Reiki am Unfallkrankenhaus Berlin

Interview mit Marc Bendach – von Oliver Klatt

Wie das Reiki Magazin in Ausgabe 2/12 berichtete, wird am Unfallkrankenhaus Berlin, einem Lehrkrankenhaus der Charité, bereits seit einigen Jahren mit Reiki gearbeitet. Erst kürzlich kam es zu einer Erhöhung der Anzahl der Mitarbeiter in diesem Bereich, sodass jetzt fünf festangestellte Entspannungs-Therapeuten insgesamt rd. 4.000 Reiki-Behandlungen jährlich geben. Dazu gekommen ist es vor allem durch das beständige Engagement des Reiki-Lehrers Marc Bendach, der seit 1997 am Unfallkrankenhaus Berlin arbeitet. In einem Interview geht er auf Leserfragen ein, berichtet über die weitere Entwicklung vorort – und teilt seine Sichtweisen von Jikiden Reiki, Rainbow Reiki und Usui Shiki Ryoho.



Oliver:
Marc, du feierst in diesem Jahr dein 20-jähriges Reiki-Jubiläum. Du wurdest, soweit ich weiß, 1992 in den 1. Reiki-Grad eingeweiht. War der Artikel über Reiki am Unfallkrankenhaus Berlin in der Frühjahrsausgabe des Reiki Magazins ein passendes Jubiläumsgeschenk für dich?

Positive Wirkungen

Marc: Oh ja, das war er. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Als ich den 1. und 2. Reiki-Grad 1992 bei Jule-Erina van Calker erhielt, betonte sie immer wieder, wie wichtig es sei, Reiki in die Krankenhäuser zu bringen. Niemals hätte ich gedacht, dass sich dieser Wunsch 20 Jahre später auf so wunderbare Weise verwirklicht. Dass Reiki nun schon seit längerem am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) mit dieser Regelmäßigkeit und Intensität eingesetzt wird, haben wir auch in hohem Maße den Patienten zu verdanken, die hier im Reha-Bereich von uns behandelt werden und die immer wieder bei ihren Berufsgenossenschaften die positiven und heilsamen Wirkungen der Reiki-Behandlungen schildern. An dieser Stelle also nochmals meinen herzlichen Dank an alle, die diese Entwicklung möglich gemacht haben.



Oliver: Hast du dich in all den Jahren regelmäßig selbst mit Reiki behandelt?

Marc: Selbstverständlich! Wie authentisch wäre ich als Reiki-Lehrer, täte ich es nicht? Ich behandle mich täglich mit Reiki. Ist es nicht auch das, was wir den Kursteilnehmern in jedem Seminar sagen und immer wieder betonen? Einer meiner spirituellen Lehrer sagte einmal während einer Heilsitzung zu mir: „Es tut mir leid, ich kann dich hier und jetzt nicht heilen. Meine eigene Heilung ist dafür noch nicht tief genug, meine Liebe noch nicht so weit. Suche dir jemanden, dessen Heilung vollständiger ist als meine.“ Dieses Erlebnis hat mich tief beeindruckt und nachhaltig geprägt.

Als Reiki-Praktizierender stelle ich Energie zur Verfügung, kanalisiere sie und gebe anderen Menschen so die Möglichkeit, sich selbst zu heilen. Heilung ist aus meiner Sicht von zwei Faktoren abhängig. Erstens von den Fähigkeiten des Heilers, und zweitens von der Heilbereitschaft des Behandelten. Wir stellen Energie zur Verfügung, und damit auch Heilung und die Möglichkeit zu Selbsterkenntnis, Selbstvergebung und Transformation. Es heißt: Erkenne dich selbst, vergib dir selbst, heile dich selbst. In dem Maße, wie wir bereit sind, uns selbst zu heilen, können wir auch Heilung zur Verfügung stellen – nie darüber hinaus. An unserer eigenen Heilung können die Menschen, die zu uns kommen, erkennen, wie viel Hilfe sie von uns erwarten können. Für mich liegt hier auch der Unterschied zwischen Behandlung und Heilung. Um eine Behandlung durchzuführen, benötige ich Fertigkeiten, Techniken und Wissen. Um Heilung zu ermöglichen bedarf es allerdings der tiefen Liebe und Erkenntnis, die meiner eigenen Heilung entspringt. Deshalb sage ich immer gerne zu meinen Kursteilnehmern: Behandle dich selbst – heile dich selbst!

