Die Erforschung der Lebensenergie

Ein Film über Wilhelm Reich und ein Interview mit Klaus Maria Brandauer – von Oliver Klatt

 

In einer Pressevorführung hatte ich die Gelegenheit, den Film noch vor dem Kinostart zu sehen. Ein wunderbarer Film, der mich sehr berührt hat, denke ich, während ich aus dem Kino gehe. Kaum zu glauben, dass das Thema Lebensenergie jetzt auf diese Weise einem größeren Publikum zugänglich wird: durch diesen leisen und zugleich sehr energischen Kinofilm, mit Klaus Maria Brandauer als Wilhelm Reich.

Wilhelm Reich war Psychoanalytiker und Forscher. Sein Leben lang suchte er unaufhörlich nach neuen Wegen, um der Menschheit – wie auch einzelnen Menschen, die ihn aufsuchten – ganz essenziell zu helfen. In den 1920er Jahren bewegte er sich im Umfeld Sigmund Freuds, der sich später von ihm abwandte, als Reich sich zunehmend mit Themen wie der „Funktion des Orgasmus" und psychosomatischen Denkansätzen beschäftigte. Nachdem er 1933 vor den Nazis nach Dänemark geflüchtet war, emigrierte Reich 1939 in die USA. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich vor allem der Erforschung der Lebensenergie, die er Orgon-Energie nannte und deren freier Fluss für ihn die wesentliche Voraussetzung körperlicher und geistiger Gesundheit war. Er entwickelte einen „Orgon-Akkumulator", in den man sich hineinbegeben kann, um Lebensenergie aufzutanken, sowie einen „Cloudbuster", eine Maschine, die Regen erzeugen kann, indem sie, vereinfacht gesagt, „schlechte Energie" aus der Atmosphäre zieht.

Durch die hohe Dimension seiner Forschungen, in Kombination mit seiner teils schroffen Art, seinen unkonventionellen Therapiemethoden und seiner grundlegenden Kritik an der Atomforschung wurde er zur Zielscheibe der US-Gesundheitsbehörde und der Geheimdienste. Nachdem er, entgegen einer richterlichen Anordnung, seine Arbeit fortsetzte, wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt – und starb schließlich 1957, kurz vor Ablauf seiner Haftstrafe, im Gefängnis.

Zentrale Fragen

„Was ist Heilung? Wie gelingt Heilung?" Mit diesen beiden Fragen beginnt der Film – und zeigt damit die Zielrichtung des Lebenswerks von Wilhelm Reich. In ruhigen und dennoch eindrücklichen Bildern sehen wir Stationen aus dem Leben des international bekannten Forschers und Visionärs, der später zu einer intellektuellen Leitfigur der 68er Bewegung wurde. Der Film konzentriert sich vor allem auf die Zeit in den USA, die späten Lebensjahre Reichs, als dieser sich zunehmend der Erforschung der Lebensenergie widmete. Neben den inspirierenden und lebensfrohen Momenten wird dabei immer wieder auch die Bedrohung sichtbar, die ihm durch staatliche Stellen und manch unreflektierte Menschen entgegenschlug.

In der Darstellung von Brandauer wirkt Reich stets beschaulich, manchmal fast wie in Trance. Zum einen scheint er völlig mit sich selbst im Reinen, zum anderen offenbar unfähig oder unwillig, mit anderen klar zu kommunizieren und auch nur ein Mindestmaß an Konventionen und gesellschaftlichen Spielregeln zu akzeptieren. Er belehrt seine Gesprächspartner, gibt keine klaren Antworten auf Fragen und hält es auch nicht für nötig, sich einen Anwalt zu nehmen, als das Gerichtsverfahren schon längst über ihn hereingebrochen ist – ganz in dem Wissen verankert, dass er nichts Falsches getan hat, sondern das Richtige tun will für die Menschen. Eine Haltung, die an jene vieler Heiler der Vergangenheit (und teils auch der Gegenwart) erinnert, die zwar in einer tiefen Wahrheit wurzelt, was aber unter derart aufgeschaukelten Umständen nichts hilft, weil die Menschen um einen herum – so „falsch" sie auch liegen mögen –, dabei einfach nicht ernst genommen werden. Derart entkoppelt vom Alltagsgeschehen, kommt es schnell zu Argwohn und Hass, der sich dann zwangsläufig entlädt, mal direkt, mal hintenherum.

Übertragung von Lebensenergie

Wilhelm Reich verstand sich nicht als Heiler. Obwohl im Film öfter mal Hände zu sehen sind, die Lebensenergie erspüren, versuchte Reich doch vor allem, die Lebensenergie durch Geräte für die Menschen nutzbar zu machen. Ein (technisches) Unterfangen, bei dem letztlich ganz andere „Regeln" gelten, als beim (spirituellen) Handauflegen, weil dabei die Technik, mit ihrem Allmachtsanspruch, über das Spirituelle, mit seinen individuellen Wegen, versucht zu obsiegen. Und natürlich ist es letztlich etwas völlig anderes, wenn man sich oder anderen die Hände auflegt und auf diese Weise Lebensenergie übermittelt, von Mensch zu Mensch, als wenn dies mittels eines Gerätes, z.B. eines „Akkumulators" geschieht.

