An der Quelle

In einer energetisch reichen Umgebung in Österreich lebt und lehrt seit Jahrzehnten eine Reiki-Meisterin. Helga Zaar aus Wien hat in mancher Hinsicht eine Verbindung zur Quelle: Reiki sowie eine Anfang des Jahrtausends neu entdeckte Wasserquelle gehören seit langem zu ihrem Leben.

Mitten in Österreich, westlich von Wien, liegt die Wachau. Hier fließt die Donau nach Osten. An den Hängen der Wachau wird seit Jahrtausenden Wein angebaut, wachsen Marillen und etliche andere Obstbäume, deren Kultur lange zurückreicht, bis in die Zeit der Römer und Kelten.

Die Wachau ist auch geprägt von Kultplätzen, mindestens seit der Zeit der Kelten, ehe die Römer kamen und nach ihnen das Christentum. Meist stehen die christlichen Kirchen auf alten Kultorten, auf Hügeln oder nahe der Donau. Die Energiedichte der Wachau ist zu spüren. Mitten drin, auf einem Hang über dem Ort Weißenkirchen, liegt der Seiber, der Hausberg des Ortes, eine Hügelflanke mit einer Straße, an der mehrere Häuser stehen. Eines von diesen war jahrzehntelang ein Gasthaus, ehe es einige Jahre leer stand. Nun ist es seit seiner Entdeckung vor über 20 Jahren zu einem Kraftplatz geworden.

 

Vision

Seine Karriere verdankt dieses Haus einem Verein, einer kleinen Gruppe von Frauen, deren jüngste über 60 Jahre alt ist. Stellvertretende Obfrau des Vereins, der „Gesellschaft zur Erforschung und Förderung von Heilweisen für Körper-Seele-Geist“, ist seit 2005 Helga Zaar, eine Reiki-Meisterin aus Wien, die ihr Herz an den Seiber verloren hat.

Nicht von ungefähr, denn der Seiber hat eine Geschichte, die mittlerweile auch mit der von Helga Zaar verwoben ist. Die über Achtzigjährige praktiziert seit 25 Jahren Reiki und ist seit Weihnachten 1994 Reiki-Meisterin/-Lehrerin. An die 2.000 Menschen habe sie seither in Reiki eingeweiht, erzählt sie, von denen viele den „Reiki-Weg weitergegangen“ und bei ihr ebenfalls Meister geworden sind. Auf verschlungenen Wegen, auch durch ihre Kontakte in der Reiki-Szene, kam Helga Zaar zu dem Verein und auf den Seiber. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie dabei. Somit hat sie auch erlebt und begleitet, wie das Gasthaus am Seiber und seine Umgebung sich wandelten.

Dreh- und Angelpunkt der Wandlung war eine Vision von Hedwig Neubacher, der Vereinsgründerin, die das etwa 80 Jahre alte Haus am Seiber entdeckt hatte. Ihre Vision führte im Jahr 2000 zu Brunnenbohrarbeiten und, als man schon fast aufgeben wollte, in einer Tiefe von 44 Metern, zu dem Emporschießen einer Quelle. „Wie eine Madonnenfigur“ habe der Wasserstrahl in diesem Moment ausgesehen, weiß Helga Zaar.

Reines Wasser

Benannt ist die Quelle nach dem italienischen Geistlichen Padre Pio, der Hauptgestalt jener Vision; er wies eindringlich darauf hin, dass an der von ihm gezeigten Stelle zu graben sei. Direkt neben der Straße, auf der Grenze des privaten Grundstücks, steht hochkant ein flacher Stein mit einem Zapfhahn, aus dem das Brunnenwasser entnommen werden kann. An die Quelle schließt sich eine gemauerte, halbrunde, überdachte Wand an, die den Charakter einer Grotte hat. Diese Wand existierte schon zu Zeiten des Gasthauses. Hier hängt neben einem Bild von Padre Pio ein Bibelwort, das der Quelle zugeordnet ist: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils.“*

Die Menschen kommen, um sich Wasser zu holen. Täglich mehrere, wenn der Garten am Seiber offen ist, von Ostern bis Ende Oktober. Sie kommen, zu Fuß oder mit dem Auto, Großmütter und Enkelkinder, Mütter mit Kindern, einzelne Männer. Sie bringen Flaschen aus Glas oder Plastik, manchmal Kanister, füllen das Wasser ein und lassen scheppernd Münzen in die Dose neben dem Stein fallen. Es ist offensichtlich: die Quelle ist ein Anziehungspunkt. Das Wasser ist hell, klar und frisch. Wie weißes Licht scheint es zu leuchten.

Die Qualität des Wassers hat sich offenbar herumgesprochen – nicht zuletzt, seit sie erwähnt wurde in einem Buch, das kultisch bedeutende Quellen in Niederösterreich beschreibt. Der Seiber selbst liegt an einem Höhenzug, der als „Mutter-Gottes-Gebiet“ bekannt ist; eine Station dieses Gebiets ist der Wallfahrtsort Maria Laach, zwischen Weißenkirchen und Linz/Donau.

