Coaching und Reiki?!

Eines Tages entdeckte Silvia Laatz, selbständige Trainerin und Personal Coach, überraschend Reiki für sich. Nach vielen positiven Erfahrungen wurde Reiki mittlerweile „vom Selbstversuch zum festen Bestandteil ihrer Arbeit".

Reiki?! Was ist das denn? Auch für mich war Reiki bis vor ein paar Jahren irgendein spiritueller Humbug. Energieübertragung durch Handauflegen? Mein Urteil war gefällt. Umso überraschter war ich, als ich 2009 auf einem Seminar eine Trainerin, Juristin und Wirtschaftsmediatorin, Manuela Schurk-Balles, kennenlernte, die mir erzählte, dass sie seit einer halben Ewigkeit auch mit Reiki arbeitet und sogar Reiki-Lehrerin ist. Ich dachte mir: ‚Wie passt das denn zusammen?' Frau Schurk-Balles machte auf mich einen völlig pragmatischen und bodenständigen Eindruck. Eine Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und erfolgreich ist, was findet die an Reiki?

Interessanter Selbstversuch

Natürlich fragte ich nach und erfuhr, dass Reiki eine Heilmethode ist, die von einem Japaner namens Mikao Usui zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan begründet wurde. Nachdem ich Weiteres über die Reiki-Heilmethode erfahren hatte, entschied ich mich für einen Selbstversuch und meldete mich bei der Trainerin zu einer Reiki-Behandlung an. Dort fand mich nach einer Tasse Tee und einem kurzen Vorgespräch auf einer gemütlichen Reiki-Liege wieder. Körperlich war ich gesund, und mir ging es auch ansonsten bestens. Ich war einfach nur gespannt, was ich spüren würde, wenn mir jemand durch Handauflegen auf die Energiezentren (Chakren) im Körper Energie überträgt. Für meinen Verstand war das unvorstellbar, doch ich war bereit zu einer neuen Erfahrung.

Ich lag entspannt mit geschlossenen Augen da, lauschte der leisen, sanften Hintergrundmusik und genoss die Wärme, die von den Händen der Reiki-Meisterin ausging ... Als sie das Kehl-Chakra, den Bereich um Hals und Brustbein, erreichte, spürte ich plötzlich einen riesigen Kloß im Hals, und mein Puls beschleunigte sich. Merkwürdig, irgendetwas kam hoch. Zunächst versuchte ich, es einfach „runterzuschlucken". Da hörte ich meine Behandlerin sagen: „Lass es geschehen, lass es raus." Mein Widerstand schrumpfte, und es liefen stille Tränen über mein Gesicht.

Was war geschehen? Die Reiki-Energie hatte, für mich völlig unerwartet, auf den emotionalen Bereich angesprochen. Dabei hatte sie ein uraltes Thema berührt, das vom Verstand her für mich längst kein Thema mehr war. Etwas, von dem ich dachte, es wäre bereits völlig bearbeitet gewesen. Wie war es möglich, dass dieses Thema jetzt wieder hoch kam? Die Reiki-Meisterin sagte nur, es könne ja gut sein, dass mein Verstand das perfekt verarbeitet habe. Doch in der Behandlung habe sich gezeigt, dass der Körper wohl den „Schock" energetisch noch gespeichert habe und sich immer noch an ihn erinnere. Die damit verbundenen Emotionen blockierten den Energiefluss.

Mir wurde klar, dass mir all die Jahre zuvor die Emotionen zu diesem Erlebnis gefehlt hatten und ich erst jetzt die Gelegenheit bekam, auch diesen Aspekt zu bearbeiten. Über Reiki kam ich mit meinem Körpergedächtnis und darüber mit meinen Gefühlen an diesem Punkt tatsächlich wieder in Kontakt – und konnte sie dann loslassen. Ich war beeindruckt. Wenn Reiki schon etwas bewirkt, wenn es einem gut geht, wie groß muss die Wirkung erst sein, wenn ich mit Problemen in eine Behandlung gehe? Ich wollte mehr erfahren. Wie werden diese Veränderungen durch „Handauflegen" möglich? Ende 2009 meldete ich mich zum 1. Reiki-Grad an.

An zwei Ausbildungstagen lernte ich etwas über die Geschichte und die Wirkungsweise von Reiki, über geistige Lebensregeln, über das Energiesystem in unserem Körper, über Chakren und deren Bedeutung, über den Behandlungsablauf und vieles mehr. Mit dieser Kombination aus Theorie und Praxis wurde ich –eingeweiht in den 1. Reiki-Grad – in den Alltag entlassen. Ich wollte üben und erfahren, ob ich auch im Alltag wirklich spüren kann, wo es im Körper hakt. Mein erstes Versuchsobjekt war meine Mutter.

Nach dem Chakrenausgleich in ihrer Aura legte ich meine Hände sanft nacheinander direkt auf die Behandlungspositionen. Am Kopf beginnend, arbeitete ich mich nach unten vor. Dabei konnte ich spüren, wie meine Hände warm werden und wie die Energie fließt, oder konnte es mir zumindest einbilden (was mein Verstand gleich wieder skeptisch einwarf). Es fühlte sich alles „normal" an, bis ich an die Knie kam. Das rechte Knie fühlte sich unauffällig an, aber beim linken Knie hatte ich den Eindruck, es sauge die Energie auf wie ein Schwamm. Meine Hände bizzelten und glühten regelrecht an der Stelle. Ich fragte meine Mutter, ob vielleicht etwas mit ihrem linken Knie sei. Sie meinte: „Woher weißt du das denn? Ich habe seit zwei Tagen Schmerzen im linken Knie." Ich wusste gar nichts. Ich hatte nur gespürt, dass das linke Knie sich anders anfühlte als das rechte.