Geräte tun „ihre Arbeit" immer gleich. Sie können zerstört werden, die Übertragung der Lebensenergie durch diese Geräte damit verhindert werden. Handauflegen ist immer individuell – und damit oft anders. Handauflegen (und Heilung durch den Geist) wird niemals verhindert werden können, solange es menschliches Leben gibt.

Neben der Darstellung der letzten Lebensjahre Wilhelm Reichs ist der Film auch eine Parabel über die Umstände, die „grenzenloses Forschen im Dienste der Menschheit" begleiten – und die Bemühungen der Machthabenden, dies zu kontrollieren und für sich zu nutzen. Ein sehr sehenswerter Film, für jeden Heiler, Energiemediziner, Forscher, Lebensenergie-Freund!

 

 

„Ich steh dazu!"

Ein Interview mit Klaus Maria Brandauer – von Oliver Klatt

In einem Interview mit dem Reiki Magazin spricht der international bekannte Schauspieler darüber, was ihn an der Person Wilhelm Reich fasziniert – und teilt dabei auch seine persönlichen Erfahrungen mit Spiritualität.

Oliver Klatt: Was hat Sie an der Rolle fasziniert? An der Person Wilhelm Reich?

Klaus Maria Brandauer: Wie immer, der Mensch als Ganzes. Ich habe bereits in den 1960er Jahren zum ersten Mal von Wilhelm Reich gehört. Er war damals stilprägend, für die 68er Generation, die Flower-Power-Bewegung ... ein richtiggehender Guru, später wurde es dann schnell merkwürdig still um ihn. In dieser Zeit war viel über ihn zu lesen, was er getan und in Gang gebracht hat. Zusammen mit Jacob Levy Moreno, einem österreichischen Arzt, der das Psychodrama entwickelt hat, hat er sich bei aller Verehrung über den gemeinsamen Lehrer Freud mokiert. In Reichs Bungalow in Amerika hing in fast jedem Zimmer ein Bild von Freud, den er doch in den 1920er Jahren unter Protest verlassen hatte. Wie Reich fand und finde ich auch: Wenn jemand psychische Probleme hat, dann darf man den doch nicht auf die Couch legen, dann wird der ja noch kränker. Als Gegenentwurf zur Psychoanalyse von Freud hat also Moreno das Psychodrama entwickelt, bei dem der Klient als „Hauptdarsteller" sein therapeutisches Thema in einer Gruppe gestaltet, durch konstruktives, spielerisches Agieren. Als Reich zu Freud kam, da hatte er schon viel erlebt, war immerhin mit 27 Jahren schon ein richtiger Ordinarius. Und er kam sehr schnell darauf, dass die Wissenschaft und die Medizin zwar richtige Wege aufzeigen, aber dass man nicht darauf hoffen kann – ich weiß nicht, wie viele Milliarden Menschen es damals gab, heute sind es sieben – , dass man also nicht darauf hoffen kann, dass es eines Tages tatsächlich ausreichend viele Seelenforscher, Psychiater, Psychologen geben wird, um sieben Milliarden mehr oder weniger neurotische Menschen zu heilen. Das war sehr klug von ihm, denn er hat erkannt: Um wirklich etwas zu ändern, muss ich die gesellschaftliche Schiene fahren. Das heißt: Ich muss politisch werden.

Oliver Klatt: Es geht ja in dem Film auch ganz wesentlich um das Thema Lebensenergie. Haben Sie selbst schon einmal Erfahrungen mit der Übermittlung von Lebensenergie gemacht? Also mal den Orgon-Akkumulator ausprobiert oder Energie per Handauflegen übertragen bekommen?

Große Fragen

Klaus Maria Brandauer: In meiner Jugendzeit, in unserem Dorf, in Altaussee, habe ich schon einiges kennengelernt, wie das Tischlrücken, was die Oma gemacht hat, und solche Sachen, das hat mich damals richtig gefreut. Und dann hatte ich natürlich die Frage, die einen von Kindheit an beschäftigt: „Sag mal, du bist der Vati ... und dann gibt es den Opa ... und der hat wieder einen Vati ... und der hatte auch einen Vati ... und was kommt dann?" Und mein Vater sagte darauf: „Na, dann ist da nochmal ein Vater!" Also, die Frage der Fragen wird einem nicht beantwortet, außer dass da immer noch ein weiterer Vater kommt, und schon sind wir da oben (zeigt gen Himmel), und das ist dann der Vater ... oder der Zeus oder wer auch immer. Und dann gibt es Assoziationen, Vorkommnisse in meinem Leben, die mit irgendetwas zu tun haben, mit Seelenwanderung, mit Wiedergeburt – das alles finde ich wichtig! Was nicht heißen soll, dass ich irgendetwas propagiere. Ich möchte mich damit beschäftigen dürfen. Ich möchte Menschen kennenlernen, die mir dazu etwas erzählen, und dann sag' ich meist: „Du, es kann sein, dass ich dir nicht glaube, und ich empfinde es jetzt schon als eine Unverschämtheit, dir nicht zu glauben, aber ich will ehrlich sein ..." Ich bin katholisch aufgewachsen, die Geschichte von Jesus macht mir Freude. Ich gehör' zu dieser Firma – aber ich möchte trotzdem, dass unsere Firma andere Firmen auch gelten lässt.