Reiki

In Wien ist die gebürtige Berlinerin Helga Zaar seit Jahrzehnten zu Hause; spätestens seit der Ehe mit einem Österreicher. Der Tod ihres Mannes 1981 wurde zu einem Wendepunkt in ihrer Lebensgeschichte. Die einstige Kostümbildnerin und spätere Immobilienmaklerin geriet in eine Lebenskrise, aus der ihr etwas heraus half, von dem sie nebenbei gehört hatte. Eine Freundin riet ihr zu einem Heilfasten-Aufenthalt im Waldviertel. Dort fing Helga Zaar in einem zufällig mitgehörten Gespräch zweier Frauen den Begriff Reiki auf. „Reiki? Was ist das?“, habe sie gerufen, „Ich muss das haben!“ So bekam sie ihre ersten Reiki-Behandlungen und, wie sich zeigte, einen Weg gewiesen.

Die energische Frau mit den hellgrünen Augen erinnert sich, sie hat es für ihre Schüler aufgeschrieben: „Licht und Hoffnung, Freude und Zuversicht waren von der ersten Stunde an wieder da ... ein Erlebnis von klarer Reinheit und tiefer Liebe zu allem, was ist.“

Doch Helga Zaar beließ es nicht beim Empfangen von Reiki, sie wollte es auch weitergeben können. Somit machte sie, bald nach ihrem Erstkontakt mit Reiki, 1991 den ersten Reiki-Grad und ging innerhalb der nächsten drei Jahre den Weg bis zur Reiki-Meisterin. Schon da hatte sie erste Behandlungserfolge bei ihren Reiki-Behandlungen. Zur Reiki-Lehrerin wurde Helga Zaar Weihnachten 1994 eingeweiht, nachdem sie im August desselben Jahres den Meister-Grad bekommen hatte. Die ersten Schüler kamen bald. Im März 1995 meldeten sich die ersten, die von ihr in Reiki eingeweiht werden wollten: eine ihrer drei Töchter und deren Freunde.

Geistige Welt

„Ich musste nie etwas machen, keine Werbung, nichts“, betont Helga Zaar, „die geistige Welt gab mir die Botschaft, sie würde die Menschen zu mir bringen.“ Die geistige Welt war ihrer Überzeugung nach auch beteiligt an ihrem Werdegang. Zwischenzeitlich absolvierte sie nicht nur Ausbildungen zur Bach-Blüten-Therapeutin bei Mechthild Scheffer, zur Lebensberaterin nach Kurt Tepperwein und zur Numerologin, sondern schloss sich auch einer Schulungsgruppe in Wien an, erzählt sie, „die mit den Aufgestiegenen Meistern arbeitete und eine schamanische Initiation“ für sie plante. Sie hätte sich dafür „verkleiden“ müssen, was sie jedoch ablehnte, erzählt sie rückblickend. Damals wie heute verspürt sie eine „enge Verbindung zu St. Germain“.

Als sie im Sommer 1994 von einem dieser Gruppentreffen wegging, wurde ihr unvermittelt klar, dass ihr Weg anders laufen sollte. Sie hatte im Auto auf der Fahrt nach Hause eine Vision, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie konsequent den Reiki-Weg zu gehen habe, bis zum Meister-Grad. „Wie ferngesteuert“ sei sie nach Hause gekommen und habe gleich ihre Reiki-Meisterin Hannelore Weber angerufen. Ein paar Wochen später feierte Helga Zaar mit ihrer Meisterin Weihnachten und bekam zu ihrer großen Freude die Einweihung zur Reiki-Lehrerin. „Freude und Dankbarkeit herrscht an jedem Tag, an dem ich Reiki erlebe“, schreibt Helga Zaar in dem Text, den sie ihren Schülern mitgibt, und betont dort: „Auch wenn ich in Seminaren lehre, ist sie da, die unsagbare Freude, die sich bei jedem bemerkbar macht.“

Wandlung

Das Wissen aus all ihren Ausbildungen wendet sie weiterhin an. Manches ist ergänzend nötig. So Bach-Blüten, mit denen sie die Erfahrung gemacht hat, dass „manche Menschen Bach-Blüten brauchen, damit die Seele für Reiki-Behandlungen geöffnet werden kann.“ Die allerdings brauchte sie nicht bei einem ihrer ungewöhnlichsten Klienten. „Nennen wir ihn Dieter“, erzählt sie, „der rief mich an und wusste nicht so recht, er hatte meine Telefonnummer bekommen, weil jemand gemeint hatte, bei mir bekäme er Hilfe.“ Sie ließ ihn erzählen.

Der Kompagnon des Unternehmers hatte soeben die Firma in die Insolvenz gesteuert. Zwei Wochen zuvor hatte Dieter die Diagnose Lungenkrebs bekommen. Außerdem war seine Lebensgefährtin ausgezogen. Als Helga Zaar das alles hörte, hatte sie die Eingebung, ihm einen Platz in ihrem demnächst stattfinden Kurs für den 1. Reiki-Grad anzubieten. Zufällig fehlte noch ein Teilnehmer, damit die Zahl rund würde. Der Anrufer ließ sich spontan auf den Kurs ein. „Er war so voll dabei!“ erzählt Helga Zaar, „ein Manager-Typ, von dem man das nicht gedacht hätte! Er hat mich nach dem Kurs bis zu sechs Mal pro Tag angerufen, um mir zu erzählen, dass er Engel gesehen habe!“ Die „21 Tage der Reinigungsphase“ habe er konsequent durchgezogen und sich jeden Tag eine Ganzbehandlung gegeben.

