»200 Jahre gesund werden« - wenn Schulmedizin und Reiki sich begegnen

Oliver Klatt, Chefredakteur des Reiki Magazins, mit einem Essay zum Thema Reiki und Schulmedizin.

»Frage: "Was ist deine Meinung über westliche Medizin?" Sri Sri Ravi Shankar: "Meinungen sind vorübergehende Vorstellungen, die nicht dauerhaft sind. Wenn wir an Meinungen hängen bleiben, so bleiben wir an Beispielen hängen. Denn unsere Meinungen ändern sich im Laufe der Zeit. Wir brauchen also den Meinungen kein großes Gewicht zu geben. Aber zu diesem Zeitpunkt, denn alle Meinungen sollten zeitgebunden sein, sage ich, dass an der westlichen Medizin viel dran ist, und dass wir nicht dogmatische Anhänger der Naturheilweisen oder der alternativen Medizin sein sollten, sondern einen ganzheitlichen Ansatz finden sollten. Nehmt alle Aspekte der Medizin an. Das ist meine Meinung im Augenblick."«1


Als ich mich in der letzten Zeit zunehmend mit dem Thema Heilung, den natürlichen Heilweisen und der modernen westlichen Medizin beschäftigte, stieß ich eines Tages auf die oben zitierten Worte von Sri Sri Ravi Shankar, einem spirituellen Lehrer, der in der Tradition des Ayurveda steht; weltweit initiiert er humanitäre Hilfsprojekte, die auch seitens der Vereinten Nationen Anerkennung finden. Eine interessante Sichtweise für einen spirituellen Lehrer, dachte ich, als ich das las, doch mochte ich ihm in diesem Punkt folgen? Neige ich doch dazu, bei all der Ignoranz, die Reiki-Praktizierenden von Seiten der Ärzteschaft häufig entgegenschlägt, die westliche Medizin pauschal zu verurteilen und das naturwissenschaftliche Denken im Kern in Frage zu stellen.

Natürlich: Die nicht zu tolerierenden Auswüchse der etablierten Medizin liegen klar auf der Hand: die übermäßige Wissenschaftsgläubigkeit, der Anspruch der Ärzteschaft auf die alleinige Definitionsmacht über Gesundheit und Krankheit, die Reduzierung der Behandlung auf Symptombekämpfung, die Tatsache, dass Diagnose und Behandlung zunehmend selbst Krankheit erzeugen, der chronische Personalnotstand in Krankenhäusern, die ausufernden Kosten im Gesundheitswesen, etc.

Nicht umsonst sind die natürlichen Heilweisen weltweit im Kommen. Aber wie ist es überhaupt zu dieser so desolat erscheinenden Situation gekommen, mit der wir uns heute konfrontiert sehen? Ist sie nicht das Resultat einer jahrhundertelangen gesellschaftlichen Entwicklung, die es erst einmal zu verstehen gilt, um so die Gesamtsituation, die unser Gesundheitswesen momentan bestimmt, insgesamt besser begreifen zu können? Und, aus zeitgenössischer Sicht gefragt: Sind nicht auch wir als Reiki-Praktizierende in gewisser Weise lediglich das Resultat einer weltweiten Gegenreaktion auf die Auswüchse der etablierten Medizin und damit die Verkörperung einer weiteren kollektiven Tendenz im Strom der Zeit?

