Reiki und Schulmedizin

Interview mit Pamela Miles



In der renommierten US-amerikanischen Zeitschrift »Alternative Therapies« erschien in diesem Jahr erstmals eine wissenschaftliche Studie zum Thema Reiki, in einer für Mediziner annehmbaren Weise verfasst. Die Reiki-Meisterin und Heilerin Pamela Miles ist die Hauptverfasserin dieser Studie. Barbara McDaniel vom Reiki Magazine International sprach mit ihr über die Integration von Reiki in die Schulmedizin.

Als Pamela Miles im Jahre 1986 Reiki kennenlernte, war sie bereits als professionelle Heilerin tätig. Sie kam zu Reiki durch ihren persönlichen Heilungsprozess und integrierte es sehr bald in ihre heilerische Arbeit. In den letzten zehn Jahren hat Pamela Miles in vielen bedeutenden Kliniken in New York und Umgebung Reiki eingeführt; sie genießt dort große Anerkennung und gilt als »Vorkämpferin« für die Integration von Reiki und Spiritualität in die Schulmedizin. Die Studie, die sie zusammen mit Gala True (PhD) erstellte, ist die erste Untersuchung zu Reiki in der medizinischen Literatur. Ihr Artikel »Reiki - Review of a Biofeld Therapie« erschien im März 2003 in der US-amerikanischen Zeitschrift »Alternative Therapies«.(1) In der Juli-Ausgabe der Zeitschrift erschien zudem ein acht-seitiges Interview mit Pamela Miles.(2)

Barbara McDaniel: Einige Praktizierende haben Schwierigkeiten damit, dass Reiki in die Schulmedizin integriert werden soll. Wie sind deine Erfahrungen?

Pamela Miles: Ich kenne viele Ärzte, die sich sehr um ihre Patienten kümmern und die nach Möglichkeiten suchen, das Leiden zu verringern. Diese Ärzte bedürfen auch der Zuwendung. In der westlichen Kultur wenden sich Menschen, die leiden, im Allgemeinen an die Schulmedizin, um dort Hilfe zu finden. Wenn Reiki in die Schulmedizin integriert wird, dann kann Reiki diese Hilfesuchenden wie auch die Gemeinschaft der Mediziner insgesamt heilen. Durch die Integration von Reiki in die konventionelle Medizin steigt der Bekanntheitsgrad von Reiki, und es wird noch mehr Menschen zugänglich. Tatsache ist, dass Reiki in Kliniken bereits angewendet wird. Genau so wenig, wie wir den Fluss von Reiki während einer Behandlung kontrollieren können, ist es möglich, den Fluss von Reiki in der Welt zu kontrollieren. Was wir jedoch tun können ist, eine achtsame und respektvolle Praxis zu vertreten.

Barbara McDaniel: Glaubst du, dass der spirituelle Aspekt in einem Krankenhaus gewahrt werden kann? Besteht nicht die Gefahr, dass Reiki lediglich als eine Art Medikament betrachtet werden könnte?

Pamela Miles
: Ich glaube nicht, dass der spirituelle Aspekt von Reiki irgendwie gefährdet sein könnte. Reiki ist einfach spirituell, und nichts kann Reiki vom Spirituellen trennen. Wir alle teilen Reiki, von unserem eigenen Erfahrungshorizont aus, und alle Praktizierenden kommen mit der Zeit dahin, den spirituellen Grund von Reiki tiefer zu erfassen. Reiki holt die Menschen dort ab, wo sie sind, und verbindet sie ganz sanft mit ihrer eigenen, inneren Spiritualität.
Im Allgemeinen ist es mir egal, in welcher Weise andere Menschen Reiki praktizieren. Es gibt Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin und die ich deshalb nicht unterstütze. Aber ich unterstütze das Recht der Menschen, Reiki so zu praktizieren, wie sie es kennen. Ich bin überzeugt von Reiki, und ich habe Vertrauen darin. Für mich gibt es nichts Kraftvolleres als Reiki. Reiki kann die Spiritualität wieder in die Medizin zurückbringen.


Barbara McDaniel: Welchen Wert misst du deiner Studie in »Alternative Therapies« zu?

Pamela Miles: Die Studie baut eine Brücke. Sie stellt eine wohlüberlegte Annäherung an Reiki dar, das eine große Bandbreite an Stilen beinhaltet. Die Studie gibt medizinischen Anwendern die Möglichkeit, Reiki von ihrer Perspektive her zu verstehen - zu erkennen, was es den Patienten bieten kann und wie man die Professionalität und Eignung eines Reiki-Praktizierenden für den medizinischen Rahmen bemessen kann. Ärzte haben die Studie gelesen und sich für ein 1. Grad-Seminar angemeldet. Die Studie bietet auch wertvolle Hilfe für die Forschung. Sie bietet Patienten die Möglichkeit, Reiki ihren jeweiligen Ärzten vorzustellen, und hilft Reiki-Praktizierenden, einen Weg in die medizinische Gemeinschaft zu finden. Um diesen Prozess zu unterstützen, entwerfe ich ein Fernstudium, mit dessen Hilfe interessierte Reiki-Anwender die Grundlagen der konventionellen Medizin erlernen können - z. B. Krankenhaus-Protokolle schreiben, Fallbeschreibungen verfassen usw. - und den Kliniken damit auch zeigen können, dass sie all dies gelernt haben.

