 1 Prozent) und sich die Einflussnahme der Waffenlobby auf die britische Verteidigungspolitik reduziert hat.

Zukunftsfähige Welt

Alle fünf Jahre gibt es ein großes Treffen der Preisträger, zusammen mit jungen interessierten Menschen, in einer Art „College der Preisträger", um Wissen auszutauschen und weiter zu geben. Jakob von Uexküll transferiert das gesamte Wissen des „Alternativen Nobelpreises" an Regierungen und gesetzgebende Instanzen über den von ihm gegründeten World Future Council.

Die Preisträger/innen des „Alternativen Nobelpreises" können Vorbilder für uns sein. Sie zeigen, dass die Vision einer zukunftsfähigen Welt, die das Gemeinwohl als Anliegen hat, verbunden mit Mut und der Fähigkeit, mit anderen Menschen zu kooperieren, Eigenschaften sind, die zu Wandel führen. Diese Menschen schaffen neue, funktionstüchtige Strukturen, so dass Nicht-Funktionierendes wegfallen kann.

Mut und Visionskraft

Zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Welt kann die Anwendung und Praxis von Reiki sehr hilfreich sein. Und: Jeder von uns findet in fußläufiger Entfernung zu seiner Wohnung einen kleineren oder größeren Missstand, der grundlegender Veränderung bedarf. Das Beispiel, das uns die Preisträger des „Alternativen Nobelpreises" mit ihrem Mut und ihrer Visionskraft geben, kann uns dazu anregen, dass wir Entschlossenheit und Tatkraft aufbringen, Nöten und Missständen abzuhelfen. Wenn wir uns im Sinne der Nachhaltigkeit und des Interessensausgleiches lokal engagieren und global denken, verändern wir die Welt.

Nach meinem Besuch in Stockholm war mir klar, dass ich das Erfahrene und Erlebte nicht für mich behalten kann, und ich entschloss mich, die Arbeit der Preisträger durch öffentliche Vorträge bekannt zu machen. Als Reiki-Lehrerin bin ich es gewohnt, vor kleinen Gruppen zu sprechen. Ein öffentlicher Vortrag stellte für mich eine neue Herausforderung dar.

Zum Vortragstermin gab ich mir eine Behandlung mit dem 2. Grad, um alle fachlichen Ratschläge, die ich im Zuge der Vorbereitungen eingeholt hatte, umsetzen zu können. Der Vortragsabend war sehr erfolgreich, und der Hoffnungs- und Begeisterungsfunke ist auf viele weitere Herzen übergesprungen. Weitere Vorträge werden folgen.

 

 

Christine Kutter arbeitet als Reiki-Lehrerin und Osteopathin in Berlin und hält Vorträge über den „Alternativen Nobelpreis" in Berlin und Stuttgart – Termine auf: www.reiki-kutter.de

Weitere Infos:

Website: www.rightlivelihood.org
Buch: „Das sind wir unseren Kindern schuldig", Jakob von Uexküll, Europäische Verlagsanstalt

 

Alle Fotos (außer Portraitfoto Christine Kutter) Copyright: The Right Livelihood Award
Foto von Christine Kutter Copyright: Christine Kutter

 

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