Die Entwicklung der Medizin zum System

Die Geschichte der Medizin ist jahrtausendealt. Für den weitaus größten Teil dieser Geschichte gilt, dass Schulmedizin und alternative Medizin gleichermaßen von den Menschen genutzt wurden, um sich im Falle eines Leidens Hilfe zu verschaffen. Noch im 16. Jahrhundert schrieb der Doktor der Medizin, Philosophielehrer und Schriftsteller Paracelsus, dass »der Medicus nicht alles, das er können und wissen soll, auf der Hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muss auch zuzeiten zu alten Weihern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen mehr unachtsamen (das heißt wenig geachteten) Leuten in die Schul gehen und von ihnen lernen, denn diese haben mehr Wissen von solchen Dingen denn alle Hohen Schulen.«2 Erst in den letzten 200 Jahren »setzte sich die Naturwissenschaft innerhalb der Medizin radikal durch, und zwar weil sie wirkliche Einsichten bieten und wirkliche Erfolge erzielen konnte.«3
In seinem Aufsatz »Alternative Formen des Wissens im Bereich der Medizin« weist Prof. Dr. Gernot Böhme, der an der TU Darmstadt einen Lehrstuhl für Philosophie innehat, darauf hin, dass die medizinische Landschaft Anfang des 19. Jahrhunderts »ein buntgeflecktes Feld bar jeder Einheitlichkeit« war. »Neben den akademischen Ärzten gab es noch die Militärärzte, es gab Chirurgen erster und zweiter Klasse, es gab Barbiere, Feldschere, es gab Hebammen (...), es gab noch so etwas wie eine Hausmedizin, weise Frauen, alle möglichen Heiler und Scharlatane. (...) Erst im 19. Jahrhundert ist die medizinische Landschaft strikt durchorganisiert worden. Mit der Durchsetzung des naturwissenschaftlichen Wissens sind zugleich die Heilberufe hierarchisiert worden, so dass dem akademisch gebildeten Arzt der absolute Vorrang in Bezug auf Diagnose und Entscheidungen über Applikationen4 zukommt, in manchen Ländern sogar das alleinige Recht darauf. Alle Heilpraktiker und Heilberufe, die sich dieser Hierarchie nicht fügten, wurden schlicht und mit Staatsgewalt ausgeschieden. Zugleich wurde der Bedarf nach Hilfe im Bereich von Krankheit und Gesundheit aufs genaueste organisiert und ökonomisiert, nämlich als das System von Versicherungen, Krankenhäusern, Sanatorien, Pharmaindustrie.«5

Innerhalb eines Zeitraumes von »nur« 200 Jahren kam es also, ausgelöst durch zahlreiche Erfolge in den verschiedenen medizinischen Bereichen, zu der Durchsetzung der naturwissenschaftlichen Denkweise in der Medizin und damit zu der »Entwicklung der Medizin zum System.«6 Diese vollzog sich als Kampf der »mehr und mehr naturwissenschaftlich ausgebildeten Ärzteschaft um das absolute Monopol im Bereich Krankheit und Gesundheit.«7. Damit einher ging die immer stärker werdende Trennung von Wissen und Person. Für die neuzeitliche Naturwissenschaft ist es insofern, mit den Worten Prof. Dr. Gernot Böhmes, charakteristisch, »dass das Wissen, das jemand hat, keine Beziehung mehr zu dem hat, was er ist. Die meisten Erfahrungen, auf die man sich als Naturwissenschaftler stützt, braucht man nicht selbst gemacht zu haben, und sie haben auch nichts damit zu tun, ob man ein "erfahrener Mensch" ist, das heißt mit dem Grad der Persönlichkeitsentwicklung. Kurz gesagt kann man ein guter Naturwissenschaftler und ein schlechter Mensch sein. Dasselbe trifft auch auf die Medizin zu, soweit sie sich auf Naturwissenschaft stützt.«8

Heutzutage ist der weitaus größte Teil der Ärzteschaft davon überzeugt, mit den naturwissenschaftlich-technischen Mitteln die wahren Gründe und Zusammenhänge im Griff zu haben. Der Einfluss, den die Ärzteschaft aufgrund ihrer in den letzten 200 Jahren zunehmend verbesserten, gesellschaftlichen Stellung gewonnen hat, ist mittlerweile immens. Ihr wurde von der Gesellschaft »das ausschließliche Recht übertragen, zu bestimmen, was Krankheit ist, wer krank ist oder sein darf und was für ihn getan werden soll.«9 Anders als z. B. Gewerkschaften verdanken die beruflichen Standesorganisationen der Ärzte ihre Autonomie »eher dem ihnen geschenkten Vertrauen als errungenen Verdiensten. Anders als Handwerksgilden, die lediglich bestimmen, wer arbeiten darf und wie, legen diese berufsständischen Zünfte auch fest, welche Art Arbeit getan werden soll.«10 Damit demonstriert die Ärzteschaft auf einem einzelnen Sektor jene gesellschaftliche Machtstellung, die die akademischen Eliten insgesamt auf gesellschaftlicher Ebene innehaben.

