Reiki gleicht mehr einem Marathon als einem Sprint

Kolumne von Janina Köck

Mein Liebster, Vlado, ist Personal Trainer, und er macht bei vielen größeren Läufen mit. Auch bei sogenannten Obstacle Runs – das sind Extrem-Hindernisläufe, die u.a. durch tiefen Matsch führen. Natürlich sind unsere Tochter Liara und ich öfter mal dabei und schauen zu. Vor meiner Schwangerschaft habe ich sogar selbst mal an einem solchen Lauf teilgenommen.

Ich finde es immer wieder spannend zu schauen, was gerade in meinem Leben vor sich geht – und dann Parallelen zu ziehen zu meinem inneren Erleben, meinen Sichtweisen und meiner spirituellen Praxis. Zur Zeit bereitet Vlado sich mal wieder auf einen Lauf vor, diesmal auf den Köln Marathon. 42 Kilometer sind kein Pappenstiel, und neben der körperlichen Fitness gehört auch eine mentale dazu.

Einen Marathon kann man in der Regel nicht einfach so laufen. Dazu ist, je nach persönlicher Fitness, eine gute Vorbereitung nötig. Das heißt: regelmäßig laufen! Kurze Strecken, mal schneller, mal langsamer, und natürlich auch lange Distanzen. Selbst Menschen, die vorher nicht so oft gelaufen sind, können es mit einem Trainingsplan schaffen, beim Marathon zu bestehen. Wenn man das Ziel nicht aus den Augen verliert und schaut, was das Positive daran ist bzw. warum man angefangen hat, sich dieses Ziel zu setzen, dann kann man es auch schaffen! Und selbst wenn nicht: Dann ist man durch die Vorbereitung, den regelmäßigen Sport, wahrscheinlich gleich viel fitter und gesünder und hat ein besseres Körpergefühl als vorher. Rückschläge gibt es während eines langen Trainings natürlich immer mal wieder. Dann gilt es, die eigene Motivation wiederzufinden und auch nach Tiefs einfach wieder anzufangen.

Was hat das nun alles mit Reiki zu tun? Ganz einfach: Als ich wieder mal mit Vlado auf dem Weg zu einem Lauf war (diesmal zum Hermannslauf, Länge: 30 Kilometer), kam mir der Gedanke, dass eigentlich alle spirituellen Disziplinen, zu denen ja Reiki auch gehört, eher einem Marathon gleichen als einem Sprint.

Immer wieder erlebe ich in der Praxis, dass Reiki oder auch naturheilkundliche Behandlungen von Klienten oder Kursteilnehmern als kurzfristige Möglichkeit gesehen werden. Die Reiki-Behandlung soll am besten gleich nach der ersten Anwendung alle Probleme gelöst haben. Oder man lernt Reiki, und nach dem 1. Grad-Wochenende wird erwartet oder es wird gehofft, dass man sofort alles und jeden heilen kann. Selbst wenn der Lehrer oder Behandler zuvor erklärt hat, dass das so eher nicht läuft.

Spirituelle Disziplin 

Neulich meinte ein Schüler zu mir: „Mir geht es mit Reiki gut – aber ich habe bemerkt: es heilt nicht alles.“

Die heutige Zeit ist schnelllebig, und genauso sind auch die Erwartungen. Alles muss schnell gehen und am besten sofort hundertprozentig funktionieren. Und dabei am liebsten noch mit dem geringsten Aufwand. Kurzfristige Besserungen, Genesungen und auch Heilungen sind natürlich möglich, das wissen wir. Aber da Reiki auch eine spirituelle Disziplin ist und so viel mehr Möglichkeiten bietet, die Innenwelt kennen zu lernen, mehr zu sich selbst zu kommen und zufriedener mit sich und seiner Umwelt zu werden, lohnt es sich dran zu bleiben.

Der Weg zu sich selbst ist ein Marathon. Also, was ist das Ziel? Stellen wir uns doch einmal die folgende Frage: Was ist unser Ziel mit Reiki, und was tun wir dafür? Geht es nur darum, gelegentlich mal die Hände aufzulegen, um dann vielleicht festzustellen, dass es nicht so schnell wirkt wie man möchte? Und was ist mit Zeiten, in denen es einem selbst nicht so gut geht und man die Energie eventuell nicht so klar spüren kann? Hört man dann enttäuscht auf, mit der Ansicht, dass Reiki wohl nicht mehr funktioniert?

Ich möchte jeden dazu ermutigen, in genau solchen Zeiten weiter zu machen. Sich regelmäßig zu behandeln. Reiki als Marathon zu sehen. Wie würdest du es also angehen, wenn du dich auf einen 42-Kilometer-Lauf vorbereiten müsstest? Würdest du nicht täglich oder zumindest vier, fünf Tage die Woche laufen gehen? Verhältst du dich auch in deiner Selbstbehandlung mit Lebensenergie so? Gibst du dir täglich Reiki, oder zumindest mehrfach in der Woche? Bleibst du bei Rückschlägen dran – oder gibst du auf?

Mir scheint, da Reiki heutzutage immer öfter im Gesundheitswesen angewendet wird, tritt damit die spirituelle Disziplin beim Reiki in den Hintergrund. Hands on, sich selbst behandeln, immer und immer wieder, und das auch zu Zeiten, in denen man die Energie vielleicht nicht so stark spürt oder sogar glaubt, man hätte keine Verbindung mehr zu ihr – darum geht es doch letztlich, wenn man Reiki als spirituellen Weg für sich sieht.

Gerade wenn man in Zeiten des inneren Zweifelns dabei bleibt, so habe ich in meinen nunmehr 20 Jahren mit Reiki bei mir bemerkt, vertieft sich die Verbindung mit der Energie und das Verstehen immer weiter. Das sind wunderbare Geschenke auf dem Weg, die man nicht einfach so oder zu schnell beiseite legen sollte. Und dann gab es auch Zeiten, da dachte ich doch wirklich, ich hätte schon das meiste im Reiki verstanden. Auch hier half mir die weitere Behandlung, immer tiefer ins Verstehen zu kommen, eine Erweiterung meiner Erfahrungswelten zu erleben und so wieder Demut vor dem Weg zu erfahren – und zu wissen, dass ich eigentlich nichts weiß.

Ich möchte jeden dazu ermuntern, sich auf den Weg des eigenen Reiki-Marathons zu machen. Ich wünsche dir viel Erfolg dafür!

 

 

Janina Köck, klassische Homöopathin, körperorientierter Coach, Reiki-Lehrerin. Praxis Leben im Einklang in Köln. Referentin Reiki Convention, Gründungsmitglied ProReiki.

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