Anschließend sollte seine Chemotherapie vorbereitet werden. Bei der dafür nötigen ärztlichen Untersuchung stellte sich heraus: der Lungenkrebs war verschwunden. Auch alles Weitere klärte sich, weiß Helga Zaar: Dieter habe Arbeit als leitender Mitarbeiter in einer Firma bekommen, deren Chef ihm nach dem Einstellungsgespräch mitteilte, dass er selbst Reiki-Meister sei. Dieters Lebensgefährtin sei zurückgekehrt und seine Ehefrau geworden.

Besonderer Platz

Draußen im Garten des Seibers scheint die Sommersonne durch die Zweige der beiden Kastanien, die am Eingang stehen. Der Duft einer blühenden Linde am Seminarhaus erfüllt die Umgebung. Er reicht bis zu jenem Teil des Grundstücks, auf dem die 49 Heilplätze entdeckt wurden, bald nach der Quelle. Zu ihnen führt eine Treppe aus Natursteinen. Am Eingang eine niedrige Gitterpforte aus Metall. Sie markiert auch eine energetische Grenze. Die Luft hier scheint dichter als an anderen Stellen des Gartens. Viele Bäume wachsen hier, Birken etwa, Kiefern, Tannen, Buchen sowie Kirschbäume, die gewundene Äste zu den Seiten recken. Die Plätze sind mit Holzschildern markiert, die auf niedrigen Pfosten angebracht sind. Für viele Beschwerden gibt es einen Ort: „Nebenhöhlen“ steht auf dem einem Schild, „Selbstvertrauen“ auf einem anderen. Vor „Wirbelsäule und Thymusdrüse“ steht gar eine Bank, damit jemand, der Rückenschmerzen hat, sich dort niederlassen und entspannen kann.

Helga Zaar sitzt auf dieser Bank und erzählt, wie die Kraftpunkte entdeckt wurden. Der Verfasser des Buches „Heilige Quellen in Niederösterreich“ habe festgestellt, dass nicht nur die Quelle, sondern auch deren nahe Umgebung ungewöhnlich sei. Zusammen mit Hedwig Neubacher habe der Rutengänger die verschiedenen Punkte herausgefunden, sowie allmählich deren spezifische Einwirkungen auf Körper und Geist zuordnen können. Nicht nur Menschen profitieren von den Plätzen, weiß Helga Zaar, „auch Hunde kommen und legen sich auf den Platz, der ihnen gerade guttut. Deren Herrchen sind meist sehr erstaunt, wie genau die Hunde den für sie besten Platz finden“ fügt sie hinzu.

Heilung

Heilungsgeschichten gibt es auch zu diesen Plätzen. Etwa die von der nierenkranken Frau, die nur noch eine, zudem nicht mehr optimal arbeitende Niere hatte. Die Dame sei regelmäßig gekommen und habe lange auf dem für sie wichtigen Platz gestanden. Später habe der Arzt zu deren großer Freude herausgefunden, dass die verbliebene Niere sich nicht nur regeneriert habe, sondern auch für zwei arbeite.

Freude macht auch der Blick vom Seiber zur Donau hinunter, auf deren jadegrünen Wellen hin und wieder weiße Ausflugsschiffe flussabwärts fahren. Wie ein Amphitheater liegt der Hang, zwischen Weißenkirchen und seinem Hausberg wachsen Wald und Wein. Nirgendwo sonst in Österreich gebe es so viele Weinberge wie in der Wachau, weiß Helga Zaars Reiki-Schülerin Brigitta Boninsegna, die ebenfalls am Seiber dabei ist. Die beiden Damen teilen sich in diesen Tagen das Haus, jede in ihrem eigenen Zimmer, mit einer gemeinsamen Küche. Beim Abendessen im Garten fällt ein Satz, der wiedergibt, wie es sich anfühlt, im Sommer am Seiber zu sein, das Wasser von der Quelle zu trinken, einfach nur da zu sitzen und die Energien aufzunehmen. Helga Zaar weiß, er stammt von Bruder David Steindl-Rast. Und er passt, jetzt und hier: „Freude ist die höchste Form der Dankbarkeit“.

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Informationen zur Quelle: Gesellschaft zur Erforschung und Förderung von Heilweisen für Körper-Seele-Geist Seiber 171
A-3610 Weißenkirchen in der Wachau
www.seminarhaus-seiber.net

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Anmerkung:

* Jesaja 12, 3

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Franziska Rudnick ist Redakteurin des Reiki Magazins und Autorin des Buchs „Heilende Begegnung". Als Heilpraktikerin wendet sie in ihrer Praxis Klassische Homöopathie, Reiki und andere energiemedizinische Methoden an. www.akatombo.de

 

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Copyright Fotos: Franziska Rudnick

 

 

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