Hält man sich diese Entwicklung einmal vor Augen, dann dürfte es eigentlich nicht weiter verwundern, dass die Mehrzahl der Ärzte, die im Bewusstsein der fortschreitenden Kontinuität dieser 200-jährigen Entwicklung ihre tägliche Arbeit tun, nicht gerade erfreut in die Hände klatschen und ein fröhliches Willkommenslied anstimmen, wenn wir als Reiki-Praktizierende plötzlich daher kommen und verkünden, wir legen den Leuten die Hände auf, und allein dadurch würde Heilung möglich. Stellen doch gerade wir als Reiki-Praktizierende, mehr noch als Anwender anderer natürlicher Heilweisen wie z. B. der Akupunktur, des Ayurveda oder der chinesischen Medizin, geradezu die Inkarnation alles Verdrängten dar, behaupten wir doch mit glänzenden Augen und mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein wider allen naturwissenschaftlichen Denkens, dass pures Handauflegen genüge, um Heilung, selbst schwerer Krankheiten wie z. B. Krebs, zu ermöglichen, und darüber hinaus auch noch das persönliche Wachstum und die spirituelle Entwicklung der Menschen zu fördern.

Angesichts der Tatsache, dass für viele Ärzte diese Sichtweise, die sich im übrigen ja nicht nur auf Reiki erstreckt, sondern im Kern auch für andere natürliche Heilweisen gilt, offenbar inakzeptabel ist bzw. ihr allenfalls mit herablassendem Respekt begegnet wird, ist nicht anzunehmen, dass die Ärzteschaft selbst Entwicklungen in die Wege leiten wird, die zu einer neuen Offenheit gegenüber den natürlichen Heilweisen führen; eine Lösung dieser Problematik scheint deshalb wohl nur auf politischem oder rechtlichem Wege möglich. Und da im Zusammenhang mit den natürlichen Heilweisen die Eigenverantwortung der Patienten eine zentrale Rolle spielt und die meisten dieser Heilweisen, allen voran Reiki, vergleichsweise einfach zu erlernen sind, scheint es zudem angebracht, dass »das Recht zur Selbstbehandlung auf der rechtlichen, politischen und institutionellen Ebene anerkannt wird, wodurch dem Berufsmonopol der Ärzte Grenzen gezogen würde.«11 Gemäß der vorherrschenden Zeitqualität ist es nunmehr dringend notwendig, die Idee vom »mündigen Patienten« Kontur annehmen zu lassen und auf rechtlicher und politischer Ebene zu verankern.

Reiki heilt auf einfachste Weise

»Es ist unglaublich, wieviel der Geist zur Erhaltung des Körpers vermag. Der Geist muss nur dem Körper nicht nachgeben.«12 Dieser Ausspruch von Johann Wolfgang von Goethe birgt eine tiefe Wahrheit in sich, weist er doch auf die besondere »Vormachtstellung« des Geistes innerhalb des »Systems Mensch« hin - ein Aspekt, der auch bei der Anwendung von Reiki, zum Beispiel bei den Praktiken des 2. Grades, eine entscheidende Rolle spielt.

Bei Reiki arbeiten wir, ganz im Gegensatz zu der Schulmedizin, wie man sagen könnte, mit den einfachsten Mitteln: Wir stellen keine Diagnose, wir nehmen keine Eingriffe vor, wir verabreichen keine Mittel, und wir führen auch keine Therapie durch, wir legen »nur« die Hände auf. Es ist die Erfahrung vieler Reiki-Praktizierender, dass es dem Heilungsvorgang zuträglich ist, sich bei einer Reiki-Behandlung so gut wie möglich auf den zu Behandelnden einzustellen, sich mit ihm zu verbinden, quasi sein innerstes Wesen zu verstehen. Zugleich ist es, wie immer wieder betont wird, von zentraler Bedeutung, sich als Instrument der Reiki-Energie zu verstehen und nicht zu meinen, man selbst würde mit seiner Person eine etwaige Heilung bewirken. Viele sind der Auffassung, wie der englische Heiler Harry Edwards: »Je einfacher und natürlicher die Heilung ausgeübt wird, um so reiner und größer ist sie.«13

Grundsätzlich scheint es von Vorteil, in der Begegnung mit dem zu Behandelnden eine optimistische Haltung einzunehmen und eine gedrückte Stimmung zu vermeiden. Für die Kontaktbehandlung wie auch für die Fernbehandlung mit dem 2. Grad gilt, dass zwar der Glaube daran, dass Reiki »funktioniert«, dem Heilungsvorgang förderlich ist, dies jedoch keine Voraussetzung dafür ist, dass Heilung geschieht, denn Reiki wirkt unabhängig davon, ob der zu Behandelnde daran glaubt oder nicht.

