Lieblinge auf der Couch

Ein Erlebnis mit der Tierkommunikatorin Iljana Planke.

 

Was tun, wenn Mietze ihr Geschäft nicht mehr im Katzenklo, sondern auf dem Wohnzimmerboden verrichtet, oder der Familienhund plötzlich kleine Kinder anbellt? Der Gang zum Tierarzt bleibt oft ergebnislos. Aus der Not heraus finden viele den Weg zur Tierkommunikatorin, Tierheilpraktikerin oder Tierpsychologin. Auch Reiki-Praktizierende erschließen sich neue Wirkungsbereiche und arbeiten vermehrt mit Tieren. Das Reiki Magazin hat die Tierkommunikatorin und Reiki-Meisterin Iljana Planke begleitet und die Probe aufs Exempel gemacht.


Lillys Leidenschaft ist Fressen. Und das sieht man ihr auch an. Die stolze Katzendame trägt einen riesengroßen Bauch vor sich her, so dass »Katzenmama« Sandra C. regelmäßig darauf angesprochen wird, Lilly doch endlich mal auf Diät zu setzen. Für Sandra ein Ding der Unmöglichkeit: »Lilly quengelt dann die ganze Zeit, sie gibt überhaupt keine Ruhe mehr, bis sie nicht endlich etwas zu Fressen bekommt. Ich weiß mir da nicht zu helfen.« Ein anderes Problem, das Sandra mit Lilly jeden Morgen hat, ist Lillys nervige Angewohnheit, Frauchen Sandra pünktlich zwischen fünf und sechs Uhr zu wecken. Da gibt es kein Erbarmen. Lilly triezt Sandra so lange, bis sie aufsteht und ihr Futter gibt. Katzenterror pur!

Ein Fall für Tierkommunikatorin Iljana Planke. Die Potsdamer Reiki-Meisterin arbeitet seit 2002 als Vermittlerin zwischen Mensch und Tier und gibt mittlerweile auch selbst Kurse, in denen sie Interessenten die Kunst der Tierkommunikation beibringen will. Hier versucht sie in Wochenendseminaren vor allem den telephatischen Sinn der Teilnehmer zu schärfen. Denn, laut Iljana, kann jeder die Tierkommunikation lernen. »Die meisten Tierbesitzer verständigen sich in Ansätzen sowieso schon intuitiv mit ihrem Tier. Bei mir lernen sie Techniken, wie sie diese Fähigkeit ausbauen können«, erklärt mir Iljana im Vorgespräch. Selbst hat sie die Tierkommunikation bei der US-Amerikanerin Amelia Kinkade in einem 4-Tage Seminar erlernt. Zugeben, ich stehe der Sache etwas skeptisch gegenüber. Nur schwer kann ich mir vorstellen, wie man in so kurzer Zeit die eigene Intiution dermaßen schärfen kann, dass man das versteht, was Tiere einem mitteilen wollen, und nicht das, was man sich in seiner eigenen Fantasie so zusammenreimt. Ich bin also gespannt, was wir mit Sandra und Katze Lilly erleben werden.

Katze Lilly

Hausbesuch

Für Iljana ist es selbstverständlich, Mensch und Tier im heimischen Umfeld zu besuchen, dort wo die meisten Probleme eben auftreten. Als Iljana zu Sandra und Katze Lilly in deren Berliner Wohnung fährt, begleite ich sie. Die Haustigerin scheint wenig Interesse an uns zu haben und hält lieber ein ausgiebiges Verdauungsschläfchen, schließlich gab es gerade Futter. »Das ist auch so eine Sache«, erklärt uns Tierhalterin Sandra sogleich, »Lilly will jeden Tag minutiös zur gleichen Zeit ihr Fressen haben, und wehe sie kriegt es dann nicht. Mich würde interessieren, warum das so ist.«