Cloudbuster

Oliver Klatt: In der christlichen Kirche gibt es ja den Heiligen Geist, Reich forschte nach der Orgon-Energie, in der fernöstlichen Spiritualität kennt man das Chi – da gibt es doch offensichtlich eine Verbindung dazwischen, auch wenn sicher nicht alles dasselbe ist.

Klaus Maria Brandauer: Ja, natürlich ist nicht alles dasselbe, aber es hat sicher miteinander zu tun. Auch was der Reich gemacht hat, mit diesem „Cloudbuster" ... und dann hat es geregnet. Ich glaube das. Ganz gleich, ob da jemand – wer auch immer – seine Hand im Spiel gehabt hat oder nicht.

Oliver Klatt: Am Ende bleibt es vielleicht ein Mysterium. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn jemand eine Offenheit für diese Dinge hat, wie Sie es gerade für sich beschreiben. Sie haben ja vor 25 Jahren schon einmal im Grenzbereich zum Feinstofflichen eine Person der Zeitgeschichte dargestellt: den Hellseher Erik Jan Hanussen. Der wurde in den 1920er Jahren in Deutschland erfolgreich, in einer Zeit, als Wilhelm Reich in Wien seinen ersten Forschungen nachging. Auch wenn es bei „Hanussen" um eine andere Thematik geht, nicht zuletzt weil er mit den Machthabern anders umging als Reich – er suchte ja aktiv die Nähe der Nationalsozialisten –, sehen Sie Parallelen zwischen den beiden, z.B. in der Tatsache, dass beide keine Scharlatane waren, sondern wohl tatsächlich besondere Fähigkeiten hatten, über das Feinstoffliche auf die Materie, die Welt einzuwirken?

Spezies Mensch

Klaus Maria Brandauer: Nun, wir sind ja alle begabt im Schmücken mit fremden Federn, und ich nehme da keinen von uns aus! Selbst wenn wir ein Riesentalent haben und sogar so großzügig sind, andere viel wichtiger zu nehmen als uns selbst: Wir haben alle doch ziemlich viel damit zu tun, selber kein Scharlatan zu sein oder zumindest nicht als einer zu gelten. Das Manipulative gehört zur Spezies Mensch von Anfang an dazu, das ist sozusagen systemimmanent.

Oliver Klatt: Aber es gibt ja Menschen, die einfach nur vortäuschen, eine bestimmte Fähigkeit zu haben, die aber nicht wirklich besteht, und es gibt Menschen wie beispielsweise den Hanussen oder Wilhelm Reich, die durch ihre Taten sehr deutlich aufzeigen, dass sie tatsächlich über das Feinstoffliche auf die Materie einwirken können.

„Ich steh dazu!"

Klaus Maria Brandauer: Der Hanussen hat sich insofern selbst abgeschafft, dass er sich nicht mehr getraut hat, er hatte einfach keinen Mut mehr. Um Informationen zu bekommen hat er sich mit der aufkommenden Mörderbande eingelassen, und deshalb hatte er auch immer öfter recht mit seinen Vorhersagen. Bis er einmal die Sache mit dem Reichstagsbrand rausgelassen hat – woraufhin er von der SA ermordet wurde. Natürlich hatte er auch eine Riesenbegabung. Dazu braucht man etwas: nämlich nicht ein „Creator" zu sein, sondern ein Medium. Das gibt es ja. Ich habe einen Menschen gesehen, in Alaska, als ich den Film „White Fang" drehte, der sprach in Zungen. Und der war ein Metzger ...! Das war faszinierend. Genauso der Orgon-Akkumulator. Ich war nie drin. Ich habe einen zu Hause stehen, mit Blick auf den See, über die Wiese. Die Leute, die da drin waren, kommen raus, als wären sie erleuchtet. Sagenhaft! Also, diese ganze Reich-Geschichte oder vielleicht besser: dieses ganze Reich-Universum, das tut mir gut, ich steh dazu. Ich habe bisher keine Nachteile dadurch gehabt.

Oliver Klatt: Herr Brandauer, vielen Dank für das Interview.

 

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Weitere Infos:

www.reich-derfilm.de

www.wilhelm-reich-gesellschaft.de

Copyright Fotos: Movienet Film GmbH

(außer Foto von Oliver Klatt und Klaus Maria Brandauer: Copyright Oliver Klatt)

Das Interview mit Klaus Maria Brandauer fand im August 2013 in Berlin statt.

 

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