Nach allem, was in den einschlägigen Büchern zum Thema Energieheilung bzw. Geistheilung zu lesen ist14, handelt es sich bei dieser Form der Heilung letztlich um das Phänomen der Schwingungsänderung: »Sind die Nerven entzündet oder geschwächt, sind Gewebe erkrankt oder ist der Körper in Unruhe, dann ist dies den Atomschwingungen zuzuschreiben. (...) Einen disharmonischen Atomzustand zur Gesundung zu führen, sind subtile gesetzmäßige Kräfte nötig: eine besondere Heilungsschwingung schafft Abhilfe.«15

»Die Schwingungsänderung ist die Verbindung des geistigen Reichs mit der Welt der Materie.«16 So liegt denn auch für viele der tiefere Sinn einer Heilung, die durch den Geist, durch die Übertragung von Energie sich ereignet, darin, dass solcherweise der Geist der Person, der die Heilung zuteil wird, in besonderer Weise berührt wird und diesen in die Lage versetzt, sich selbst in bisher ungekannter Weise zu erfahren.

Und darüber hinaus scheint es sinnvoll, die Pflege und Gesunderhaltung des Körpers nicht zwanghaft und ausschließlich aus dem Geiste heraus zu betreiben, sondern ebenso die zahlreichen Mittel und Anwendungen zu nutzen, die die materielle Welt hierzu für uns bereit hält. Mit den Worten Harry Edwards: »Man sei überall vernünftig. Wir lernten den Körper und seine Gesunderhaltung kennen. Es wäre dumm, wollten wir die Vorteile dieses Wissens nicht anerkennen. Wenn ein Patient an Rheumatismus leidet, dann unterstützen Massage und heiße Behandlung die Wiederherstellung. Dies ist ein einfaches Beispiel, und der Grundsatz wird dadurch ins Licht gerückt, dass es gut ist, sich selbst zu helfen, wenn man kann. Die Schulmedizin hat von ihrem Standpunkt aus besondere Methoden entwickelt, um Leiden und Schmerzen zu beheben, und was davon wirkungsvoll ist, unterstützt die Arbeit der geistigen Heiler.«17

Krankheit und deren Überwindung

Krankheit und Schmerz gehören zu den Grunderfahrungen eines jeden Menschen. In gewisser Weise »leiden wir alle am Leben«, wie Johann Wolfgang von Goethe es einmal ausdrückte.18 Auch Buddha stellte schon rund zweitausend Jahre zuvor fest, dass unser Körper und unser Geist dem Leiden nicht entgehen können, wies jedoch gleichzeitig darauf hin, dass es Ursachen für dieses Leiden gibt, die wir überwinden können, und zeigte den Weg dazu auf.19

Was also ist die tiefere Bedeutung von Krankheit, von Leiden? Eine bemerkenswerte Antwort auf diese Frage hatte der Arzt und Begründer der Bachblütentherapie, Dr. Edward Bach: »Krankheit ist weder Grausamkeit noch Strafe, sondern einzig und allein ein Korrektiv, ein Werkzeug, dessen sich unsere eigene Seele bedient, um uns auf unsere Fehler hinzuweisen, um uns von größeren Irrtümern zurückzuhalten, um uns daran zu hindern, mehr Schaden anzurichten und uns auf den Weg der Wahrheit und des Lichts zu bringen, von dem wir nie hätten abkommen sollen.«20

Sind wir offen für diese Botschaft, so die Erfahrung vieler, lässt sich der Zustand von Krankheit meistens überwinden: »Bei einer Heilung überwinden die geeigneten Kräfte die schlechten Folgen unguter Lebensführung. Heilungen sind wie ein Kampf der Heilkräfte gegen die körperlichen Spannungen. Wenn die Heilungskräfte die Oberhand gewinnen, verschwinden die Beschwerden.«21