Barbara McDaniel: Was denkst du, wieviel an Erfahrung und Praxis benötigt ein Reiki-Praktizierender, um in einer Klinik mitarbeiten zu können?

Pamela Miles
: Je mehr Praxis, desto besser. Der Anwender benötigt ein starkes Vertrauen in die Weisheit von Reiki, bezüglich der Fähigkeit, inmitten von Leiden ruhig und gelassen bleiben zu können und nicht immer gleich alles zu bewerten. Diese stetige Verbindung zu Reiki zu entwickeln kann eine Zeit dauern.

Barbara McDaniel: Wie können die Leute Nutzen aus deiner Studie ziehen?

Pamela Miles
: Da gibt es viele Möglichkeiten. Reiki-Praktizierende können beim Lesen der Studie feststellen, ob deren Inhalt ihre eigene Praxis von Reiki reflektiert. Falls nicht, wo liegen die Unterschiede? Über die Unterschiede kann man nachdenken, um herauszufinden, was wirklich wichtig ist; um zu sehen, ob es nur eine Frage des Stils ist oder ob es dabei um grundsätzliche Unterschiede geht.
Menschen, die sich in medizinischer Behandlung befinden, können die Studie lesen, um zu entscheiden, ob sie Reiki ausprobieren möchten. Sie können die Studie ihrem Arzt zeigen. Patienten können auf das Gesundheitssystem Einfluss nehmen, ihre Ärzte informieren und nach dem fragen, was sie möchten.
Ärzte sind sich darüber bewusst, dass Patienten andere Methoden für sich anwenden. Reiki ist eine der zuträglichsten Unterstützungen, die Patienten nutzen können; die Berührung ist nicht manipulativ, es sind keine Substanzen einzunehmen. Kontraindikationen sind nicht bekannt. Reiki ist zu keiner Zeit gefährlich. Ärzte benötigen diese Informationen, um die Anwendung von Reiki zu unterstützen. Sie haben inzwischen von Reiki gehört, und nun gibt es etwas Schriftliches, das Sinn macht, ihre Bedenken beruhigt und aufzeigt, dass sie nicht die ersten Ärzte sein werden, die diese Methode anwenden.
Ärzte sind aufrichtig um ihre Patienten besorgt und sind eifrig bemüht, mit neuen medizinischen Entwicklungen Schritt zu halten. Es erleichtert ihre Arbeit ungemein, wenn sie eine Studie zur Hand haben, die ihnen einen grundlegenden Überblick über Reiki verschafft.
Viele der Ärzte, die bei mir Reiki erlernt haben, integrieren es bereits in ihr Behandlungsprogramm. Ein Arzt erzählte mir, dass er, wenn er mit einem Patienten Schwierigkeiten hat, einfach sagt: »Warum probieren wir nicht etwas anderes aus?« Dann kommt er hinter seinem Schreibtisch hervor, legt seine Hände sanft auf den Kopf des Patienten, und steht so, für einige Minuten, in Reiki-Stille. Dies verwandelt die gegenseitige Interaktion. Ein Patient fragte: »Herr Doktor, geben Sie mir etwa Reiki?«



Die englische Originalfassung des Artikels »Reiki - Review of a Biofield Therapie. History, Theorie, Practice and Research« (Erstveröffentlichung in: Alternative Therapies in Health and Medicine, Vol. 9, No. 2, March/April 2003, S. 62-72) von Pamela Miles und Gala True (PhD) ist im Internet verfügbar unter: www.pamelamilesreiki.com - Stichwort: »References and Resources«, dann »Articles«.

Das US-amerikanische Magazin »Alternative Therapies« befasst sich mit der wissenschaftlichen und klinischen Praxis von ergänzenden und alternativen Heilmethoden. Es ist eine der angesehensten Zeitschriften für alternative Heilmethoden weltweit, mit höchstem wissenschaftlichen Anspruch. Das Magazin trägt den Zusatz »peer-reviewed«, was bedeutet, dass alle Artikel vor dem Abdruck von Wissenschaftlern auf Qualität und Plausibilität hin geprüft und bei diesbezüglichen Mängeln verworfen werden. Weitere Infos: www.alternative-therapies.com

Erstveröffentlichung in Englisch
im Reiki Magazine International
Ausgabe 24, Aug./Sept. 2003
www.ReikiMagazine.com

Übersetzung:
Josefa Kayatz/Oliver Klatt


(1) »Reiki - Review of a Biofield Therapy. History, Theory, Practice, and Research«, Pamela Miles & Gala True (PhD), in: Alternative Therapies in Health and Medicine, Vol. 9, No. 2, March/April 2003, S. 62-72 (diese Ausgabe enthält noch weitere Artikel zum Thema »Reiki und Schulmedizin«)
(2) »Pamela Miles. Reiki Vibrational Healing«, Interview by Bonnie Horrigan, in: Alternative Therapies in Health and Medicine, Vol. 9, No. 4, July/August 2003, S. 74-83