Nonverbale Kommunikation

Iljana wendet sich unverzüglich der Kätzin zu, hält aber dann Sicherheitsabstand ein. »Lilly will jetzt in Ruhe gelassen werden, das kann schwierig werden, denn wenn Katzen nicht wollen, wollen sie nicht. Und mit einer schlafenden Katze kann ich schlecht sprechen«, befürchtet Iljana. Während ich versuche Lilly aufzuwecken, erläutert Iljana die Grundsätze des Sprechens mit Tieren: »Ich dolmetsche eigentlich nur. Tierkommunikation läuft leise und nonverbal ab. Ich übermittle dem Tier die Frage des Besitzers und empfange dann Worte, Bilder, Gefühle, manchmal ist es auch ein Geschmack. Man kann sich das wie einen Radiosender vorstellen: Ich stelle meinen telepathischen Sinn auf das Tier ein, und wir können miteinander kommunizieren. Wenn Sandra Lilly etwas sagen möchte, dann kann sie das laut machen. Ich übersetze dann alles, und Lillys Antwort natürlich auch.« Falls ein Tier mehr als einen guten Dolmetscher braucht, hat Iljana stets prophylaktisch einen Satz Bachblüten im Rucksack, oder sie gibt Reiki. »Wenn ich merke, dass ein Tier Reiki will, weil es sich zu mir legt, oder mich darum bittet, lege ich natürlich immer die Hände auf, auch wenn der Besitzer nicht danach fragt. Hier ist der Wille des Tieres Ausschlag gebend. Aber normalerweise läuft eine Heilbehandlung getrennt von der Kommunikation ab«, erläutert Iljana weiter. Katze Lilly ist bis auf ihre Körperfülle kerngesund, und an Reiki scheint sie momentan auch nicht sehr interessiert zu sein, also »unterhalten« wir uns lieber mit ihr.

Tierkommunikatorin Iljana Planke im »Gespräch« mit einem Wellensittich.

Gespräch mit Katze

»Du könntest Lilly zum Beispiel sagen, dass es dich nervt, dass sie dich immer so früh weckt«, schlägt Iljana vor. Gesagt, getan. Mit ernster Stimme übermittelt Sandra der mittlerweile durch »Bestechungsleckerlis« munter gemachten Lilly, wie furchtbar das frühe Wecken für Frauchen ist, und bittet sie, ihr ein wenig mehr Schlaf zu gönnen. Lilly übermittelt Iljana daraufhin, dass sie das nur mache, weil sie eben schon morgens früh Hunger habe, und außerdem sei Sandra so süß zu wecken. »Stupst Lilly dich mit der Pfote an die Nase?«, fragt Iljana. Als Sandra verneint, erklärt die Tierkommunikatorin, es passiere durchaus, dass während der rd. einstündigen Sitzung persönliche Übertragungen auftreten könnten. Dies kläre sich aber in der Regel schnell auf. »Ich hatte zum Beispiel eine Katze, die mich so geweckt hat, daher hatte ich eben dieses Bild. Aber ich merke schnell, wenn sich Übertragungen einschleichen, das fühlt sich dann anders an.«

Die Überprüfung des Wahrheitsgehalts der empfangenen Nachrichten ist für Iljana Teil der Tierkommunikation. »In meinen Seminaren fragen die Teilnehmer spätestens nach einer halben Stunde, wie sie zwischen Übertragungen und der tatsächlichen Botschaft des Tieres unterscheiden können. Das ist ganz einfach, antworte ich dann: Üben, üben, und nochmals üben! Den Besitzer fragen, das Tier fragen, und schließlich ein inneres Gefühl dafür entwickeln, wie sich Botschaften des Tieres und eigene Übertragungen anfühlen. Das lernt man mit der Zeit«, meint Iljana.

Im Fall von Lilly und Sandra beginnt die frühmorgendliche Weckzeremonie mit »Milchtritten« in Sandras Haaren. Während Lilly dies, laut Iljana, lustig und süß findet, ist Sandra genervt davon. Und obwohl Lilly nicht »zusagt«, mit dem Weckdienst zukünftig zu warten, meint Iljana, Lilly hätte verstanden.

Kommunikation mit einem Esel.

»Mmmh...«

Lautos fragt Iljana dann, warum Lilly denn eigentlich immer so viel frisst und warum es immer zu bestimmten Zeiten sein muss? Gespannt blicken Sandra und ich zu Lilly, dann zu Iljana. Während die Katze weiterhin faul auf der Couch liegt und scheinbar keine Mine verzieht, erlebt Iljana offensichtlich ihre heftigen Gefühlsregungen: »Es schmeckt so gut, mmmh...« Iljana läuft im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser aus dem Mund, so stark sind anscheinend die Sinneseindrücke, die ihr Lilly schickt. Wir sind erstaunt. »Ich bekomme Bilder von einer dunkelroten Masse, das liebt sie, und dann ist da noch so etwas Gelbes, Wabberiges, es könnte Pansen oder Fleck sein. Gibst du ihr so etwas?«, fragt Iljana.