Oliver:
In dem bereits erwähnten Artikel über Reiki am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) wurde ein Patient porträtiert, Carsten Mut, dem Reiki-Behandlungen nach seiner schlimmen Verletzung sehr geholfen haben. Mittlerweile gibt es sicher viele weitere Patienten, die Gutes über Reiki-Behandlungen am ukb zu berichten haben – kannst du mehr dazu sagen?

Akzeptanz wächst

Marc: Als wir vor mehr als vier Jahren mit Reiki am ukb begannen, da wurde es noch von vielen als Hokuspokus abgetan. Eben als unwissenschaftlich. Dieses Bild besteht teilweise auch heute noch, doch gibt es auf der anderen Seite jetzt auch Ärzte und Therapeuten, die Reiki empfehlen. Die vielen positiven Rückmeldungen der Patienten zeichneten von Anfang an ein beeindruckendes Bild. Aussagen wie „Ich kann wieder schlafen“, „Ich bin wesentlich ruhiger geworden“, „Meine Schmerzen haben sich reduziert“ sind nur wenige der vielen positiven Feststellungen, die unmittelbar nach Reiki-Behandlungen erfolgen. Inzwischen werden Patienten von Ärzten und Psychologen immer häufiger zu Reiki-Behandlungen geschickt. Das zeigt mir, dass die Akzeptanz von Reiki insgesamt zunimmt. Auch wächst die Neugierde seitens der Ärzte und Therapeuten, die inzwischen vielfach selbst Reiki-Behandlungen in Anspruch genommen oder gar ein Seminar belegt haben.



Oliver: Viele Leser/innen des Reiki Magazins haben den Artikel über Reiki am ukb mit großem Interesse gelesen, und es wurde viel Freude über die Entwicklung dort zum Ausdruck gebracht. Einige Leser/innen haben noch Nachfragen, zu Punkten, die im Artikel nicht detailliert oder gar nicht erwähnt wurden. Diese Fragen, die wir in der Redaktion gesammelt haben, möchte ich dir nun stellen. Die erste Frage ist: Wie werden die Patienten ausgewählt, die Reiki-Behandlungen erhalten? Oder erhalten alle Patienten in allen Reha-Bereichen grundsätzlich Reiki-Behandlungen? Falls es eine Auswahl gibt: Wer nimmt diese vor? Nach welchen Kriterien?

Marc:
Reiki ist ein fester Bestandteil in der Reha, für alle Patienten sämtlicher Reha-Bereiche. So wie jeder Patient auch Physiotherapie, Ergotherapie etc. erhält, bekommen auch alle Patienten Reiki-Behandlungen. Es erfolgt also keine Auswahl.

Oliver: Wie viele Reiki-Behandlungen erhalten die Patienten generell? In welchen zeitlichen Abständen?

Reiki im Reha-Bereich

Marc: Grundsätzlich gilt ja für Reiki der Satz: „Viel hilft viel“. Zumindest ist das in den meisten Fällen so, meiner Erfahrung nach. Im Durchschnitt erhalten die Patienten drei Mal wöchentlich eine Behandlung. Diese Anzahl ergibt sich schlicht aus unseren personellen und zeitlichen Möglichkeiten. Natürlich kann das auch mal leicht variieren, denn in der zeitlichen Planung für den Patienten müssen ja immer die Zeiten für alle Therapien berücksichtigt werden.

Oliver:
Wie lange dauert eine Reiki-Behandlung bei euch? Werden alle Patienten in derselben Weise mit Reiki behandelt? Oder gibt es Unterschiede in den Behandlungen (z. B. unterschiedliche Handpositionen)?

Marc: Eine Reiki-Behandlung dauert 45-50 Minuten. Häufig benötigen die Patienten nach der tiefen Entspannung, die sie erfahren haben, noch einige Minuten des „Wiederankommens“. Oft besteht auch das Bedürfnis, sich nach der Behandlung über die körperlichen, mentalen und emotionalen Erfahrungen, die während der Sitzung gemacht wurden, auszutauschen. Dafür muss Raum und Zeit sein.

Die Art der Behandlung, also die verwendeten Handpositionen, und die Zeit, die wir für diese benötigen, sind abhängig vom Beschwerdebild und den Bedürfnissen des Patienten. Wir arbeiten hier auch mit dem Byosen, also den energetischen Rückmeldungen, die wir erhalten, wie es im Jikiden Reiki gelehrt wird und in einer früheren Ausgabe des Reiki Magazins sehr gelungen von Frank Arjava Petter beschrieben wurde.* Fast immer beginnen wir die Behandlung am Kopf und beziehen Organe wie die Leber, die Nieren, den Darm mit ein, um den Körper in seiner Entgiftung zu unterstützen. Die Behandlung endet immer an den Füßen, um den Patienten abschließend zu erden und die Ausleitung eines eventuellen Zuviels an Energie zu ermöglichen.