Da zeigt sich gleich ein Vorteil von Reiki. Ich kann, wie im NLP (Neurolinguistisches Programmieren), inhaltsfrei arbeiten. Ich spüre in erster Linie, wo etwas hakt – was dahintersteckt, das weiß der Klient. Wenn es sich um die emotionale Ebene handelt, wie in der ersten Reiki-Behandlung, die ich erhalten hatte, so ist es möglich, die emotionale Blockade aufzulösen, ohne das dahinter liegende Thema benennen zu müssen. Es liegt am Klienten, ob er sich öffnen und erzählen möchte – oder ob er einfach das Ergebnis der Reiki-Behandlung so für sich mitnehmen möchte. Diese Wahlfreiheit erlebe ich vor allem bei Klienten, die von anderen „geschickt" werden, als besonders hilfreich, weil sie einen Sicherheitsrahmen schafft. Manchmal kann es sogar sein, dass der Klient selbst nicht weiß, welche Blockade sich gerade löst. Er merkt nur, dass ein Knoten aufgeht und er wieder freier atmen kann. Genau das zählt.

Für mich wurde schnell klar, dass ich mehr mit Reiki arbeiten möchte, als es nur für mich und meine Familie zu nutzen. So habe ich auch die Ausbildung zum 2. Reiki-Grad und die Meister-/Lehrerausbildung absolviert. Seit Juni 2011 bin ich selbst Reiki-Meisterin und Mitglied im Berufsverband Pro Reiki.

Reiki ist im Bereich der Privat-Klienten zum festen Bestandteil meiner Arbeit geworden, die damit viel ganzheitlicher wurde. Ich bin nach wie vor ein Kopfmensch, der Struktur und klare Coaching-Tools liebt und zielorientiert arbeitet. Meine Erfahrung hat mir aber auch gezeigt, dass Reiki im Coaching bzw. in der psychologischen Beratung seinen Platz hat und in der Kombination mit traditionellen Methoden sehr effektiv sein kann.

Gefühle spüren

Wann genau ist der Moment, an dem Reiki für mich im Coaching zum Einsatz kommt? Das Einverständnis des Klienten vorausgesetzt, immer dann, wenn der Prozess ins Stocken kommt, sich schwer oder zäh anfühlt. Wenn der „Kopf" des Klienten zu stark ist und der Verstand ihn blockiert, sodass er seine Gefühle nicht spüren kann, oder wenn diese sehr stark sind und er sie nicht wirklich auszudrücken vermag. Außerdem dann, wenn ich den Eindruck habe, dass es um etwas ganz anderes geht als der Klient vorgibt. Und fast immer bei Themen, die mit Burnout, Erschöpfung, Schock und Trauma zu tun haben.

Oft erreiche ich in einer Reiki-Behandlung mit anschließendem Gespräch dann mehr als in drei reinen Coaching-Sitzungen – weil ich Körper, Geist und Seele gleichzeitig ansprechen kann. Die Gefahr, dass ein Teil den anderen dabei unterbewusst sabotiert, geht so gegen null. Gleichzeitig bereichern Gespräche und Coaching-Tools die reine Reiki-Behandlung. So kann ich zum Beispiel nicht bloß eine Blockade lösen, sondern ich kann gemeinsam mit dem Klienten auch weiterreichende Veränderungen bewirken. Die Kombination beider Bereiche – Reiki und Coaching – erlebe ich als effektiver als jeden für sich alleine.

Akkus aufladen

Vor Kurzem habe ich eine Krebspatientin nach der Brustamputation durch die Chemotherapie begleitet. Die Gespräche über ihre Angst, über ihr Verhältnis zu ihrem Körper, darüber, wie sie und ihr Partner mit der neuen Situation umgehen lernen können und wie auch körperliche Nähe wieder möglich sein kann, bis hin zu neuen Lebenszielen und dergleichen waren mindestens so wichtig wie die Arbeit am Körper selbst. Mit Reiki konnten wir ihre Selbstheilungskräfte aktivieren, ihre Akkus für die Chemotherapie aufladen, und oft fand sie erst auf der Liege den Mut, über das zu sprechen, was sie wirklich bedrückte. Indem sie selbst spüren konnte, wie ihr Körper auf meine Hände reagiert, fand sie zu ihren Gefühlen, konnte sich ihre Ängste eingestehen und all den angestauten emotionalen Schmerz mit ihren Tränen abfließen lassen.

Reiki ist für mich nicht nur ein weiteres Tool, das ich erfolgreich bei meiner Arbeit einsetze, sondern es ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Meine Intuition und auch meine Selbstwahrnehmung haben sich verbessert, so dass Reiki auch für mich persönlich eine Art Burnout-Prophylaxe darstellt. Ich bin glücklich und dankbar, dass meine Neugier über meinen Verstand gesiegt hat.

 

 



Silvia Laatz ist selbständige Trainerin, Personal Coach und Reiki-Meisterin. Sie vereint in ihrer Arbeit mit Unternehmen und Privat-Klienten die bodenständige Businessfrau und die intuitive Reiki-Meisterin in sich und versucht, beide Welten einander näher zu bringen.

Kontakt:
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www.silvialaatz.de



Copyright Fotos:
Reiki-Behdlg.: „Nikki Zalewski - Fotolia.com"
Buntes Gefäß: „shimyra - Fotolia.com"

 

 

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