Zudem ist es für den Heilungsprozess, wie die US-amerikanische Autorin Louise Hay feststellt, von zentraler Bedeutung, dass dieser ganzheitlich und aktiv betrieben wird: »Damit wir gesund und heil werden, müssen wir ausgeglichen werden in Körper, Seele und Geist. Wir müssen gut für unseren Körper sorgen. Wir müssen eine positive Einstellung zu uns selbst und zum Leben haben. Und wir brauchen eine starke, geistige Rückbindung. Wenn diese drei Bedingungen erfüllt sind, können wir uns des Lebens freuen. Kein Arzt, kein Heilpraktiker kann uns dies geben, solange wir nicht beschließen, zu unserem Heilungsprozess aktiv beizutragen.«22

Schulmedizin und Reiki

Wie kann ein Miteinander von Schulmedizin und Reiki nun konkret aussehen? Dazu die US-amerikanischen Reiki-Meisterinnen Libby Barnett und Maggie Chambers, die bereits langjährige Erfahrung in diesem Bereich haben, in ihrem Buch »Reiki - Energie-Medizin«23: »Reiki könnte zu einer vielseitig einsetzbaren Ergänzung westlicher Behandlungsmethoden werden und einen wichtigen Anteil bei der Entstehung eines neuartigen Paradigmas24 ganzheitlicher Heilung verkörpern, welches dem Bewusstsein für die Körper-Geist-Einheit und den Präventivmethoden in der Gesundheitspflege eine wichtige Rolle einräumt. Wir haben im Laufe der letzten sieben Jahre Ärzten, Krankenschwestern, Psychologen, Psychotherapeuten, Priestern, Nonnen, Physiotherapeuten, Beschäftigungstherapeuten und anderen Angehörigen helfender Berufe beigebracht, mit Reiki zu arbeiten. Einige im Gesundheitsbereich tätige Organisationen, die sich mittlerweile ernsthaft mit der Wirksamkeit alternativer Therapiemethoden befassen, beziehen Reiki bereits in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter ein. Wir werden immer wieder von Institutionen gebeten, Reiki-Kurse für sie durchzuführen, und viele andere Einrichtungen senden ihre Mitarbeiter zu Reiki-Kursen, die wir selbst organisieren.«25

Zu den Institutionen, für deren Mitarbeiter diese beiden Reiki-Meisterinnen Reiki-Kurse veranstalten, gehören zahlreiche US-Krankenhäuser. Wäre es nicht großartig, wenn eine solche Entwicklung auch in Deutschland um sich greift? Zahlreiche Angehörige der helfenden Berufe praktizieren schon jetzt Reiki. Möglicherweise lernen es noch viel mehr von ihnen, wenn dies von ihren Arbeitgebern gefördert wird. Wie wäre es, wenn alle diese Menschen auf einmal offiziell, im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit, Reiki-Behandlungen geben können? Wenn darüber hinaus die deutschen Krankenkassen, wie dies z. B. in England schon längst der Fall ist, Formen der Energie- bzw. Geistheilung bezahlen? Und wenn immer mehr Ärzte im Rahmen der Ausübung ihrer Heilkunst auch Reiki anwenden? Oder, weil es ihnen an Zeit mangelt, Rezepte für Reiki-Behandlungen ausstellen?
Und in der Zwischenzeit könnte die Ärzteschaft zumindest damit aufhören, andere Heiler gesellschaftlich zu diskreditieren: »Was verlangt ist, ist eine neue Offenheit und eine neue Bescheidenheit des akademisch ausgebildeten Arztes. Mochte Anfang des 19. Jahrhunderts die Standespolitik, die zur absoluten Vorherrschaft des akademischen Arztes geführt hat, noch dadurch gerechtfertigt werden können, dass man die Patienten vor Scharlatanen schützen wollte, so ist angesichts der negativen Folgen naturwissenschaftlicher Medizin und Pharmazie heute hier Zurückhaltung geboten. Die sicherlich notwendige Kontrolle und Disziplin sollte aber den Organisationen der anderen Heilberufe überlassen bleiben.«26

In diesem Zusammenhang sind dann auch die Politik und die Rechtsprechung gefragt. Es gilt, ein offenes Klima in der gesundheitspolitischen Diskussion zuzulassen, das nicht von Vorurteilen, Halbwissen oder übermäßiger Wissenschaftsgläubigkeit dominiert wird, mit Blick auf das, was dem einzelnen hilft, und nicht ausschließlich auf das, was nachweisbar, repräsentativ und reproduzierbar ist.