Oliver: Müssen die Patienten für die Reiki-Behandlungen Zuzahlungen leisten – oder werden die Kosten dafür komplett von den Berufsgenossenschaften übernommen?

Marc: Es entstehen keine Extrakosten für die Berufsgenossenschaften, da diese pauschal einen Tagessatz für die Summe aller stattfindenden Therapien zahlen.

Oliver: Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob jemand eventuell keine weiteren Reiki-Behandlungen mehr erhält? Oder erhalten Patienten, solange sie im Reha-Bereich bleiben, prinzipiell weiter Reiki-Behandlungen?

Schmerzlinderung und Entspannung

Marc: Die Patienten kommen mit unterschiedlich starken Beschwerden in die Reha. Wenn ersichtlich wird, dass ein Patient die Reiki-Behandlungen lediglich dazu nutzt, um mal auszuruhen oder einen gepflegten Verdauungsschlaf zu halten – wogegen ja grundsätzlich auch nichts einzuwenden ist –, empfehlen wir, als Abteilung für Entspannungstherapie, jedoch andere Therapien wie z. B. regelmäßige Gruppensitzungen in Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson, die sehr gut die Entspannung fördern. Dies, um in einem solchen Fall einem anderen Patienten, der beispielsweise unter starken Schmerzen leidet, den Vorzug für die Behandlung mit Reiki geben zu können. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht kaum Gründe, jemandem eine Reiki-Behandlung vorzuenthalten. Hier besteht also ein Spielraum, individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen und jemanden vorzuziehen, dem es augenblicklich gesundheitlich schlechter geht als anderen.

Oliver: Nach welchen Kriterien werden die Mitarbeiter, die Reiki-Behandlungen am ukb geben, ausgewählt? Muss man dazu beispielsweise Reiki-Lehrer bzw. -Meister sein?

Marc: Ganz wichtig ist uns die Ausbildung in den 2. Reiki-Grad, damit alle Mitarbeiter vielseitig und professionell behandeln können. Der 2. Grad beinhaltet sehr nützliche Techniken, die bei Bedarf eingesetzt werden können. Derzeit sind wir zwei Reiki-Lehrer und drei Mitarbeiter mit dem 2. Grad. Wir arbeiten am ukb als Entspannungstherapeuten und bieten neben Reiki auch Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Qi Gong, Yoga, Pilates und Genusstraining an. Die Ausbildung in mindestens einer dieser Methoden ist ebenfalls eines der Kriterien, nach denen die Mitarbeiter ausgewählt werden. Da unsere Tätigkeit allerdings zu rd. 70 Prozent aus Reiki-Behandlungen besteht, ist eine qualifizierte Ausbildung im Usui-System des Reiki ein wesentliches Entscheidungskriterium. Lange Vorerfahrungen wiederum sind nicht von Bedeutung, denn Erfahrungen sammelt man sehr schnell sehr viele, bei bis zu sieben Reiki-Behandlungen täglich. Und natürlich findet auch ein reger Austausch untereinander statt.

Oliver: Falls andere Kliniken, Reha- oder Palliativ-Einrichtungen das Modell, eventuell ansatzweise, übernehmen möchten – gibt es eine Anlaufstelle im ukb, an die man sich wenden kann, um entsprechende Informationen zu erhalten?

Marc: Ja, das ist vor allem die ärztliche Leitung des Reha-Zentrums. Die Kontaktdaten findet man auf der Website des ukb. Und natürlich stehe auch ich für Fragen jederzeit zur Verfügung. In der letzten Zeit, nach Erscheinen des Artikels im Reiki Magazin, haben wir viele Anfragen zur Möglichkeit der Hospitation von Reiki-Praktizierenden erhalten. Wir haben diese Möglichkeit inzwischen geschaffen. Auch hier gilt als Anlaufstelle die ärztliche Leitung des Reha-Zentrums.