Lieblingsgericht

Die dunkelrote Masse identifiziert Sandra als Hackfleisch: »Das ist Lillys Lieblingsgericht. Ich koche ihr das ab und zu.« Dagegen habe sie Lilly weder Pansen noch Fleck jemals angeboten. Aber da Lilly vorher schon im Tierheim und bei anderen Leuten war, könnte es sein, dass sie dort so verköstigt wurde. Bezüglich des Übergewichts erklärt die Tierkommunikatorin: »Lilly schickt mir ein wohliges Körpergefühl. Sie ist gern so dick und fühlt sich sehr wohl, sie will gar nicht abnehmen. Sie isst einfach gern.« - »Genau das denke ich mir eigentlich auch«, bestätigt Sandra, »nur das glaubt mir immer keiner.« Des weiteren erfahren wir, dass zwischen Sandra und Lilly anscheinend ein Missverständnis herrscht. Denn die Katzendame meint, sie richte sich bei den strikten Essenszeiten nur nach ihrem Frauchen. Völlig unverständlich für Sandra: »Ich esse zwar schon regelmäßig, aber nicht immer zur gleichen Zeit«. Verwunderung macht sich breit. »Tiere und Menschen haben eben oft ein unterschiedliches Zeitempfinden«, erklärt Iljana, »da passiert es, dass es zu Missverständnissen kommt.«

Um weitere Fehlinterpretationen auszuschließen und um Lilly besser zu verstehen, möchte Sandra nun etwas aus der Zeit im Tierheim erfahren. Sie glaubt, Lilly habe dort schlechte Erfahrungen gemacht. Iljana dolmetscht, dass die Zeit im Heim für Lilly nicht besonders schlimm gewesen sei. Einzig das Futter sei nicht so gut gewesen, viel habe es aber leider auch nicht gegeben. Aber eine nette Pflegerin sei dagewesen, die klein und rundlich, mit Blaumann und Baseball-Cap bekleidet gewesen sei. Fassungsloses Staunen bei Sandra. »Ja, das ist richtig, ich erinnere mich, da war eine Pflegerin, die so aussah und die war auch nett!« Auch die Zeit, die Lilly im Heim verbringen musste, stimmt mit den Auskünften Iljanas überein. Sandra ist sichtlich beruhigt, und glaubt nun, dass es ihrem Liebling gar nicht so schlecht ergangen ist. Nach einer guten Stunde sind alle Fragen geklärt. »Zukünftig«, so Sandra, »werde ich Lilly nun nicht mehr mit Diätversuchen quälen. Solange sie glücklich und gesund ist, ist es ja okay, ein bisschen dicker zu sein.«

Frauchen ist mit ihrer Dolmetscherin zufrieden. Katze Lilly scheint auch froh, endlich in Ruhe gelassen zu werden, und rollt sich genüsslich in Schlafposition. Zumindest auf menschlicher Seite ist also das Verständnis für den tierischen Freund gewachsen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob sich auch im tierischen Verhalten Veränderungen zeigen.

Erste Ergebnisse

Knapp eine Woche nach Iljanas Besuch berichtet mir Sandra sichtlich beeindruckt, wie Lilly sie seit einigen Tagen länger schlafen lässt: »Zwar nicht viel länger, aber eine gute halbe Stunde ist es schon, das finde ich sehr auffällig, das hat sie noch nie gemacht. Es könnte natürlich auch daran liegen, dass es wieder Herbst wird, und Lilly länger schläft, weil die Tage kürzer werden. Das wäre noch die einzig >natürliche< Erklärung für Lillys Wandlung.« Wirklich überzeugt von der »Herbsttheorie« scheint die glückliche Katzenhalterin allerdings nicht zu sein. Pansen oder Fleck möchte sie Lilly auch noch geben. »Das interessiert mich wirklich, ob Lilly so was mag. Ich kann’s mir zwar nicht vorstellen, aber wer weiß«, Sandra zuckt lachend die Schultern. Ob sie Iljana rufen würde, wenn es ein ernsthaftes Problem mit Lilly gäbe? »Ja klar, die 30,- Euro pro Sitzung sind schon gut investiert. Auch wenn ich nicht alles nachvollziehen kann, bin ich doch sehr angetan von den Übereinstimmungen, und Schaden tut es ja auf keinen Fall.«



Fotos: Archiv Iljana Planke