Vielleicht gelangen wir auf diese Weise zu einem neuen Umgang miteinander, in Rückbesinnung auf die Grundsituation, die jeglicher Beziehung zwischen Heilkundigem und Patient zugrunde liegt. Mit den Worten Dr. Deepak Chopras: »Die Medizin wieder in einen natürlicheren Stand zu versetzen, ist wichtig. Immerhin ist das Grundelement der Medizin etwas ganz Natürliches, ein Mensch in Schwierigkeiten, der jemanden sucht, der ihm helfen kann. Klammern wir die medizinischen Techniken einmal aus, dann wird diese Beziehung immer dann am ehesten glücken, wenn sie ganz unkompliziert ist und damit am natürlichsten.«27

Wirken auf unterschiedlichen Ebenen

»Erst das Wort, dann die Pflanze, zuletzt das Messer«28, so ein überlieferter Ausspruch von Äskulap, dem griechischen Gott der Heilkunde. Ich möchte, als überzeugter Reiki-Praktizierender, diesen Ausspruch hier nun abschließend noch um eine Stufe erweitern, und zwar in folgender Weise:

Erst die Hände,
dann das Wort,
dann die Pflanze,
zuletzt das Messer.

Wobei natürlich auch nichts dagegen spricht, die hier als Abfolge dargestellten Stufen in Gleichzeitigkeit anzuwenden, also:

Sowohl die Hände
als auch das Wort
als auch die Pflanze
als (notfalls) auch das Messer.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen der jeweiligen Situation angepassten Umgang mit den vielen verschiedenen Weisen zur Heilung von Körper, Geist und Seele.

 

Wussten Sie schon, dass...


... die Hamburger Krankenkasse securvita, die erst kürzlich ihr Engagement für Naturheilverfahren gegen das Bundesversicherungsamt durchsetzte1, auch eine Kostenübernahme für Reiki-Behandlungen erwägt? Der Pressesprecher der securvita, Norbert Schnorbach: »Reiki gehört eindeutig zu den Verfahren mit positiven Wirkungen, und die Nachfrage steigt. Wir diskutieren eine Kostenübernahme.« 2
1 Sozialgericht Lübeck, Aktenzeichen S 8 KR 167/99 ER 2
2 Schrot&Korn, Ausgabe 1/2001

... es in den USA bereits mehr als 100 Krankenhäuser gibt, in denen Reiki angeboten wird? In vielen dieser Krankenhäuser gibt es Organisationen, die speziell für die Anwendung von Reiki und anderen alternativen Methoden zuständig sind. Zahlreiche Krankenhäuser, die bislang ohne Reiki-Angebot sind, bemühen sich nun verstärkt darum, dieses zu integrieren, da sie bereits Patienten an Kliniken mit Reiki-Programm verlieren.
Lübeck, Walter; Petter, Frank Arjava; Rand, William Lee: »Das Reiki-Kompendium«, Aitrang 2000, S. 268

... die alternative Medizin in den USA ganz allgemein beliebter wird? Einem Bericht von David Eisenburg zufolge erhielten in den USA bislang mehr als 100 Millionen Menschen eine Form von alternativer Gesundheitsbetreuung, für die sie insgesamt mehr als 14 Milliarden Dollar aus eigener Tasche bezahlten.
Lübeck, Walter; Petter, Frank Arjava; Rand, William Lee: »Das Reiki-Kompendium«, Aitrang 2000, S. 268

... naturheilkundliche Therapien längst, wenn auch unbewusst, Bestandteil zahlreicher ärztlicher Verordnungen geworden sind, meist ohne dass sich der Verordnende dessen bewusst wäre? So z.B. in Form von Diätverordnungen, Krankengymnastik, Phototherapie, psychosomatischer Anwendungen oder der Behandlung mit Arzneistoffen pflanzlichen Ursprungs.
Franz Eduard Brock im Vorwort zum »Handbuch der Naturheilkundlichen Medizin«, 0-1, ecomed, Landsberg 1998



Quellenangaben


1 Shankar, Sri Sri Ravi: »Du bist der Himmel - Ayurveda und die Kunst des Lebens«, April 2000, Hrsg.: Gesellschaft für Inneres Wachstum e. V., Seite 26

2 zitiert nach: Böhme, Gernot: »Alternative Formen des Wissens im Bereich der Medizin« in: Brock, F.-E. (Hrsg.): »Handbuch der Naturheilkundlichen Medizin«, Landsberg 1998, I-2, Seite 1