Oliver: Marc, wie ich weiß, bist du begeistert von den Möglichkeiten des Jikiden Reiki, einem Stil des Usui-Systems des Reiki, der heute von Tadao Yamaguchi und anderen gelehrt wird und der sich auf vieles bezieht, was insbesondere Dr. Hayashi, ein Schüler Usuis – der ja Arzt war – seinerzeit gelehrt hat. Du hast mir erzählt, wie sehr dich die Einstimmung in Jikiden Reiki unterstützt hat in deiner Reiki-Praxis und wie du erfahren hast, dass danach die Heilwirkungen deiner Behandlungen, insgesamt betrachtet, zunahmen. Kannst du etwas dazu sagen?

Formen des Reiki

Marc: Das ist etwas schwierig für mich, nicht zuletzt deshalb, weil das auch leicht missverstanden werden könnte, in Richtung „Mein Reiki ist besser als dein Reiki“. Und das wäre natürlich vollkommen falsch. Meine persönliche Erfahrung erhebt zudem nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich habe inzwischen Ausbildungen in den drei Hauptrichtungen des Reiki, die in Deutschland angeboten werden und sich auf Mikao Usui beziehen. Das Usui Shiki Ryoho durch Jule-Erina van Calker, das Jikiden Reiki durch Tadao Yamaguchi und Frank Arjava Petter und das Rainbow Reiki durch Walter Lübeck. Alle drei bieten unterschiedliche Sichtweisen und Techniken in der Behandlung. Zum Beispiel: Ganzbehandlung mit festgelegter Abfolge oder eben Byosenarbeit. Alles hat seinen Platz. In der Ganzbehandlung sehe ich eher den ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen umfassend unterstützt. Mit der Byosenarbeit hingegen kann ich gezielter behandeln und bekomme eine eindeutige energetische Rückmeldung zum Verlauf und der Wirksamkeit meiner Behandlung. Auch gut! Ich habe gerne einen ganzen Pool an Möglichkeiten zur Verfügung, aus dem ich schöpfen kann und der es mir ermöglicht, flexibel zu sein.



Ich habe schon von der Ansicht gehört, dass das Jikiden Reiki die gesamte Reiki-Praxis zu sehr auf eine reine Behandlungsmethode reduziere und den spirituellen Aspekt, wenn auch nicht ganz  verdränge, so doch vernachlässige. Stimmt, sage ich aus meiner persönlichen Sicht – und füge gleich noch hinzu: Super! Dadurch haben viele Menschen einen persönlichen Bezug zu Reiki bekommen und Hilfe erfahren, die sie sonst womöglich nicht bekommen hätten. Auf der anderen Seite haben sehr viele Menschen durch einen spirituellen Umgang mit dieser wunderbaren Energie Erfahrungen und Entwicklungen machen dürfen, die nur eine spirituelle Betrachtung ihnen ermöglichen konnte. Und wiederum sage ich: Super! Mein Ego hat in diesem Leben schon viele Gewänder getragen, mal spirituelle, mal materielle, und bisweilen auch mehrere übereinander. Die Schöpfung hält einen ganzen Kleiderschrank an Möglichkeiten für uns bereit, und aus meiner Sicht ist keine besser oder schlechter als die andere. Was dem einen seine Reise auf Engelsflügeln in himmlische Sphären ist, ist dem anderen seine Boeing auf die Kanaren. Ich kann beim besten Willen keine Wertigkeit in diesen Dingen erkennen. Meine Ansicht ist es, dass wir alle im Mittelpunkt dieses unendlich vielseitigen Universums stehen und, je nachdem, in welche Richtung wir uns drehen, die Schöpfung neu betrachten und andere Erfahrungen machen können.

Oliver: Du erwähntest bereits mehrfach die Arbeit mit dem Byosen, einem zentralen Aspekt des Jikiden Reiki. Kannst du in deinen Worten, vor dem Hintergrund deiner großen praktischen Erfahrung damit, kurz erläutern, worum es dabei im Kern geht?

Alles ist Energie!

Marc: Der Byosen ist für mich in erster Linie ein Lebenszeichen. Alles ist Energie, und alles was ist, lebt auch. Nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern auch so genannte tote Materie, wie z. B. Steine und Metalle. Auch hier können wir einen Byosen spüren. Ich kann diese Praxis nur jedem empfehlen, der mit Heilsteinen arbeitet. Frisch gekauft, weisen viele von ihnen selbst noch Störungen und Blockaden auf, die erst einmal beseitigt werden müssen, bevor sie ihre Heilfähigkeit wieder erlangen.