3 Böhme, Gernot: »Alternative Formen des Wissens im Bereich der Medizin« in: Brock, F.-E. (Hrsg.): »Handbuch der Naturheilkundlichen Medizin«, Landsberg 1998, I-2, Seite 1

4 Verordnung und Anwendung von Medikamenten oder therapeutischen Maßnahmen

5 Böhme, Gernot: »Alternative Formen des Wissens im Bereich der Medizin« in: Brock, F.-E. (Hrsg.): »Handbuch der Naturheilkundlichen Medizin«, Landsberg 1998, I-2, Seite 1

6 s.o., S. 2

7 s.o., S. 1

8 s.o., S. 4

9 Illich, Ivan: »Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Lebens«, München 1995, S. 12

10 s.o., S. 35f

11 s.o., S. 29f

12 Ruf, Joachim (Hrsg.): "Arzt und Patient im Spiegel der Weisheit", Lahr 1994, S. 37

13 s.o., S. 50

14 z. B.: Edwards, Harry: "Wege zur Geistheilung", Freiburg i. Br., 1999, S. 80f

15 s.o.

16. s.o.

17 s.o., S. 52 f

18 Ruf, Joachim (Hrsg.): »Arzt und Patient im Spiegel der Weisheit«, Lahr 1994, Seite 48

19 vgl. z. B.: Dalai Lama: »Der Weg zur Freiheit«, München 1996, S. 118f (Die Vier Wahrheiten)


20 zitiert nach: Wehrend, Ute: »Das Reiki-Buch. Heilung und Weg«, Oster-Schnatebüll 2000, S. 120

21 Edwards, Harry: »Wege zur Geistheilung«, Freiburg im Breisgau 1999, S. 85

22 Hay, Louise L.: »Heile deinen Körper«, Freiburg 1989, S. 5

23 Barnett, Libby & Chambers, Maggie: »Reiki - Energie-Medizin. Heilende Berührung für Praxis, Krankenhaus, Beruf und zu Hause«, Essen 1998

24 bedeutet: Beispiel, Muster, Geschichte mit beispielhaftem, modellhaften Charakter

25 Barnett, Libby & Chambers, Maggie: »Reiki - Energie-Medizin. Heilende Berührung für Praxis, Krankenhaus, Beruf und zu Hause«, Essen 1998, S. 26f

26 Böhme, Gernot: »Alternative Formen des Wissens im Bereich der Medizin« in: Brock, F.-E. (Hrsg.): »Handbuch der Naturheilkundlichen Medizin«, Landsberg 1998, I-2, Seite 5

27 Chopra, Dr. Deepak: »Die Rückkehr des Rishi - Ein Arzt auf der Suche nach dem, was uns wirklich heilt«, Düsseldorf 1997, Seite 125

28 Ruf, Joachim (Hrsg.): »Arzt und Patient im Spiegel der Weisheit«, Lahr 1994, Seite 26


Buchtipps


»Die Rückkehr des Rishi. Ein Arzt auf der Suche nach dem, was uns wirklich heilt«, Dr. Deepak Chopra, Econ Taschenbuchverlag

»Das heilende Ja. Die Geschichte meiner AIDS-Heilung«, Niro Markoff Asistent, Aquamarin Verlag

»Wege zur Geistheilung«, Harry Edwards, Verlag Hermann Bauer (Classics)

»Reiki - Energie-Medizin. Heilende Berührung für Praxis, Krankenhaus, Beruf und zu Hause«, Libby Barnett & Maggie Chambers, Synthesis Verlag

»Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Lebens«, Ivan Illich, Beck'sche Reihe (Nr. 1104)

»Handbuch der Naturheilkundlichen Medizin«, F.-E. Brock (Hrsg.), ecomed Verlagsgesellschaft, Tel.: (08191) 125-0, www.ecomed.de


Der Autor

Oliver Klatt, geb. im März 1967, seit sieben Jahren in Reiki eingeweiht, seit einem Jahr als Reiki-Meister auf dem Weg, gibt sich selbst und anderen regelmäßig Reiki, leitet 1. Grad- und 2. Grad-Seminare, veranstaltet Reiki-Austausch-Abende und verwaltet, produziert und leitet das Reiki Magazin.