Zurück zu Reiki. Alles ist Energie und schwingt entsprechend. Diese Schwingungen nimmt der Behandelnde unter anderem über seine Hände wahr, und durch Reiki wird diese Fähigkeit noch einmal verstärkt. Ein erkranktes, verletztes, vergiftetes, verschlacktes Gewebe schwingt anders als ein gesundes Gewebe. Entsprechend des Ausmaßes der Schädigung verändert sich die Schwingung, und damit auch die Empfindung in seinen Händen. Daraus ergeben sich nun die verschiedenen Stufen des Byosen, die der Behandelnde wahrnehmen kann. Beginnend bei Wärme, wo wir sagen können, dass hier bei der behandelten Person gewissermaßen noch „alles im grünen Bereich“ ist, über Hitze, Kribbeln, Taubheit, Kälte, Pulsieren bis hin zu Schmerz, der wiederum bis zur Schulter aufsteigen kann und ein Zeichen für eine massive Schädigung bei der behandelten Person ist. Diese Empfindungen verlaufen in auf- und absteigenden Kurven, die wiederum Aufschluss darüber geben, ob es sich um einen akuten oder chronischen Zustand handelt. Diagnostizieren kann und darf ich damit nicht, doch ich lerne einzuschätzen, wie lange das berührte Körperteil meine Hände benötigt, um heilen zu können.

Es ist übrigens ein Irrtum anzunehmen, der Byosen sei etwas, das ausschließlich mit Reiki zu tun habe. Einige Krankengymnasten, Osteopathen und Ergotherapeuten, die bei mir in einem Reiki-Seminar waren, berichten, dass sie diese Empfindungen auch schon vor Reiki in ihrer täglichen Praxis spürten, nur eben schwächer. Es handelt sich gewissermaßen um einen Sinn, den jeder hat.

Oliver: Marc, abschließend: Ihr behandelt am ukb überwiegend Patienten, die nie zuvor mit Reiki in Berührung gekommen sind. Für alle Leser/innen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden oder  – wenn Reiki jetzt zunehmend auch kooperativ mit der Schulmedizin angewendet wird – sich bald schon in einer ähnlichen Situation befinden: Wie erklärst du deinen Patienten, die noch nie etwas von Reiki gehört haben, mit einfachen Worten, was Reiki ist?

Den Patienten „entstressen“

Marc: Fast alle unserer Patienten haben noch nie etwas von Reiki gehört und kommen mit großer Skepsis zur ersten Behandlung. Damit müssen wir leben. Aber meist nur 45 Minuten lang. Dann hat sich das Blatt gewendet. Um einen praktischen Bezug herzustellen, erkläre ich, dass bei Reiki, als einer Behandlungsmethode japanischen Ursprungs – ähnlich wie in der Akupunktur oder Akupressur –, mit Energien gearbeitet wird. Über das Auflegen der Hände stelle ich Energie zur Verfügung, die sich der Patient dann auf unbewusster Ebene nehmen kann, um Heilungsprozesse einzuleiten. Durch Stress beispielsweise ist im Körper ganz viel Energie gebunden, was wir ja an Verspannungen spüren. Um eine Muskelspannung aufrecht zu erhalten, benötigen wir Energie, die uns dann nicht mehr für die Heilung zur Verfügung steht. In Reiki-Behandlungen kommt es meist zu einer sehr tiefen Entspannung. Unser Ziel ist es, den Patienten zu „entstressen“, damit sein Körper besser heilen kann. Dies ist eine Erklärung, mit der eigentlich jeder etwas anfangen kann.

Nach den Behandlungen sind die Patienten erstaunt über die Erfahrungen, die sie machen durften und stellen bisweilen Fragen, die es mir erlauben, dann auch tiefer gehende Antworten zu geben, die sich beispielsweise auf das Zusammenspiel von Körper und Geist beziehen, bisweilen sogar ins Spirituelle gehen. Die meisten verlassen allerdings nach der ersten Behandlung erst einmal sehr verdutzt den Raum und rufen, wie sie mir dann später erzählen, gleich zu Hause an: „Weißt du was ich hier bekomme ...?“ Ihre Welt ist ein wenig größer geworden!

Oliver: Vielen Dank für das Interview.   




* Frank Arjava Petters sehr lesenswerter Artikel zum Thema Byosen ist in Ausgabe 3/2010 des Reiki Magazins erschienen; diese Ausgabe ist derzeit noch erhältlich.

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Alle Fotos: Copyright Annette Koziel, außer Foto vom ukb: Copyright ukb